2006

Gipfeltreffen der besonderen Art

Andreas Schuppli

«Riehen regional» die «Oberhäupter» aller an Riehen grenzenden Städte und Gemeinden zu einem gemeinsamen Ein- und Ausblick mit dem Riehener Gemeinderat zusammen.

Was noch unter der Federführung des verstorbenen Gemeindepräsidenten Michael Raith geplant worden war, hatte im Juli 2005 Premiere. Nun steht der Anlass bereits fest in der Jahresagenda der regionalen Politik. Welche Idee steckt hinter «Riehen regional»?

Kein weiterer Steh-Empfang mit Häppchen und Smalltalk, kein gediegenes Nachtessen mit Tischreden, keine Konferenz mit langer Traktandenliste: Nein, der Gemeinderat Riehen wollte für die sieben Nachbarn einen Anlass schaffen, der Gelegenheit bietet, sich abseits vom Tagesgeschäft möglichst anschaulich mit einem Zukunftsthema zu befassen, einem Thema, welches über Riehen hinaus - eben regional - von Interesse sein könnte. Die Gäste sollen vor Ort einen kurzen Einblick nehmen können in ein Projekt oder ein Vorhaben. Die gemeinsame Betrachtung, das gemeinsam Erlebte soll Ausgangspunkt sein für den Austausch von Meinungen und Ideen. In einfachem, ungezwungenem Rahmen soll der Anlass stattfinden, unter Verzicht auf Schlips und Protokoll; so wie dies unter guten Nachbarn halt möglich ist. Eingeladen sind jeweils der Regierungspräsident oder die Regierungspräsidentin des Kantons Basel-Stadt als «Oberhaupt» der Stadt Basel, die Oberbürgermeisterin und der Oberbürgermeister der Städte Lörrach und Weil am Rhein, die Bürgermeister von Grenzach-Wyhlen und von Inzlingen sowie die Gemeindepräsidenten von Bettingen und Birsfelden.

Was bringt die Regio-S-Bahn dem Niederholz?
Thema des ersten Anlasses von «Riehen regional» im Jahr 2005 war das Riehener Niederholzquartier und dessen Entwicklungspotenzial im Hinblick auf die künftige S-Bahn-Anbindung an den Bahnhof SBB. Nach einer kurzen Präsentation der für das Niederholz schon bestehenden überlegungen zur Quartierentwicklungsplanung ging es mit den Gästen gleich zu Fuss weiter: Vor Ort erkundet wurde das Gebiet rings um die damals noch in Bau stehende neue Wohnsiedlung «Im Wasserstelzen» (früheres Hupfer-Areal). Auf der Velo- und Fussgängerbrücke über die Rauracherstrasse erläuterten die zuständigen Vertreter der Gemeinde Riehen das Projekt für die neue S-Bahn-Haltestelle Niederholz, kurz unterbrochen durch den vorbeirasenden FLIRT. Welche Hürden die konkrete regionale Zusammenarbeit bisweilen zu nehmen hat, zeigte die Schilderung der Komplikationen, mit denen die Projektierung dieses anspruchsvollen Bauwerks verbunden ist - erstellt auf einem Damm bzw. einer Brücke, die im Eigentum der Deutschen Bahn steht, genutzt von den SBB als Betreiberin der S-Bahn-Linie 6, fahrend auf Geleisen, die wiederum in der Verantwortung der DB stehen, co-finanziert von der Gemeinde Riehen und vom Kanton Basel-Stadt.

Auf Interesse stiessen aber auch die weiterführenden überlegungen zum Entwicklungspotenzial eines Wohnquartiers mit rund 7000 Einwohnerinnen und Einwohnern, welches neu einen Bahnanschluss erhält, der die öV-Benutzenden in wenigen Minuten zu den nationalen und internationalen Zugsverbindungen oder in umgekehrter Richtung direkt in die Stadt Lörrach bringt. Für Gesprächsstoff beim anschliessenden gemeinsamen Essen in einfachem Rahmen im Freizeitzentrum Landauer war jedenfalls gesorgt.

Wie wohnt man im Jahr 2016?
Das zweite Treffen am 3. Juli 2006 war der Fragestellung «Wie wohnt unsere Bevölkerung in zehn Jahren?» gewidmet. Nach einer kurzen Einführung im Gemeindehaus wurde das Thema auch hier gleich an mehreren Stationen «im Feld» veranschaulicht und erlebbar gemacht: Erster Halt war im soeben fertig gestellten Privathaus der Familie de Meuron, mit der Wirkung einer faszinierenden Kombination von «futuristischer» Architektur mit herkömmlicher Baukunst und bestehender Bausubstanz: Zu sehen gab es individuelles Wohnen in einer Art Wohnskulptur - erläutert durch den Besitzer und Architekten Pierre de Meuron. Zweite Station war die Wohnbebauung «Inzlingerpark» auf dem Areal der ehemaligen «La Charmille»: Als Bild vermittelt wurde Wohnen in einer modernen Gemeinschaftssiedlung abseits vom Siedlungszentrum, in grosszügigen Miet- oder Eigentumswohnungen, mit herrlichem Ausblick, umgeben von Grün - erläutert durch den Architekten sowie einen Vertreter der Vermietungs- bzw. Verkaufsagentur. Dritte und letzte Station war ein Aussichtspunkt oberhalb des Stettenfelds, dem wichtigsten Entwicklungs- und Planungsgebiet für Riehen. Thema war hier künftiges Wohnen in unmittelbarer Nachbarschaft zur grenznahen Wohnbebauung von Lörrach-Stetten - erläutert durch die zuständigen Planer der Gemeinde: Das Stettenfeld als gut gelegenes, grosses Baugebiet, mit Potenzial für eine weiträumige, integrierte Planung von qualitativ gutem Wohnungsbau in naturnaher, vielfältig genutzter Umgebung.

Angeregt durch Ideen und Visionen, die im Anschluss an die Besichtigung vom Präsidenten der Ortsbildkommission vorgetragen wurden, kam es zu interessanten Gesprächen über all das, was qualitativ gutes Wohnen ausmacht. Beendet wurde das Treffen bei Speis und Trank beim Eisweiher, mit einem ungezwungenen Zusammensitzen bis zum Eindunkeln.

Die ersten beiden Ausgaben von «Riehen regional» sind bei allen Beteiligten auf ein sehr positives Echo gestossen. Die hinter dem Anlass stehende Idee, die Art der Realisierung und der Zeitpunkt anfangs Juli wurden gut aufgenommen. Soll kreative regionale Zusammenarbeit in der Praxis funktionieren, braucht es neben der strukturierten politischen und fachlichen Arbeit auch den ungezwungenen, gleichsam ungeschützten gemeinsamen Austausch von Meinungen, Ideen und Visionen unter den politischen Verantwortungsträgern. An den gesellschaftlichen Anlässen und Empfängen, welche ebenfalls zahlreich stattfinden, kann dies nur bedingt erfolgen. Mit «Riehen regional» will die Gemeinde Riehen, in Ergänzung zu den anderen Formen bilateraler und regionaler Zusammenarbeit, einen bescheidenen, aber gezielten Beitrag zu einer tragfähigen Vernetzung leisten im Interesse einer innovativen Zukunftsgestaltung in unserer Region.

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