2003

Im Spannungsfeld des Lebens Der Maler Franz Somm

Franz Osswald

Seine Bilder sind zwar bekannt, in Ausstellungen in Riehen aber selten zu sehen: Franz Somm, der unbekannte Bekannte. Ein Porträt.

Blumen. Sie stehen am Anfang des künstlerischen Schaffens von Franz Somm und sind Motiv jenes Bildes, das am Morgen vor unserem Gespräch gemalt wurde und nun an der Wand des Ateliers hängt. Bereits die Jugendzeit von Franz Somm ist von Blumen geprägt. Sie blühten in Mutters Garten und weckten sein Interesse für die Natur und die Begeisterung für Pflanzen im Besonderen. Von beidem gab es vor der Haustüre mehr als genug. Franz Somm wuchs in Sulgen im Kanton Thurgau auf, in einer Landschaft mit grünen, leicht geschwungenen Hügeln unter einem weiten Himmel, der sich im nahen Bodensee spiegelt. Lieblich muss man ihren Charakter bezeichnen. Ein Umstand, der für die Motivwahl von Franz Somms Bildern nicht ganz unbedeutend ist, wie wir sehen werden.

Doch bleiben wir noch bei den Anfängen. Während Mutters Garten die Liebe zu den Blumen weckte, kam von Vaters Seite das künstlerische Talent hinzu. Den Wunsch, Maler zu werden, hatte sein Vater, der sein Brot indessen als Lehrer erwarb und sich schliesslich - nicht der Malerei, sondern der Musik verschrieb. Am Tag, an dem Franz Somm zur Welt kam, dirigierte Vater Somm Werke von Franz Schubert und von Anton Bruckner. Damit war das Kind getauft: Franz Anton Somm.

Seinen eigenen, nicht erfüllten Traum konnte der Vater in seinem Sohn verwirklichen. Schnell entdeckte er das zeichnerische Talent in Franz und liess ihn in der Schulstube mit Bleistift, Farbstiften und Kreide malen. «Ich kam mit einem Farbstift in der Hand zur Welt», sagt Franz Somm über sich selbst. Und dennoch: Nie war es sein Berufsziel, Kunstmaler zu werden - und schon gar nicht Künstler, als den sich Franz Somm noch heute nicht sieht.

Chemiker stand damals zuoberst auf der Liste der Berufswahl. Franz Somm studierte Textil- und Farbenchemie an einer Spezialabteilung des Technikums Winterthur. 1957 trat er seine erste Stelle bei der renommierten Firma Stoffel in Netstal an, wo er sogleich Leiter der Entwicklungsabteilung wurde. Farben ziehen sich buchstäblich wie ein roter Faden nicht nur durch das berufliche Leben von Franz Somm, sondern auch durch sein künstlerisches Schaffen. Rottöne prägten lange Zeit seine Bilder.

Netstal nimmt noch aus einem anderen Grund einen wichtigen Platz in seinem Leben ein. Hier kam ein zusätzlicher Farbtupf ins Leben von Franz Somm, er lernte seine Frau Ursula kennen und lieben. Sie, die heute den schmucken Blumengarten in Riehen hegt und pflegt und ihrem Mann für so manches Motiv besorgt ist.

Aus dem gebirgigen Netstal verschlug es die Somms ins flache Nordhorn im Norden Deutschlands, wo Franz Somm die Entwicklungsabteilung der Firma Nino leitete. In dieser Zeit begann er sich mit der holländischen Malerei zu beschäftigen. Fasziniert war er zudem von den Bildern des Expressionisten Emil Nolde, der ebenfalls Blumenmotive wählte und eine eigene Maltechnik schuf.

Das Studium grosser Maler ging einher mit der Forschung an neuen Farben und deren Anwendung. Ein Gebiet, das ihn auch an seinem nächsten Arbeitsort beschäftigte: in Basel bei der Firma Sandoz. Im Berufsleben erwarb sich Franz Somm als Leiter einer Forschungsgruppe der Farbabteilung seine profunden Färb- und Materialkenntnisse, die ihm bei seinem Hobby einst zugute kommen sollten.

Dass Franz Somm heute vorwiegend Aquarelle malt, hat seinen Grund in einem kleinen Malkasten mit wenigen Farben. «Meine Frau kehrte von einem Englandaufenthalt zurück und brachte mir ein Aquarellmalkästchen mit.» Franz Somm besitzt es noch heute. Aus Blumenbildern, in denen man die Anfänge noch erkennt, wurden bald raffinierte Farbkompositionen mit immer ausgefeilterer Tech nik. Eine Technik, die er sich eigens entwickelt hat. Wie sein ganzes malerisches Können, denn Franz Somm ist ein Autodidakt im eigentlichen und besten Sinne des Wortes. Die Aquarellmalerei fasziniert Somm besonders deshalb, weil sie vom Wasser dominiert wird, jenem Element, das nicht nur seinen Blumen Leben spendet, sondern auch seinen Bildern. «Der Aquarellmaler steht im Spannungsfeld des Lebens, dessen Urkräfte auch im Wasser ihren Ursprung haben», sagt Somm.

Zu seinen Blumenbildern kamen nach und nach Landschaftsmotive und Stadtimpressionen hinzu. Das Studium sämtlicher Bilder zeigt aber eines: Ihnen allen ist der anfangs beschriebene liebliche Charakter des Thurgaus zu eigen. «Ich bin mir durchaus bewusst, dass die Zerstörung der Natur heute ein grosses Problem darstellt. Meine Bilder sind ein Mahnruf, die Naturschönheiten in ihrer Ganzheit zu bewahren», sagt Somm über seine Motivwahl. Das Spannungsfeld des Lebens widerspiegelt sich in seinen Bildern nicht inhaltlich, sondern im Spiel von Farbe, Wasser und Papier.

Mit zur Neige gehender beruflicher Laufbahn erblühte das Hobby - die Malerei. Die erste Ausstellung mit Bildern von Franz Somm fand 1979 aber noch im beruflichen Umfeld bei der Sandoz statt. Bald schlichen sich in die zu Beginn noch farblich wie stilistisch einfacheren Bilder eigenwillige Züge ein, die Farbtöne wurden kräftiger, die scharfen Konturen lösten sich auf, wichen fliessenden übergängen. Unverkennbar begann der Expressionismus Somms Male rei zu beeinflussen, dies bei den Blumen- wie den Landschaftsmotiven.

Früchte des künstlerischen Schaffens des «Nichtkünstlers» sind - nebst zahlreichen Ausstellungen (siehe Kasten) verschiedene Karteneditionen für die Unicef und die Pro Juventute oder den Reiter-Kunstverlag. Hinzu kommen Kalender von ausgewiesenen Verlagen. Im Jahre 2004 erscheint im Verlag «SKV-Edition» ein Blumen- und ein Aquarellkalender mit dem Titel «Wasserlandschaften».

Von so viel Farbigkeit eingenommen, vergisst man leicht, dass Franz Somm sich auch aufs Zeichnen versteht. Auf seinen Reisen (die letzte führte ihn in den Norden Europas) nimmt er oft das Zeichenbuch zur Hand, um schnell die Landschaft aufs Papier zu bringen - wenige Striche, Impressionen eines Augenblicks in Schwarz-Weiss.

Gegensätze auch bei seinem Arbeitsrhythmus. Längeren intensiven Schaffensphasen folgen Auszeiten, in denen Franz Somm neue Inspiration für seine Bilder schöpft: «In einer solchen Phase befinde ich mich derzeit.» Befand, denn ein neues Blumenbild kündet vom aufkommenden Schaffensdrang. Wie heisst es doch eingangs des Artikels: Blumen. Sie stehen am Anfang...


 

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