1998

Das Dorfspital in Riehen

Michael Raith

Spitäler entstanden früher bei Klöstern oder in Städten. In Riehen waren es die Diakonissen, die den Grundstein zum Dorfspital legten. HeLite liegt das moderne Spital voll in der Verantwortung der Gemeinde.

Aller unterirdischer Alpentransversalen zum Trotz ist die Schweiz ein Land der Pässe geblieben. Auf ihnen stehen noch immer Hospize: fromme Herbergen für müde, kranke oder verletzte Pilger und andere Wandersieute. Vor allem Mönche sahen es in solchen Einrichtungen gemäss den Worten Jesu im 25. Kapitel des Evangeliums nach Matthäus als ihre Aufgabe an, Hungrige zu speisen, Durstigen zu Trinken zu geben, Fremde zu beherbergen, Nackte zu kleiden, Kranke und Gefangene zu besuchen. Schon das Mittelalter kannte viele Gruppen Betreuungsbedürftiger: Alte, Behinderte, ausgesetzte Kinder, Gebärende und Wöchnerinnen, Waisen sowie Fremde. Ihnen also galt die besondere Fürsorge der Kirche, und für sie baute man Hospize oder (Ho)Spitäler. Das mittellateinische Hauptwort «hospitalis» geht auf ein klassisches mit der Bedeutung «Gastfreundschaft» zurück. Und so entspricht zwar heute begrifflich ein Spital in der Schweiz einem Krankenhaus in Deutschland, aber die eidgenössische Variante hört sich ganzheitlicher und schöner an.

Wie kommt ein Spital ins Dorf?
Schon die Antike kannte zu Kliniken ausgebaute ärztliche Privatpraxen. Das karitative Element liess Spitäler im wesentlichen eine Schöpfung des frühmittelalterlichen Ostchristentums werden: Ein Haus für Kranke ist 1135 in Byzanz beim Kloster des Pantokrator (= Gott als Weltherrscher) bezeugt. Byzanz, das auch die Namen Konstantinopel und Istanbul trägt, war damals schon Weltstadt. Alte Spitäler gehören entweder zu Klöstern oder stellen selbständige soziale Einrichtungen dar, beides findet sich in Städten oder in besonderen Siedlungen, nicht aber in einem gewöhnlichen Dorf, wie Riehen es - trotz vielfachen Beziehungen zu an anderen Orten gelegenen Klöstern - in der Vergangenheit war. Etwas salopp gesagt: Riehen brauchte ein Kloster, um zu einem Spital zu kommen. Eine andere Variante, nämlich die, dass Riehen als Hauptort des baselstädtischen Landbezirkes (1833 bis 1875) ein kantonales Bezirksspital hätte erhalten sollen, ist, wohl wegen der Kleinräumigkeit der Verhältnisse, nie diskutiert worden.

Die medizinische Versorgimg Riehens in alter Zeit
Da Spitäler also entweder bei Klöstern oder in Städten zu finden waren, gab es früher in Riehen keine. Dafür stand in Basel sicher schon 1265 an der oberen Freien Strasse zwischen den Einmündungen von Barfüsser- und Streitgasse - ein ursprünglich von Klöstern betreutes «hospitale novum». Von dort wurde es 1842 in den ehemaligen Palast der Markgrafen von Baden an der Hebelstrasse verlegt und vielfach erweitert. Dieser «Spittel» gehörte der Stadt, weswegen er den Namen «Bürgerspital» trug; erst 1972 erfolgte die Umwandlung zum «Kantonsspital Basel». Bis ins 19. Jahrhundert fanden Leute aus Riehen nur selten Aufnahme in dieser institution: Geboren, gelitten, genesen oder gestorben wurde zu Hause.

So ist der Basler Spittel in der Gemeinde nicht primär wegen der Leidenden, sondern als Landeigentümer in Erscheinung getreten: Die vielleicht schon 1319 genannten Spittelmatten und der auf ihnen 1765 erbaute Spittelmatthof standen in seinem Besitz.

Das Spital zu Basel war nicht der Vorfahr desjenigen zu Riehen. Höchstens Psychiatriepatienten kamen in die Stadt; aber das ist eine Geschichte für sich, die weder mit dem heutigen Kantons- noch mit dem Gemeindespital zu tun hat. Auf dem Lande herrschte bis zur völligen Veränderung des Lebens und der Arbeit durch die Industrialisierung sowie bis zur Entwicklung zu einer modernen und wissenschaftlichen Medizin die Hauspflege, meist durch Familienangehörige, vor, was Krankheit und Tod in den Alltag integrierte. ältestes medizinisches Etablissement in Riehen war die auf das 13. Jahrhundert zurückgehende und 1535 erstmals erwähnte Badstube an der modernen Adresse Schmiedgasse 14. Hier zog der handwerkliche Bader, Balbierer oder Scherer Zähne, verband Brüche, verabreichte Klistiere, entlauste, wusch und schnitt Haare, behandelte Wunden, liess zur Ader oder schröpfte, gab Medikamente ab und heizte den Badenden ein. In Riehener Quellen des ausgehenden 18. Jahrhunderts und bis zur Kantonstrennung von 1833 erscheint ab und zu ein Hinweis auf ein Siechenhaus. Damit ist meist das mittelalterliche Untere Spital zu Liestal gemeint; ursprünglich diente es Aussätzigen, später verpfründete man dort Minderbemittelte. Auf einer Inschrifttafel an einem -1955 wieder abgebrochenen - Neubau war zu lesen: «Sonder Siechen und Armen Haus/Zum Trost des Land Volcks/ erbauen im Jahr 1766». Hier wurde manches Riehener Leben beschlossen. Trotzdem zählt auch diese Institution nicht zu den Vorfahren des Gemeindespitals, sie ist es vielmehr für das 1835 neueingerichtete Landpfrundhaus.

Die Diakonissen aus Riehen
Riehen brauchte also ein Kloster, um zu einem Spital zu kommen. Es erhielt eine solche Einrichtung allerdings nicht in mittelalterlich-monastischer, sondern in Gestalt eines Mutterhauses einer evangelischen Schwesternschaft. Ihre Bezeichnung geht auf das auch im Neuen Testament vorkommende griechische Wort «SiaKOveüv» (= diakonein) zurück, was konkret «bei Tisch aufwarten, Speisen und Getränke reichen» und übertragen Hilfe und Sorge für Elende und Bedürftige als Nachfolge in der Liebe Jesu Christi bedeutet. Bereits im Brief des Apostels Paulus an die Römer (16,1) erscheint eine Diakonisse, sie trägt den Namen Phoibe (Phöbe).

Das diakonische Tun von Mönchen und Nonnen fand seine Fortsetzung im sozialen Engagement von Staat und Kirche. Aber gerade der Bau neuer und grosser Spitäler vor der Mitte des 19. Jahrhunderts zeigte, dass dieses nicht genügte. Das dringend benötigte Pflegepersonal wollte sich trotz allen Bemühungen nicht auf Dauer finden lassen. Zu diesem Thema wurde geschrieben: «Leider machte (man) ... die Erfahrung, dass die ausgebildeten Wärterinnen sich verheirateten oder sonst dem Beruf entfremdeten. Die Ausbildung war beinahe umsonst geschehen.» Aus dieser Erkenntnis wuchs im sozial ausgerichteten Milieu der mächtigen Frömmigkeitsbewegung der Erweckung der Gedanke, Pflegerinnen auszubilden, «welche die christliche Liebespflege jeder Art als ordentlichen Beruf ausüben würden», was Ehelosigkeit voraussetzte, jedoch habe man den «Schwestern den Austritt, die Heimkehr zu den Eltern und die Verheiratung offen (zu) halten». Ein erstes Diakonissenhaus wurde durch Pfarrer Theodor Fliedner (1800-1864) 1836 in Kaiserswerth am Rhein bei Düsseldorf gegründet, in der Schweiz sammelten sich die ersten Schwestern 1842 in Echallens VD (seit 1852 St-Loup bei Pompaples VD), und unmittelbares Vorbild für Riehen wurde Strassburg, wo Pfarrer Franz Heinrich Härter (1797-1874) ebenfalls 1842 eine entsprechende Einrichtung ins Leben rief.

Wie an so manchen erwecklichen Bestrebungen ging auch beim Entstehen des Diakonissenhauses Riehen der tatkräftige Christian Friedrich Spittler (1782-1867) mit Rat und Tat voran. Erfahrung eigener Kränklichkeit und Pflegebedürftigkeit hat die Idee einer Gründung noch unterstützt. Spittler kaufte in Riehen ein Haus an der modernen Adresse Oberdorfstrasse 20 und berief ein Komitee, das sich am 19. Februar 1852 konstituierte. Das Präsidium übernahm der Bankier und Präsident der Exekutive der Stadt Basel, Hieronymus Bischoff (1795-1871), der den Sommer über im Elbs-Birrschen Landgut - heute Musikschule - an der Rössligasse wohnte und sich als Menschenfreund einen Namen erwarb. Erste Oberschwester wurde Trinette (Catharina) Bindschedler, Tochter eines aus Männedorf ZH stammenden Textilfabrikanten in (Lörrach-)Haagen. Sie lebte von 1825 bis 1879 und starb, wie viele ihrer Mitschwestern, an Typhus, den sie sich in Ausübung ihres Berufes zugezogen hatte. Die offizielle Einweihung des Diakonissenhauses Riehen fand am 11. November 1852 statt.

Ohne das Diakonissenhaus Riehen hätte es das Krankenhaus Riehen nicht gegeben. Der sich dogmatischen Disputationen verschliessende und kontemplative übungen relativierende, sich aber in diakonischer Tat äussernde Glaube schuf sich im Mutterhaus, im Spital und darüber hinaus in Kirche, Gemeinde und in manchem Riehener Haus einen nachhaltigen Anwendungsbereich.

Die Gründling der Heilanstalt
Schon die ersten vom Komitee bald nach seiner Konstituierung verabschiedeten Statuten hielten fest: Die Diakonissenanstalt beschränkt sich bei der Bildung von Diakonissen zunächst auf den Beruf der Krankenpflege. Im Diakonissenhaus ist eine mit der Anstalt verbundene Heilanstalt, welche den Diakonissen Gelegenheit darbietet, neben dem theoretischen Unterricht durch den Hausarzt sich in der praktischen Krankenpflege zu üben.

Diese Heilanstalt fand ihre Bleibe im westlichen Flügel des Stammhauses. Am 13. Oktober 1852 trat die erste Kranke ein, sie litt an einem bösen Auge. Anfangs November folgte eine Kindergärtnerin aus Grenzach; damit nahm die Tradition, nach der das Riehener Spital auch aus der badischen Nachbarschaft rege frequentiert wurde, ihren Anfang. Es folgten als erste Patientinnen eine arme und unheilbar kranke Wäscherin aus Basel und am 6. November die erste Riehenerin «mit amputiertem Bein, krankem Arm, ganz hilflos; daheim keine reinliche Pflege».

Aufgenommen wurden ausschliesslich Frauen und Kinder unter 15 Jahren, Platz vorhanden war für je sechs Frauen und Kinder. Dementsprechend befanden sich in einem grossen Krankenzimmer sechs Betten für erwachsene Patientinnen und ein Bett für die ebenfalls hier übernachtende Schwester sowie in einem zweiten Zimmer fünf Kinderbetten und ein Schwesternbett. In einem dritten Zimmer standen noch einmal zwei Krankenbetten und ein Schwesternbett. Dazu kamen Apotheke und Totenkammer. Die Wochenpauschale betrug für einheimische Behandelte drei Franken - also pro Tag knapp 43 Rappen -, für Fremde vier Franken. Im ersten Betriebsjahr wurden 106 Patientinnen und Patienten gepflegt, die mittlere Aufenthaltsdauer betrug 29 Tage, und bei Gesamtausgaben von 10 300 Franken wurde ein Defizit von 3000 Franken erwirtschaftet. Für das gute Einvernehmen zwischen Anstalt und Standortgemeinde spricht, dass schon im ersten Jahr Riehen ein Freibett bewilligt wurde. Auch ausserhalb des Spitals leisteten Diakonissen für die Gemeinde wertvolle Dienste, und zwar in der Privatpflege, die als Vorgängerin der modernen Spitexorganisation anzusehen ist, und seit 1859 als erste Kindergärtnerinnen. Von Anfang an stand der neuen Heilanstalt Martin Burckhardt (1817-1902), nach seinem Wohnsitz als Doktor vom Wenkenhof bekannt, als Arzt vor. Er pflegte von seinem Landgut aus das Spital per Pferd zu erreichen, was einem Teil dieses Weges, dem Martinsrain, seinen Namen gegeben haben soll. Die Pflegetage nahmen erst zu, und zwar von 3158 im ersten Jahr 1852/53 auf 8699 im Jahr 1860/61, um dann auf 5125 im Jahr 1869 zurückzugehen. Als Ursachen dieser Entwicklung stellte man den Wegzug Martin Burckhardts nach Basel und seine deswegen verringerte Präsenz im Krankenhaus, dann die Konkurrenz durch das 1862 eröffnete Kinderspital am Rhein sowie schliesslich die zwar freundliche und gesunde, aber doch zu stadtabgelegene Lage Riehens hin. Aber statt zu resignieren oder eine Verlegung nach Basel vorzunehmen, schritt das Komitee mutig vorwärts und beschloss 1868 einen Spitalneubau.

Der Rebersche Spitalneubau
Den Architekturauftrag erhielt Paul Reber (1835-1908), bekannt als Erbauer zahlreicher Kirchen und Kapellen, aber auch als Poet, als Fest- und Lustspieldichter. Das neue Haus konnte am 27. Juli 1871 bezogen werden. Zunächst lauteten die Urteile günstig: «Die Zweckmässigkeit der Einrichtung, die freundlichen Räume, verbunden mit der freundlichen Einrichtung, sprechen jeden Besuchenden an, so dass man zuweilen die äusserung vernimmt: Hier möchte ich auch krank sein.» Leider zeigten sich aber bald auch Nachteile. Riehen erlitt immer wieder Typhusepidemien, es war aber im Spital zu wenig mög lieh, an ansteckenden Krankheiten leidende Patienten und Schwestern wirksam abzusondern. Auch versagten die sanitären Einrichtungen, und die antiseptische Wundbehandlung stiess auf grosse Schwierigkeiten. Trotzdem zählte man erstmals 1886 über 13 000 Pflegetage.

Obwohl versucht wurde, mit baulichen Massnahmen etwa einem neuen Operationssaal (1898) - Missstände zu beheben, wuchs nach der letzten Jahrhundertwende im Komitee die Idee heran, es sei ein neues Spital zu bauen. Und dies obwohl das Diakonissenhaus mit der Errichtung und dem 1900 erfolgten Bezug der Psychiatrischen Klinik Sonnenhalde, dem zweiten Riehener Krankenhaus, eine gewaltige Leistung erbracht hatte. Der Spitalneubau war denn auch nicht unumstritten. Man wagte ihn, weil die Zahl der Schwestern in einem Ausmass, das dringend mehr Raum verlangte, anstieg. Also erfolgten der Umbau des bisherigen Reberschen Krankenhauses an der Schützengasse 51 zum Diakonissenmutterhaus, und am Spitalweg 20 wurde am 17. November 1907 ein Spitalneubau eingeweiht. Dabei hatten sich moderne Zeiten durch Bauarbeiterstreiks, aber auch durch Kanalisations- und Elektrizitätsanschluss bemerkbar gemacht. Das von Architekt Eduard Vischer (1843-1929) konzipierte Spital mit ungefähr hundert Betten diente lange Zeit als Vorbild. Die Patientenzahlen nahmen zu - wenn auch nicht kontinuierlich - und bewegten sich zwischen 700 und 900 pro Jahr. Ansteckende Krankheiten wurden seltener, dafür verschaffte Chefarzt Emanuel Veillon (1871-1953) als begnadeter Strumaoperateur dem Riehener Krankenhaus den Titel «Kropfspital» (siehe auch Artikel Seiten 26-35). Die Abteilung Geburten wurde 1927 geschlossen, eine andere für Medizin 1933 eröffnet.

Vom Diakonissenspital zum Gemeindespital
Nach 1930 forderte die medizinische Entwicklung wieder einen Spitalneubau, zuerst wurde der Standort Sarasinpark diskutiert, dann aber nach reiflicher überlegung beschlossen, die Probleme durch einen Anbau an das bestehende Gebäude zu lösen. Man bezog ihn 1939 an der Schützengasse 35/37. Als Architekten zeichneten für ihn die Brüder Ernst Benedict (1878-1948) und Paul Vischer (1881-1971), Söhne von Eduard Vischer, verantwortlich. Zum ersten Mal nahm das Diakonissenhaus zur Bestrei tung der Baukosten Subventionen entgegen. Die Schuldenlast drückte vorübergehend. Aber das Werk wuchs: im Jahre 1942 erreichte das Diakonissenhaus mit fast 600 Schwestern einen zahlenmässigen Höhepunkt. Doch die Verhältnisse änderten sich. Der damalige Präsident des Komitees, Alfons Burckhardt (1916-1998), musste an der Jahresfeier 1962 bekanntgeben, dass gestiegene Defizite und gesunkene Schwesternzahlen das Diakonissenhaus mittelfristig zur Aufgabe des Spitals nötigten. Daran konnten auch nun ausgerichtete Gemeindesubventionen nichts ändern, obwohl der Betrieb akzeptiert und ausgelastet war. So wurde nach 121 Jahren 1973 aus dem Diakonissenspital das Gemeindespital Riehen. Die Verantwortung für den aus Chirurgie, Medizin und einem Ambulatorium bestehenden Betrieb übernahm das Kantonsspital Basel. In das Spitaldefizit teilten sich bis 1980 Kanton und Gemeinde hälftig, dann musste Riehen den ganzen Fehlbetrag - er umfasste 1986 3,5 Millionen Franken - tragen. Es war ebenfalls die Gemeinde, welche bis 1986 mit einem Kostenaufwand von über 20 Millionen Franken ihr Krankenhaus um- und einen neuen Operationstrakt einbaute. Das so weitgehend erneuerte Gemeindespital verfügte nun über 107 Betten und alle nötigen Dienstleistungen. Eine Cafeteria wurde 1994 eröffnet. Neue Verhältnisse schufen das 1994 erlassene Krankenversicherungsgesetz des Bundes und seine kantonale Umsetzung (siehe auch Artikel Seiten 4-11). Eine erste Spitalliste (1997) zwang zum Abbau von neun Akutbetten im Spital selbst, bis 2002 sollen noch mehr dazukommen. Aus zwanzig Geriatriebetten entstand durch Umwandlung ein spitalinternes Pflegeheim, eingeweiht 1998. Nachdem der Regierungsrat die administrative Führung des Gemeindespitals durch das Kantonsspital auf Ende 1997 beendete, sah sich die Gemeinde Riehen gezwungen, die Verantwortung selbst zu übernehmen. Sie tat das mit einer Spitalordnung, einem Rahmenkontrakt und einem Globalbudget. Dass die Gemeinde das Defizit des letzteren in der Höhe von 5,3 Millionen Franken jährlich selbstverständlich trägt, beweist - neben der ungebrochenen Akzeptanz und Frequenz (rund 150 Vollstellen innehabende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ermöglichen zwischen 36 000 und 37 000 Pflegetage sowie 10 000 bis 11000 Untersuchungen im Ambulatorium) - die Anhänglichkeit der Riehener Bevölkerung an ihr Spital.

Literatur
Das Diakonissenhaus Riehen gab bis heute drei Darstellungen seiner Geschichte heraus: - J(ohartn) J(akob) Kägi: Eben Ezer. Das Diakonissenhaus Riehen 18521902, Mitteilungen aus der Geschichte seines Werdens und Wirkens, Riehen (1902) - Karl Stiickelberger: Ein neues «Eben Ezer», Das Diakonissenhaus Riehen in seinem Werden und Wirken 1852-1927, Basel (1927) - Fritz Hoch: Hundert Jahre Diakonissenanstalt Riehen 1852-1952, Riehen (1952) Diese werden ergänzt durch die von Fritz Hoch bearbeiteten «Beiträge zur Geschichte des Diakonissenhauses Riehen», wobei für diese Arbeit Verwendung fanden: - Heft 4: Das erste Jahr im Diakonissen-Mutterhaus in Riehen 1852/1853, 1964 - Heft 5: Die ersten Gemeindekrankenpflegeposten des Diakonissenhauses in Riehen, 1966 - Heft 7: Wie der «Christliche Volksbote aus Basel» die Gründung des Diakonissenhauses Riehen vorbereitet hat, 1966 Weitere wichtige Informationen enthalten: - GKRS.114,141,148 f.,213,257-259 - Fritz Hoch: Die Diakonissenanstalt in Riehen, RJ 1963, S. 81-93 - RGD S. 187-190 und 395-391 - Friedrich Rintelen: Ludwig Georg Courvoisier (1843-1918), RJ 1978, S. 77-85 - Ernst Staehelin: Die Christentumsgesellschaft in der Zeit von der Erweckung bis zur Gegenwart, in: Theologische Zeitung, Sonderband IV, Basel 1974, S. 21 (Nr. 78) und 592 f.

Zuletzt erschienen: - Vreny Kamber und Peter Nussberger: 20 Jahre Gemeindespital Riehen, Ein geschichtlicher Rückblick, in: Gemeinde-Spital Riehen, Jahresbericht und Jahresrechnung 1993, Riehen 1994 - Michael Raith: Wie die Gemeinde Riehen zu einem Spital kam, in: SpitalNews, Informationen aus dem Gemeindespital Riehen, Nr. 1, Riehen 1998 Alle oben erwähnten Darstellungen berichten über das Diakonissenhaus und über das Spital, eine umfassende medizinhistorische Schilderung fehlt hingegen.

Riehener Medizinalgeschichte vor dem Spitalbau erzählt - Albin Kaspar: Bader, Scherer und Doktoren, Streiflichter auf die medizinische Versorgung Riehens in früheren Zeiten, RJ 1988, S. 48-65 Von Leuten aus Riehen im Spital zu Basel ist zu lesen bei - Michael Raith: Riehener «Nettigkeiten von arino dazumal», Aus dem Tagebuch Emanuel LeGrands, RJ 1989, S. (28)-41 - Stefan Suter: Der Hexenprozess gegen Margreth Graf-Vögtlin, RJ 1997, S. (60)-73 Zuletzt schrieben im Jahrbuch «z'Rieche» über das Gemeindespital - Martin Christ: Die Renovation des Riehener Gemeindespitals, RJ 1986, S. (162)-171 - Peter Nussberger: Bedürfnisse und Möglichkeiten des Gemeindespitals, RJ 1986, S. 172-177 - Silvia Hofmann: Historische Gärten in Riehen. Die Gärten des Diakonissenhauses, RJ 1989, S.(120)-141


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