1981

Die Freizeitanlage Landauer

Liselotte Dick-Briner

Am 11. Juni 1977 wurde mit einem heiteren Fest die von Architekt Peter Zinkernagel und dem Gartengestalter Wolf Hunziker projektierte Freizeitanlage Landauer der Bevölkerung übergeben. Das in zweijähriger Bauzeit entstandene Haus und die wohlgestaltete Aussenanlage galten als die schönsten weit und breit. Nun konnte sich das teure Gerüst mit Leben füllen! Die Anlage sollte nicht nur Jugendlichen oder nur Betagten, sondern allen Altersschichten gleichermassen zugänglich sein und es allen ermöglichen, sinnvoll ihre Freizeit zu gestalten.

Besonders zwei Gruppen durften an diesem Festtag mit Freude und Genugtuung auf die vergangenen, arbeitsreichen Jahre der Planung und des Aufbaus und mit Zuversicht und neuem Tatendrang in die Zukunft schauen: die evangelische Stadtmission und die Freizeit-Aktion Riehen-Süd (FARS).

1948 errichtete die Stadtmission am Rande der damaligen Landauergrube ein Barackenkirchlein; als Zeichen der Anteilnahme und Unterstützung stifteten die Kirchgemeinden Riehen und St. Markus eine kleine Glocke, die zu den Gottesdiensten rufen sollte. In den vorangegangenen Jahren war in dieser Gegend eine rege Bautätigkeit zu verzeichnen gewesen, die Integration der aus anderen Verhältnissen und Gesellschaftsstrukturen kommenden Menschen schuf viele Probleme. Mit grossem Arbeitseinsatz versuchte Frau Pfarrer Wartenweiler den Zugewanderten zu helfen, eine neue Heimat zu finden. Ihre Mitarbeiter schlössen sich im reformierten Gemeindeverein zum Landauerkirchli zusammen. Ein besonderes Anliegen war Frau Wartenweiler der Kontakt mit den Frauen, aber auch die oft sich selbst überlassenen Jugendlichen und Kinder sollten gelebtes Christentum erfahren.

1961 startete Frau Elisabeth Müller-Bühler zusammen mit einigen Interessierten das Unternehmen Clubhaus, das, als bescheidene Bürgerinitiative begonnen, schlussendlich zum Bau der Freizeitanlage durch die Gemeinde führen sollte. Dar Mangel an Spielplätzen, die zu engen Wohnungen und damit überforderte Mütter waren Gründe, den Kindern und Jugendlichen aus diesem Gemeindeteil einen Ort der Begegnung und die Möglichkeit für Spiel und Freizeitbeschäftigung zu geben. Die Landauergrube, von Sträuchern und Gräsern ganz überwachsen, bot sich als ideales Gelände für einen Spielplatz an. Nach zähem, zweijährigem Bemühen waren 1963 die Riehener und Basler Behörden endlich einverstanden mit der Aufstellung einer Baracke auf diesem Areal. Noch sollte es weitere drei Jahre dauern, bis die Baracke installiert, der Zugangsweg erstellt und das notwendige Mobiliar zusammengetragen war!

Wer nach dem äusseren Zustand der Hütte urteilend wenig hoffnungsfroh eintrat, wurde von einer grossen Heimeligkeit überrascht und von ihr miteinbezogen. Küche, Wohnstube, Bibliothek und Materialraum waren den Bedürfnissen angepasst. Schon bald war das «Clubi» für die Kinder ein zweites Zuhause. Die Gegenseitige Hilfe hütete zweimal wöchentlich die Kleinkinder, die Schulkinder durften jeden Mittwochnachmittag interessante Stunden verbringen beim Basteln, Spielen, Würstlibraten, Malen oder ungezwungenen Beisammensein. Für eine Pfadigruppe wurde die Hütte zum Clublokal. Es fanden auch verschiedene Kurse für Mütter statt. Die Wildnis lockte zu Entdeckungsreisen, zu lauten Spielen, manchmal auch zu gewagten Experimenten.

Michael und Maurus, zwei heute Erwachsene, träumen ihrem «Clubi» nach. Sie berichten von ihren Streichen, aber auch vom grossen Verständnis, das sie von den Erwachsenen erfahren durften. Ein Dorn im Auge der Jugendlichen war, dass das Clubi nachts und wenn keine Veranstaltung war, abgeschlossen werden musste. Nun wurde alle Phantasie eingesetzt und keine Mühsal gescheut, bis wieder ein geheimer Zugang zur Hütte geschaffen war! Da wird vom Einstieg via Estrich mittels selbstgebastelter Leiter, aber auch von aufgesägten Dielen oder gar vom unterhöhlten Clubhaus erzählt. Das Spiel mit dem Feuer übte eine magische Kraft aus. Kein Wunder, dass die Verantwortlichen eine schwere Bürde trugen und oft froh waren, wenn bei ihrem Eintreffen die Baracke mindestens noch stand! Die Kinder und Jugendlichen standen offen zu ihren Streichen, im Gespräch mit den Erwachsenen fand sich meistens eine Lösung zur gemeinsamen Behebung des angerichteten Schadens.

Die Interessengruppe Clubhaus (ab 1971 so genannt) vergrösserte sich zusehends; Menschen von verschiedenen Alters- und Berufsgruppen, Konfessionen oder politischen Ansichten fühlten sich durch ein gemeinsames Ziel verbunden: die Förderung der menschlichen Beziehungen im Quartier, die Intensivierung der persönlichen Kontakte, um der drohenden Beziehungslosigkeit und Vereinsamung zu begegnen. Jedes im Team setzte seine besonderen Gaben und Möglichkeiten ein. Jedes fühlte sich aber auch von der Gemeinschaft getragen und war deshalb zum enormen Arbeitseinsatz fähig. Die Kinder durften nicht nur «beschäftigt» sein, sie sollten Anregung zu eigenem Tun, zum Entdecken eigener, schöpferischer Fähigkeiten erhalten. Ein Clubrat bot Gelegenheit, die Kinder und Jugendlichen in die Spielregeln der Demokratie einzuweihen. Sicher fand manche Freundschaft auf dem Landauer ihren Anfang und überdauerte die Kindheit.

An manchen Nachmittagen wimmelte es von 50-60 Kindern im Clubhaus, die Last der Verantwortung und der Arbeit wuchs entsprechend, es musste z.B. auch selbst geputzt und geheizt werden. Die beschränkten räumlichen und personellen Möglichkeiten brachten manche Probleme mit sich. Die Verwirklichung der ursprünglichen Idee, auf dem Areal ein Freizeitzentrum für alle zu errichten, erschien immer dringender, da die Praxis zeigte, dass das Clubi dauernd geöffnet und allen Altersschichten zugänglich sein sollte. Die Präsenz einer Bezugsperson, die Verantwortung übernehmen und koordinieren sollte, erwies sich als dringend notwendig. Die Realisierung eines solchen Projektes überstieg die Möglichkeiten der freiwilligen Mitarbeiter. Die aufgeschlossenen Riehener Gemeindebehörden waren zur Mithilfe bereit. Die FARS, 1973 hervorgegangen aus der Interessengruppe Clubhaus, besprach in vielen Sitzungen Konzept und Pläne. Dabei versuchte sie, ihre in Jahren praktischer Tätigkeit gewonnenen Erfahrungen und ihre theoretischen Erkenntnisse über Freizeitanlagen zu vereinen. Manche dieser Wünsche und Anregungen fanden Aufnahme und Verwirklichung bei der Baukommission, in der nebst den Vertretern der Gemeindebehörden je ein Vertreter der FARS, der Stadtmission und der Anwohner mitwirkten.

Die folgenden Daten zeigen, dass sich Planung und Bau zügig abwickelten: 1969 erwarb die Gemeinde das Land.

1972 wurde nach einem Wettbewerb das Projekt «Hor tus» zur weiteren Bearbeitung ausgewählt. 1975 gab der Weitere Gemeinderat in seltener Einigkeit seine Zustimmung zum Bau und bewilligte den Kredit von Fr. 3 050 000.—.

Am 18. Oktober desselben Jahres pflanzte der Gemeindepräsident G. Kaufmann anlässlich eines Quartierfestes zusammen mit den Kindern den ersten Baum, was den Baubeginn darstellte. 1977 konnte die Anlage dem Betrieb übergeben werden.

Nun galt es, erste Erfahrungen zu sammeln, auf Antworten von noch offenen Fragen zu warten. Wird sich das ausgearbeitete Konzept bewähren? Entwickelt sich die Anlage unter der Obhut nur eines Leiters und der Mitarbeit eines Abwartes und vieler freiwilliger Helfer zu einem Quartiertreffpunkt für alle? Hilft die geschaffene Begegnungsmöglichkeit zwischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit, die Probleme im Wohnquartier zu sehen und zu bewältigen? Führen die modernen und grosszügig konzipierten Räumlichkeiten weg vom passiven Konsumverhalten und animieren sie zum Mitmachen?

Schon bald nach der Eröffnung zeigten sich verschiedene Konflikte, einerseits zwischen den verschiedenen Gruppen und anderseits zwischen den Anwohnern und Benützern. Nach wenigen Wochen waren die Jugendlichen die Stammbesucher und bildeten gegenüber anderen Besucherschichten die bestimmende Mehrheit. Nach verschiedenen Auseinandersetzungen zogen sich die Minderheiten aus der Anlage zurück, wodurch ein Anliegen, nämlich den Kontakt unter allen Altersgruppen im Quartier zu fördern, im Moment als gescheitert betrachtet werden musste. Der Nacht- und Töfflilärm erweckte in der Nachbarschaft und in der näheren Umgebung ein gereiztes, oft gar feindliches Verhältnis. In dieser Situation waren Leiter und freiwillige Mitarbeiter überfordert, es kam zu regem Leiterwechsel (Schwierige Anfangssituationen lassen sich in der Geschichte aller Freizeitanlagen beobachten und sind vermutlich kaum zu vermeiden).

Wenn Sie heute die Anlage besuchen, so werden Sie wenig mehr von diesen Startschwierigkeiten spüren. Wer an einem Samstagabend zum «Landi-Znacht» im Café sitzt, den verheissungsvollen Duft schnuppert, der aus dem von G. Irman zu einem Kochkessel umfunktionierten Kupfer waschkessel entsteigt, sich mit den andern auf den feinen Risotto freut, der spürt, dass das Zentrum seinem ursprünglichen Ziel einen Schritt nähergekommen ist. Wie konnte die unerfreuliche Entwicklung aufgefangen werden und ein Umdenkprozess stattfinden?

Eine Möglichkeit wäre gewesen, die Aktivitäten und öffnungszeiten so stark einzuschränken, dass wieder Ruhe eingekehrt wäre, nur weil die Anlage gar nicht mehr benützt worden wäre. Diese Lösung hätte sicher nicht dem Gedanken einer Freizeitanlage für alle entsprochen; so beschritt das von der Gemeinde ab Mitte Mai 1979 auf zweieinhalb Stellen erweiterte Leiterteam einen anderen Weg. Wo immer möglich, passte es die Anlage den sich verändernden Bedürfnissen an, stets zeigte es sich offen für neue Anregungen und Ideen und versuchte, sie mit viel Fantasie und Einsatz zu verwirklichen. Spannungen und Auseinandersetzungen zwischen den Generationen wur den, wenn möglich, durch grössere räumliche Trennung vermieden. Stadtmission und FARS boten nebst den Jugendaktivitäten reichhaltige Programme für Erwachsene und Senioren an. Viele offene Gespräche bewältigten manches Problem und schufen auch mit den Nachbarn neue, freundschaftliche Kontakte, aber auch ein gegenseitiges besseres Verständnis. In diesem Zusammenhang weise ich auf das Open-air-Konzert hin, das in diesem Frühsommer stattfand. An einem dieser herrlichen Abende sassen viele Jugendliche draussen in der Anlage und hörten ihre, für uns so laute Musik. Sie fühlten sich in ihrer Welt, konnten sich dabei ihren Gedanken und ihren Gefühlen hingeben. Bei allen Nachbarn, die sich über den «Lärm» weder bei der Polizei noch beim Leiter beschwerten, bedankten sie sich, indem sie um halb zehn Uhr das Konzert beendeten und um zehn Uhr in der Anlage Ruhe herrschte.

Dieses Frühjahr bewilligte der Weitere Gemeinderat den für die bessere Nutzung der Räume notwendigen Umbau. Schliessen Sie sich einem Gang durch die Anlage an: Vom Bluttrainweg her, vorbei an der jeweils zum Gottesdienst läutenden Glocke, betreten wir den Vorraum. Er dient als Garderobe, hier kann auch telefoniert werden, die Wand mit den vielen Publikationen fällt besonders ins Auge. Nach rechts gelangen wir durch einen Gang in den grossen Saal, der für den Gottesdienst und andere Anlässe, wie Ausstellungen, Konzerte, Filmvorführungen und gewisse Kurse bestimmt ist. Der Wandteppich von M. Müller erweckt in uns die Lust, den Textilkurs zu besuchen. Auf dem Rückweg zum Vorraum kommen wir am Kleinkinderraum vorbei. Hier können die Kleinsten erste Erfahrungen ausserhalb des Elternhauses sammeln. Links vom Vorraum befindet sich der zentrale Treffpunkt, das Café. Stühle und Tische sind um das Cheminée gruppiert, das im Winter wohlige Wärme ausstrahlt. Am Buffet kann Trink- und Essbares eingekauft werden, möglich ist natürlich auch, nur lesend oder plaudernd im Café zu sitzen. An schulfreien Nachmittagen herrscht hier viel Betrieb. Die Mütter sitzen an den Tischen und unterhalten sich, dabei beobachtet die eine ihr Kleinkind, das auf dem Boden kriechend (deshalb sind Hunde im Café unerwünscht) auf Entdeckungsreise ist, andere bewundern die schönen Batikleibchen der Halbwüchsigen, die noch leicht feucht aus dem Bastelkurs getragen werden, wieder eine drückt ihrem von draussen hereinstürmenden Sprössling ein Geldstück in die Hand, damit er an der Theke seinen Durst stillen kann. Zwischendurch muss ein Streit geschlichtet oder ein blutendes Knie verarztet werden. Die kleine Küche darf nebst den Café-Frauen auch von den einzelnen Gruppen in eigener Regie benützt werden. Eine Wendeltreppe führt uns hinauf zur Galerie, wo auf der einen Seite das Büro für das Leiterteam und ein kleiner Sitzungssaal sind. Im Büro zeugt die riesige Belegungstafel von den vielen Aktivitäten im Landauer. Materialkasten, Vervielfältigungsapparat, aber auch Fachliteratur haben in diesen Räumen, nebst dem üblichen Büromaterial, Platz gefunden. Der Verbindungsgang zum grossen Galerieraum ist als stille Spielund Leseecke gedacht. Vielleicht erwirbt sich hier ein zukünftiger Schachmeister seine ersten Kenntnisse. Die Kinderbibliothek lädt zum Lesen ein. Hauptsächlich für Kurse, aber auch für private Anlässe ist der anschliessende grosse Galerieraum geeignet. Wasseranschluss, Kochgelegenheit, Töpfereieinrichtung usw. ermöglichen ein vielfältiges Tun. Wir benützen die neue Aussentreppe und den neuen Zugang, um in die mit Werkbänken, Holzbearbeitungsmaschinen und Werkzeugen ausgestattete Werkstatt ins Erdgeschoss zu gelangen. Der Benützer hat Gelegenheit, sich mit verschiedenen Materialien auseinander zusetzen, sei dies in einem Kurs oder nach eigenen Ideen und eigenem Rhythmus. Im angrenzenden Jugendraum lässt sich herrlich basteln, modellieren und spielen. Nun geht's durch das Café, die Wendeltreppe hinunter, ins Untergeschoss. Hier unten haben das Leiterteam und freiwillige Helfer eindrücklich bewiesen, dass sich aus kahlen Betonkellern heimelige und wohnliche Räume einrichten lassen. Dies bedingt allerdings einen grossen Arbeitseinsatz, viel Fantasie und Sachkenntnis. Die jugendlichen Helfer, die, zuerst begeistert von einer Idee, bald einmal genug kriegen von einer Arbeit, müssen immer wieder zum Beenden eines Projektes motiviert werden; dies geschieht am wirkungsvollsten, wenn die Leiter selbst fleis sig mit Hand anlegen. Sicher hat sich die Anstrengung gelohnt, die Jugendlichen fühlen sich wohl hier unten, wohin sie sich zurückziehen und ihr Eigenleben pflegen können. Zuerst fällt uns natürlich der grosse Discoraum auf, wo UV-Licht, Spiegelkugel, Lichtorgel, Stroboskop sowie Plattenspieler und Cassetten-Tape-Deck zu echtem DiscoFeeling verhelfen. Etwas weniger hektisch geht's im danebenliegenden Jugendcafé zu und her, das in Selbstverantwortung von je einer Gruppe pro Wochenabend geführt wird. In einem der drei anschliessenden übungsräume steht eine Handabzugpresse. Vom neuen Werkstattleiter und jungen Erwachsenen fachkundig installiert, dient sie zum Drucken der eigenen Zeitung, von eigenen Publika tionen und Plakaten. Nun besichtigen wir noch das bestens ausgerüstete Fotolabor, das von Hobby-Fotografen gegen eine bescheidene Miete benützt werden kann.

Wir steigen die Aussentreppe hinauf in die Aussenanlage. Das Fussballfeld, die Hügellandschaft mit Holzbauten, ein Planschbecken, ein Wassergraben zum Stauen, ein Sandkasten sowie Rasen- und Hartplatz ermöglichen viele Spiele. Gerne verweilen wir etwas in der Aussenanlage und schauen dem Treiben zu. Für viele aus dem Quartier ist der Landispielplatz zum beliebten Aufenthaltsort geworden. Während die einen lesend oder plaudernd unter den von den Frauen selbst genähten Sonnensegeln sitzen, freuen sich die Kleinen am Spiel mit Wasser und Sand. Federbälle fliegen hin und her, Halbwüchsige drehen auf Rollschuhen ihre Runden, auf dem Fussballfeld wird verbissen um den Ball gekämpft, andere üben sich im Hüpfspiel. Leider eignen sich die Stacheln von Akazien, Weissdorn und Berberitzen wenig für das Indianerspiel, im gepflegten Rasen kann auch kein Kind der Mutter einen Blumenstrauss pflücken. Dies veranlasste die Leitung, einen langsamen Umwandlungsprozess anzusteuern: Schon wachsen 13 von Leuten aus der Umgebung gespendete Obstbäume. Ob sich auch der Traum von Holder- und Haselstrauch verwirklichen lässt? Schön wäre es, wenn jeweils im Frühsommer Lindenblüten ihren Duft verbreiten könnten.

Freizeitgestaltung bedeutet für jeden etwas anderes, im Landauer will sie wegführen vom passiven Konsum verhalten, welches lähmt und den einzelnen immer mehr vereinsamen lässt.

Viele Aktivitäten werden aus dem Publikum an den Leiter herangetragen, einzelne sind zur Tradition geworden, andere durchlaufen noch das Experimentierstadium. Natürlich können Sie immer während den öffnungszeiten in eigener Regie die Anlage besuchen, vielleicht ziehen Sie aber einen der organisierten Anlässe vor.

Alle sind zum Landi-Znacht, zum Bürgerzmorge, zu Ausstellungen, zu Konzerten (Forum junger Komponisten), zu den Gottesdiensten der Landauermission, ins Café und in die Aussenanlage eingeladen.

Die Senioren treffen sich am Jass-Stammtisch, beim Seniorentanz, beim Altersturnen, beim Kostümnähen oder zu Theaterveranstaltungen.

Für Erwachsene, die noch etwas dazulernen möchten oder denen Freizeit bedeutet, etwas anderes zu tun, stehen Textil-, Batik-, Näh-, Tanz- und Fotokurse offen.

Jugendliche können von einem besonders reichen Angebot profitieren: Jugendcafé, Disco, Jugendzeitung, Videogruppe, Grümpelimannschaft, Film, Konzerte, Kurse und Veranstaltungsreihen (z.B. 1980: Liebe, Freundschaft und Sexualität).

Die Schulkinder können ihren natürlichen Bewegungsdrang beim Spielen, Basteln und in vielen Rollenspielen ausleben.

Als Entlastung für die Mutter, aber auch zum Einüben des ersten Ablösens, sind für die Kleinsten Kinderhütedienst, Spielgruppe, Spielhilfe und Kinderbetreuung organisiert.

Für das gute Funktionieren der Freizeitanlage amtieren das Leiterteam und ein Abwart. An ihre Belastbarkeit sind oft hohe Anforderungen gestellt, geht es doch nicht nur darum, dass Räumlichkeiten und Material instandgehalten sind, sondern dass die vielfältigen Interessen der Gruppen, Benützer und Anwohner unter einen Hut gebracht werden können. Da die Gemeinde die Betriebskosten bezahlt, ist der Hauptleiter gegenüber dem Ressortchef «Kultur und Freizeit» für die Anlage voll verantwortlich und dem Abteilungsleiter «Kultur und Soziales» unterstellt. Die Betriebskommission, bestehend aus Gemeindevertreter, Leiter, Abwart und Vertretern aller Gruppen, legt die allgemeine Marschroute fest. In den Teamsitzungen werden die Details erarbeitet. Die Leiter müssen nicht nur handwerkliche und organisatorische Fä higkeiten unter Beweis stellen. Durch das entstandene Vertrauensverhältnis wird auch manches persönliche Problem an sie herangetragen, und es gilt, im Gespräch gemeinsam nach einer Lösung zu suchen oder jemanden auf die entsprechenden kompetenten Stellen hinzuweisen.

Sicher kann die Freizeitanlage, in der sich so verschiedene Menschen begegnen und die so verschiedene Anforderungen erfüllen soll, nicht immer problemlos funktionieren. Solange die Schwierigkeiten jedoch durch Gespräche, Rücksichtnahme, Akzeptieren anderer Meinungen, aber auch durch stetes Anpassen an neue Bedürfnisse gemeistert werden können, ist die Anlage ein Ort lebendiger Gemeinschaft.

Abschliessend ergreife ich gerne die Gelegenheit, mich bei allen, welche diesen Artikel ermöglicht haben, zu bedanken. Dies gilt besonders den Leitern Herrn G. Irman und Frau S. Scheidegger, den Vertretern der FARS Frau E. Müller, Frau G. Rudin und Frau R. Haefelfinger, den Vertretern der Stadtmission, Herrn Graf und Frau M. Müller.

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