1982

Die Hütte der Riehener Pfadfinderinnen

Margret Locher-Dickmann

Obwohl sich die Pfadi bei ihrer Tätigkeit vorwiegend im Freien aufhalten, spielt das «Lokal» für sie eine grosse Rolle. Lokal, damit ist nicht irgendein anonymer Raum gemeint, den man zu abgemachten Zeiten benützen darf. Das Lokal ist etwas wie die Seele der Gruppe; ein Ort, an dem man zusammenkommt unter seinesgleichen, an dem man Pläne schmiedet für kommende übungen und Lager, der Ort auch, der der Gruppe bei schlechtem Wetter Unterschlupf bietet oder als Raum für Basteleien dient. Das Lokal birgt viele Erinnerungen in sich. Wo sonst besser wären all die Andenken an gemeinsame Lager und Unternehmungen für alle sieht- und wiedererlebbar aufzubewahren? Im Idealfall, wenn ein Lokal über mehrere Pfadigenerationen hinaus am gleichen Ort bestehenbleiben kann, sind noch die Traditionen und Werke der «Vorfahren» zu spüren und zu sehen. Ob sie bestaunt oder belächelt werden, hängt von den Gebräuchen der momentanen Benützer ab, vernichtet werden sie in den seltensten Fällen.

So präsentiert sich ein Pfadilokal nie als kahler, unpersönlicher Raum. Möblierung und Wandschmuck zeugen vom Geist, der in der Gruppe herrscht. Meist wird mit viel Liebe zum Detail die Ausstattung des Lokals gehegt und gepflegt. Zeiten der Führerlosigkeit und des chaotischen Sich-selber-Findens widerspiegeln sich aber ebenso in Unordnung und Staubschichten im Lokal.

Aus dieser Tradition ist es zu verstehen, dass es für die Pfadi schwierig ist, einen Raum mit andern Gruppierungen zu teilen. Früher stellte sich in Riehen und auch in Basel dieses Problem bedeutend weniger. In den grossen alten Häusern standen immer irgendwelche unbenützte und geeignete Keller- oder Estrichräume zur Verfügung. Die Häuser waren von Dimension und Bauqualität her nicht so lärmund abnützungsempfindlich, die ältere Generation - meist schon mit der Pfaditradition verbunden - wohl etwas toleranter, die Jungen weniger anspruchsvoll.
 
Heute ist - wie bei so vielem - der Staat in die Lücke gesprungen und versucht, aus seinen Beständen die vielen verschiedenen, oft gar gegensätzlichen Bedürfnisse nach Räumlichkeiten zu befriedigen.

So war es nach längerm Suchen und Verhandeln möglich, für die Riehener Maitlipfadi das alte Gartenhäuschen im Sarasinpark als Lokal zu bekommen. Das Häuschen hat die bewegte Geschichte des Sarasingutes mitgemacht und kam 1976 fast unbemerkt in den Besitz der Gemeinde. Während der Sommermonate 1981 liess die Gemeinde das Dach und das Holzwerk sanieren; im Herbst 1981 konnte die Schlüsselübergabe stattfinden. Damit war der Start gegeben für den Innenausbau, den die Gemeinde den Maitli ganz selbst überliess. Unter der Leitung einer ehemaligen Führerin und eines in technischer und baulicher Hinsicht befähigten ehemaligen Pfadiführers wird nun seit einigen Monaten in endlosen Samstags- und sonstigen Freistunden gearbeitet.

Die Zwischenräume in den Holzwänden wurden sorgfältig abgedeckt, das Ganze isoliert und nach innen mit Täfer versehen. Der für nasses Wetter und Winterkälte ungeeignete Lehmboden wurde zementiert, isoliert und präsentiert sich heute als schöner Holzboden. Das Mauerwerk ist frisch gestrichen, der Kamin für den fast schon antiken Holzofen bereits eingesetzt. In kleinen Gruppen wurden die aktiven Pfadi zur Mitarbeit beigezogen. Grosszügige Materialspenden von Riehener Firmen halfen, das knappe Budget zu schonen. Schon liegt Holz bereit zum Bau von Schäften und Bänklein. Zerlegbare Tische sollen möglichst viel Flexibilität in der Raumbenützung gewähren. Glücklicherweise ist der vorhandene Dachboden noch stabil genug, so dass der Raum unter dem Giebeldach zum gemütlichen Beisammensitzen benützt werden kann. Die äusserste Dachschräge wird Stapelraum für Material bieten.

Am 5. Juni konnten sich am «Tag der offenen Tür» die Riehener über den Stand der Bauarbeiten informieren. Der Zustrom war trotz grosser Hitze erfreulich gross, und der gute «Geschäftsgang» am Kuchenbuffett, an den verschiedenen Attraktionen und am Spenderkässeli ergab ein kleines Polster für den weitern Ausbau. Bis zum Herbst hoffen die Pfadi, ihr Lokal soweit fertig zu haben, dass sie es in den Wintermonaten bereits heftig benützen können.

Sicher ist das Häuschen für die gut hundert Pfadi-Maitli - sie sind in fünf Gruppen aufgeteilt - nicht überaus gross. Reibereien in der Benützung und gelegentliche Unstimmigkeiten über die Zuständigkeit bei Problemen werden nicht ganz zu vermeiden sein, wie überall, wo Menschen zusammen sind. Doch liegt gerade in der Lösung solcher Probleme die Chance, echtes menschliches Zusammenleben zu lernen.

Mögen noch viele Pfadigenerationen sich der Hütte im Sarasinpark erfreuen dürfen!

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