2008

Grünplanung in Riehen

Ivo Berweger

Im Jahr 2000 hat der Gemeinderat das Leitbild für das «Grosse Grüne Dorf» beschlossen. Grünräume und Grünanlagen sind für die Attraktivität Riehens von grosser Bedeutung, deshalb geniesst das Grün in der Planung der Gemeinde einen hohen Stellenwert.

Seit Bestehen des Leitbilds wird in Mitwirkungsverfahren zu Planungen verschiedentlich argumentiert, mit dieser oder jener geplanten baulichen Veränderung würde das Grosse Grüne Dorf verloren gehen. Für was steht die Bezeichnung «das Grosse Grüne Dorf», welche bauliche Entwicklung wird im Leitbild angestrebt und wie wird in der Planung auf die Beibehaltung des grünen Charakters geachtct?

Das Grosse Grüne Dorf Riehen war bis ins 20. Jahrhundert ein Bauerndorf. Die Siedlung war lange auf das heutige, rund 25 Hektaren umfassende Dorfzentrum begrenzt und von weitreichenden grünen Obstwiesen und Wäldern umgeben. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist Riehen wegen der Nähe zur Stadt vom Dorf rasch zu einem grossen Wohnort mit über 20000 Einwohnern angewachsen. Dabei wurde die Bauzonenfläche auf rund 430 Hektaren erweitert. Der Riehener Landschaftsraum umfasst heute noch rund 660 Hektaren. Mit über 20000 Einwohnern hat sich das ehemalige Dorf zur zweitgrössten Gemeinde der Nordwestschweiz gewandelt, Riehen ist deutlich grösser als beispielsweise Aarau, Solothurn oder ölten.

Das Grosse Grüne Dorf Das heutige Siedlungsgebiet von Riehen ist stark durchgrünt. Das zeigen Luftbilder eindrücklich. Der grüne Eindruck wird durch unzählige markante Bäume und Grünflächen geprägt, welche einen grünen Kontrast zur Bebauung bilden. Zudem ist der Anteil an überbauter Fläche im Verhältnis zur Grünfläche pro Parzelle relativ niedrig. Die bauliche Dichte ist in Riehen deutlich geringer als in der Stadt: Auf einer Hektare Bauzone leben hier durchschnittlich 68 Personen, im Stadtquartier Hirzbrunnen sind es 135 Personen und im Stadtquartier Matthäus sogar 391 Personen.1

Der «grüne» Eindruck von Riehen wird auch durch die siedlungsnahen intakten Landschaften geprägt. Die Wieseebene im Westen und die Ausläufer des Dinkelbergs im Osten sind gut mit dem Siedlungsgebiet verzahnt und erlauben an vielen Orten Ausblicke ins Grüne.

Das Grosse Grüne Dorf Riehen ist mit über 20 000 Einwohnern natürlich längst kein Dorf mehr, trotzdem wird die Ortschaft nach wie vor als Dorf bezeichnet. Im Zentrum sind noch einzelne dörfliche Attribute vorhanden: Die Dorfkirche steht an prominenter Stelle, die Struktur des alten Strassendorfes ist noch spürbar, mittendrin hat es noch einen aktiven Bauernbetrieb.

Riehen will vor allem keine anonyme, gesichtslose Vorstadt sein, und das ist es auch nicht. Das ehemalige Dorf ist in den letzten Jahrzehnten zu einem attraktiven, stadtnahen Wohnort mit einer hohen Lebensqualität geworden. Riehen wird als Wohn- und Lebensort sehr geschätzt. Das bestätigen Bevölkerungsbefragungen. Es wird vor allem die ruhige und ländliche Lage geschätzt. Auch die naturnahe Umgebung sowie die geografische Lage werden als Stärke genannt. Von der hohen Wohnqualität zeugen verschiedene in der Schweiz in den letzten Jahren durchgeführte Rankings, in denen Riehen Spitzenplätze belegt. Das Grün in und um die Siedlung spielt in diesen positiven Bewertungen jeweils eine entscheidende Rolle.

- Die Wohngebiete sollen im Sinne des haushälterischen Umgangs mit dem Boden punktuell baulich verdichtet werden, ohne dass die Wohnqualität und der grüne Charakter wesentlich beeinträchtigt werden. Bestehende landschaftliche Qualitäten - wie zum Beispiel schöne, markante Bäume - werden soweit wie möglich in die Planung einbezogen.

- Die wertvollen Landschaftsgebiete am Ausläufer des Dinkclbcrgs und in der Wieseebene sollen als Naherholungsgebiete erhalten und weitgehend von zusätzlichen Bebauungen verschont bleiben.

Wie das Leitbild in den Planungen konkret umgesetzt wird und welche Rolle dabei das Grün spielt, wird beispielhaft an folgenden drei Beispielen erläutert: Das räumliche Leitbild Attraktiveres Dorfzentrum Riehen soll als Wohn- und Lebensort weiter gestärkt werden. Im Leitbild und im kommunalen Richtplan ist aufgezeigt, welche räumlichen Qualitäten gewahrt werden sollen und wo welche Optimierungen angestrebt werden: - Zentrale Lagen sollen durch zusätzliche Nutzungen attraktiver werden. Im Vordergrund steht eine Vergrösserung des Dienstleistungsangebots, es soll aber auch mehr Im heutigen Dorfzentrum wird eingekauft und es finden kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen statt. Das Dorfzentrum ist mit seinen historischen Gegebenheiten auch für die Identifikation der Bevölkerung mit dem Wohnort Riehen von Bedeutung. Nebst den historischen Bauten zeichnet sich das Dorfzentrum durch vergleichsweise viele schöne und grosszügige Grünanlagen aus.

Von der Bevölkerung wird oftmals ein zu geringes Einkaufsangebot beklagt, zudem sei das Einkaufen unattraktiv, die Fussgängerzone sei zu klein. Ebenso wird ein breiteres Angebot an kulturellen und gesellschaftlichen Anlässen gewünscht. Für diese Bedürfnisse sollen im Dorfzentrum die räumlichen Voraussetzungen verbessert werden. Einerseits werden fussgängerfreundlichere Aussenräume angestrebt, welche geeigneten Platz für kulturelle und gesellschaftliche Anlässe bieten. Andererseits soll das Zentrum durch gezielte bauliche Ergänzungen kompakter werden und zusätzlichen Raum für Dienstleistungsangebote, aber auch für zusätzliche Wohnungen bieten. Baulich verdichtet werden sollen insbesondere in der Bauzone liegende Areale rund um die S-Bahn-Haltestelle. Im Weiteren soll der nördliche Dorfzentrumsabschluss südlich des historischen Sarasinparks akzentuiert werden.

Neben der baulichen Verdichtung der Bauzone sollen die wunderschönen und grosszügigen Grünanlagen in ihrer historischen Bedeutung erhalten bleiben. Ihre positive Ausstrahlung auf das ganze Zentrum darf nicht geschmälert werden.

Ausläufer des Dinkelbergs weitgehend erhalten Die noch unüberbauten Ausläufer des Dinkelbergs weisen eine sehr hohe landschaftliche Qualität aus. Sie sind geprägt durch die landwirtschaftliche Nutzung. Die zahlreichen Wege durch Wiesen und äcker dienen ferner der Naherholung und tragen damit zur Wohnqualität der angrenzenden Siedlungsgebiete bei.

Diese schönen Landschaften sollen soweit wie möglich unüberbaut bleiben. In diesem Sinne ist die Gemeinde bestrebt, die noch unüberbauten Bauzonengebiete im Mittelfeld und an der Langoldshalde deutlich zu reduzieren. Es sollen insbesondere jene Teile der Landschaft vor einer Erschliessung und Bebauung verschont werden, welche für die Qualität des gesamten Landschaftsraums wichtig sind.

Hingegen ist für jene Randbereiche eine Bebauung zu prüfen, welche für den Charakter des Landschaftsraums wenig wichtig sind und welche sich gut an das bestehende Siedlungsgebiet fügen.

nur verbrauchsarme Gebäude vorzuschreiben und eine gute Erschliessung für die umweltfreundlichen Verkehrsmittel sicherzustellen, sondern es müssen grosszügige und attraktive Grünräume innerhalb des Gebiets vorgesehen werden, damit sich die zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner im Quartier wohl fühlen und sich vor Ort erholen können.

Ein städtebaulicher Wettbewerb soll aufzeigen, wie im Stettenfeld die zukünftige Bebauung und die Grün- und Freiräume am besten angeordnet werden und wie das Gebiet auf geeignete Weise erschlossen werden kann. Das Wettbewerbsresultat bildet dann die Basis, um in weiteren Planungsschritten die genauere Gestaltung der Bebauung und der Grünräume festzulegen.

Der grüne Charakter Riehens bleibt Vorbildliches Quartier im Stettenfeld mit viel Grün Im Stettenfeld an der Grenze zur Stadt Lörrach wird ein vorbildliches Quartier mit Wohnungen, Freizeiteinrichtungen und allenfalls Arbeitsplätzen angestrebt. Im Gegensatz zu den landschaftlich schönen Ausläufern des Dinkelbergs ist das Stettenfeld keine weitgehend unbebaute, intakte Landschaft mehr, es sind schon zahlreiche Bauten und Anlagen vorhanden.

Mit der im Leitbild formulierten Strategie der massvollen baulichen Verdichtung wird sich der grüne Charakter des Siedlungsgebiets nicht wesentlich ändern, weil auch bei neuen Bebauungen eine im Vergleich zu städtischen Quartieren niedrige bauliche Dichte und qualitativ gute Grün- und Freiräume angestrebt werden. Bei jeder Bebauungsplanung wird zudem besonders darauf geachtet, dass die auf einem Areal vorhandenen landschaftlichen Qualitäten soweit wie möglich in eine Bebauung integriert werden können.

1 Quartiere und Gemeinden; Statistisches Amt des Kantons Basel-Stadt


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