1984

Riehener Kindheit vor 70 Jahren

Alice Bachofner

Frau Alice Bachofner (geb. 1905) verlebte einen Teil ihrer Kindheit in Riehen. Nach längerem Auslandsaufenthalt und Jahren der Berufstätigkeit als Krankengymnastin wohnt sie seit 1960 wieder in der Gemeinde. Die nachstehenden Jugenderimterungen stellen ein Referat dar, das sie in der Altersstube Dorf im Meierhof gehalten hat.

Vor ungefähr 70 Jahren, also kurz vor dem Ersten Weltkrieg, ging ich, wie wohl viele von Ihnen, in die Primarschule am Erlensträsschen. An vieles, was wir Kinder damals erlebt haben, kann ich mich heute noch erinnern, als wär' es gestern gewesen, und davon möchte ich Ihnen erzählen.

Den Kontakt mit Riehen habe ich leider während langer Zeit verloren, da ich viele Jahre im Ausland gelebt habe, in einem Land, in dem ewig die Sonne schien, in dem es Palmen statt blühender Kirschbäume und auch an Weihnachten keinen Weihnachtsbaum gab. So schön dieser immerwährende blaue Himmel auch war, hatte ich oft Heimweh nach unserem Dorf an der Wiese. - Doch nun zur Sache. Vieles hat sich hier verändert. Alte Häuser sind verschwunden und haben neuen Platz gemacht. Einer der wenigen Wege, die sich dank der Wasserschutzzone nicht stark verändert haben, ist das Erlensträsschen. Noch immer steht da das Haus der Spenglerei Friedlin, der Schreinerei Baumann und das Anwesen von Clärli Schaad... und dann vor allem das Vereinshaus. Im Garten gegenüber sah man oft Herrn Vetter spazieren. Er war sehr leutselig mit uns Kindern, hatte einen grossen Bart, und kam mir oft vor wie der liebe Gott selbst.

Unterhalb des Schulhauses war, wie heute noch, der Turnplatz. Die alten Kastanienbäume sind mächtig gewachsen und spenden doppelt soviel Schatten. An einem schönen Sommertag stand ganz plötzlich auf diesem Platz ein Wohnwagen, und für kurze Zeit beglückte die Zirkusfamilie Stey unser Dorf mit ihren Attraktionen. Der Star der Truppe war eine junge Seiltänzerin. Wir fanden sie wunderschön, heute würde man sagen «Klasse». Wunderschön war auch ihr hellblaues Tüllkleidchen, übersät mit glitzernden Pailletten. Da die meisten von uns Anna, Marie, Berta oder Erna hiessen, fanden wir den Namen Sibylle, so hiess die Seiltänzerin, besonders interessant, auch ein wenig fremd allerdings, und so nannten wir sie kurzerhand das «Zibbeli». Nachts träumten wir von ihr, und die Lehrer hatten ihre liebe Not mit uns, denn unsere Gedanken kreisten ständig um den geheimnisvollen Zirkuswagen. Wieviel der Eintritt zur Vorstellung gekostet hat, weiss ich nicht mehr, es mag sich um 50 Rappen gehandelt haben, und da nun plötzlich, aus heiterhellem Himmel, solch unerwartete Ausgaben auf uns zukamen, mussten wir uns nach einer Geldquelle umsehen. Zuerst wurden die Eltern angebettelt, und wenn da nichts mehr, wirklich gar nichts mehr zu holen war, blieb uns noch ein etwas übelduftender Ausweg. Aber da ja bekanntlich Geld nicht riecht, entschlossen wir uns kurzerhand wieder einmal zum Rossbollen-Sammeln. Das Pferd vom Glöckli und vom Consum-Milchwagen sowie andere Fuhrwerke sorgten immer für Nachschub, und pro Kratten erhielten wir die 50 Rappen, die wir brauchten, um Zibbeli zu sehen.

Da wir in jenem Sommer im Garten sehr viel Obst hatten, wurde reichlich Confiture eingekocht, und so schenkte meine Mutter der Familie Stey von unserem überfluss. Zwei Tage später erschien ich nicht zum Mittagessen. Man suchte mich im halben Dorf und fand mich endlich auf dem Turnplatz. Glücklich sass ich auf der Treppe des Zirkuswagens und ass meinen Teller Suppe, zu dem Zibbelis Mutter mich eingeladen hatte. Nie hat mir eine Suppe so gut geschmeckt, und als es hiess «Chunnsch jetzt ändlig heim», gab es einige Probleme.

Doch zurück zu unserem Schulhaus. Ich erinnere mich noch sehr gut an alle unsere Lehrer. Singen lernten wir bei Herrn Schäublin, Handarbeit hatten wir bei Fräulein Bucher. Oh, wenn ich sie vor mir sehe, diese dicken, weissen Socken, die wir strickten, wo die Maschen im Sommer an den Nadeln klebten. Dann gab es da noch Fräulein Spring, klein und rundlich, und in der dritten und vierten Klasse Herrn Hey er. Wir fühlten uns oft überfordert, denn er war sehr streng mit uns. Und ausgerechnet bei ihm musste mir folgendes Malheur passieren.

Es gab damals kleine hölzerne Türmchen von der bekannten Kosmetikfabrik Dralle. In diesen Türmchen war ein winziges Parfümfläschchen. Mit einem gläsernen Stift betupfte - ich sage ausdrücklich 'betupfte' - man sich, da die Flüssigkeit äusserst konzentriert war. Eines Tages, ich war allein zu Hause, wollte ich das Ding ausprobieren. Doch leider tat ich das mehr, als mir bekömmlich war, und bald war das Fläschchen leer. Anschliessend ging ich zur Schule, und da geschah, was kommen musste. Kaum sass ich auf meinem Platz, erschien Herr Heyer. Er räusperte sich, zog die Nase kraus und fragte, wer für diesen penetranten Maieriesligeruch verantwortlich sei. «So, so», sagte er zu mir, «damit nun alle etwas davon haben, gehst du von Klasse zu Klasse, sie sollen an dir riechen.» - Seither mag ich nur noch 4711.

Herrlich war es in unserem Dorf im Sommer und auch im Winter. Ich denke da an die tolle Schlittelbahn von der Chrischona bis zum Geleise der Wiesentalbahn. Und wenn wir da zwanzigmal hinunterfuhren, schliefen wir nachts notgedrungen auf dem Bauch. Der Eisweiher war nicht, wie heute, am Erlensträsschen, sondern hinter der alten Wattefabrik an der Weilstrasse. Wochenlang konnten wir dort Schlittschuh fahren. Schlecht und recht, denn von künstlichem Eis wusste noch niemand etwas. Eine Denise Bielmann wurde keine von uns. Das Eis war oft recht holperig, und mit unseren Schlittschuhen konnten wir keinen Staat machen. Sie wurden mit einem Schlüssel an die Schuhe geschraubt. Oft brach dabei der Absatz ab, oder wenn die Lederriemen gerissen waren, behalf man sich mit einer alten Schnur. Herrlich waren auch all die vereisten Bächlein. Da die einzige Apotheke an der Baselstrasse, Nähe Gatternweg lag, benutzten wir dorthin immer den Weg durch die Matten. Oft brachen wir im Eis ein und kamen pudelnass nach Hause. Wir wurden ins Bett gesteckt und bekamen von den mitgebrachten Aenistropfen. Leider hatten wir auch Lebertran eingekauft. Jeden Tag bekamen wir einen Löffel von diesem ekligen Zeug. Anschliessend erhielten wir 20 Rappen, die ins Sparkässli wanderten, und wenn genügend Geld darin war - wurde eine neue Flasche Lebertran gekauft. Falls wir uns weigerten, das ölige Zeug zu schlucken, wurde mit Dr. Baumann gedroht. Dieser Arzt hatte vier Kinder, denen er, so erzählte man, jeden Morgen früh eine Strafrede hielt, weil, so meinte er, sie dann den ganzen Tag gehorchten.

Im Frühling, wenn am Schlipf die Winterlinge und die kleinen gelben Tulpen verblüht waren, freuten wir uns schon auf unser Strandbad. Dass ich nicht lache, wenn ich Strandbad sage, denn es war eine uralte Badi. Vier Mauern, einige Kabinen und Bänke, ein Holzlättliboden, und mitten hindurch floss der Weilmühleteich. Aber wir waren so gar nicht verwöhnt und amüsierten uns in der primitiven Badi am Tüllingerhügel bestimmt ebensosehr wie heute unsere Enkelkinder im schönsten Strandbad mit allen Schikanen. Dass Mädchen und Knaben damals getrennt badeten, war selbstverständlich. An einen Tag mag ich mich ganz deutlich erinnern. Wir hatten soeben unsere Badkleider angezogen - Mode 1910 - mit kleinen ärmeln und Hosenbeinen, die bis ans Knie reichten, das Ganze besetzt mit Vo lants und Rüschen. Da erschienen plötzlich die beiden Mädchen eines bekannten Politikers und Redaktors der Basler Nachrichten. In der Badi wurde es plötzlich ganz still - es mag abends im Dorf um so mehr geredet worden sein, denn zum ersten Mal wurden wir mit «Oben ohne» konfrontiert, denn die beiden Mädchen trugen winzige Bubenbadhöschen.

Der Heimweg von der Badi ging gewöhnlich auf folgende Weise vonstatten: Sobald sich ein Gewitter näherte, machten wir uns auf die Socken. Erste Station war das alte Waschhaus am Teich. Dort fielen die ersten Regentropfen, und da wir nicht endlos warten konnten, hüllten wir uns ein in unsere grossen, weissen Badetücher, und wie kleine Gespenster gingen wir dem Teich entlang zum Bachtelenweg. Zwischenhinein wurde noch «telephoniert», denn dort befand - und befindet sich heute noch - ein langes Röhrengeländer. Wenn wir dann endlich zu Hause ankamen, waren unsere sämtlichen Kleider nässer als unsere Badeanzüge.

Ich weiss nicht, ob Sie sich noch erinnern, was wir in Riehen für Läden hatten. Einen Migros und Denner gab es nicht, aber an der Rössligasse, wenn man einen kleinen Bach überquerte, war ein bescheidener Consum. Da bezahlte man jeweils mit Consigeld, und mit violetter Tinte und einem kratzigen Fädereschüfeli wurde der Betrag der gekauften Ware in ein Büchlein eingetragen. An der Schmiedgasse war die heimelige Bäckerei Trautwein und die Papeterie von Frau Schudel. Sie war eine sehr resolute Frau, und als mein Vetter eines Tages Spielkarten verlangte, winkte sie ab mit der Bemerkung, so etwas verkaufe sie nicht. Es kam nämlich vor, dass, wenn die Männer zum Jassen zusammenkamen, gelegentlich ein Stück Land verspielt wurde und den Besitzer wechselte.

Das grösste Geschäft im Dorf, das heute noch an derselben Ecke steht, war der Laden der Familie Wenk. Ich sehe sie heute noch vor mir, die freundliche Frau Wenk-Weber. Sie stand hinter einem langen Ladentisch und wir mussten alle warten, bis wir an die Reihe kamen. Das dauerte oft eine Weile, denn Reis, Zucker, Mehl etc. wurden abgewogen und dann in Tüten verpackt. Es roch herrlich nach Gewürzen aus fernen Ländern: Zimt, Aenis, Koriander und Bärendreck, und oft erhielten wir zusätzlich eine Handvoll Täfeli, was meine Mutter veranlasste, mir zu sagen, es schicke sich nicht, Frau Wenk anzubetteln. Als ich einige Tage später wieder mit den üblichen Täfeli erschien, sah meine Mutter mich vorwurfsvoll an, worauf ich stotternd sagte: «Ich ha nit bättlet, numme fest gluegt.» Ab und zu bekamen wir Geld, sei es für Geschirrabtrocknen oder eine andere Hilfeleistung. Wir teilten alles zusammen, und so standen wir eines Tages zu dritt im Laden. «Für die 50 Rappen bekommt ihr fünf Schoggibranchli», meinte Frau Wenk. «Geben Sie uns drei, wir wollen keinen Krach», sagte die Besitzerin des Geldes. Dass sie den Friedensnobelpreis verdient hätte, muss auch Frau Wenk gedacht haben, denn wir bekamen sechs Branchli für die 50 Rappen.

Ab und zu fuhren wir Riehener auch in die Stadt, aber so einfach wie heute ging das nicht. Das erste Tram von Riehen nach Basel fuhr im Jahre 1908. Der Badische Bahnhof war am Platz, wo heute die Mustermesse steht. Dort musste man aussteigen, und über eine Passerelle erreichte man das Tram, das in die Stadt fuhr. Gewöhnlich ging es dann ins Schuhgeschäft Wiesendanger an der Greifengasse. Dieser Schuhladen steht bis heute noch am gleichen Ort, geändert haben sich nur die Schuhe. Man hatte keine grosse Auswahl, und wenn wir anstatt der üblichen schwarzen ein paar braune Schuhe bekamen, waren wir im siebten Himmel.

Auch unsere Spiele waren denkbar einfach. Stelzen, Reif und Seiligumpen waren an der Tagesordnung, dazu «Maria sass auf einem Stein» oder «Hinde ewäg und vorne dra». - Eines Tages waren meine Eltern abwesend, und wir wurden frühzeitig ins Bett gebracht von Luise, einem jungen Mädchen, das eine Vorliebe hatte für Detektivgeschichten und überall Gespenster sah. Kurz nachdem wir eingeschlafen waren, weckte sie uns und sagte, sie gehe auf den in der Nähe liegenden Polizeiposten, denn im Keller unten habe sie verdächtige Geräusche gehört. Und so machte ich zum ersten Mal Bekanntschaft mit der Obrigkeit, denn da stand plötzlich ein Polizist mit einem grossen Wolfshund, und bald fand er die Ursache für unseren Schrecken. Im Keller waren die Pfropfen von zwei Flaschen Holunderchampagner in die Luft geflogen... Viele Jahre später fand man meinen kleinen Enkel auf demselben Polizeiposten. Anstatt seinen von ihm verhassten Mittagsschlaf zu machen, spazierte er im Pyjama ins Dorf, wurde von der Polizei mitgenommen, und sass nun beglückt vor einem Glas Limonade, umgeben von Mickymausheftchen.

Ab und zu durften wir in den schönen alten Park der Taubstummenanstalt. Da gab es Kletterstangen, Ringe und Schaukeln, und dort, wo heute bei der Post der gelbe Bus anhält, war sogar ein Rundlauf. Ein taubstummer Gärtner, er hiess August und hatte einen roten Bart, betreute den Park und die Gemüsebeete hinter der Schlipferhalle. Immer wenn wir an der Frühmesse vorbeigingen, sahen wir August über seine Gemüsebeete gebückt; dann sangen wir besonders laut: «Oh, du lieber Augustin, alles ist hin.» Böse wurde er nie, denn er konnte uns nicht hören, und so war ihm vieles, was uns oft ärgert, erspart geblieben. Als auch er in die neue Anstalt umziehen musste, habe ich ihn dort besucht. Er hatte sein Zimmer in einem kleinen Häuschen, das mitten im Garten steht. «Da haben Sie es aber schön auf Ihre alten Tage», meinte ich. «Schön?» sagte er, «mir gefällt es gar nicht. Das Bett steht am falschen Platz, und nun muss ich für den Rest meines Lebens statt mit dem rechten mit dem linken Bein aufstehen.» Er ist bald danach gestorben, und da im Himmel viele Wohnungen sind, steht dort hoffentlich sein Bett am richtigen Platz.

Nach Abschluss der vierten Primarklasse nahm ich Abschied vom Schulhaus am Erlensträsschen und kam nach Basel, und so fing langsam der Ernst des Lebens an. Der Erste Weltkrieg war ausgebrochen, und wir Kinder wussten nicht recht, was da geschah und verstanden nicht, warum wir nicht mehr nach Tüllingen und Inzlingen konnten. Als Grenzdorf, so erzählt Edi Wirz, hatte Riehen mehr als einmal zu leiden, wenn in den Nachbarländern Krieg herrschte. Seine exponierte Lage lockte die fremden Truppen zu Grenzverletzungen. Von den zwei grossen Weltkriegen unseres Jahrhunderts sind wir aber verschont geblieben. Das sollten wir nicht vergessen, und dafür dürfen wir heute noch dankbar sein.

Anmerkungen
Alice Helene Bachofner besuchte von 1912 bis 1916 die vier Primarschulklassen im 1879 erbauten Schulhaus Riehen (später Schulhaus am Erlensträsschen, Erlensträsschen 8).

Alice Bachofner wohnte von 1908 bis 1918 am Erlensträsschen 33 (heute 63). Von 1928 bis 1936 lebte sie in Spanien.

Wasserschutzzone: sie wurde seit 1882 ausgebaut.

Spenglerei Friedlin = 1893 an der Baselstrasse 21 durch August Friedlin (î 867-1940) begründet. Die Werkstätte wurde 1924 in die Liegenschaft Erlensträsschen 20 (heute 50) verlegt. Erbauer (1914) und bisheriger Besitzer dieses Hauses war der Heizungsfabrikant und Heizmaterialienhändler Carl Stücklin (1882-1937).

Schreinerei Baumann = Johann Christian Baumann (1857- 1939), Schreinermeister, wohnhaft seit 1907 im damals neuerbauten Haus Erlensträsschen 32 (heute 62) [heute Schreinerei Roger Kremser], Das Anwesen von Ciarli Schaad = Klara Schaad (1906-1983), Tochter von Heilmann Schaad (1878- 1964), Baupolizeibeamter, Mitglied des Weiteren Gemeinderates und des Grossen Rates, seit 1913 im damals neuerbauten Haus Erlensträsschen 45 (heute 77) wohnhaft.

Vereinshaus = Erlensträsschen 17 (heute 47), erbaut vom Verein für Evangelisation und Gemeinschaftspflege (heute: Freie Evangelische Gemeinschaft) Riehen im Jahr 1914.

Herr Vetter = Jakob Vetter (1871-1918), Prediger, Evangelist, Zeltmissionar; seit 1912 am Erlensträsschen 14 (heute 44) wohnhaft.

Zirkusfamilie Stey = das Gemeinderatsprotokoll erwähnt 1914 einen schon bekannten <Arenainhaber> Heinrich Stey-Levy. Dieser ist im gleichen Jahr an der Elsässerstrasse 161 in Basel als Artist eingetragen. Die Eltern = Jakob (1873-1951) und Alice (1882-1943) BachofnerHaueter. Der Vater war Sekundär- bzw. Reallehrer im Basler Wettsteinschulhaus (von 1903 bis 1937) und Sohn von Heinrich Bachofner (18281897), erster Direktor des Evangelischen Lehrerseminars (Zürich-)Unterstrass.

Glöckliwagen = Pferdefuhrwerk der Riehener Müllabfuhr, von 1899 bis 1954 verwendet und mit einer Glocke ausgestattet. Die Milchmänner des heutigen Coop Basel ACV belieferten die Riehener Kundschaft seit der Zeit des Ersten Weltkrieges bis 1971. Die Umstellung auf Motorfahrzeuge erfolgte vor dem Zweiten Weltkrieg.

Heinrich Schäublin (1880-1965), von 1905 bis 1941 Lehrer in Riehen; Elisabeth Bucher (1887-1977), von 1909 bis 1944 Lehrerin in Riehen; Helene Spring (1888-1926), seit 1909 Lehrerin in Riehen; Eduard Heyer (1881-1956), von 1908 bis 1945 Lehrer in Riehen, Mitglied der Kirchensynode und des Weiteren Gemeinderates.

Eisweiher = nach 1909 begonnenen Vorarbeiten betrieb der Verkehrsverein Riehen von 1911 bis 1922 auf dem alten Tüchelweiher in den Stellimatten eine Eisbahn.

Alte Wattefabrik an der Weilstrasse = «Internationale Spezialfabrik für Watten und pharmazeutische Erzeugnisse» Karl Schonlaus (1886-1943), 1912-1929 an der Weilstrasse 12. Siehe Paul Bertschmann: «Die Wattefabrik am Mühleteich und die Riehener Eisbahn», RJ 1983, S. 141-148.

Apotheke = Erbaut 1911 an der Riehenstrasse (heute äussere Baselstrasse) 45/Rebenstrasse 2 von Franz Brieden (1878-1952), 1932 an die Kirchstrasse 1 verlegt.

Doktor Baumann = Ernst Baumann (1867-1932), Dr. med., praktizierte und wohnte seit 1894 an der Wenkengasse (heute Bettingerstrasse) 32.

Winterlinge = Hellgelber Winterling (Eranthis hiemalis) Kleine gelbe Tulpen = Wein-oder Rebbergtulpe bzw. gelbe Tulpe (Tulipa silvestris) Badi = das Gartenbad der Gemeinde Riehen am Fusse des Schlipfes (Weilstrasse 90) wurde 1898 eröffnet.

Politiker und Chefredaktor der «Basler Nachrichten» = Albert Oeri (1875-1950), Dr. phil., Mitglied des Grossen Rates und des Nationalrates, Vater von fünf zwischen 1911 und 1917 geborenen Töchtern; seit 1913 an der Griengasse (heute Chrischonaweg) 50 wohnhaft. Waschhaus = das Waschhaus am Riehener Mühleteich wurde 1862 an der Weilstrasse 23 eröffnet, ein kleiner Bach = Aubach Consum = die Filiale des heutigen Coop Basel ACV wurde von 1904 bis 1955 an der Rössligasse 33 betrieben.

Consigeld = private Nebenwährung des Allgemeinen Consum-Vereins beider Basel (ACV, heute Coop Basel ACV), im Umlauf von 1880 bis 1942. Eintrag mit Tinte etc. = zum Zwecke der Rückvergütung (bis zur Einführung von Klebmarken 1948, diese wurden mit der Rückvergütung 1974 abgeschafft).

Bäckerei Trautwein = 1914 bis 1964 an der Schmiedgasse 15 (vorher Bäckerei Wenk-Weissenberger) Papeterie von Frau Schudel = Die 1908 gegründete Firma (Buchdruckerei, Buchbinderei, Buchhandlung, Papeterie) befand sich von 1911 bis 1922 an der Schmiedgasse 6. Barbara (genannt Mina) Schudel-Bleicker (1876-1944) war die Frau des Firmengründers.

mein Vetter = Hans Heusser (1898-1972), Dr. phil., Geologe, Redaktor «Schweizerischer Beobachter»

Laden Wenk = gegründet 1804, Baselstrasse 46 Frau Wenk = Emma Wenk-Weber (1869-1943) Badischer Bahnhof = zur Linienführung des Trams von 1908 bis 1913 (Bezug des neuen Badischen Bahnhofs) vgl. Hans Adolf Vögelin: «Von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart (1798-1970)» in: «Riehen. Geschichte eines Dorfes», Riehen 1972, S. 382, und Michael Raith: «Gemeindekunde Riehen», Riehen 1980, S. 180.

Schuhgeschäft Wiesendanger = die Schuhwarenhandlung Wiesendanger erscheint im Basler Adressbuch von 1889 bis 1951, und zwar bis 1928 an der Greifengasse 33 und seit 1930 an der Greifengasse 19, wo sich heute das Schuhgeschäft Bally Rivoli befindet.

Polizeiposten = er befand sich von 1837 bis 1918 im Gemeindehaus (heute Alte Kanzlei/Haus der Vereine) an der Baselstrasse 43. Park der Taubstummenanstalt = zwischen Gemeindehaus, Bahnhofstrasse, Frühmesswegli und Parkplatz Wettsteinstrasse noch teilweise erhalten, vgl. Paul Schönholzer: «Der Wettsteinpark», RJ 1966, S. 5-7. Inspektor der Taubstummenanstalt war damals Oberst Heinrich Heusser (1865-1921), seit 1884 an der Schmiedgasse 26 wohnhaft, Mitglied des Grossen Rates. Heusser war ein Schüler Heinrich Bachofners (siehe oben) und heiratete dessen Tochter Elise (1861-1924). Aus dieser Ehe ging u.a. Hans Heusser (siehe oben) hervor. Elise Heusser-Bachofner war die Schwester von Jakob Bachofner-Haueter (siehe oben), dem Vater von Alice Bachofner. Vgl. Erwin Pachlatko: «Die Taubstummenanstalt in Riehen», RJ 1962, S. 15-24.

wo ... der gelbe Bus anhält = Haltestelle Post Riehen (Riehen 1) der Kleinbuslinie 35 an der Bahnhofstrasse der taubstumme Gärtner August = August Meyer (1876-1959), seit 1902 in Riehen an der Schmiedgasse 28 wohnhaft, 1918 Bürger von Riehen Schlipferhalle = Bahnhofstrasse 28,1878 erbaute Wirtschaft Frühmesse = Frühmesswegli, siehe Michael Raith: «Gemeindekunde Riehen», Riehen 1980, S. 167 und 236f.

Neubau Taubstummenanstalt (heute: Gehörlosen- und Sprachheilschule) 1940 an der Inzlingerstrasse 51 Edi Wirz = Eduard Wirz (1891-1970): «Unser Riehen», Riehen 1956, S. 67 Für Mithilfe bei der Verfassung der Anmerkungen gilt folgenden Institutionen Dank: Staatsarchiv des Kantons Basel-Stadt, Basel; Gemeindearchiv Riehen (Christel Sitzler); Coop Basel ACV; Kontrollbureau des Polizeidepartementes Basel-Stadt, Basel. Michael Raith
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