2002

Seit 20 Jahren eine Heimat für die Riehener Vereine

Nicolas Jaquet-Anderfuhren

Einst als Gemeindehaus und Polizeiposten genutzt, wurde die Alte Kanzlei vor zwanzig Jahren zur Heimat der Riehener Vereine - Anlass zu einem grossen Fest.

Das «Alte Gemeindehaus» an der Ecke Baselstrasse/Erlensträsschen, von Verwaltungskreisen als «Alte Kanzlei» bezeichnet, hatte ab 1961 mit der Inbetriebnahme des neuen Gemeindehauses an der Wettsteinstrasse 1 als Verwaltungsgebäude ausgedient.

Der Komplex «Alte Kanzlei»

Die stärkste Veränderung des Riehener Dorfbildes zu Beginn der Sechzigerjahre brachte das neue Gemeindehaus an der Wettsteinstrasse 1, so schrieb die Untergruppe Riehen des Basler Heimatschutzes damals. Eng mit dem Bezug des neuen Gemeindehauses verbunden war die Frage der zukünftigen Verwendung und Neugestaltung des frei gewordenen alten Gemeindehauses.

Während der langen Studien für neue Verwendungsmöglichkeiten stand das «Alte Gemeindehaus» den Riehener Vereinen zur provisorischen Nutzung offen. Der Gemeinderat erachtete es schon damals als richtig, bei einer Renovation und einem allfälligen Umbau in Riehen ein «Haus der Vereine» zu schaffen.

Mit besonderer Liebe nach Riehen geschaut In seinem Jahresbericht 1973 stellte der damalige kantonale Denkmalpfleger Fritz Lauber mit Zufriedenheit fest, dass sich die überlebenschancen des alten Gemeindehauses in Riehen verbessert hatten, sollte doch die «Alte Kanzlei», das Jugendwerk des bekannten Basler Architekten Melchior Berri von 1835, nach Meinung des Gemeinderates mitten im Dorf erhalten bleiben. Gleicher Meinung war der Regierungsrat, sodass die frühere Idee, das «Alte Gemeindehaus» dem Moloch Verkehr zu opfern, begraben zu sein schien.

So nahm die Idee, ein «Haus der Vereine» zu bauen, weiter Gestalt an. Eine Umfrage bei den Vereinen im Jahre 1972 bestätigte zudem das Bedürfnis nach einem Haus, das den Wünschen der Vereine gerecht wurde.

Während man ursprünglich an eine vollständige Neuüberbauung des Areals zwischen Dorfkirche und Erlensträsschen mit einer Rekonstruktion des Berri'schen Kopfbaues dachte, empfahl die Denkmalpflege, das ganze Gebäude unter Schutz zu stellen und entsprechend zu renovieren.

Zu wenig Wirtschaften im Dorf In einem Interview in der «Riehener-Zeitung» erklärte Gemeindepräsident Gerhard Kaufmann am 6. September 1974, dass es sich beim «Haus der Vereine» um ein Bauprojekt handle, an dem verschiedene Ressorts beteiligt sind: Hochbau, Kulturelles, Soziales. Aufgabe der vom Gemeinderat eingesetzten Kommission war es, den Bau- bzw. Umbau des alten Gemeindehauses vorzubereiten und später auch zu begleiten.

Die Bedürfnisfragen wurden, wie Gerhard Kaufmann ausführte, geklärt, in dem man eine schriftliche Umfrage bei allen Riehener Vereinen machte. Man stellte dabei ein gewaltiges Bedürfnis nach geeigneten Vereinsräumlichkeiten fest. Dies rührte daher, dass Riehen entsprechend seiner Grösse über viel zu wenig Wirtschaften mit übungsräumen und Sälen verfügte und die Vereine Mühe hatten, überhaupt irgendwo unterzukommen.

«Haus der Vereine» in Sicht Am 14. Januar 1977 erhielt Architekt Hans Roduner von der Gemeinde den Auftrag zur Ausführung seines Projektes bis und mit Kostenvoranschlag. Dies bedeutete noch keineswegs den Start zum Bau, denn auf Ersuchen der Denkmalpflege musste jetzt von den Beteiligten über zahlreiche änderungen und Wünsche noch heftig diskutiert werden, was geraume Zeit beanspruchte. So konnte das Haus erst am 9. September 1983 eröffnet werden.

Der Gebäudekomplex «Alte Kanzlei» besteht aus dem von Melchior Berri im Jahre 1835 erstellten Kanzleibau, aus dem Anbau von 1898 längs des Erlensträsschens (ehemaliger Polizeiposten), aus dem Anbau von 1918 längs der Dorfkirche, aus dem Wagenschopf neben der Kirche und aus einem Neubau von 1983 zwischen Erlensträsschen und Kirchplatz, der den Anbau von 1898 mit demjenigen von 1918 verbindet.

Der in seiner Lage und in seiner Proportion auf den Dorfplatz und die angrenzende Kirche abgestimmte Bau von 1835 sollte wieder seinen Glockenturm erhalten. Die wichtigste änderung war die Rekonstruktion der Eingangspartie. Die Freitreppe von der Baselstrasse her konnte, da der Boden in der Vorhalle sein altes Niveau erhielt, wieder in alter Schönheit in die Vorhalle hinein geführt werden. Die Veranda im 1. Stock wurde wieder geöffnet. So entstand aus bisherigen und neuen Bauten das «Haus der Vereine», das seit zwanzig Jahren Riehens Vereinen Platz bietet.

Feier für ein Jubiläumskind Seit zwanzig Jahren nun besteht das «Haus der Vereine», das zahlreichen Riehener Vereinen, aber auch Privaten und Auswärtigen für Musik- und Theaterproben, für Sitzungen, Lesungen, Konzerte, Kurse und Feste zur Verfügung steht und Raum für Büros und Archive bietet.

Am 24./25. Mai 2002 fand aus Anlass des zwanzigjährigen Bestehens der «IG Haus der Vereine» ein fröhliches Geburts tagsfest statt. An der Jubiläumsfeier begrüsste der Präsident der IG, Ernst Lemmenmeier, eine grosse Zahl von Gästen. Er erinnerte an die Gründungsversammlung der IG vom 15. März 1982, bei der sich 22 Vereine zum Beitritt entschlossen hatten. Ein Jahr später, bei der Einweihung des neuen Hauses am 9. September 1983, waren es bereits 44 Vereine, die «ihr» Haus übernehmen konnten.

Das Konzept, wonach nicht die Gemeinde die Betriebsleitung übernimmt, sondern die «IG Haus der Vereine» federführend ist, hat sich bewährt. Dies hat auch eine Betriebsanalyse gezeigt. Mit der Raumbelegung darf die IG zufrieden sein, wurde doch das Haus, ohne Büro- und Archivnutzung, von 29 000 Personen in Anspruch genommen. Um noch weitere Archivräume zur Verfügung zu haben, wurde im vergangenen Jahr der Dachstock ausgebaut.

Gemeindepräsident Michael Raith würdigte die Arbeit der rund 125 Riehener Vereine, die mit ihren Aktivitäten Tausenden von Menschen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung eröffnen. Anschliessend an die Gratulationsvoten präsentierte Hans Roduner, Architekt des renovierten und neuen Baus, eine interessante Diaschau, die den ganzen Umbau dokumentierte. Gezeigt wurde vor allem, wie die alten Gebäudeteile am Kirchplatz und am Erlensträsschen 1983 durch einen Neubauteil zu einem Gebäudekranz geformt worden sind.

«Das Haus- und Betriebskonzept hat sich bewährt und ist aus der heutigen Riehener Vereinslandschaft nicht mehr wegzudenken», schrieb die «Riehener-Zeitung» in ihrem Artikel zum Jubiläum.

Die «IG Haus der Vereine»

Erster IG-Präsident war Hansjörg Tobler, Präsident des Verkehrsvereins. Seit seinem Rücktritt aus dem Vorstand im Jahre 1988 wird die «IG Haus der Vereine» von Ernst Lemmenmeier, der 1985 in den Vorstand gewählt wurde, präsidiert. Als einziges Gründungsmitglied ist der Kassier Max Brügger noch heute im Vorstand. Weitere heutige IG-Vorstandsmitglieder sind: Heinz Wäckerlin (Vizepräsident), Dieter Brüderlin (Sekretär), Peter Albrecht (Beisitzer), Beat Krähenbühl (Delegierter der Gemeinde Riehen) und Martin Christen (Hauswart).

Die IG beschäftigt einen vollamtlichen Hauswart (zuerst Hans Möschler, seit 1996 Martin Christen). Der Hauswart ist für den Unterhalt im Gebäudeinnern sowie für die Belegung der Räumlichkeiten durch die Benützer verantwortlich. Die IG bekommt von der Gemeinde aufgrund der eingereichten Jahresrechnung und des Budgets einen jährlichen Betriebsbeitrag. Am 15. März 1982 fand unter der Leitung von Paul Müller und im Beisein der involvierten Gemeinderäte die Gründungsversammlung statt. Ein wichtiges Thema bildete die Wahl des Vorstandes. Dieser bestand aus Dr. Hansjörg Tobler (VVR) als Präsident. An der Gründungsversammlung erfolgte die Genehmigung der Statuten. Dabei schlug der Gemeinderat die nebenstehende Aufgabenteilung vor.

Gemeinde Unentgeltliche Zurverfügungstellung der Einrichtung und des Mobiliars • Unentgeltlicher baulicher Unterhalt Leistung eines jährlichen Beitrages an die Betriebskosten Gebäudehaftpflicht IG Haus der Vereine Führung des Betriebes in eigener finanzieller Kompetenz und Verantwortung • Vornahme der Raumzuteilungen Hauswartung und Gebäudereinigung • Verantwortlichkeit für die Bezahlung der Betriebskosten (Energiekosten, Gebäudereinigung, Abwart usw.) • Betriebshaftpflicht
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