1982

Aus der Geschichte des Turnvereins Riehen

Peter Degen

Die Anfänge des Turnvereins reichen bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts zurück. Jene Zeit war noch geprägt vom Misstrauen der ländlichen Bevölkerung dem Turnen gegenüber, obschon seit 1819 in Basel der Bürgerturnverein existierte und 1832 das erste schweizerische Turnfest in Aarau stattgefunden hatte. Es fehlte auch an Turnplätzen, an Turnhallen, an geeigneten Leitern und an Geld.

Ein erster Riehener Turnverein von 1876 löste sich infolge von Zwistigkeiten 1879 wieder auf, bildete sich aber schon 1881 von neuem. Auch diese Gruppe hatte nur bis anfangs 1882 Bestand. Kaum einen Monat später erfolgte die endgültige Gründung des TV Riehen, und im selben Jahr wurde die erste Fahne eingeweiht.
 
Die Bevölkerung und die Behörden von Riehen brachten aber dem jungen Verein weiterhin wenig Sympathie und Verständnis entgegen. So musste noch mehrere Jahre um die Bewilligung der Benützung der Turnhalle gerungen und erst noch eine Kaution von Fr. 100.— dafür geleistet werden. Ganz unschuldig an diesem Misstrauen waren die Mitglieder des Turnvereins nicht. Streitigkeiten, Ausschlüsse und Austritte lösten einander ab. Einzelne Elemente legten eine derb-massive, ja rohe Art an den Tag, wie Hans Gasser in seiner Festschrift zum 50jährigen Jubiläum schreibt. Keinesfalls bildete der Turnverein im ersten Jahrzehnt seines Bestehens ein gefestigtes Ganzes. Eine Krise folgte der andern.

Ende der 80er, anfangs der 90er Jahre trat mit dem Beitritt des Turnlehrers Joh. Rausser in den Turnverein eine merkliche Besserung ein. Die ersten Kränze schmückten die Vereinsfahne. Der TVR begann auch im gesellschaftlichen Leben des Dorfes eine bescheidene Rolle zu spielen. Es wurden Unterhaltungsabende durchgeführt, und man half bei Veranstaltungen anderer Vereine und an der 1.Augustfeier mit. Auch erhielt der Verein vom Erziehungsdepartement Basel-Stadt regelmässig eine kleine Subvention.

Zwei Beispiele sollen die damaligen Zustände schildern. Die Turnhalle hatte keine Beleuchtung und einen Holzboden. Mit Hilfe des eben erwähnten Zustupfs des Erziehungsdepartements konnte der Turnverein eine Petrolzuglampe einrichten. Ein weiteres Muster, das ich der Festschrift zum 50jährigen Jubiläum entnehme, soll die damalige Einstellung weiter Kreise dem Turnen gegenüber zeigen. Da glitt ein Turner auf dem Sprungbrett aus und verstauchte sich das Handgelenk. Dem Professor im Spital, der den Patienten untersuchte, entfuhren die Worte: «Wie ka me-n-aber au so eppis Verruckts mache - und no am Sunndig! Das kunnt dervo, we me mit settige Radaubrieder goht.»

Um die Jahrhundertwende schmolz die Aktivsektion auf ganze neun Mann zusammen, und erst 1905 wurde das Tief überwunden. Es wurden wieder Kränze errungen. Die Gemeinde Riehen liess von nun an dem Verein eine jährliche Subvention von Fr. 50.—zukommen. 1910 wurde eine neue Fahne eingeweiht. Langsam stieg die Sympathie der Riehener Bevölkerung.

Da brach der Erste Weltkrieg aus. Es ist eigentlich erstaunlich, wie gut der Turnverein diese Jahre überstand. Es zeigte sich nun offensichtlich, dass das Vereinsgefüge so erstarkt war, dass ihm auch schwere Zeiten nichts mehr anhaben konnten. Der Turnbetrieb war wohl eingeschränkt, manchmal sogar lahmgelegt, aber das Vereinsgeschehen nahm seinen Fortgang. Die Zahl der Mitglieder stieg sogar an. Dies war dem Einsatz und Durchhaltewillen einiger Persönlichkeiten zu verdanken. Ich nenne den Oberturner und nachmaligen Turninspektor Otto Kätterer, die Präsidenten Karl Kühner und Jakob Schlup sowie den langjährigen Kassier E. Mangold.

Während des Krieges wurden die Turnfahrten ganz besonders gepflegt. Nicht weniger als 15mal wanderte die Turnerschar über die Höhen des Juras und erfreute sich an der Schönheit unserer Heimat.

Erst am Ende des Krieges erschütterten zwei Ereignisse den Turnverein: der Generalstreik und die Neugründung von zwei weiteren Turnvereinen, der Sportvereinigung Riehen (Athletenklub) und der Turnsektion «Audacia» des Katholischen Jünglingsvereins Riehen. Der Generalstreik war der Grund zu schweren Auseinandersetzungen, die zahlreiche Austritte zur Folge hatten. Aber der Turnverein hielt auch diesen Prüfungen stand.

Die 20er Jahre zeigen uns das Bild eines erstarkten Vereins. Der Vereinsbetrieb normalisierte sich, und die ständigen Wechsel im Vorstand sowie die ewigen Streitereien hatten aufgehört. Erstmals organisierte der TVR 1920 einen grösseren Anlass: den Baselstädtischen Schwingertag, unter dem OK-Präsidium von Gemeindepräsident Otto Wenk. Obschon am eidgenössischen Turnfest 1922 in St. Gallen der Lorbeerkranz ausblieb, ging es von nun an stetig aufwärts. Das beweisen auch die zahlreichen Neugründungen. 1921 entstand die Jugendriege. 1925 wurde die Gesangssektion aus der Taufe gehoben. 1929 wurden die Damen- und Männerriege und 1932 die Skiriege und eine Handballgruppe gegründet. Die erste Glanzzeit des Turnvereins Riehen begann.

Parallel mit diesem Aufschwung vollzog sich die Umwandlung des TVR von einer Kunstturnerriege in eine Leichtathletiksektion. Zwar wies die Sektion an grössern Festen immer noch eine Kunstturnerabteilung auf, aber es war nur noch eine Frage der Zeit, bis auch sie verschwinden sollte.

1930 übernahm der TVR die Organisation des Kantonalturnfestes Basel-Stadt und 1932 diejenige des Baselstädtischen Schwingertages. Beide Anlässe standen unter dem OK-Präsidium von Dr. E. Krön. Mit der zweiten Veranstaltung wurde zugleich das 50-Jahr-Jubiläum des TVR gefeiert. Die schöne Festschrift dazu verfasste Lehrer Hans Gasser.

In jenen Jahren spielte der TVR sowohl auf kantonaler wie auch auf eidgenössischer Ebene eine grosse Rolle. Zu verzeichnen waren Erfolge im «Quer durch Basel», an den Meisterschaftswettkämpfen des ETV sowie an kantonalen und eidgenössischen Turnfesten. In den Reihen des TVR standen sogar zwei Internationale: Fritz Scherr und Fritz Seeger.

Der Treffpunkt der Turner war das damalige Restaurant Rössli, wo dafür gesorgt war, dass die Kameradschaft und das gemütliche Beisammensein nicht zu kurz kamen. Leider ist, wie so manches andere Schöne, auch diese Stammtischherrlichkeit verschwunden und wird wohl nie mehr auferstehen.

1936 kam es anlässlich des eidgenössischen Turnfestes in Winterthur zum sogenannten Scha-Rie-Gäng-Bund. Das war ein freundschaftlicher Dreibund auf turnerischer Ebene zwischen den Vereinen von Schaffhausen, Riehen und Bern-Länggasse. Auf dem Papier besteht er heute noch, doch praktisch existiert er nicht mehr.

Wie das Leben des Menschen seine Höhen und Tiefen hat, so zeigt auch jedes Vereinsleben seine Höhepunkte und Wellentäler. Solche Tiefs für den TVR waren das Jahr 1937 und die zwei ersten Nachkriegsjahre. Das dokumentierte sich durch eine unglückliche Besetzung der höchsten Amter, durch raschen Wechsel im Vorstand und durch einen empfindlichen Rückgang der Mitgliederzahl.

Die turnerischen Erfolge der Jahre 1938 und 1939 waren aber so gross wie ehedem. Unter anderem lief die erste Mannschaft des TVR 1939 in der 4x1 OOm-Stafette schweizerische Bestzeit für Vereinsmannschaften.

Den Zweiten Weltkrieg überlebte der Turnverein relativ gut. Das war zum grossen Teil das Verdienst der jungen, noch nicht dienstpflichtigen Turner, die restlos Disziplin hielten, und des energischen Präsidenten Robi Besserer. Dies schrieb Paul Schäublin in seiner Festschrift zum 75jährigen Bestehen. Der Turnbetrieb konnte trotz vieler Absenzen aufrechterhalten werden und musste eigentlich nur im Frühjahr 1940 und im Herbst des Jahres 1944 (Teilkriegsmobilmachung) gänzlich eingestellt werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand das Kunstturnen im TVR endgültig. Der Verein hatte sich ganz der Leichtathletik verschrieben. Die Einweihung des neuen Sportplatzes Grendelmatte half zu dieser Entwicklung mit. Damit war ein heisser Wunsch der Riehener Turner nach jahrelangem, zähem Ringen mit den massgebenden Stellen in Erfüllung gegangen.

Nun kam eine ruhigere Zeit, in welcher sich der Turnverein langsam, aber stetig entwickeln konnte. 1945 wurden die Hallenmeisterschaften, die bis heute zum festen Bestand des TVR gehören, zum ersten Mal durchgeführt. 1946 erfolgte die Gründung der Mädchenriege. 1947 wurde die dritte Fahne in einer stimmungsvollen Feier eingeweiht. Das Vereinsblatt, das während des Krieges zum ersten Mal erschienen war, dann aber lange Zeit eingestellt wurde, erstand jetzt wieder neu. Neue Impulse brachten auch die Schwimmeisterschaften und der Geländelauf mit Schiessen. Später wurde er im Gedenken an den ermordeten Turnkameraden in Felix Meyer-Gedenklauf umbenannt. Das gesellschaftliche Leben wurde durch die sogenannte maskierte Turnstunde in der Fasnachtszeit bereichert, zu der alle Teilnehmer kostümiert erschienen. Einige Jahre später traf man sich in einem Restaurant Riehens zu einem fröhlichen Maskentreiben. Da wurde getanzt und intrigiert, und am Schluss wurde die originellste Maske und die beste «Schnuure» prämiert. Anfangs der 70er Jahre verschwand diese frohe Veranstaltung, um 1981 wieder aufzuleben. Eine Zeitlang zierte auch ein mit Turnern besetzter Waggiswagen die Basler Fasnacht.

Grosse Erfolge waren im turnerischen Sektor zu melden. Ich erwähne nur die ersten Ränge in der 1. Kategorie der Leichtathletiksektionen am Baselstädtischen Kantonalturnfest 1950 und in der 4. Kategorie der reinen Leichtathletiksektionen und am eidgenössischen Turnfest in Lausanne 1951.

1950 vertraute der Schwingerverband dem TVR die Durchführung des Baselstädtischen Schwingfestes an. Dieser Aufgabe entledigte sich der OK-Vizepräsident Max Schäublin mit grossem Erfolg. 1955 wurde die neue Grendelmatte mit der stolzen Tribüne feierlich dem Betrieb übergeben. Vorher hatten die Turner in «Fronarbeit» einen provisorischen Platz hergerichtet, damit auch in der übergangszeit weiter trainiert werden konnte.

1957, anlässlich seines 75jährigen Bestehens, beherbergte der TVR Basels Turnerschaft während des Kantonalturnfestes. Unter der vorzüglichen Leitung von OK-Prä sident Max Schäublin mit seinem bewährten Stab von Männerturnern wickelte sich eine reibungslose Organisation ab. Am Sonntagmorgen wurde im Festzelt das Jubiläum in einem stimmungsvollen Festakt gefeiert. Eine von Paul Schäublin klar abgefasste Festschrift untermalte die Geschehnisse der letzten 25 Jahre. Leider spielte das Wetter einen Streich. Es war so schön und heiss, dass die grosse Zuschauerkulisse ausblieb.

Langsam bahnten sich in administrativer und technischer Hinsicht wesentliche Neuerungen an. Vor allem wurde der Förderung und Sicherung des Nachwuchses grösste Beachtung geschenkt. Der Vorunterricht bildete die neue Brücke von der Jugendriege zur Aktivsektion. Dass der neue Wagen nicht von Anfang an auf Volltouren lief, ist ganz klar, aber die nächsten zwei Jahrzehnte sollten die Früchte dieser Anstrengungen bringen.

Erstmals erschienen auch Artikel und Berichte über den TVR in der Riehener Zeitung. Wir dürfen an dieser Stelle unserm Lokalblatt den wärmsten Dank für die wertvolle Unterstützung aussprechen. Auch im finanziellen Sektor tat sich manches, so dass heute der Turnverein auf einer soliden Basis steht.

Am 18./19. Juli 1964 fand erstmals in der Geschichte des TVR auf der Grendelmatte ein schweizerischer Anlass statt. Zwar wurden diese Schweizermeisterschaften im olympischen 5-Kampf durch den Leichtathletikverband Basel-Stadt organisiert, aber an vielen Posten des OK standen Riehener Turner.

Das Ende der 60er Jahre sollte eine Neuerung bringen, die bis anhin unter den Basler Turnvereinen einzig dasteht. Von nun an wurden auch Mädchen in den Verein aufgenommen. Heute ist der Turnverein ohne Damen undenkbar. In dieselbe Zeit fällt die Einführung der sogenannten Schülermeisterschaften, d.h. alle Jahre finden die Schüler von Riehen und Bettingen Gelegenheit, einen leichtathletischen Dreikampf zu bestreiten.

Wertvoll und belebend für den Turnverein war die Anknüpfung von Beziehungen mit dem deutschen Verein Ludwigshafen-Oggersheim. Einmal im Jahr trafen sich die Leichtathleten von Oggersheim und Riehen an einem Samstag, abwechslungsweise in Oggersheim und in Riehen, zu einem Wettkampf. Der Sonntag war dem KulturellGesellschaftlichen gewidmet. So lernten die Riehener die herrlichen Weingebiete der Pfalz und Heidelberg kennen, während den deutschen Turnkameraden die Altstadt Basels und Augusta Raurica gezeigt wurden. Leider besteht diese Partnerschaft nicht mehr, weil die Oggersheimer das Treffen allzusehr vergrössern wollten. Nur die Faustballer treffen sich noch jedes Jahr an ihren Turnieren.

Mit einem polysportiven Meeting wurde am 23. Mai 1965 das 10jährige Jubiläum der neuen Grendelmatte gefeiert. Es fand kein Wettkampf statt, sondern die Sportler aller Sportarten wollten den Zuschauern ihren Sport demonstrieren. Ausgezeichnete Resultate wurden an den Kantonalturnfesten 1965 in Basel und 1966 in Schaffhausen erzielt. Beide Male erreichte der TVR Punktzahlen über 145 Punkte, was in der turnerischen Arithmetik als sehr gut bezeichnet werden muss. Kaum gehörten auch Mädchen dem TVR an, so stand schon 1969 eine Riehenerin auf dem Podest. Priska Ley wurde an den Nachwuchsmeisterschaften in Luzern Schweizermeisterin in Kat. C.

Der schon angetönte neuerliche Aufschwung des TVR begann. Auch einige Zahlen mögen dies belegen. Die Mitgliederzahl stieg auf über 500 an. Die Jugendriege, die heute rund 200 Buben und Mädchen zählt, ist in dieser Zahl nicht inbegriffen. Dasselbe gilt für die Skiriege, deren Mitgliederzahl 300 überschritten hat. Mit 72 Turnerinnen und Turnern startete der TVR 1970 als grösste Basler Sektion zum Kantonalturnfest beider Basel in Pratteln.

Während die meisten Basler Turnvereine einen Stillstand, ja sogar einen Rückgang erleben, steht Riehen in einem Aufwind. Die Glanzzeit vieler Basler Turnvereine ist längst vorbei, nicht aber diejenige Riehens. Dazu beigetragen hat sicherlich auch die Tartanbahn, die von der Gemeinde Riehen 1970-71 erstellt und 1972 eingeweiht wurde und so für den TVR hervorragende Trainingsmöglichkeiten schuf. Der Turnverein Riehen ist deshalb den Gemeindebehörden für ihr Entgegenkommen und für ihre Grosszügigkeit zu grossem Dank verpflichtet.

Am 22.123. August 1970 wurde in Riehen das Susanne Meier-Memorial (Susanne Meier war eine Schweizer Spitzenathletin, die leider viel zu früh verstorben ist), durchgeführt. Dabei wurde eine für Riehen seltene Zuschauerzahl von 700 Personen am Samstag und 1000 am Sonntag registriert. Mit 54 Turnern war Riehen 1972 in Aarau die 17. grösste Sektion am eidgenössischen Turnfest. Im Rahmen des Dorffestes «450 Jahre Riehen bei Basel», am Tag der Jugend, vereinigten sich 1256 Jugendliche zu einem frohen Wettkampf auf der Grendelmatte.

Langsam wurde dem TVR von der Basler Presse, die bis anhin die Riehener sehr stiefmütterlich behandelt hatte, Beifall gezollt. 1973 schreiben die damaligen Basler Nachrichten: «Die Standortbestimmung (es geht um die Basler Turnvereine) wäre unvollständig, würde man nicht auch die Athleten des TVR einbeziehen, die in den letzten Jahren durch ausserordentliche Leistungen vor allem im Sektor Jugend von sich reden machten.»

In den Jahren 1970-73 wurden die Statuten des TVR, die aus dem Jahre 1931 stammten, neu erstellt. 1975 ging zum ersten Mal ein Kantonalturnfest beider Basel unter dem OK-Präsidium von Peter Degen auf der Grendelmatte über die Bühne. Es war gekennzeichnet durch die erstmalige Teilnahme aller vier Kantonalturn verbände, der Frauen BL und BS, sowie der Männer BL und BS. Einige tausend Zuschauer verfolgten am Sonntagnachmittag die eindrücklichen Vorführungen verschiedener Gruppen und die allgemeinen übungen der 1000 Turnerinnen. Riehen wurde Sieger in der 4. Stärkeklasse mit 89 Punkten (Maximum 90 Punkte) und mit dem zweitbesten Resultat aller Sektionen.

1976 organisierte der TVR zusammen mit der Wehrsportgruppe Basel unter dem OK-Präsidenten Willi Geering die Durchführung der schweizerischen Marathonmeisterschaften in den Langen Erlen. Fünf- bis sechstausend Zuschauer umrahmten die ideale Strecke.

Nach 28 Jahren erlebte Riehen 1978 wieder einmal einen Baselstädtischen Schwingertag. Mit demselben engeren Mitarbeiterstab wie am Kantonalturnfest beider Basel führte OK-Präsident Peter Degen diesen Anlass zu einem guten Ende. Einige tausend Schwingerfreunde umsäumten die fünf Sägemehlringe. Wundervolles Frühlingswetter belohnte die Arbeit der Organisatoren.

Mit nahezu 100 Turnerinnen und Turnern bestritt Riehen das eidgenössische Turnfest 1978 in Genf und reihte sich damit unter die zehn grössten Sektionen der Schweiz. Die erreichte Punktzahl war nicht überragend, aber der alte Turnergrundsatz «Mitmachen kommt vor dem Rang» war erreicht worden. Erstmals standen auch Mädchen an einem Turnfest in den Reihen des TVR.

Der Zeitraum der letzten 10 Jahre wäre unvollständig, würde man die folgenden Tatsachen weglassen. Höhepunkte des sportlichen Geschehens in Basel sind die Leichtathletikmeisterschaften der Einzelkämpfer in allen Kategorien und Disziplinen. Dabei werden die Meistertitel vergeben. Regelmässig werden dabei um die 50 Medaillen, wor unter ca. ein Drittel goldene, errungen. Hier steht Riehen an der Spitze sämtlicher Basler Turnvereine und gehört zusammen mit den reinen Leichtathletikclubs Old Boys und LC Basel zu den erfolgreichsten Vereinen überhaupt.

Ein weiteres Meeting, das regelmässig besucht wird, sind die Basler Mehrkampfmeisterschaften, die aus einem Fünf-, Sieben- oder Zehnkampf bestehen. Auch an diesen, sowie an den Regionalmeisterschaften, macht Riehen stets eine gute Figur. Neuerdings wird der baslerische Spiel- und Lauftag, der während mancher Jahre ruhte, wieder abgehalten. Auch hier stellen sich regelmässig Erfolge ein.

Daneben sehen wir die Athletinnen und Athleten an einer ganzen Reihe weiterer leichtathletischer Veranstaltungen. So werden beispielsweise alle Jahre einige nationale Meetings, an denen aber auch Ausländer teilnehmen können, auf der Grendelmatte durchgeführt. Dabei ist erstaunlich, wie weit der Einzugsraum international gesehen reicht, in Frankreich bis nach Strassburg und in Deutschland bis nach Freiburg im Breisgau. Die Terminliste des TVR ist heute so befrachtet, dass jährlich um die 60 leichtathletische Anlässe auf dem Programm stehen.

Seit über 10 Jahren wird in Basel die sogenannte St. Albanstafette durchgeführt, ähnlich dem frühern Quer durch Basel. Den St. Albanpokal gewinnt, wer die meisten Mannschaften stellt. Auch diesen hat Riehen schon mehrere Male errungen. Dazu kommen zahlreiche Siege und weitere gute Plätze in den verschiedenen Kategorien.

Auch auf schweizerischer Ebene, vor allem in den Kategorien Junioren und Jugend, darf sich Riehen sehen lassen. Seit Jahren nehmen immer einige junge Athleten und Athletinnen an den Schweizermeisterschaften teil. So wurde z.B. Katrin Dunkel, ein grosses Werfertalent, 1980 Schweizer Doppelmeisterin im Speer- und Diskuswurf. Im Dreiländerkampf zwischen Holland, Belgien und der Schweiz trugen Vito Anselmetti und Katrin Dunkel die Schweizer-Farben. Im Repräsentativkampf der Junioren und Juniorinnen gegen Baden-Württemberg gewann Katrin Dunkel das Speer- und Diskuswerfen und erreichte mit ihrem Speerwurf von 49,82 m den 3. Rang in der Schweizer Bestenliste der Aktiven. Auch an den Schweizermeisterschaften der höchsten Klasse durften Athleten und Athletinnen die Riehener Farben vertreten. So wurde Katrin Dunkel 1980 Dritte im Speerwerfen und Beatrice Plüss Sechste über die kurze Hürdenstrecke. Patrick Wamister qualifizierte sich 1975 über 100 m und 200 m für die Schweizermeisterschaften. 1977 wurde derselbe Kurzstreckler Sechster im 100 m-Lauf. Die Riehener 4 x 100 m Staffel erreichte die fünftbeste Zeit an den schweizerischen Stafettenmeisterschaften. 1979 an den Schweizermeisterschaften in Zug wurde Patrick Wamister glänzender Dritter über 200 m.

In Andreas Keller wächst dem TVR ein Mehrkämpfer heran, dessen Zehnkampfrekord auf 5 945 Punkten steht. Er setzt damit die Tradition von Fritz Scherr, Walter Leubin, Walti Scherer, Robi Gassmann, Christian Heckendorn, Beat Geering und Dieter Dunkel fort.

Die regelmässigen vereinsinternen Anlässe des TVR während des Jahres Wenn der Winter zu Ende geht, werden in der Halle die Meister der verschiedenen Kategorien ermittelt. Diese Veranstaltung setzte sich in den letzten Jahren aus den Disziplinen Dreisprung-Kugelstossen-Hochsprung-Seilspringen auf Zeit, Hangeln am Tau und einem Hindernislauf zusammen. 1980 beteiligten sich daran 209 Turnerinnen und Turner.

Zur Zeit des Frühlingsanfangs wird ein Waldlauf durchgeführt. Die Schülerinnen, Schüler und Damen müssen dabei eine Strecke von 1 km durchlaufen, die Junioren und Senioren 3 km und die Aktiven 5 km. Er gilt zugleich als Training und Vorbereitung auf den Basler Waldlauf, der regelmässig einige Wochen später ebenfalls in den Langen Erlen stattfindet und von einer stattlichen Schar von Riehener Läufern mit gutem bis sehr gutem Erfolg besucht wird.

Jedes Jahr werden in der Schweiz die sogenannten Vereinsmeisterschaften (SVM) durchgeführt. Seit deren Einführung beteiligt sich auch der TVR in den verschiedensten Kategorien daran und erreicht erwähnenswerte Resultate. Mehr eine Art Plausch sind die Schwimmeisterschaften im Hochsommer. Da wird in drei Stilarten Brust, Crawl und Freistil fröhlich drauflos geschwommen. Gesamtsieger wird, wer aus den drei Disziplinen die höchste Punktzahl erreicht. Mitmachen dürfen alle, vom «Binggis» bis zum Männerturner, Damen inbegriffen.

Eine erfreuliche Sache war die Einführung der Schülermeisterschaften von Riehen und Bettingen durch den TVR. Da tummeln sich die kleinen Gernegrosse neben den schon «bestandenen» Vierzehn- bis Fünfzehnjährigen auf der herrlichen Grendelmatte und messen sich in einem Dreikampf, bestehend aus Sprung, Wurf und Lauf.

Zu jedem Turnverein gehört im Herbst das Schlussturnen. Es soll noch einmal die ganze Aktivitas vom Jüngsten bis zum ältesten in frohem Wettkampf vereinigen, bevor man wieder in der Halle turnen muss.

Letzter turnerischer Anlass des Jahres ist der Felix Meyer-Gedenklauf. Das ist ein Geländelauf von ca. 5 km Länge im Räume oberhalb des Schießstandes bis hinauf zum Chrischonatäli. Dazu muss jeder Läufer auch seine Schiesskunst unter Beweis stellen. Das Schiessresultat wird dann in Zeit umgerechnet und von der Laufzeit abgezogen. Damit wird den schlechten Läufern, oder anders gesagt den guten Schützen eine Chance gegeben, ihr läuferisches Minus zu verbessern.

Der Spielbetrieb im Turnverein Riehen Handball wird im TVR eigentlich nur als Auflockerung, Erholung und Abwechslung gespielt. Man hatte nie den Ehrgeiz, eine möglichst hohe Ligazugehörigkeit zu erreichen. 1978 entschloss man sich zu einer Fusion der Handballer-Aktiven mit dem katholischen Turnverein Riehen. Man Hess sich von der überlegung leiten, dass der katholische Turnverein nur Handball spiele, das Hauptgewicht des TVR jedoch auf der Leichtathletik liege. Dadurch wurde jede Konkurrenz ausgeschaltet.

Bei den Damen hingegen besitzt der TVR eine starke Handballgruppe, die bereits Erfolge aufzuweisen hat. Seit 1981 hat Riehen eine Damen-Volleyballriege. Sie gehörte ursprünglich den Turnerinnen Riehen an, gab dort den Austritt und trat gesamthaft dem TVR bei. Das bedeutet sicher eine Bereicherung für den Turnverein.

Die Liebe des TVR gehört unbestritten dem Faustball. Anfänglich eine Domäne der Männerturner, wurde dieses Spiel in den letzten Jahren auch eine Disziplin der Jungen. Der Faustball ist heute genau so wie der Hand- oder Volleyball ein athletischer Kampfsport geworden. Das heisst aber nicht, dass die Männer diesen Sport nicht mehr ausüben. Nein, er wird auch heute noch von ihnen leidenschaftlich betrieben. Die Männerriege war es, die 1942 das Faustballturnier Riehen, das heute noch Bestand hat, ins Leben rief. Dessen Organisation ist 1980 in die Hände des Stammvereins übergegangen.

Die Untersektionen des Turnvereins Riehen Die älteste Untersektion unseres Vereins ist die 1921 gegründete Jugendriege. Schon immer wurde der Pflege dieses Zweiges im TVR die grösste Beachtung geschenkt. Heute zählt die Jugendriege über 200 Buben und Mädchen und ist damit die grösste auf dem Platz Basel.

Die Zweitälteste Unterabteilung ist die 1925 ins Leben gerufene Gesangssektion. Ihre Liebe gilt dem Lied und der Kameradschaft. Sie verschönt mit ihrem Gesang nicht nur die Anlässe des TVR, sondern auch oft die Delegiertenversammlung des Kantonalturnverbandes und gewisse Festlichkeiten der Basler Turnerveteranen. Wir sind stolz auf sie, ist doch Riehen neben dem Bürgerturnverein der einzige Turnverein, der eine Gesangssektion aufweist.

Lange Zeit gehörte auch die Damenriege unserm Verein an und lockerte mit ihren Darbietungen an der Jahresfeier das Programm auf. Sie trennte sich dann vom TVR und bildet heute unter dem Namen Turnerinnen Riehen einen selbständigen, ausschliesslich Gymnastik treibenden Verein.

Eine weitere Untersektion ist die Männerriege, die 1929 , im selben Jahr wie die Damenriege, gegründet wurde. Während des Winterhalbjahres wird in der Halle Gymnastik und Faustball betrieben. Das Sommerhalbjahr ist ganz dem Faustball gewidmet. Auch sie legt grössten Wert auf die Pflege der Kameradschaft.

Das Bild der Skiriege, die seit dem Jahre 1932 besteht, hat sich vollkommen geändert. Während in den ersten 25 Jahren noch Bergtouren ausgeführt und das Skifahren einfach aus Freude betrieben wurde, dominierte in den letzten 25 Jahren der Langlauf eindeutig das Geschehen. Dabei ist festzuhalten, dass die Skiriege Mitte der 60er Jahre eine Krise durchmachte, die eine Weiterführung fraglich erscheinen liess. Heute kann man die grossen Erfolge dieser Unterabteilung, die um die 300 Mitglieder zählt, nur bestaunen. Jetzt ist die Riehener Skiriege eine Untersektion des schweizerischen Skiverbandes. Es ist unmöglich, ihre Erfolge alle aufzuzählen.

Schlusswort
Der Turnverein Riehen ist Mitglied des Kantonalturnverbandes Basel-Stadt und des eidgenössischen Turnvereins, des schweizerischen Leichtathletenverbandes, des schweizerischen Handballverbandes und des schweizerischen Volleyballverbandes. Mit dieser Mitgliedschaft bekennt er sich eindeutig zu unserm Land. Er hat das Glück, einer gesunden Gemeinde anzugehören, noch dazu einer Gemeinde, die ihm in grosszügiger Weise Einrichtungen zur Verfügung stellt, wie nicht so bald ein anderes Gemeinwesen unseres Landes. Das verpflichtet den TVR nicht nur, eine körperliche Ertüchtigung seiner Mitglieder anzustreben, sondern in ihnen auch die Achtung und Liebe zu unserm Dorf und unserer Heimat zu wecken.

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