1998

Vor 50 Jahren:
Die Einweihung des Niederholzschulhauses

Albert Schudel

Die Eröffnung des Schulhauses im Niederholzquartier war ein wichtiges Ereignis für Riehen. Damals schrieb Albert Schudel in der RiehenerZeitung den folgenden Bericht.

Am vergangenen Dienstagnachmittag ist das dritte Schulhaus unseres Dorfes, das Niederholzschulhaus, offiziell eingeweiht und den Schulbehörden übergeben worden.

Die schlichte Einweihungsfeier wurde eröffnet durch das bekannte Spiel «Der Landvogt Wettstein», das der Autor Ed. Wirz mit einigen seiner Schüler und Schülerinnen zur Darstellung brachte. Es war köstlich, dem natürlichen, frischen Spiel der Kinder zusehen zu dürfen. Anschliessend an diesen netten, kleinen Auftakt begrüsste der Vorsteher des Baudepartementes, Regierungsrat Dr. F. Ebi, die als Gäste geladenen und erschienenen Regierungsräte, die Mitglieder der Grossrätlichen Kommission, die die Bauvorlage zu prüfen hatte, die Vertreter der Gemeinde Riehen, die Schulbchörden und die Presse. Er gab einen kurzen überblick über die Entstehungsgeschichte des Schulhauses. Ursprünglich, d.h. vor dem Kriege, war geplant, das Schulhaus am Erlensträsschen zu erweitern; Pläne und Berechnungen lagen fertig vor. Der Krieg verunmöglichte aber den Umbau, und die Nachkriegsjahre verlangten dann wegen der Wohnungsnot vor allem Wohnbauten. - Aber gerade die vielen neuerstellten Wohnkolonien, die die Einwohnerzahl und damit auch die Kinderzahl sprunghaft in die Höhe schnellen liessen, veränderten die Lage und erforderten dringend ein neues Schulhaus im Niederholzquartier. - Es wurde die Erstellung eines Schulhauses mit etwa 14 Klassen und Erweiterungsmöglichkeiten auf 20 Klassen vorgesehen. Die prekäre Finanzlage des Kantons und die Schwierigkeiten in der Materialbeschaffung brachten es mit sich, dass beschlossen wurde, den Bau in mehreren Etappen durchzuführen. Die erste Bauetappe wurde auf ein Minimalprogramm mit 6 Schulzimmern reduziert, doch mussten von Anfang an alle notwendigen Nebenräume für die Lehrerschaft, Bibliothek und Material, sowie Eingangshalle, Korridore, Heizung und Installationen so dimensioniert werden, dass sie auch für den späteren Vollausbau des Schulhauses genügen. Auch auf die Turnhalle mit Garderobe und auf eine Abwartwohnung konnte nicht verzichtet werden.

Im Februar 1946 wies der Grosse Rat das für die Schule verlangte Kreditbegehren in der Höhe von 1,5 Millionen Franken zurück, resp. beauftragte eine Kommission, das Projekt auf mögliche Einsparungen hin unter die Lupe zu nehmen. Dies geschah und im Mai 1946 bewilligte dann der Rat den um nahezu Fr. 300 000 - reduzierten Kredit. Im September 1946 wurde mit den Bauarbeiten begonnen; der Bau der Turnhalle konnte erst später angefangen wer den und dürfte erst auf die kommende Wintersaison hin fertig werden.

Der Vorsteher des Baudepartementes, Dr. F. Ebi, übergab dann den Bau dem Vorsteher des Erziehungsdepartementes, Dr. C. Mi ville, der seinerseits diese, wie er sagte, für ihn leichte Last dem Rektor der Landschulen, Herrn Dr. H. Stricker, in treue Obhut übergab. In seiner Ansprache betonte Dr. Stricker, dass es für ihn keine leichte, wohl aber eine liebe Last sei. Wie sein Vorredner, so dankt auch Rektor Stricker allen, die am Bau irgendwie mitgeholfen haben, er verspricht, dafür zu sorgen, dass das schöne, ihm anvertraute Schulhaus sorgfältig gepflegt und unterhalten werde und dass darin die Riehener Jugend in gutem Sinn und Geist unterrichtet werde, zum Segen unseres lieben und schönen Dorfes. Wie sehr der Bau nötig war, ersehe man daraus, dass noch vor Jahresfrist mit einer Schülerzahl von 130 gerechnet wurde, die im Niederholzschulhaus untergebracht werden müsse, während nunmehr bereits 220 Kinder darin eingezogen sind! Er spreche in diesem Zusammenhang den dringenden Wunsch aus, die Regierung möge dafür sorgen, dass in spätestens zwei Jahren auch der Erweiterungsbau eingeweiht werden könne. - Zum Schluss der kleinen Feier im Hof der Schule dankte auch Gemeindepräsident W. Wenk im Namen der Gemeinde Riehen. Ohne dass unsere Gemeinde etwas damit zu tun hatte, ist ihr nun das schöne Schulhaus gegeben worden, über dessen gediegen schöne Gestaltung und Ausführung wir uns nur freuen können. Er schliesse seinen Dank an die Regierung mit dem Wunsche, es möchte jetzt und allezeit in diesem Schulhause unsere Jugend in echt demokratischem Geiste erzogen werden.

Anschliessend an die Feier wurden die Gäste durch die Bauten geführt. Dabei konnte man sowohl von Laien wie von Fachleuten nur ein Urteil hören: das Schulhaus mit seinen hellen, freundlichen Stuben und seiner zweckmässigen Einrichtung ist ein überaus gut gelungenes Werk. Dem Architekten, F. Beckmann, sei hier ein ganz besonderes Kränzli gewunden!

Anschliessend an die Führung offerierte das Baudepartement im Restaurant Niederholz noch einen kleinen Im biss. Bei dieser Gelegenheit hielt neben Dr. Ebi auch der Präsident der Schulinspektion Riehen, A. Hof, noch eine Ansprache, in der er die Bedeutung dieser Einweihungsfeier gebührend würdigte.

Und nun, wie sieht denn das Schulhaus innen aus? Machen wir noch schnell einen kurzen Rundgang durch dasselbe: Die breite Treppe führt uns zu dem gedeckten Vorplatz, dem äusseren Verbindungsstück zum Abwarthaus (an die Wand dieses Vorplatzes soll bald der «berühmte» Löwe gemalt werden), und wir betreten die grosse, schöne Vorhalle. Gerade vor uns haben wir die gedeckte Pausenhalle, die den Hauptbau mit der Turnhalle und dem Hof verbindet. Nach links kommen wir ins eigentliche Hauptgebäude, das parallel zur Niederholzstrasse läuft und in dem im Parterre und im ersten Stock je drei freundliche, helle Klassenzimmer, ferner ein Rektorats-, ein Lehrerzimmer, Bibliothek- und Materialraum und die erforderlichen WC-Anlagen untergebracht sind. Im gut belichteten Untergeschoss befindet sich ein Handarbeitszimmer für Knaben und ein grosser Raum für die Verteilung voir Schulmilch oder Suppe. Die Heizung ist so bemessen, dass sie auch für weitere Bauetappen ausreicht. Die Böden der Korridore und Nebenräume sind mit den schönen roten Klinkerplatten belegt, während in den Schulstuben Linoleum auf schall- und wärmeisolierter Unterlage liegt. Die grossen Fenster, die freundlichen Farben, die gediegene und zweckmässige Inneneinrichtung machen das Schulhaus wirklich zu einem Schmuckstück; dabei ist nirgends unnötiger Luxus hereingebracht worden. - Die Turnhalle hat ein Ausmass von 24 auf 12 Meter Bodenfläche und ist 6 Meter hoch. Für Schüler und Lehrer sind geeignete Garderobe- und Douchenräume vorhanden.

Aber wir wollen nun nicht mehr weiter berichten, sondern uns der Einladung des Baudepartementes anschliessen und unsere Leser aufmuntern: Kommt selbst, und seht Euch am kommenden Sonntag, anlässlich der öffentlichen Besichtigung (10-12 und 14-17 Uhr), das schmucke, neue Schulhaus selber an.»

Soweit der Bericht Albert Schudels über die Einweihung. Rund ein Jahr später konnte die Turnhalle bezogen werden. Das vom Künstler Otto Abt (1903-1982) geschaffene Wandbild «Afrika» - der «berühmte» Löwe - war wegen seiner Internationalität in einer Zeit nachwirkender geistiger Landesverteidigung umstritten; es fand sei nen Platz am Schulhaus im Herbst 1948. Der Erweiterungsbau mit vier zusätzlichen Klassenräumen stand im Frühling 1951 bereit. Für den vergrösserten Pausenhof entwarf der Bildhauer Hans Geissberger (* 1921 ) eine Brunnenanlage mit Tierplastiken. Das 1953 eingeweihte Niederholzschulhaus II erhielt 1957 den definitiven Namen «Hebelschulhaus». Der von 1994 bis 1996 errichteten Dreifachturnhalle musste die alte Turnhalle des Niederholzschulhauses weichen. Soviel zur Baugeschichte; die Geschichte der Menschen im Niederholzschulhaus muss noch geschrieben werden. Wenn übrigens dieses Schulhaus das dritte in Riehen ist, so trägt das Schulhaus am Erlensträsschen (1879) die Nummer eins und dasjenige an der Burgstrasse (1911) die Nummer zwei.

Personen
Michael Raith Fritz Beckmann (1900-1972), Architekt BSA, Erbauer Rekonvaleszentenstation St. Chrischona, Hauptsitz Basler Kantonalbank, Sandgrubenschulhaus sowie vieler anderer Wohnbauten, Geschäftshäuser und Gasthäuser Fritz Ebi (1889-1961), Dr. phil., Lehrer, Mitglied Gemeinderat, Grosser Rat und Regierungsrat Arnold Hof-Roth (1887-1963), Buchdrucker, Präsident Schulinspektion und Weiterer Gemeinderat, Mitglied Grosser Rat Carl Miville (1891-1981), Dr. iur., Präsident Strafgericht, Mitglied Grosser Rat, Regierungsrat und Nationalrat Albert Schudel (*1910), Buchdrucker, Redaktor RZ, Präsident CVJM, Mitglied Weiterer Gemeinderat und Kirchenvorstand Hans Stricker (1896-1961), Dr. phil., Rektor Mädchenprimar- und -sekundarschule Basel, Inspektor Landschulen Edwin Strub (1881-1971), Dr. iur., Redaktor National-Zeitung, Mitglied Grosser Rat Wolfgang Wenk (1906-1972), Architekt, Bauunternehmer, Mitglied Grosser Rat und Verfassungsrat, Gemeindepräsident, Bürgerratspräsident Eduard Wirz (1891-1970), Lehrer, Heimatdichter, Erzähler
 


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