2009

Anerkennung für Aufbauarbeit

Rolf Spriessler-Brander

Mit Ernst Dänzer wurde erstmals ein Funktionär mit dem Riehener Sportpreis der Gemeinde Riehen ausgezeichnet. Geehrt wurde auch ein in vielerlei Hinsicht junger Verein: der Unihockey-Club Riehen.

Sport ist zu einem grossen Teil Vereinssport. Damit der Vereinssport funktioniert, braucht es Funktionäre, also Männer und Frauen, die sich in einem Verein auf organisatorischer Ebene einsetzen. Sie sorgen dafür, dass die Mitglieder optimale Trainings- und Wettkampfbedingungen vorfinden und dass sp örtliche Veranstaltungen überhaupt stattfinden können.

Mit Ernst Dänzer wurde im Mai 2009 erstmals ein Funktionär mit dem Riehener Sportpreis ausgezeichnet. Am 10. Mai 1945 geboren, wurde er in der Jugendriege des TV Riehen gross und war zunächst Mittelstreckler. In der ewigen Bestenliste des Vereins, die er seit vielen Jahren selber nachführt, ist Ernst Dänzer über 600, 800 und 1500 Meter immer noch unter den besten Zwanzig aufgeführt. Das ist bemerkenswert, wenn man die Entwicklung der Leichtathletik in den letzten Jahrzehnten betrachtet. Wurde früher auf Aschenbahnen gelaufen, so sind es heute moderne Kunststoffbeläge. Es gibt mittlerweile hoch spezialisierte Schuhe und neue Trainingsmethoden, die die Sportart revolutioniert haben.

Diese ganze Entwicklung der Leichtathletik hat Ernst Dänzer als Trainer mitgemacht. Mit Patrick Wamister und Vito Anselmetti baute Ernst Dänzer zwei Sprinter auf, die es bis in die Schweizer Nationalmannschaft schafften. Patrick Wamister hatte in den Jahren 1978 und 1979 sieben Länderkampfeinsätze und startete an zwei Universiaden, Vito Anselmetti kam in den Jahren 1980 bis 1987 zu 32 Länderkampfeinsätzen. Als Kurvenläufer war Vito Anselmetti während Jahren ein sicherer Wert in der Schweizer 4x100Meter-Staffel. Elke Ratzkowski wurde unter Ernst Dänzer Nachwuchs-Schweizer-Meisterin und war während Jahren die beste Mittelstrecklerin der Region.
 
Doch Ernst Dänzer kümmerte sich nicht nur um die grossen Talente. Er setzte die Leistung immer in Relation zu dem, was ein Athlet und eine Athletin realistischerweise erreichen konnte. Ernst Dänzer interessierte sich für all diejenigen, die bereit waren, an sich zu arbeiten, die regelmässig und seriös trainierten und ihre Ziele vielleicht auch auf niedrigerem Niveau erreichten. Mit persönlichen Bestleistungen, die nicht für nationale Spitzenplätze reichten. So konnte er sich über gute Athleten ärgern, wenn sie ihr Potenzial nicht ausschöpften, gerade weil sie nicht so trainierten, wie sie das hätten tun können. «Luushirni», sagte er zu ihnen. Solche, die es auch im richtigen Leben zu nichts bringen würden, weil sie nicht bereit waren, an sich zu arbeiten.

Das Training bei Ernst Dänzer war immer körperlich anspruchsvoll. Denn ein Körper muss bereit sein für eine Leistung. Dabei setzte er oft auf Altbewährtes, in diesem Sinn kann man Ernst Dänzer als konservativen Trainer bezeichnen. Und doch war er bereit, sich auf Neues ein zulassen, wenn er überzeugt war, dass es etwas brachte. Ernst Dänzer ist auch ein Perfektionist, der mit unglaublicher Akribie arbeitet. Für alle seine Schützlinge arbeitete er individuell angepasste Trainingspläne aus, definierte für verschiedene Leistungsgruppen verschiedene Zielzeiten und Anforderungsprofile. Während vieler Jahre war er nicht nur der Trainingsleiter für zahlreiche Athletinnen und Athleten, er war als Oberturner und später als Technischer Leiter der Hauptverantwortliche für den gesamten Trainingsbetrieb im Turnverein Riehen. Viele Jahre engagierte er sich als Leiter in der Jugendriege, wo Kinder und Jugendliche auf spielerische Art langsam an die «echte» Leichtathletik herangeführt werden. Auf Ende Saison 2008 trat Ernst Dänzer nach einem halben Jahrhundert als Trainer zurück und wurde an der Generalversammlung des TV Riehen im Februar 2009 mit einem grosszügigen Geschenk feierlich verabschiedet.

Neben seiner Hauptfunktion als Trainer wirkte Ernst Dänzer bei der Organisation unzähliger Anlässe federführend mit, vom gewöhnlichen Leichtathletikmeeting bis zu mehreren Nachwuchs-Schweizer-Meisterschaften, vom Faustballtreffen bis zu Schwingfesten, die auf der Grendelmatte stattfanden. Ernst Dänzer ist nicht nur eine der wichtigsten Personen in der Geschichte und Entwicklung des Turnvereins Riehen als erfolgreicher Leichtathletikverein, sondern auch eine wichtige Persönlichkeit für den Riehener Sport ganz allgemein. Er setzte sich in kantonalen und nationalen Verbänden für seinen Verein ein, ist als Mitglied der SportToto-Kommission Basel-Stadt mitverantwortlich bei der Verteilung der Lotteriegelder im Kanton, er war viele Jahre Sekretär der «IG Riehener Sportvereine», dem Dachverband aller Riehener Sportvereine, er setzte sich für die Einführung eines Riehener Sportpreises ein und war während zehn Jahren Jurymitglied, einige Jahre als Präsident.

Er setzte sich auch als Politiker für den Sport ein und vertrat die FDP zwischen 1979 und 1995 im Riehener Einwohnerrat. Er engagierte sich in verschiedenen Kommissionen und gehört bis heute der Sportkommission an, die den Gemeinderat in sportlichen Belangen berät.

Der Unihockey-Club Riehen ist ein Verein, in welchem sich von Anfang an Jugendliche ausserordentlich engagiert haben. Am 24. März 1991 trafen sich 19 junge Leute in einem Keller. Die meisten von ihnen waren im Teenageralter, einer war als Sportlehrer tätig. Durch den Sportunterricht an der Schule waren die meisten auf die damals in unseren Breitengraden noch weitgehend unbekannte Sportart aufmerksam geworden. Thomas Baier wurde zum ersten Vereinspräsidenten erkoren - kein Wunder, denn im Keller seiner Eltern fand die Gründungsversammlung statt. Zum Vizepräsidenten gewählt wurde Zubin Dastoor, zum Sportchef der Sportlehrer Thomas Strickler, Aktuarin wurde Sikkina Chaudri und Finanzchefin Catherine Meerwein.

Der UHC Riehen gehörte noch fast zur Pioniergeneration der Schweizer Unihockeyvereine. Das organisierte Unihockey, so wie es heute verstanden wird, ist eine sehr junge Sportart. Der erste moderne Landesverband, derjenige von Schweden, wurde im Jahr 1981 gegründet. Der Unihockey Weltverband «International Floorball Association» wurde 1986 von den Landesverbänden Schwedens, Finnlands und der Schweiz ins Leben gerufen. In der Schweiz hatte ab 1973 der Berner Turn- und Sportlehrer Rolf Wiedmer für seinen Turnunterricht eine ans Eishockey angelehnte Hallenhockeyspielart entwickelt; er organisierte Schulhausturniere und später ein grosses nationales Turnier, aus dem ein erster Verband («Unihockey Fédération Suisse») und in der Saison 1982/83 eine erste Meisterschaft entstand. Der heutige Schweizerische Unihockeyverband wurde am 20. April 1985 gegründet und 1985 wurde die erste Schweizer Meisterschaft ausgetragen, erster Meister war der UHT Zäziwil.

Im Gründungsjahr des UHC Riehen war der Schweizerische Unihockeyverband also erst sechs Jahre alt. Umso mutiger war die Riehener Vereinsgründung damals, zumal sie nicht als Gründung einer Sektion eines bestehenden Vereins erfolgte, sondern als eigenständiger Verein, der seine Strukturen selber aufbauen musste.

Der Unihockeysport hat sich seither in einem ganz erstaunlichen Tempo entwickelt. Der Weltverband IFF zählte im Jahr 2008 ungefähr 270 000 lizenzierte Spielerinnen und Spieler, verteilt auf 3860 Vereine aus 46 Nationen und auf fünf Kontinenten. Die Weltmeisterschaften werden mittlerweile in einer A- und einer B-Gruppe ausgetragen, Ende 2008 wurde Unihockey vom Internationalen Olympischen Komitee provisorisch als Sportart aufgenommen - was bedeutet, dass die Sportart ins Programm der Olympischen Sommerspiele integriert werden könnte, was erklärtes Ziel des Unihockey-Weltverbandes ist.

Zurück zum Gründungsjahr des UHC Riehen. Das erste Meisterschaftsspiel der Vereinsgeschichte war ein Flop. Das Männerteam verlor zum Auftakt der Drittligasaison 1991/92 gegen Sparta/Gym Muttenz mit 0:10. In der Rückrunde revanchierten sich die Riehener für dieses «Stängeli» mit einem Sieg und holten noch weitere sechs Punkte. Damit vermieden sie knapp, dass sie Ende Saison in die neu gegründete 4. Liga relegiert worden wären. Die Frauen starteten etwas besser. Gegen Aarwangen gelang ihnen in ihrem ersten Spiel immerhin ein Unentschieden. Ausser zwei Siegen gegen den UHC Muttenz war dies aber das einzige Erfolgserlebnis.

In den ersten Jahren seiner Existenz führte der UHC Riehen ein Vagabundenleben. Der Verein verfügte über keine feste Heimhalle und gastierte unter anderem in der Dorfhalle Bettingen. Ein historisches Datum war deshalb für den Verein der 29. März 1996. An diesem Tag wurde die Sporthalle Niederholz eingeweiht und diese Dreifachturnhalle ist seither die Heimat des UHC Riehen.

Der Verein wuchs stetig. In der dritten Saison kam eine zweite Männermannschaft hinzu, in der fünften Saison das erste Juniorenteam. Spielerinnen im Juniorinnenalter waren schon länger dabei, sie spielten aber in den Anfangsjahren ausschliesslich bei den Frauen mit. Ein eigenes Juniorinnenteam nahm erst in der Saison 2001/2002 an der Meisterschaft teil. Ein grosser Schritt war davor bereits erfolgt. In der Saison 1999/2000 konnte der UHC Riehen nämlich erstmals mit einem Männerteam an der Grossfeldmeisterschaft teilnehmen. Bis dorthin hatten alle UHCR-Teams Kleinfeld gespielt. Ein Kleinfeld hat in einer normalen Turnhalle Platz und es stehen pro Team gleichzeitig drei Feldspieler und ein Torhüter auf dem Feld, das von Banden eingefasst wird. Für ein Grossfeld braucht es eine Dreifachturnhalle und pro Team stehen fünf Feldspieler und ein Torhüter gleichzeitig auf dem Feld.

Der UHC Riehen entwickelte sich weiter. In der Saison 2004/2005 meldete der Verein erstmals zehn Teams zur Meisterschaft, seit der Saison 2008/2009 sind es sogar elf - inklusive den neu eingeführten E-Junioren, wo Mädchen und Knaben noch in gemischten Teams spielen. Schon wäh rend mehrerer Saisons war der UHC Riehen sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen in der höchsten KleinfeldSpielklasse der Schweiz dabei. Im Jahr 2008 schafften die Frauen in eigener Halle in Riehen wieder den Aufstieg in die 1. Kleinfeld-Liga, behaupteten ihren Platz in der höheren Spielklasse und dürfen nun die Saison 2009/2010 in der höchsten Kleinfeld-Liga mittun.

Speziell die Männer durften in Schweizer Cups schon einige feine Erfolge feiern. Wiederholt schafften sie den Sprung in die Sechzehntelfmals und traten verschiedentlich gegen Nationalliga-A-Teams an, so im September 2000 gegen Floorball Köniz (1:8) und im September 2001 gegen Basel Magic (2:8). Im Herbst 2008 erreichten die Männer im Kleinfeld-Schweizer-Cup sogar die Achtelfmals. In den Juniorenund Juniorinnenkategorien gab es einige Topplatzierungen in der regionalen Meisterschaft und einige Teams qualifizierten sich für das jeweilige Finalturnier um die Regionalmeistertitel Zentral- oder Ostschweiz. Im Jahr 2007 wurden die C-Junioren Vizemeister.

Was beim UHC Riehen besonders beeindruckt, ist nicht in erster Linie der sportliche Erfolg, sondern das gesamte Sozialleben. Man besuchte auswärtige Turniere, organisierte zahllose Trainingslager und Trainingsweekends, stellte selber Turniere auf die Beine und tat alles, um sämtlichen Mitgliedern, egal welcher Spielstärke, die Möglichkeit zu geben, dem Unihockey zu frönen. Mit Florian Schmid, der den UHC Riehen von 1999 bis 2006 präsidierte, verfügt der UHC Riehen sogar über einen WM-erprobten Nationalspieler.

Die übergabefeier des Sportpreises der Gemeinde Riehen für das Jahr 2008 fand am Montag, 18. Mai 2009, im Lüschersaal im Haus der Vereine statt.


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