1988

Doktor Singeisens Hausapotheke

Willem F. Daems

Die moderne Medizin kennt mehr als 60 000 Namen für Krankheiten, und sie verfügt über einige Tausend Arzneistoffe zu deren Behandlung. Der Mediziner Theobald Singeisen kam für seine Landpraxis, die er Ende des 18. Jahrhunderts in Riehen betrieb (vgl. den Beitrag von Friedrich Teutsch: «Theobald Singeisen - vom Bauernbub zum gelehrten Arzt», S. 19-34), mit etwa 40 Medikamenten aus. Wie alle Ärzte in früheren Jahrhunderten besassTheobald Singeisen seine eigene «Apotheke», in der er die notwendigen Heilmittel selbst herstellte. Sein Apothekenschrank enthielt Arzneien, die er als solche oder dann zu Pülverchen, Tropfen, Pillen und Salben aufbereitet, abgeben konnte, so beispielsweise Alaun (2), Epsomsalz (27), Opiumtropfen (23, 32), Hoffmannpillen (33), Wundsalbe (6) und andere. Tee von Wermut (1), Enzianwurzel (15), Gottesgnadenkraut (16), Sennesblätter (45) konnten die Patienten zuhause zubereiten. Vieles wird Theobald Singeisen jedoch selbst fachkundig in seiner «Apotheke» hergestellt haben. Die notwendigen Hilfsstoffe wie Alkohol für Tinkturen, fette Öle und Wachse für Salben, Honig und Zucker für Sirupe waren sicher in grösseren Gefässen gelagert, die im Inventar des Arzneischrankes nicht aufgeführt sind.


Anmerkung:
Theobald Singeisens Verzeichnis seiner Medikamente befindet sich im Besitz seiner Nachfahrin Dora Wälde geb. Vortisch (Dr. med., in Lörrach), die erwähnte Bibel in demjenigen eines anderen Nachkommen, Andreas Boller (Pfarrer in Wädenswil ZH).


 
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