2006

Mit kleinen Aktionen die Wirtschaft fördern

Rolf Zenklusen

«Die Wirtschaftsförderung Riehen arbeitet darauf hin, dass Riehen auch in Zukunft ein lebendiges Gemeinwesen und ein anziehender Lebensort bleibt.» So steht es im Prospekt, der beim Start der Wirtschaftsförderung im November 2005 publiziert worden war.

Gegründet wurde die Wirtschaftsförderung von der Gemeinde Riehen in Zusammenarbeit mit dem Handels- und Gewerbeverein (HGR), der Vereinigung Riehener Dorfgeschäfte (VRD) sowie der Vereinigung Rauracher Zentrum. Neben den lokalen Wirtschaftsverbänden unterstützt auch die Gemeinde die neue Institution finanziell. Die Projektphase dauert bis Ende 2006.

Projektleiter Felix Werner ist sich bewusst, dass er keine Wunder bewirken kann. «Riesige Firmen würden wir kaum ansiedeln können», sagt er. «Das wäre auch sicher nicht das richtige Rezept für Riehen. Deshalb verwenden wir unsere Energie vor allem darauf, die Rahmenbedingungen zu verbessern für die Unternehmen, die bereits bei uns sind.» Angesichts des bescheidenen Jahresbudgets von 20 000 Franken beschränkt sich die Wirtschaftsförderung auf kleinere Aktionen.

So wurde beispielsweise parallel zum kulturellen Anlass «Singeasy» ein «Uusestuehle» organisiert. Der Aktionstag vom 24. Juni 2006 stiess auf reges Interesse: Insgesamt 53 Firmen und Vereine haben - teils mit gemeinsamen Ständen - ihre Dienstleistungen und Produkte auf dem Gemeindehausplatz und im Webergässchen präsentiert. Die Gemeinde unterstützte das «Uusestuehle» mit einem Gebührenerlass.

Mit kleinen Aktionen die Wirtschaft fördern Im November 2005 haben die Gemeinde und die lokalen Wirtsehaftsverbände die Wirtsehaftsförderung Riehen aus der Taufe gehoben. Ein erstes erfolgreiches Projekt war das «Uusestuehle» im Juni 2006. Die Projektphase dauert bis Ende 2006.
 
Gute Noten für das «Uusestuehle»
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben der ersten Auflage der Aktion «Uusestuehle» gute Noten erteilt: Der Anlass und der Durchführungsort wurden in einer Umfrage mit der Note 5,3 bewertet, und den Veranstaltern wurde in allen Bereichen ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt. Die Teilnehmer wünschten sich jedoch, dass in den nächsten Ausgaben noch mehr Firmen und Vereine beim Anlass mitmachen. Zudem sollten künftig die Rössligasse und der Singeisenhof in den Aktionstag einbezogen werden, lautete ein oft geäusserter Wunsch. Einige Teilnehmer waren der Ansicht, der Anlass sollte früher im Jahr durchgeführt werden: Im Juni sei es zu heiss und es sei überall sonst viel los. Bewährt habe es sich jedoch, die Veranstaltung zusammen mit dem Kulturbüro Riehen zu organisieren, das für das zeitgleich stattfindende «Singeasy» verantwortlich ist, sagt Felix Werner: «Diese Kooperation soll in den kommenden Jahren weitergeführt werden.»

Päckliservice von 100 Kunden genutzt Als erste Aktivität hatte die Wirtsehaftsförderung Riehen im Dezember 2005 einen Hauslieferdienst auf die Beine gestellt. Ziel des erstmaligen Angebots: Wer in Riehen einkauft, sollte sich die Waren innerhalb der Gemeinde möglichst kostengünstig nach Hause liefern lassen können. Von Anfang Dezember bis zum Heiligabend 2005 stand im Webergässchen ein Zelt, wo man die Einkäufe für den Hauslieferdienst abgeben konnte. Eine ganz normale Hauslieferung kostete zwei Franken, die Lieferung eines in Geschenkpapier eingewickelten Päcklis wurde mit fünf Franken berechnet. Obwohl mehr als 100 Kundinnen und Kunden diesen Dienst in Anspruch genommen haben, glaubt Felix Werner nicht, «dass dies die allerdringlichste Aufgabe der Wirtsehaftsförderung ist».

Stark genutzter Onlineauftritt Der Internetauftritt der Wirtsehaftsförderung Riehen ist seit November 2005 aufgeschaltet und kommt modern daher. Neben einem Branchenverzeichnis mit zahlreichen Riehener Firmen beschreibt www.wirtschaftsfoerderung-riehen.ch die Aktivitäten und Ziele der Wirtsehaftsförderung und liefert aktuelle Informationen aus Wirtschaft und Gewerbe. Rund 500 Personen nutzen den Internetauftritt pro Monat, Tendenz steigend.

Die Wirtsehaftsförderung hat auch den Geschenktaler wieder zum Thema gemacht. Würden Sie es begrüssen, wenn die Gemeinde, Vereine und Institutionen wieder Geschenktaler als Präsente abgeben und damit für das Einkaufen in Riehen werben würden?, fragte die Wirtsehaftsförderung in einer Umfrage auf dem Internet. Da die Resonanz nicht so gross war, legte Felix Werner das Projekt vorerst auf Eis.

«Gemeinsam werben»
 Im Herbst 2006 startet die Wirtsehaftsförderung mit einer Reihe von interessanten Workshops: Im Hinblick auf das Weihnachtsgeschäft soll den Gewerbetreibenden vermittelt werden, wie sie gemeinsam Werbung machen können. Zudem klärt Werner ab, ob Interesse besteht, an der «RegioMesse» in Lörrach mitzumachen. Vielleicht käme ein gemeinsamer Riehener Stand in Frage.

Im Herbst 2006 erscheint zudem die erste Ausgabe der Riehener «Gwärb-Zytig». Darin sollen Betriebe die Möglichkeit erhalten, kostengünstig für ihre Angebote zu werben. Die «Gwärb-Zytig» wird an alle Riehener Haushaltungen verteilt und kann von den teilnehmenden Firmen an die Kundinnen und Kunden abgegeben werden.

Nach Ansicht des Projektleiters sollte sich die Wirtschaftsförderung Riehen auch für grundsätzliche Ziele einsetzen. Erstens müsse unbedingt der Dorfkern aufgewertet werden: «Es wäre positiv für das Gewerbe, eine Fussgängerzone und mehr Parkplätze einzurichten.» Bei der neuen S-Bahn-Station Niederholz sieht Werner grosse Chancen; dort sei ein attraktiver Standort für neue Läden. «Unter Einbezug des Rauracher Zentrums könnte das Gebiet zu einem noch vielseitigeren Einkaufszentrum werden.

Wirtschaftspotenzial auf dem Stettenfeld Grössere Entwicklungsmöglichkeiten für das Riehener Gewerbe gibt es zudem auf dem Stettenfeld. Es werden derzeit in verschiedenen Workshops Ideen zusammengetragen, wie das freie Areal künftig genutzt werden kann. Eine Mischung zwischen Wohn- und Gewerbenutzung steht an erster Stelle der Ideenliste. «Mir schwebt vor, in Riehen eine Art Innovationspark zu errichten», sagt Felix Werner. Toll fände er es, wenn die Wirtsehaftsförderung mithelfen könnte, 10-20 junge Firmen in zukunftsorientierten Branchen in der Gemeinde anzusiedeln. «Warum nicht auf dem Stettenfeld?», meint Werner.

Ziele der Wirtsehaftsförderung Riehen Die Wirtsehaftsförderung Riehen hat den Auftrag, im Einklang mit dem aktuellen Leitbild der Gemeinde sowie den entsprechenden Zielsetzungen der Verbände Aktivitäten zu initiieren und zu koordinieren, welche Riehen als Standort für Gewerbe- und Detailhandel sowie für deren Kundschaft attraktiver machen. Ansässige Unternehmen sollen bei der Planung und Umsetzung innovativer Aktivitäten unterstützt werden. Wo das Waren- und Dienstleistungsangebot Lücken aufweist, sollen aktiv Betriebe gesucht werden, welche diese schliessen. Ziel ist, dass die ansässige Bevölkerung und Tagesgäste von einem attraktiven Angebot profitieren können. Den politischen Behörden steht die Wirtsehaftsförderung Riehen beratend zur Seite.

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