1999

100 Jahre Verkehrsverein:
Wegbereiter für ein modernes Riehen

Nicolas Jaquet-Anderfuhren

Vor rund hundert Jahren setzte in Riehen der Wandel vom Bauerndorf zur Wohngemeinde vor der Stadt ein. Initiative Männer förderten damals diese Entwicklung.

Der erste Paragraph der Statuten des Verkehrsvereins Riehen lautet: «Der Zweck des Verkehrsvereins ist ein gemeinnütziger. Dieser Verein stellt sich die Aufgabe, in Verbindung mit Behörden, Korporationen und Privaten die Interessen der Einwohnergemeinde, sowie die speziellen Verkehrsinteressen in der Gemeinde Riehen und deren Umgebung zu wahren und zu fördern. Ausserdem wird der Verein bestrebt sein, den Besuchern Riehen's durch geeignete Massnahmen den Aufenthalt im Orte und dessen Umgebung möglichst angenehm zu machen, sowie den Mitgliedern Gelegenheit zu geselligen Vereinigungen im Jahre darzubieten.»

Und in der «Geschichte des Dorfes Riehen» (Basel 1923) des Riehener Dorfpfarrers und Historikers Ludwig Emil Iselin wird über die Bedeutung des Vereins, der in diesem Jahr das Jubiläum des 100jährigen Bestehens feiert, das Folgende und Wesentliche gesagt: «Die von der genannten Vereinigung herausgegebenen Berichte spiegeln die äussere Geschichte des Dorfes in den letzten zwanzig Jahren wider, und es ist kaum ein Fortschritt zu verzeichnen, an dem dieser tätige Verein nicht mitgeholfen oder zu dem er nicht den Anstoss gegeben hat.»

Chronologisch und anekdotisch sei hier nun die Geschichte dieses Verkehrsvereins gewürdigt. Doch können angesichts der weitreichenden Aktivitäten im Laufe der letzten hundert Jahre nur einige Episoden aus der umfangreichen Vereinsgeschichte näher beleuchtet werden.

Riehen braucht eine Task-Force
Um die Jahrhundertwende war Riehen bemüht, Neuzuzüger zu gewinnen. Man wollte zu frischen Steuereinnahmen kommen und einen besseren Anschluss an die Stadt erhalten. Auf diese Weise hoffte man, der Bevölkerung, speziell dem lokalen Gewerbe, vermehrten Verdienst zu verschaffen. Der Zuzug von neuen Einwohnern verlangte in Riehen aber nach änderungen, nach einer Modernisierung und nach einer siedlungstechnischen Entwicklung.

1895 und 1897 wurden in Basel die ersten Tramlinien vom Bahnhof SBB über die Mittlere Rheinbrücke und die Wettsteinbrücke nach dem alten Badischen Bahnhof am Riehenring (heute Areal der Messe Basel) eröffnet. Als im Ausbauprogramm von 1899 weitere Linien in der Stadt und nach ausserkantonalen Vororten, nicht aber nach dem im eigenen Kanton gelegenen Riehen, enthalten waren, reichte der Riehener Gemeindepräsident und Grossrat Heinrich Weissenberger im Grossen Rat einen Anzug für ein Tram nach Riehen ein. Das gleiche verlangte ein aus fünfzehn Bürgern bestehendes Riehener Aktionskomitee mit einer Petition mit 2850 Unterschriften.

Etwa zur selben Zeit wurde von der eidgenössischen Telegrafenverwaltung in Bern, aus politischen und militärischen Erwägungen, die Schliessung des im Bahnhof Riehen untergebrachten, vom deutschen Bahnhofvorstand betriebenen Riehener Telegrafenbüros dekretiert mit dem Hinweis, die Riehener sollten sich in Zukunft des Telefons bedienen. Das Aktionskomitee betrachtete das Telegramm als eine für Riehen nötige rasche übermittlungsmöglichkeit und intervenierte deshalb in Bern, mit dem Resultat, dass Riehen sein Lelegrafenbiiro mit neuem Standort im Postlokal behalten konnte.

Aufgrund dieser beiden Vorfälle - Tram nach Riehen und Weiterbestand des Telegrafenbüros - erkannte das Aktionskomitee, dass Riehen über eine einsatzfähige Organisation verfügen musste, um bei wichtigen Angelegenheiten jederzeit die Interessen der Riehener Bevölkerung und der Gemeinde wahren zu können. Diese überlegungen führten am 19. Dezember 1899 zur Gründung des Verkehrsvereins Riehen.

Der Verkehrsverein wollte alles tun, was in Riehen im weitesten Sinne zur Verbesserung der Wohnverhältnisse beitragen konnte. Mit ihm wurde ein Forum geschaffen, das Veränderungen verfolgte, Ideen diskutierte und Probleme bearbeitete. So ist mit der Geschichte des Verkehrsvereins die Entwicklung des Dorfes von der landwirtschaftlichen Siedlung zur stattlichen Wohngemeinde vor der Stadt aufs engste verbunden.

In der Gemeindekunde Riehen (Riehen 1988) schreibt Michael Raith, dass die im letzten Viertel des vergangenen Jahrhunderts in Riehen gegründeten Vereine als Vorläufer der politischen Parteien wichtige Funktionen erfüllt haben. So sei es den Vereinen vor allem gelungen, das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bevölkerung zu stärken. In dieser Beziehung erreichte der Verkehrsverein, so schreibt Michael Raith weiter, in den ersten Jahren seines Bestehens die Spitze: Er fungierte zeitweise beinahe als Nebenregierung des Gemeinderates.

Das «Phänomen Verkehrsverein»
In seiner Betrachtung über die ersten fünfzig Jahre des Bestehens des Verkehrsvereins äusserte sich Robert Zinkernagel, seinerzeit Mitglied und Präsident des Weiteren Ge meinderates, im Riehener Jahrbuch 1965 dahin, dass kein Riehener Verein die Probleme der Einwohnergemeinde, den Wandel der Ansichten und die Veränderung der Verhältnisse in der Gemeinde im Verlauf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts so widerspiegle wie der Verkehrsverein.

Der Verkehrsverein war allerdings nicht in allen Bevölkerungskreisen geschätzt, und teilweise wurde er als unliebsamer Neuerer, ja als Gesellschaft der «Besseren» angesehen. Massgebende Behördemitglieder waren sich aber der neuen Kraft bewusst. Im Gemeinderat sassen aufgeschlossene und weitblickende Persönlichkeiten, die die Entwicklung des Dorfes fördern wollten. Von jeher waren darunter Männer, die Mitglieder oder selbst Präsidenten der Kommission des Verkehrsvereins waren und sich während Jahren für den Verein und damit für die Gemeinde einsetzten.

Die einflussreiche Stellung des Verkehrsvereins erklärt sich aus der damaligen politischen Situation der Gemeinde, vor allem dadurch, dass Riehen zu jener Zeit noch über kein Gemeindeparlament verfügte, schreibt Robert Zinkernagel in seiner Betrachtung. Die Geschäfte wurden von der Einwohnergemeindeversammlung behandelt, und die Diskussion in diesem Gremium wurde weitgehend von den Vertretern der eher landwirtschaftlich denkenden Bürgergemeinde bestimmt. Die Neuzuzüger stellten in ihrer Mehrheit vielleicht andere Ansprüche an die Wohnverhältnisse als die Mehrheit der ansässigen Dorfbewohner und hatten kaum Gelegenheit, ihre Ideen und Wünsche in der Gemeindeversammlung erfolgreich anzubringen.

Die politische Struktur und die finanziellen Mittel der Gemeinde verhinderten gewisse änderungen. In finanzieller und organisatorischer Hinsicht waren dem Verkehrsverein zwar enge Grenzen gesetzt. Die Ideen des Vereins wurden jedoch vom Gemeinderat meistens bereitwilligst aufgenommen.

Das Tram als Dauerthema
Seit seiner Gründung im Dezember 1899 setzte sich der Verkehrsverein bei jeder passenden Gelegenheit für den Bau einer Tramlinie nach Riehen ein. Im Prinzip war der Regierungsrat nicht gegen diese Tramführung. Er wollte aber, um Provisorien zu vermeiden, mit dem Bau zuwarten, bis die definitiven Pläne für den neuen Badischen Bahnhof an der Schwarzwaldallee vorlagen. Nachdem es bei diesem Projekt aber immer neue Verzögerungen gegeben hatte, beschloss der Grosse Rat am 9. November 1905 dennoch den Bau der Tramlinie nach Riehen.

Unter den Klängen des Musikvereins versammelte sich am Abend des gleichen Tages ein grosser Teil der Riehener Bevölkerung auf dem damaligen Gemeindehausplatz vor der Dorfkirche, wo der Präsident des Verkehrsvereins und spätere Gemeindepräsident Otto Wenk-Faber die Bedeutung des neuen Verkehrsmittels erläuterte und den kantonalen Behörden den Dank für ihr Entgegenkommen aussprach. Mit einem Riesenfest wurde am 7. August 1908 die neue Tramlinie eingeweiht.

Das erste Teilstück vom Riehenring durch die Riehenstrasse bis zur heutigen Haltestelle «Hirzbrunnen-Claraspital» musste als Provisorium erstellt werden. Entlang des Riehenrings, auf dem heutigen Areal der Messe Basel, lag der alte Badische Bahnhof. Die Endstation des Riehener Trams befand sich auf der stadtauswärts gelegenen Seite des Bahnareals in der Riehenstrasse, etwa auf der Höhe des heutigen Muba-Parkhauses. Da nur leere Tramwagen ohne Fahrgäste auf Depotfahrten die Bahngeleise kreuzen durften, mussten die Riehener Trampassagiere über eine hohe Passerelle die Bahngeleise der badischen Staatsbahn überqueren. Auf der stadtwärts gelegenen Seite des Bahnhofs war dann die Tramhaltestelle für die Weiterfahrt nach dem Bahnhof SBB oder der Innerstadt zu erreichen. Mit der Eröffnung des neuen Badischen Bahnhofs an der Schwarzwaldallee im Jahre 1913 wurde schliesslich die definitive Tramstrecke von der Innerstadt via Rosentalstrasse zur Schwarzwaldallee und von dort durch die neue Unterführung der Riehenstrasse zum Hirzbrunnen in Betrieb genommen. Nun konnten die Riehener ohne Umsteigen die Innerstadt erreichen.

Auch in späteren Jahren hat sich der Verkehrsverein immer wieder mit Tram- und Busfragen wie Fahrplänen, Rauchen im Tram, Tarifen, Linienführungen, Freundlichkeit des Personals, Ansagen der Haltestellen, Haltestelleneinrichtungen, Wartehallen, Rollmaterial und Extrakursen beschäftigt. Bereits im Eröffnungsjahr wurde eine Vergünstigung für Schülerkarten verlangt.

Im Jahre 1910 ersuchte der Verkehrsverein den Gemeinderat, für eine genauere Zeitangabe der Kirchenuhr besorgt zu sein. Diese einzige öffentliche Uhr in Riehen werde nämlich von vielen Tram- und Bahnbenützern als Kontrolluhr angesehen. 1915 wurde beanstandet, der knappe Fahrplan führe dazu, dass die in der Stadt zur Schule gehenden Kinder ihr Mittagsmahl in Riehen nur überstürzt hinunterschlingen können.

Im «Riehen»-Wagen in die Stadt
Wenn Riehen auch erst 1908 eine Tramlinie in die Stadt bekam, so war die Gemeinde doch bereits seit 1862 über die Wiesentalbahn und den Badischen Bahnhof mit dem europäischen Bahnnetz verbunden. Seit seiner Gründung befasste sich denn auch der Verkehrsverein eingehend mit den die Bahn betreffenden Fragen.

Am Anfang wurden hauptsächlich Fahrplanwünsche geäussert und die mangelnde Sauberkeit in den Zügen und im Bahnhof Riehen beanstandet. Die Riehener waren relativ gute Bahnkunden. In einer Winterwoche im Jahre 1901 wurden 2976 Fahrgäste gezählt, was einem Jahresdurchschnitt von 154 752 Personen entsprach.

Um im Badischen Bahnhof eine Zollabfertigung zu vermeiden, gab es für die Riehener Fahrgäste in jedem Zug einen sogenannten «Riehen»-Wagen, der die Möglichkeit bot, vom Bahnsteig aus auf einem speziellen Durchgang ohne Zoll den Bahnhof zu verlassen oder ihn für die Heimfahrt wieder zu betreten. Mit der Eröffnung des Trams im Jahre 1908 ging das Interesse Riehens an der Wiesentalbahn rasch verloren.

Sponsor von Strassenleuchten
Im Jahre 1900 legte der Verkehrsverein zwei Konzepte für die Strassenbeleuchtung vor: das eine auf der Basis von Elektrizität, das andere unter Verwendung von Gas. Der Gemeinderat entschied sich für die Elektrizität. Da das Elektrizitätswerk Basel zu jener Zeit noch keinen Strom nach Riehen liefern konnte, wurden die Badenwerke, denen das Kraftwerk Rheinfelden gehörte, mit der Lieferung beauftragt. Im Jahre 1912 übernahm das Elektrizitätswerk Basel die Stromversorgung von Riehen.

Anfänglich wurden die Strassenzüge nicht als Ganzes beleuchtet; nur an den wichtigsten Stellen wurden einzelne Leuchten angebracht. Da der Verkehrsverein fand, die Burgstrasse, eine speziell für die Ansiedlung von Neuzuzügern gebaute sehr schöne Strasse, sei nicht hell genug, übernahm er an einer besonders dunklen Stelle auf seine Kosten die Installation einer Zusatzleuchte und bezahlte der Gemeinde dafür jährlich fünfundzwanzig Franken. ähnlich handelte er aus Sicherheitsüberlegungen für die Fussgänger an der oberen Rössligasse.

Riehen wird «schnakenfrei»
1886/87 erfolgte in Riehen der Einbau von Wasserleitungen in die einzelnen Häuser. Infolge des Fehlens einer Kanalisation flössen die Abwässer einfach auf die Strassen und lösten eine unerträgliche Verschmutzung aus. Das Wasser erstarrte im Winter zu Eis.

Um diesen Zustand zu vermeiden, war eine Kanalisation nötig. Diese gab es aber noch nicht; denn diverse Vorlagen über deren Bau wurden seit der Jahrhundertwende entweder bereits vom Gemeinderat oder dann vom Volk immer wieder abgelehnt, sei es aus politischen oder finanziellen Gründen. Erst mit dem kantonalen Kanalisationsgesetz von 1912 kam eine Einigung zustande, welche die Anschlusspflicht der Liegenschaften regelte.

Im Sommer führte das Ansammeln von Schmutzwasser in den verschiedenen Strassen jeweils zu einer schrecklichen Schnakenplage. Um diese zu beheben, schlug der Verkehrsverein dem Gemeinderat im Jahre 1903 die vom Bürgermeisteramt Müllheim praktizierte Bekämpfung mit Petrol vor: Es wurden in rund zweiwöchentlichen Intervallen kleine Mengen dieser Flüssigkeit auf Aborte, Schüttsteine, Wasserabläufe und Jauchegruben gegossen. Der Verkehrsverein übernahm für die ersten zwei Monate dieses Versuches die Kosten. Bereits nach kurzer Zeit war eine Abnahme der Plagegeister festzustellen.

Bis das kantonale Kanalisationsgesetz in die Praxis umgesetzt war, befasste sich der Verkehrsverein weiterhin mit der Schnakenplage. So ist im Jahresbericht 1915 zu lesen, dass bei einer Sitzung, an der verschiedene Kommissionen teilnahmen, der Riehener Spitalarzt und Präsident des Verkehrsvereins, Dr. Emanuel Veillon, einen Vortrag über die Entstehung, Verbreitung und Bekämpfung der unliebsamen Gäste hielt. Dabei vertrat der Gemeinderat die Ansicht, dass die Bekämpfung dieser Tiere effizient betrieben werden sollte; denn nur «dann werden wir die Plagegeister los und können Riehen mit gutem Gewissen als schnakenfrei empfehlen».

Am Sonntag gab es kein Telefon
Nach der Jahrhundertwende verfügten schon einige Riehener Privathäuser und Geschäftsleute über ein Telefon. Zwecks Verbesserung der Verbindungen verlangte der Verkehrsverein die Verlegung eines zweiten Drahtes von der Stadt nach Riehen. Bis zum Jahre 1923 gab es sonntags keine Telefonverbindungen zur Stadt. Erst als die Gemeinde bereit war, einen jährlichen Beitrag von hundert Franken zu bezahlen, funktionierte das Telefon auch an Sonntagen. Im Jahresbericht 1922 ist zu lesen, dass bei einem Brand auf St. Chrischona wegen der Stillegung des Telefondienstes an Sonntagen wichtige Dienststellen nicht rechtzeitig erreicht werden konnten. Dieser Zwischenfall habe wohl dazu beigetragen, dass das, was der Verkehrsverein in jahrelangen Eingaben nicht erreichen konnte, plötzlich möglich wurde: das Telefonieren auch an Sonntagen.

Auch die Post gab von Zeit zu Zeit zu Interventionen durch den Verkehrsverein Anlass. Lobend wird im Jahresbericht 1909 erwähnt, dass die Post am Gemeindehaus (heute Alte Kanzlei) ganz in der Nähe der Tramhaltestelle einen Briefkasten angebracht hat.

Als Vorläufer einer Postfiliale im südlichen Teil von Riehen wurde 1944 im Laden an der Niederholzstrasse 2 eine Paketannahmestelle eingerichtet. Der Verkehrsverein setzte sich auch für ein Postbüro in den südlichen Quartieren ein.

Schusssicherer Spazierweg  
Neben seinen Bemühungen um eine technische Verbesserung der Infrastruktur betrachtete es der Verkehrsverein von Anfang an als seine Aufgabe, Riehen für die Einwohner und Besucher auch zu einem Raum der Erholung und Entspannung zu machen.

Als erstes Projekt nahm der Verkehrsverein 1902 den Bau eines neuen Wald-Spazierweges von Riehen nach St. Chrischona in Angriff. Am 24. April 1904 wurde der Weg eingeweiht. Er war reichlich mit Ruhebänken und Wegweisern ausgestattet und bot neben einer grösseren Bequemlichkeit als der alte Weg auch mehr Sicherheit vor allenfalls verirrten Kugeln aus dem benachbarten Schiessstand.

Nach diesem Projekt wurden andere Spaziergebiete im Gemeindebann besser erschlossen, mit Wegweisern und Ruhebänken ausgerüstet und teilweise mit neuen Spazierwegen ergänzt. Als letzten Weg erstellte der Verkehrsverein 1941 die Verbindung «Zwischen den Bergen» zwischen dem Kaiser und dem Linsberg oberhalb von Bettingen. 1930 wurde von Fachleuten ermittelt, dass im Bann Riehen ein Bedarf von 153 Wegweisern bestehe. Im gleichen Jahr wurden die Ruhebänke des Verkehrsvereins anstelle einer verwitternden Farbe neu mit einem wetterfesten Metallschild gekennzeichnet.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1939 mussten aus militärischen Gründen im ganzen Land, so auch in Riehen, alle Wegweiser und Ortspläne abmontiert werden. Schon vor dem Krieg verlangte der Verkehrsverein, dass der Grenzverlauf im Riehener Wald besser gekennzeichnet werde, damit sich Spaziergänger nicht plötzlich auf deutsches Gebiet verirrten und dort allenfalls in Schwierigkeiten gerieten.

1949 war der Verkehrsverein für den Unterhalt von sechzig Ruhebänken in seinem Besitz verantwortlich. Da während des Zweiten Weltkrieges der Unterhalt der Bänke nicht möglich gewesen war, bestand nach Kriegsende ein erheblicher Instandstellungsbedarf. Da zu dessen Behebung die Vereinsmittel nicht ausreichten, übernahm ab 1954 die Gemeinde diese Aufgabe. Damit verschwand auf den Bänklein auch das stolze Metallschild «Verkehrsverein Riehen».

Eislauf-Hochburg der Region
Schon kurz nach seiner Gründung befasste sich der Verkehrsverein mit dem Gedanken, der Bevölkerung nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter etwas zur Bewegung und Erholung zu bieten. Er stellte sich die Schaffung einer «Körper und Gemüt erfrischenden Belustigung» vor und betrieb zu diesem Zweck zwischen 1909 und 1925 bei geeigneter Witterung auf den Mühlematten an der Ecke Lörracherstrasse/Weilstrasse eine Natureisbahn. Er setzte sich bei der Gemeinde auch immer wieder für die Schaffung von Schiittelrouten ein, beispielsweise am Mohrhaldenweg.

Die Eisbahn wurde zu einem gewaltigen Anziehungspunkt für die Riehener, Städter und anderen Bewohner der Region. An Sonntagen tummelten sich oft über zweitausend Eisläufer auf dem Platz. Im Riehener Jahrbuch 1983 schildert der Riehener Paul Bertschmann, dessen Vater seinerzeit Mitglied der ehrenamtlich tätigen Eisbahnkommission gewesen war, seine Jugenderinnerungen an das sonntägliche Eislaufvergnügen. Nicht nur die Bekleidung, sondern auch die elegantere Fahrweise auf dem Eis zeichneten den Städter vor dem Dörfler aus. Die interessanteste Figur auf dem Eisplatz soll ein Welschschweizer, Französischlehrer an der Basler Töchterschule, gewesen sein. Dessen Können zeigte sich vor allem beim Paarlaufen mit seiner Partnerin. Elegant und beschwingt vollführten die beiden Figuren zur Melodie von Waldteufels «Schlittschuhläufer», den der am Rand des Eisfeldes in warme Decken gehüllte Musikverein spielte.

Zauberhaftes Wetterhäuschen
1905 konnte der Verkehrs verein als Gelegenheitskauf ein metallenes Wetterhäuschen erwerben. Er stellte es «zur Zierde unserer Ortschaft» (wie es im Jahresbericht heisst) in der Anlage vor der Dorfkirche auf. In einer Zeit ohne Wetterdienst und Radio war dies für Riehen eine bedeutende Errungenschaft.

Die Ausstattung umfasste eine Uhr, ein Aneroid-Barometer, ein gewöhnliches und ein Minimal-Maximal-Thermometer, je eine Karte «nördlicher Jura» und «südlicher Schwarzwald», eine Höhentabelle, eine vergleichende Zeittafel und ein Tourenverzeichnis von Riehen.

1930 wurde das Wetterhäuschen renoviert und mit registrierenden Barometern und Thermometern versehen. Die Aufzeichnung der Temperatur- und Luftdruckentwicklung in einer blauen Linie auf die Papierrollen hatte vornehmlich für die Jugend etwas Faszinierendes. 1944 musste das Wetterhäuschen einem weniger barocken Wetterkasten am alten Gemeindehaus (heute Alte Kanzlei) weichen.

Riehens Spiegel: das Jahrbuch «z'Rieche»
Die Herausgabe von Publikationen lokaler, naturkundlicher und historischer Art als Anhang zu den gedruckten Jahresberichten war in der Anfangszeit ein weiteres Tätigkeitsgebiet des Verkehrsvereins. Mit diesen Publikationen, unter denen sich auch Kapitel zu Pfarrer Ludwig Emil Iselins «Geschichte des Dorfes Riehen» (1923) befan den, wurden Informationen gesammelt, die sonst verlorengegangen wären.

Mit dem Erscheinen des Jahrbuches «z'Rieche» ab 1961 führte der Verkehrsverein als Herausgeber rund fünf Jahrzehnte später die Tradition des Sammeins von Informationen über das Geschehen in Riehen in einem umfassenderen Rahmen weiter. Die Schöpfer des Jahrbuches empfanden damals das Fehlen einer Art Kompendium, in dem jährlich das Geschehen in der Gemeinde auf politischer und kultureller Ebene zusammengefasst wurde, als einen spürbaren Mangel.

Gemeindepräsident Wolfgang Wenk schrieb 1961 in seinem Geleitwort zum ersten Riehener Jahrbuch: «Die Aufgabe dieses heimatlichen Jahrbuches der Gemeinde Riehen besteht darin, die Bürger und Einwohner mit ihrem Wohnort vertrauter zu machen, ihr Wissen um die Heimat zu mehren und die Liebe zu ihr zu vertiefen.» Seit 1988 ist der Verkehrsverein nicht mehr Herausgeber des Jahrbuches. Es erscheint seither unter dem Patronat des Verkehrsvereins im Kommissionsverlag z'Rieche.

Feste feiern, wie sie fallen
In einem jeweils der Zeit angepassten Rahmen führte der Verkehrsverein im Auftrag des Gemeinderates von 1903 bis 1998 mit kleineren Unterbrechungen jeweils die Riehener 1.-August-Feier durch. Dies tat er in Zusammenarbeit mit den diversen Vereinen, die mit ihren Darbietungen das Programm bereicherten.

Mitglieder des Verkehrsvereins wirkten immer an massgebender Stelle bei der Organisation der grossen Feste in Riehen mit, beispielsweise 1908 am Einweihungsfest der Tramlinie nach Riehen, 1923 am um ein Jahr verschobenen Fest «400 Jahre Riehen bei Basel» und 1972 am Jubiläum «450 Jahre Riehen bei Basel». Da das mit dem letztgenannten Anlass verbundene Dorffest bei der Bevölkerung mit Begeisterung aufgenommen worden war, ergriff der Verkehrsverein die Initiative, um das Dorffest zusammen mit den anderen Vereinen zur Tradition werden zu lassen. Seit 1977 wird dies alle vier Jahre so gehandhabt.

Die Gemeinde Riehen, das Wasserwerk und der Verkehrsverein schlössen sich vor dem Fest «400 Jahre Riehen bei Basel» im Jahre 1923 zusammen und schenkten der Be völkerung den Jubiläumsbrunnen bei der Tramhaltestelle Burgstrasse. Der Verkehrsverein übernahm dabei die Kosten für den Entwurf und das Giessen der Bronzefigur.

Aus Anlass der Eröffnung des Dorfsaales, im Jahr 1951, schenkte der Verkehrsverein dem Gemeinderat zwei antike Zinnkannen, damit dieser seinen Gästen aus einem würdigen Gefäss einen Willkommenstrunk anbieten kann.

Anregendes und vielseitiges Vereinsleben
Das Ziel, der Bevölkerung in Riehen ein Zuhause zu bieten, beschränkte sich beim Verkehrsverein nicht nur auf Studien und Vorschläge zur Verbesserung der Infrastruktur. Der Vereinsvorstand bot den Mitgliedern vielmehr von Anfang an die Möglichkeit, sich an nichtgeschäftlichen Anlässen zu treffen und sich besser kennenzulernen.

Dazu gehörten vor allem die Abende mit Kurzvorträgen von Vereinsmitgliedern oder eingeladenen Referenten zu Themen aus dem Gebiet des «menschlichen Schaffens, Strebens, Suchens und Kämpfens». Familienbummel und Herrenbummel waren Anlässe, die das Gemeinde bewusstsein und die Verbundenheit wie wenig anderes sonst in der guten alten Zeit förderten.

Die Familienabende mit Ball im Februar in den Gasthöfen «Zum Ochsen» oder «Rössli» und ab 1951 im «Landgasthof» waren das grosse Ereignis im Vereinsjahr. Sie waren ein Anlass, an dem sich alle Kreise der Bevölkerung trafen. Nach dem Essen folgte ein Programmteil mit musikalischen und literarischen Darbietungen, meistens von beliebten Künstlern des Basler Theaters bestritten.

Mit dem Kauf eines Projektionsapparates schaffte sich der Verein 1906 ein zeitgemässes Veranschaulichungsund Bildungsmittel an. Dieses konnte auch von den anderen Riehener Vereinen und Schulen benützt werden.

Das alte und das neue Riehen
1945 besichtigte der Verkehrsverein die an der Stadtperipherie gegen Riehen gelegenen Wohnkolonien Landauer und Drei Linden. Dieser Rundgang regte den Vereinsvorstand an, in Zukunft vermehrt zu beobachten, was in Riehen neu gebaut wird. So wurde im damaligen Vorstand neben den bestehenden Ressorts für Dorfgestaltung und Gartengestaltung noch zusätzlich ein Ressort Heimatschutz geschaffen. Gleichzeitig plante der Verein, die bauliche Entwicklung in der Gemeinde in Zukunft im Bild festzuhalten.

1958 setzte sich die Meinung durch, dass sich der Verkehrsverein überlegen sollte, wie er die Einwohner der neuen, nach dem Krieg entstandenen Quartiere vermehrt mit dem alten Dorfteil in Verbindung bringen und wie man dort noch nachträglich neue kulturelle und geschäftliche Zentren schaffen könnte. Vier Jahre später ist im Geschäftsbericht zu lesen, dass die Leute aus den neueren Quartieren ihre Interessen im Verkehrsverein vertreten sollten.

Image-Pflege als neue Aufgabe 1930 brachte der Verkehrsverein zwei Ansichtskarten mit Luftaufnahmen von Riehen in den Verkauf. Im gleichen Jahr gab er auch einen Plan von Riehen heraus.

Die Absperrung der grenznahen Gebiete für die Bevölkerung während des Zweiten Weltkrieges beeinträchtigte den Ausflugsverkehr sehr stark. Deshalb bereitete der Verein für 1942 eine Verkehrswerbeaktion vor. 1942 und in den nachfolgenden Jahren lud ein Tramplakat des Riehener Kunstmalers Nikiaus Stoecklin mit dem Eingangstor zum Wettsteinhaus und dem Titel «z'Rieche isch's schön» die Städter zu einem Besuch nach Riehen ein. In verschiedenen Basler Zeitungen erschienen zu jener Zeit auch Artikel über Riehen, um die Gemeinde in der Stadt noch bekannter zu machen.

Am 21. Juni 1942 wurde in Riehen ein Kirschentag für die Stadtbewohner durchgeführt. Er bestand aus einem Flurspaziergang von der Tramhaltestelle Burgstrasse an Hunderten von Kirschbäumen vorbei bis zur Mohrhalde. Unterwegs gab es Erläuterungen über den Kirschenanbau und eine Begrüssung durch den Gemeindepräsidenten. Am Schluss hatten die Besucher Gelegenheit, verbilligt Kirschen zu kaufen.

Nachdem man in der Nachkriegszeit in den beiden Landgemeinden immer wieder festgestellt hatte, dass mancher Städter nicht wusste, dass Riehen und Bettingen selbständige Gemeinden sind und als solche ein gewisses Eigenleben führen, schufen die Verkehrsvereine Riehen und Bettingen auf Anregung der Gemeindebehörden 1977 eine gemeinsame «Image-Kommission». Diese will vor allem die kantonalen Behörden, die Verwaltung, die Exponenten der Wirtschaft und die Bevölkerung der Stadt über die Denkweise und die Probleme der Landgemeinden informieren.

Sie tut dies in regelmässigen Intervallen mit der Veranstaltung von verschiedenen kürzeren oder längeren Informationsanlässen, beispielsweise mit dem alle zwei Jahre stattfindenden «Tag der Landgemeinden» und mit Dorfspaziergängen. Dazu wird jeweils ein ausgewählter Kreis von Gästen aus der Stadt zusammen mit Vertretern aus Riehen und Bettingen eingeladen.

Nach dem Motto «Aus Einwohnern sollen Riehener werden» führte die Image-Kommission 1978 ihre erste «Neuzuzügerfahrt» durch. Dieser Anlass für neu nach Riehen und Bettingen zugezogene Familien und Einzelpersonen findet jeweils an einem Samstagnachmittag statt. Nach einer Begrüssung durch ein Mitglied des Gemeinderates und einer Information über die Organisation und Aufgabe der Gemeindeverwaltung folgt eine Rundfahrt mit Erläuterungen durch Riehen und Bettingen. Den Abschluss bildet ein gemeinsames Zvieri.

Seit drei Jahren führt die Image-Kommission für Kinder im Kindergarten- und Primarschulalter und deren Eltern jeweils Anfang Januar bei erfreulich hohen Teilnehmerzahlen in drei Gruppen einen Dreikönigs-Sternmarsch zum Wenkenhof durch.

Das Dorf und der Verkehr
Recht früh bereitete der Automobilverkehr dem Gemeinderat gewisse Sorgen. Schon 1909 wurden Tafeln «Auto langsam fahren» aufgestellt. Später gab es Geschwindigkeitslimiten von 18 (1922) und von 25 (1929) Stundenkilometern. 1914 machte der Verkehrsverein den Landwirten den Vorschlag, angesichts des Verkehrs auf der Baselstrasse das Vieh begleitet zu den Brunnen zu führen oder es im Stall zu tränken.

Als in den dreissiger Jahren die Motorfahrzeuge in wachsendem Masse die Strasse eroberten, bewog dies den Verkehrsverein, die Bevölkerung auf geschützte Fusswege abseits der Strassen aufmerksam zu machen. Auf Veranlassung des Verkehrsvereins wurden 1930 durch das Polizeidepartement vor der Pfaffenlohkurve zwei Warntafeln aufgestellt. Darauf reduzierten sich die zahlreichen an dieser Stelle registrierten Unfälle.

Schon in den zwanziger Jahren wurde über eine AutoDirektverbindung Lörrach-Basel diskutiert. Bei verschiedenen Veranstaltungen stellte der Verkehrsverein der Bevölkerung die Umfahrungsstrasse vor; sie sollte Riehen von der Lörracherstrasse bis zu den Habermatten umfahren. Dieses für Riehen wichtige Projekt wurde jedoch 1969 in einer kantonalen Volksabstimmung knapp abgelehnt.

Im Hinblick auf die immer schwieriger werdende Verkehrssituation schuf der Verkehrsverein 1970 eine Verkehrskommission, die später auch eine «Klagemauer» einrichtete; ihr konnte die Bevölkerung ihre Verkehrswünsche unterbreiten. Ziel der Kommission war es auch, mit Leuten ausserhalb der Behörden Lösungen zur Verbesserung der Verkehrssituation zu erarbeiten.

Seit ihrer Eröffnung im Jahre 1863 haben die Riehener Mühe mit der Akzeptanz der Wiesentalbahn, denn sie schneidet auf ihrer ganzen Strecke den Riehener Gemeindebann in zwei Teile und erschwert so die bauliche Entwicklung der Gemeinde. Das Lhema «Wiesentalbahn» - ihre Tieferlegung oder Entfernung oder eine allfällige Verlegung des Trams auf das gleiche Trassee - wurde im Verkehrsverein schon zu Beginn der dreissiger Jahre und in der Nachkriegszeit diskutiert. Man kam aber zu keiner Lösung. Heute steht nicht mehr die Tieferlegung oder Entfernung der Bahn, sondern der Ausbau zu einer Regio-S-Bahn zur Debatte.

Neben diesem Thema befasste sich die Verkehrskommission noch mit vielen anderen Verkehrsfragen: mit den Velowegen entlang der Bahnlinie, mit dem Velofahren in Riehen, mit Kleinbuslinien, mit dem Schutz der Kinder an der Lörracherstrasse, mit Tiefgaragen, mit dem verkehrsfreien Dorfkern, mit Tempo innerorts, mit Verkehrszählungen und mit Strassenmarkierungen.

Kultur rückt in den Vordergrund
Der Verkehrsverein setzte sich, zusammen mit anderen Vereinen, in der Nachkriegszeit mit der Neugestaltung des Dorfkerns auseinander. Dazu gehörte in erster Linie der Bau des «Landgasthofes» als zeitgemässes Restaurant, verbunden mit einem modern ausgerüsteten Saal für Veranstaltungen aller Art. Im Jahre 1952 organisierte der Verkehrsverein im neuen Dorfsaal unter dem Namen «Kunst in Riehen» die ersten Theateraufführungen und Konzerte.

1975 rief eine Gruppe passionierter Riehener HebelKenner in Verbindung mit dem Verkehrsverein die «Autorenabende» ins Teben, eine Reihe von Dialektlesungen, die im alkoholfreien Restaurant «Schlipferhalle» stattfanden. Nach einer Pause von vier Jahren traten 1991 drei Frauen mit einem etwas anderen, «Kaleidoskop» genannten, Konzept die Nachfolge der «Autorenabende» an.

An den Veranstaltungen der «Arena-Literatur-Initiative» lesen seit 1978 Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus ihren Werken (siehe Riehener Jahrbuch 1998, S. 88-108). Die «Arena» will den Menschen aus der Region die Möglichkeit bieten, Autorinnen und Autoren nicht nur direkt zu begegnen, sondern mit ihnen auch zu diskutieren und ihnen kritische Fragen stellen zu können.

Nach dem kurzen Versuch mit Theateraufführungen im Jahr 1952 engagierte sich der Verkehrsverein auf Ersuchen der Gemeinde 1988 erneut für Theateraktivitäten (Theaterkurse, Gastspiele von Theatergruppen und Einstudierung einer Sommerproduktion für Riehen).

Für die kulturellen Veranstaltungen «Kunst in Riehen», «Arena», «Kaleidoskop» und «Theater in Riehen» bestehen im Verkehrsverein ehrenamtlich tätige Spezialkommissionen, die in eigener Regie die Programme zusammenstellen und die Veranstaltungen durchführen. Die Finanzierung dieser Veranstaltungen erfolgte weitgehend mit Subventionen der Gemeinde. Die privatrechtliche Organisation und die ehrenamtliche und unentgeltliche Tätigkeit der rund vierzig Kommissionsmitglieder erlaubten es dem Verkehrsverein, mit bedeutend weniger Mitteln auszukommen, als wenn diese Funktionen von der Gemeindeverwaltung ausgeübt würden.

In den neuen, an die Bedürfnisse der Zeit angepassten Statuten von 1988 stellt sich der Verkehrsverein die Aufgabe, die Verbundenheit der Einwohner zu erhalten und zu stärken und durch geeignete Massnahmen dazu beizutragen, der Bevölkerung insbesondere durch spezielle Veranstaltungen und durch die Förderung des kulturellen Lebens zu dienen.

Was bringt die Zukunft?
Die zahlreichen Veranstaltungen brachten den kulturellen Kommissionen eine erhebliche Publizität, so dass der Stammverein mit weniger Anlässen zeitweise etwas in den Hintergrund trat. Bezugnehmend auf diese Situation wurden Präsidenten des Verkehrsvereins in den letzten Jahren in zwei Interviews von der «Riehener-Zeitung» gefragt, ob nicht die Gefahr bestehe, dass der Stammverein im Schatten seiner Kulturkommissionen in Vergessenheit gerate. In einer der beiden Antworten hiess es, dass es mehrere Bereiche gibt, in welchen der Verkehrsverein als solcher direkt auftreten muss, beispielsweise bei den 1.-August-Feiern oder beim Dorffest.

Hinzu kommen aber auch noch zahlreiche andere Aktivitäten, von denen die Mitglieder oder die Bevölkerung weniger profitieren, weil es sich um Koordinationsaufgaben des Vorstandes in Zusammenarbeit mit anderen Vereinen handelt. Genannt sei hier die Federführung des Verkehrsvereins bei der Gründung der IG Haus der Vereine, die seit 1983 für die Selbstverwaltung der Alten Kanzlei durch die Vereine zuständig ist. Zudem zählt zu den Koordinationsaufgaben des Verkehrsvereins auch die Organisation des Empfangs jener Riehener Vereine, die von einem eidgenössischen Fest nach Hause zurückkehren. Traditionsgemäss besteht der Anlass aus dem Umzug der Teilnehmer mit den Fahnendelegationen durchs Dorf, der Begrüssung vor dem Gemeindehaus und dem Umtrunk für den Verein und seine Anhänger. Ein Fenster nach aussen erhielt der Verkehrsverein ausserdem 1983, als er sein Sekretariatsbüro im Erdgeschoss der Alten Kanzlei an der Ecke Baselstrasse/Erlensträsschen beziehen konnte. Das Sekretariat erledigt die Administration des Stammvereins und der Kulturkommissionen. Neben Billett-Vorverkaufsstelle ist es, wie es sich für einen Verkehrsverein gehört, für Ortsansässige und Auswärtige auch Informationsort über Riehen.

Sicher sind im letzten Vierteljahrhundert die Anlässe des Stammvereins mit Besichtigungen, Bummel, Vorträgen, kontradiktorischen Versammlungen, Diskussionen und Familienabenden wegen des Wandels der Gewohnheiten stark zurückgegangen. Und man darf sich fragen, ob der Stammverein die Wünsche und Erwartungen seiner Mitglieder zurzeit noch genügend abdeckt. Änderugen lagen demnach in der Luft. Wie an der Generalversammlung des Verkehrsvereins vom 23. Juni 1999 zu erfahren war, sollen, nach einem zur Diskussion stehenden Kulturkonzept, die kulturellen Kommissionen aus dem Stammverein ausgegliedert und einem von der Gemeinde angestellten Kulturbeauftragten zugeordnet werden. Der Stammverein würde weiterbestehen und Aufgaben der jetzigen Image-Kommission übernehmen.

Der Einwohnerrat behandelte die entsprechende Vorlage des Gemeinderates in seiner Sitzung vom 25. August 1999. Er beschloss ein neues Kulturkonzept auf den 1. Januar 2000 und bewilligte einen Globalkredit von 640 000 Franken bis Ende 2001. Damit machte er den Weg frei für die Wahl eines Kulturbeauftragten.

Der Verkehrsverein wird sich also in Zukunft hauptsächlich mit der Durchführung der 1.-August-Feier, mit Neuzuzügerfahrten, mit Informationsanlässen der ImageKommission und mit dem Dreikönigs-Sternmarsch befassen. Daneben werden aus den Kreisen des Vorstandes und der Mitglieder aber sicher auch neue Aktivitäten vorgeschlagen und realisiert.

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