2007

Musikschule auf der Strasse

Anna Brugnoni

Hunderte von Musikschülern aus Basel und Riehen machten die ganze Stadt zur Bühne.

Die Allgemeine Musikschule der Musik-Akademie mit der Musikschule Riehen befindet sich in einem stetigen Wandel. Sie muss sich den sich ändernden Bedürfnissen und den gesamtkulturellen Entwicklungen anpassen. Sie erachtet dies als selbstverständliche Aufgabe und Herausforderung.

180 Lehrerinnen und Lehrer unterrichten in Basel und Riehen fast 3000 Kinder und Jugendliche im Instrumental-, Gesangs- und Ensembleunterricht. Eine grosse Schar dieser Schülerinnen und Schüler spielt ausserdem in einem der grossen Orchester wie Jugendorchester, Symphonie Orchester, Blasorchester Windspiel, Big Band, Flautastico und den diversen hinführenden Vororchestern oder singt in einem der neun Kinder- und Jugendchöre.

In diesem Sinne ist die Musikschule immer in Bewegung und wird es weiterhin bleiben. Wie die Musikgeschichte uns lehrt, gibt es keinen Stillstand in der stilistischen, emotionalen und technischen Entwicklung von Musik. So können wir auch in Zukunft damit rechnen, dass die Musik - und damit das Unterrichten von Musik - in ständiger Bewegung bleibt und sich weiterentwickeln wird. Gefühlsmässig und im alltäglichen Tun befindet sich der Musiker und der Instrumentallehrer in einer ständigen Aufbruchsphase, immer auf der Suche nach dem Neuen, immer wieder im Erschaffen der Musik begriffen, durch ständiges üben und der beständigen Beschäftigung mit der Musik und dem Instrument.

Vielfalt der öffentlichkeit zeigen In ständiger Auseinandersetzung mit den musikalischen Entwicklungen unserer Zeit und in regelmässigen Weiterbildungen versuchen unsere Lehrkräfte, Tradition und Gegenwart gleichermassen in den Unterricht einzubeziehen. Durch die im Jahre 2008 bevorstehende Integration der Allgemeinen Abteilung der Jazzschule Basel in die Musikschule wird das bestehende Fächerangebot durch die spezifische Sparte Jazz erweitert und der Reichtum der angebotenen Musikstile und musikalischen Strömungen wird damit nochmals vergrössert.

Was also war nahe liegender als die Idee, einmal der Bevölkerung unserer Region die immense Vielfalt der musikalischen Betätigungen unserer Kinder und Jugendlichen zu zeigen? Wir wünschten uns, dass diese enorme Vielfalt sowie die Grösse unserer Musikschulen auch von der Bevölkerung wahrgenommen wird, und es war unser zentrales Anliegen, dass unser Motto «Musikschule in Bewegung» ebenso in seiner übergeordneten Bedeutung zur Geltung kam.

In festlichem, traditionellem Rahmen eröffneten wir den Anlass am Freitagabend, 15. Juni 2007, mit einem grossen Konzert im Stadt-Casino: Die drei grossen Formationen, Symphonie-Orchester, Blasorchester und Chöre, musizierten im vollen Saal vor einem begeisterten Publikum.

Am Samstagnachmittag wollten wir einen äusseren Rahmen schaffen, in dem die einzelnen musizierenden Gruppen tatsächlich in Bewegung sein konnten. Mehr als tausend Schülerinnen und Schüler mit neunzig Lehrkräften der Allgemeinen Musikschule, der Musikschule Riehen und der Allgemeinen Schule der Schola Cantorum Basiliensis beteiligten sich am 16. Juni 2007 an den Aktivitäten in der Innerstadt von Basel. An 24 verschiedenen Plätzen im Gross- und Kleinbasel musizierten zwischen 13.30 und 17 Uhr die verschiedensten Gruppen mit Musik von so genannter Klassik (Mittelalter bis 21. Jahrhundert) über Pop/ Rock/Jazz/Volksmusik bis zu improvisierter Musik, Musiktheater und Singspielen.

Die etwa vierzig Gruppen bewegten sich nach einem Zeitplan von einem Ort zum anderen und spielten auf diese Art ihr kurzes Programm mehrmals. Dazu kamen sehr individuelle und spezielle Fortbewegungsmittel und -arten, wie zum Beispiel die Schlagzeuggruppe auf dem Lastwagen, die Saxofonisten im Badwännli-Tram, die Mittelalter- und Renaissancespezialisten und die Balinesischen Stelzentänzer mit ihrer Gamelan-Begleitung in einem Umzug durch die Stadt. Einige Gruppen hatten sich Spiele ausgedacht, die das Publikum einbezogen und dieses in Bewegung brachten.

Doch der vielleicht schönste und überwältigendste Augenblick des Nachmittags war der Klangteppich am Sparnberg. Fast vierhundert Schülerinnen und Schüler der Streicherklassen hatten sich auf dem Spalenberg von oben bis unten aufgestellt, um ein gemeinsames Lied zu spielen. Der ganze Spalenberg war für zehn Minuten zum Konzertpodium geworden! Der unbeständige Wettergott liess kurz vor dem gemeinsamen Start noch ein paar drohende Regentropfen fallen, doch im entscheidenden Augenblick blitzte die Sonne durch die Wolken und alle Gesichter erstrahlten beim Klang des gemeinsam in Bewegung gesetzten Liedes. Die von den Schülerinnen und Schülern getragenen Startnummernleibchen hatten wir bewusst ausgewählt als Symbol für die Bewegung und natürlich als Wiedererkennungsmerkmal an diesem Nachmittag. Wer gemütlich durch die Innerstadt spazierte, konnte an jedem Platz, an jeder Ecke musizierende Gruppen unserer Musikschulen sehen und hören und stellte staunend fest, wie viele Schülerinnen und Schüler die Musikschule hat.

Am Abend waren alle Mitwirkenden, ihre Angehörigen und natürlich die Bevölkerung in die Musik - Akademie eingeladen, ein grosses Fest zu feiern. Für einmal bat die Musikschule andere kulturelle Gruppen zu Gast in die eigenen Räume für ein spannendes und packendes musikalisches Programm mit vierzehn Darbietungen aus afrikanischen, asiatischen, europäischen und lateinamerikanischen Kulturen. Begleitet wurde das Programm mit einem reichhaltigen kulinarischen Angebot mit Spezialitäten aus Indien, Indonesien, Mexiko, Brasilien und Portugal.

Menschen aus über 150 Nationen leben heute in der Region Basel. Viele von ihnen engagieren sich in musikalischen Gruppen aus ihrer Heimat, sie lehren und erlernen Instrumente aus ihrer angestammten Heimat und pflegen ihre musikalischen Traditionen auch in der Schweiz. Mit unserem Gastprogramm wollten wir einen kleinen Einblick geben und gewinnen, wie die musikalische Vielfalt in unserer Region entwickelt ist. Staunend nahmen wir die vielen kleinen musikschulähnlichen kulturellen Vereine wahr, die ihren Schülerinnen und Schülern eine musikalische Identität mitgeben und uns einen Einblick in die Musik anderer Kulturen gewährten, wie wir sie nicht lebendiger erhalten konnten.

Nach diesen einzigartigen Darbietungen stellt sich uns die Frage, wohin uns die Musikschule in Bewegung in den nächsten Jahrzehnten wohl führen mag. Werden wir irgendeinmal eine Musikschule der Kulturen sein, in der jede und jeder die Musik erlernen kann, die ihr und ihm am Herzen liegt? Oder sind wir das nicht schon längst?

Wer unsere Darbietungen am Fest «Musikschule in Bewegung» gesehen hat, wird nicht daran zweifeln, dass wir bereits ein grosses Stück auf diesem Weg gegangen sind und unsere Musikschulen mit grosser Offenheit und Neugierde weiter auf diesem Weg in Bewegung bleiben werden.

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