1981

Das Haus Rössligasse 40

Fritz Lehmann

Ein Beitrag zur Geschichte eines alten Riehener Taunerhauses
Zeitgeist und finanzielle Erwägungen haben das Bild des alten Dorfes Riehen vor allem in unserem Jahrhundert entscheidend verändert. Noch ist das überlieferte Netz der Strassen und Gassen im wesentlichen erhalten, stets gefährdet bleibt dagegen der alte Baubestand, um so mehr als die Erhaltung jedes einzelnen Objektes meist nicht nur erhebliche Investitionen der Eigentümer, sondern auch stattliche Beiträge der öffentlichen Hand erfordert. Es liegt in der Natur der Dinge, dass solche Zuschüsse eher an die markanten Liegenschaften gehen, bei denen das Interesse der Allgemeinheit offensichtlicher und die Scheu der Bauherren vor kostspieligen Zugeständnissen an die Denkmalpflege geringer ist - angesichts eines sowieso grossen Aufwandes. Leer gehen in der Regel die kleineren Häuser aus, die ehemaligen Hofstätten der Riehener Kleinbauern, nicht zuletzt, weil deren Inhaber den Weg zu den Behörden nicht kennen oder scheuen. Zu ihnen gehört das Haus Rössligasse 40.

Was hier mit grossen Opfern der Eigentümer Nachkommen einer der ältesten Riehener Familien, den bereits in vorreformatorischer Zeit in hohem Ansehen stehenden Eger - bei weitgehender Wahrung der alten Substanz renoviert wurde und sich aussen wie innen gefällig präsentiert, darf als nachahmenswertes Beispiel einer echten Verbundenheit mit unserem Dorf gewertet werden. Gewiss würde man lieber die alten Ziegel auf dem Dach und das Scheunentor in seiner alten Form sehen, im grossen und ganzen ist das Haus jedoch so geblieben, wie es bereits in der Iselinschen Dorfgeschichte von 1922 und seitdem in allen wesentlichen Publikationen über Riehen beschrieben worden ist.

Ein glücklicher Zufall erlaubt zudem, den Zustand des Hauses nach der Renovation mit dem der Jahre 1898, 1925 und 1932 auf Photos und den der Jahre 1936 und 1972 auf Bauplänen zu vergleichen. Alle Vergleiche bestätigen, dass sich unsere Liegenschaft zumindestens in den letzten acht Jahrzehnten nicht wesentlich verändert hat.

Wie einst und je steht das Haus mit der Breitseite zur Rössligasse; es ist traufständig wie die meisten alten Riehener Bauernhäuser (Raith 114). Seine relativ kleinen Ausmasse - 12,25 m Strassenfront, 9,00 m/9,20 m Tiefe, 9,00 m Höhe, gemessen vom Strassenniveau zum First, bei einer Geschosshöhe von rund 2,00 m - lassen es schon Hans Schwab 1935 ein «bescheidenes Anwesen von gemütlichem und behaglichem bäuerlichen Charakter» nennen (Schwab 12). Unverändert ist auch der Charakter des Vielzweckhauses, das unter seinem durchgehenden Satteldach die drei Hauptfunktionen des bäuerlichen An wesens vereinigt (Maurer 221), in einer Anordnung freilich, die bereits 1922 in Riehen einmalig war: Von der Strasse her gesehen beherbergen das linke Drittel unseres Hauses die Scheune, die restlichen zwei Drittel unten das Kellergeschoss, das noch 1932 auf Trottoirniveau liegt, darüber das Wohngeschoss und schliesslich ab 4,20 m Höhe das Dachgeschoss. Wir müssen schon in das benachbarte Markgräflerland oder an den Südfuss des Aargauer Jura wandern, um vergleichbare Beispiele «gestelzter Häuser» als Heimstätten kleiner Rebbauern zu finden (Gschwend).

Warum gerade im Falle unserer Liegenschaft ein Riehener Bauer eigene Wege ging und einen sonst im Dorf unbekannten Haustyp wählte, wird sich nicht mit letzter Gewissheit feststellen lassen. Wirtschaftliche Bedürfnisse wie Anlehnung an fremde Beispiele mögen eine Rolle gespielt haben; eines ist auf alle Fälle sicher: das Haus passt sich in seiner Konstruktion dem Gelände an, dem Gefälle der Rössligasse in Richtung Baselstrasse und dem Anstieg des Bodens nach der Wendelinsgasse zu; das Höfli hinter dem Haus liegt bereits 1,40 m über dem alten Strassenniveau. Wollte man von der Rössligasse aus ebenerdig in Scheune und Stall gelangen, musste in den Hang hineingebaut werden; das Wohngeschoss über Stall und Keller zu legen, war dann eine recht geschickte Lösung, die die überbaute Fläche kleinhielt und die Nutzung der höhergelegenen Grundstücksteile erleichterte.

Die Renovation der 70er Jahre hat nicht nur die alte Aufteilung des Hauses als Ganzes, sondern auch die der Geschosse beibehalten. Diesem pfleglichen Umgang mit dem überlieferten Baubestand verdankt das Hausinnere seine sofort spürbare Behaglichkeit. Ein Rundgang soll uns nun mit ihm bekanntmachen.

Im Gegensatz zum heutigen Besucher benutzen wir dabei nicht das leicht ansteigende Gässchen zwischen unserer Liegenschaft und dem Haus Rössligasse 36, das geradeaus in den kleinen Hinterhof führt und linkerhand über zusätzliche Treppenstufen auf die Höhe des Wohngeschosses direkt in die Küche; wir wählen vielmehr den Weg durch die Scheune und überlegen, ob nicht vielleicht hier der offizielle Hauseingang gewesen sei. Vor rund 100 Jahren hatte das Gässchen noch nicht existiert. Das Areal der Nachbarliegenschaft gehörte damals als Baumgarten zu unserem Haus. Der älteste Riehener Katasterplan von 1825 - man vergleiche in den Planbeilagen der Dorfgeschichte von 1972 unseren Plan der <Grundherren und Eigentümer . . . 16.-18. Jh.> - zeigt zudem einen Anbau an der Giebelseite, der bündig an die Rückfront anschliesst und sie um vier Meter verlängert; nach der Rössligasse zu misst er seine sieben Meter. Vor ihm, mit einem Zwischenraum von einem Meter, ist ein weiterer kleiner Bau eingezeichnet. Das zeitgenössische Grundbuch verrät uns, dass letzterer ein Waschhaus, der Anbau dagegen ein Schopf war. Wir finden ihn erstmals 1788 erwähnt. Beim Bau des Nachbarhauses im Jahre 1879 musste er abgebrochen werden. Erst jetzt führte die Tür aus der Küche unmittelbar ins Freie, und der Zugang zu ihr konnte die heutige Form annehmen. Am Alter des Seiteneingangs ist allerdings kaum zu zweifeln. Einmal ist die Türöffnung in einer ähnlich altertümlichen Art und Weise gestaltet wie bei allen anderen alten Türen und Fenstern des Hauses, mit deutlicher Verjüngung von innen nach aussen. Vor allem aber war hier der ehemals einzige und zugleich schnellste Zugang zum Anbauschopf, in dem wir die Holzvorräte vermuten, zum einstigen Krautgarten hinter dem Haus, wo bis 1936 der Abtritt - man konnte ihn trock'nen Fusses unter dem überhängenden Dach der hinteren Traufseite erreichen - sowie der Schweinestall und die Hühner untergebracht waren, zum Baumgarten im Anschluss an den Schopf und zum Waschhäuslein unten an der Rössligasse.

Für die Scheune als ursprünglichen Hauseingang spricht eigentlich nur die Verteilung der Räume auf beiden Geschossen. Keller- wie Wohngeschoss besitzen je einen kleinen Raum - Vorraum? -, der als Verbindung zwischen der Scheune und den anderen Räumen dient. Der Zugang zu den einzelnen Stockwerken scheint nach der Scheune zu ausgerichtet, wobei jedoch auffällt, dass der Eingang zum Wohngeschoss deutlich einfacher gestaltet ist als der zum Kellergeschoss. Eine weitere Voraussetzung war auf jeden Fall erfüllt: Bis zur jüngsten Renovation war in das alte Scheunentor eine kleinere Tür eingelassen, die mühelosen Zutritt zum Haus gewährte.

Heute müssen wir uns schon das grosse Tor öffnen lassen, um dorthin zu gelangen, wo einst Heu und Stroh dieses bäuerlichen Anwesens gelagert wurden. Mit den Ausmassen von 4,05 m Breite, 8,30 m Tiefe und 9,00 m Höhe genügte der Raum den Ansprüchen eines Kleinbetriebes. Unverputzte Wände gewähren hier Einblick in die verwendeten Baumaterialien, Bruchsteinmauerwerk bis zum Dachansatz auf etwa 4,20 m Höhe, darüber einfaches Riegelwerk im Dachstuhl. Die Heubühne setzt auf etwa 3,00 m an. Ein moderner Betonboden stellt den - wie sich rasch herausstellte - unzulänglichen Versuch dar, die schlimmsten Folgen der Trottoirkorrektion von 1936 zu beheben, die häufigen überschwemmungen von Scheune und Kellergeschoss vom höhergelegten Fussgängerweg aus. Wir folgen also der Richtung des fliessenden Wassers, wenn wir auf drei Stufen unterschiedlicher Höhe in den über einen halben Meter tieferliegenden Vorraum des Kellergeschosses hinabsteigen, uns dort nach links wenden und über zwei weitere ausgetretene Stufen in den alten Weinkeller gelangen. Ein Meter tiefer als der Scheunenboden und unmittelbar unter dem Vorraum des Wohngeschosses und der Küche gelegen, ist der 6,50 m breite, 3,30 m tiefe und 2,80 m hohe Keller der nach Fläche und Inhalt grösste Raum des Hauses, von der Scheune abgesehen. Hier fanden mehrere grosse Fässer Platz; sie können bei der Enge der Tür zum Vorraum nur im Keller selbst zusammengesetzt worden sein, es sei denn, die im Vergleich zu allen anderen Mauern des Kellergeschosses erheblich dünnere Trennwand zwischen Weinkeller und Vorraum wäre ein späterer Einbau. Ein kleines Fenster im äussersten Winkel zum Gässchen hin verbindet mit der Aussenwelt und lässt ein wenig Licht und Luft unter den uralten Tragbalken der Kellerdecke eindringen. Noch mit dem Gedanken beschäftigt, ob bei allfälligen überschwemmungen der Wein in den Fässern Schaden genommen haben könnte, kehren wir in den Vorraum zurück und stellen zu unserer Befriedigung fest, dass wenigstens der zweite Raum auf der Strassenseite des Geschosses, der alte Stall des Anwesens, nicht vom Vorraum aus überschwemmt werden konnte. Er liegt heute 15 cm, einst 21 cm höher und besitzt einen eigenen Eingang von der Rössligasse her. Mit seinen 3,65 m x 4,00 m x 2,10 m hat man hier sicher nie mehr als ein bis zwei Stück Grossvieh und etwas Kleinvieh einstellen können. Der Stall wirkt durch seine Balkendecke noch niedriger, als er tatsächlich ist; der Boden aus Kieselsteinen vervollständigt das urtümliche Bild des Ganzen. Beim Rückweg zur Scheune nehmen wir im Vorbeigehen wahr, dass Stall und Vorraum je ein kleines Fenster von 40/45 cm x 50 cm aufweisen; sie gehören beide dem alten Typus an.

Nachdem wir uns in Scheune und Kellergeschoss auf insgesamt vier verschiedenen Niveaus bewegt haben, wovon zwei, das der Scheune und das des Stalles durch das ursprüngliche Niveau der Rössligasse, die der beiden anderen durch ihre Funktion bedingt waren, erscheint uns nun das Wohngeschoss weniger bewegt. Nur der Stubenboden liegt hier eine Stufe höher als der Rest des Stockwerkes. Der Zugang vom Tenn aus ist denkbar einfach. Drei Stufen einer schlichten Holztreppe führen zu einem schmucklosen Durchbruch in der Innenmauer der Scheune, drei weitere, bereits innerhalb des «Vorraumes» gelegen, auf die Höhe des Wohngeschosses. «Vorraum» und Küche liegen nebeneinander auf der Rückseite des Hauses, Stube und Kammer auf der Vorderseite; von der Küche aus betritt man die Stube, von dort aus die Kammer.

Vor 1936 war der «Vorraum» eine fensterlose kleine Kammer (2,40 m x 3,40 m), die in erster Linie als Durchgang zur Scheune und - auf einer steilen Holzstiege - zum Dachboden diente. 1936 baute man in sie ein WC ein und brach die hintere Hausmauer durch, um einen direkten Weg zu der im gleichen Jahr angelegten Waschküche dem heutigen Bad - zu schaffen. Sie trat an die Stelle des alten Abtritts und des Schweinestalls in der hintersten Hofecke neben dem Areal der Rössligasse 44.

Die Küche wirkt mit ihren 3,90 m x 3,60 m fast quadratisch; im alten Zustand hatte sie nur ein kleines Fenster in der Rückwand des Hauses; das meiste Licht kam durch die Tür, sie war einst zweiteilig. Das schönste Zimmer des Hauses war und ist zweifellos die Stube (3,90 m x 4,30 m); auch wenn die alten Täfer ersetzt wurden, geblieben ist der Kachelofen und die einmalige Gemütlichkeit des Raumes. Im Vergleich zu den anderen Fenstern des Hauses sind sie hier verhältnismässig gross (1,10 m x 1,20 m). Die anschliessende Kammer (2,40 m x 4,30 m) nimmt sich dagegen recht bescheiden aus.

Zum Dachgeschoss führt auch heute noch die alte «steile Holzstiege» aus dem Anfang unseres Jahrhunderts. Sie mündet in einen 3,30 m x etwa 8,00 m grossen «Vorraum» zu den beiden Mansarden. Nach der Scheune zu durch eine Mauer abgeschlossen, die nur auf der Höhe der Treppe eine Fensteröffnung aufwies, wird dieser Raum einst zur Lagerung verschiedener Vorräte gedient haben, in seiner Funktion vergleichbar mit der hinteren Mansarde, dem ehemaligen Estrich. Vor der Renovation etwa 20 cm tiefer gelegen, musste man damals einen hohen Schwellbalken übersteigen, um in die kleineren Räume des Dachgeschosses zu gelangen. Der vordere Raum dürfte schon früh als Kammer genutzt worden sein; bereits auf dem ältesten Photo besitzt es ein eigenes Dachfenster auf der Seite der Rössligasse, während der Estrich nur eine Fensteröffnung im Giebel aufweist.

Wir sind damit am Ende unseres Rundganges angelangt und wenden uns nun der Frage zu, wann dieses altertümlich wirkende Haus wohl entstanden sei. Wie bei den meisten alten Häusern Riehens lassen sich auch hier keine sicheren Aussagen machen. Bauinschriften und Urkunden, die die Nachbarhäuser auf das Jahr 1879 datieren (Rössligasse 36 und Wendelinsgasse 29) oder die von ihrem Umbau in den Jahren 1799 (Rössligasse 44) und 1870 (Wendelinsgasse 27) zeugen, fehlen. Die Bauernhausforschung findet den Haustyp während mehrerer Jahrhunderte - 16.-18. Jh. - vertreten (Gschwend); die ältere Dorfgeschichte zählt das Anwesen zu den alten Kleinbauernhäusern (Iselin 263), die jüngere meint, dass es «noch dem frühen 17. Jh. entstammen könnte» und belegt das durch einen Vergleich der Fensterformen mit denen des abgebrochenen Hauses Rössligasse 32, zudem «schliesse der Scheunengiebel eine frühe Datierung nicht aus» (Maurer 221), und Michael Raiths verdienstvolle Gemeindekunde hält eine Entstehung vor 1600 für wahrscheinlich (Raith 152), allerdings ohne seine Ansicht zu begründen. Fassen wir diese Aussagen zusammen, so scheint das Haus Rössligasse 40 zweifellos älter als alle Nachbarhäuser. Ob es nun im ausgehenden 16. Jh. oder im «frühen 17. Jh.» gebaut wurde, muss offen bleiben, bis wir aus anderen Quellen zu neuen Einsichten kommen.

Die ältesten Nachrichten über Riehener Häuser verdanken wir in der Regel den Akten kirchlicher Institutionen. Sie waren im Laufe des Mittelalters zu den Grundherren unseres Dorfes geworden, von den meisten Liegenschaften flössen ihnen Bodenzinsen und andere Abgaben zu. Ihre jährlich nachgeführten Zinsregister und die in grösseren Abständen durchgeführten Neuaufnahmen ihrer Güter in Bereinen - Bereinigungen des Besitzstandes sind eine unschätzbare Fundgrube für lokalgeschichtliche Forschungen. Wir erfahren die Namen der Inhaber von Häusern und Grundstücken und ihre Leistungen an den Grundherrn; die einzelnen Güter werden nach Umfang und Lage beschrieben. Freilich suchen wir vergebens nach genaueren Angaben zu den einzelnen Gebäuden, ihrer Funktion wie ihrem Aussehen, ihrer Zeitstellung, ja sogar ihrer Anzahl. Wenn beim Erwerb einer Liegenschaft im Mittelalter ein Haus auf einer Hofstatt gestanden hatte, bleiben die Akten bei der Formulierung <Haus, Hofstatt und Garten>, auch wenn im Laufe der Jahrhunderte weitere Häuser auf dem gleichen Areal errichtet wurden. Dafür werden alle anderen Veränderungen registriert, seien es nun die bei den Inhabern und Anwändern oder bei den Lagebezeichnungen, was den Anschluss an den ersten staatlichen Kataster von 1825/26 und damit die Lokalisierung in Dorf und Bann ermöglicht. Daneben gibt es für einen Teil der einst mit Bodenzinsen belasteten Güter eine Konkordanz aus dem Jahre 1857, die die damaligen Parzellennummern mit den alten Bereinen und ihrer Numerierung verbindet. Jede hausgeschichtliche Untersuchung beginnt mit diesem Register, so auch unsere.

Tatsächlich finden wir eine Eintragung, die uns weiterhilft. Der Inhaber einer Nachbarparzelle an der Wendelinsgasse zahlt damals noch fünf Rappen in die Kasse des Rechtsnachfolgers des Klosters St. Blasien; im Register stehen in der Spalte <Section N°: A 156> und unter <Berain N°: Bläsy 135>. Wir gehen diesem Hinweis nach und lesen im <Berain über des Hochloblichen Reichs Gotts Haußes Sr Blasien - Probstey Weitnau - Gefäll zu Riehen (gehören in den Hoof zu Weyl)> von 1804-13 unter der N° 135: «Item Ein Haus und Hooffstadt, samt den Gärten daran, im Oberen Dorf Riehen, einerseits neben der Straß so ins Mittelfeld geht, und andererseits wieder, neben der Straß gelegen, vornen auch auf die Straß und hinten auf Simon Wenck in der Huob stoßend.

Gibt jährlich Geldt Drey Schilling und Ein Huhn thut zusammen in Geldt 8îï

Besitzen und geben. ß. d.

Hans Jörg Wenck 3. 2.

Theobald Höner, Müller 4. —.

Margreth Schluepp —.10.»

Vergleichen wir alt A 156 = Wendelinsgasse 27 mit diesen Angaben, so passen die Beschreibung der Liegenschaft in etwa - es ist nur ein Garten vorhanden - und die Lageangabe «im Oberdorf> (für die Bereine beginnt es bereits mit der Rössligasse 32 bzw. 35 und der Gartengasse 23). Die weiteren Lageangaben dagegen beziehen sich auf ein viel grösseres Areal, das von der Wendelinsgasse (Strasse ins Mittelfeld), der Rössligasse (Strasse <anderseits> und «vornen>) und einem schmalen Durchgang oberhalb der Rössligasse 32 («Simon Wenck in der Huob>) begrenzt wird. Dem entsprechen auch die drei Besitzer, die wir mit Hilfe des ältesten Riehener Brandlagerbuches zweifelsfrei zuordnen können: <Hans Jörg Wenck> der Rössligasse 40 (Brandlagernummer 77), «Theobald Höner> der Rössligasse 44 (BLN° 72) und «Margreth Schluepp> der Wendelinsgasse 27 (BLN° 81). Von den fünf heutigen Liegenschaften auf dem o.a. Areal haben also um 1800 drei sicher bestanden, die restlichen zwei sind erst 1879 abgetrennt worden, Rössligasse 36 von Rössligasse 40, Wendelinsgasse 29 von Rössligasse 44. Wir dürfen demnach als Zwischenergebnis verbuchen, dass unser Haus an der Rössligasse zu den Weitnauer Gütern in Riehen gehört und mit den beiden anderen Häusern unter der Nr. 135 des St. Blasien-Bereins geführt wird. Gehen wir die älteren Bereine durch, so erscheinen 1723 wie 1638/48 ebenfalls drei Besitzer, was mit grosser Wahrscheinlichkeit auf die Existenz dreier bäuerlicher Anwesen hinweist; 1591, im ältesten Weitnauer Berein, sind es indessen nur zwei Inhaber und damit vermutlich nur zwei Bauernhäuser, und hätte uns der Zufall noch einen älteren Berein erhalten, wären wir vielleicht bei dem ursprünglichen Zustand angelangt, bei einem Besitzer von <Haus, Hofstatt und Garten>. Uns interessieren nur die vorliegenden Urkunden und die überlegung, welche der um 1800 sicher bezeugten drei Liegenschaften Ende des 16. Jh. bestanden haben mögen. Die Namen der Inhaber sind dabei nur von bedingtem Wert. Ihre Zuordnung zu den einzelnen Anwesen steht erst ab 1673 fest; für die Rössligasse 44 lassen sich verwandtschaftliche Beziehungen zu einem der für 1638/48 genannten Besitzer rekonstruieren, zu den 1591 verzeichneten Personen fehlen alle Verbindungen. Beachtenswert scheinen uns jedoch die verschiedenen Belastungen, wie sie in dem oben abgedruckten Bereinsauszug von 1804/13 ausgewiesen sind und die zweifellos auch für die vorausgehenden Jahrhunderte gelten. Danach musste für das Anwesen Rössligasse 44 genau die Hälfte des gesamten Bodenzinses gezahlt werden, während für die andere Hälfte zum überwiegenden Teil unsere Liegenschaft, für den kleinen Rest von 10 Pfennigen (d.) der Inhaber der Wendelinsgasse 27 aufzukommen hatten. U.E. spricht einiges dafür, dass die so ungleich belasteten Anwesen Rössligasse 40 und Wendelinsgasse 27 1591 noch eine Einheit bildeten und letztere nach diesem Datum abgetrennt wurde, genauso wie es 1879 mit dem Areal der Rössligasse 36 geschah. Folgen wir dieser Argumentation, wäre unser Haus der Kern eines schon 1591 bestehenden beträchtlich grösseren Anwesens auf dem Gebiet der heutigen Parzellen A 558 (Rössligasse 40), A 559 (Rössligasse 36) und A 134 (Wendelinsgasse 27). Seine Entstehung <vor 1600> scheint zumindestens nicht ausgeschlossen.

Die gleichen Schwierigkeiten wie bei der Datierung von Haus und Anwesen begegnen uns bei der Ermittlung ihrer frühen Besitzer, müssen doch teilweise dieselben Vorentscheidungen getroffen werden, bevor man die in den Bereinen genannten Personen einer heutigen Liegenschaft zuordnen kann. Erst wenn wir unser Haus als Kern eines zweiten Anwesens auf der Weitnauer <Hofstatt im Oberdorf sehen, lohnt die überlegung, welche der 1591 genannten Inhaber für uns in Frage kommen: Jacob Liechtyßen> oder <Veltlin I.inckh>. Es mag helfen, dass unser Haus nach Aussehen und Bewohnern nie mehr als ein kleinbäuerliches Anwesen war, während die Liegenschaft Rössligasse 44 nach ihrem äusseren wie nach dem Zeugnis der schriftlichen überlieferung als Sitz eines wohlhabenden Bauern anzusprechen ist. Jakob Lichteisen, Mitglied einer im 16. Jh. in Riehen ansässigen und inzwischen ausgestorbenen Familie erscheint mehrmals in den Bereinen der Zeit, Valentin Link dagegen nur selten, entsprechend häufig, bzw. selten tauchen sie im Taufbuch als Paten auf. Mit einiger Wahrscheinlichkeit darf daraus geschlossen werden, dass Lichteisen im sozialen Gefüge des Dorfes eine grössere Rolle spielte als Valentin Link und damit eher für das bedeutendere Anwesen Rössligasse 44 in Frage kommt; danach wäre <Veltlin Linckh> der erste uns bekannte Inhaber unseres Hauses.

Noch schwieriger wird die Zuordnung der im Weitnauer Berein von 1638/48 genannten <Hans datt der Schneider, Jacob Eger Wendlins Sohn, und Steffan Gysell>. Irgendeine Beziehung zu den Besitzern von 1591 ist nicht herzustellen, dafür lassen sich Verbindungen zu späteren Inhabern finden, bei denen dank genauer Beschreibungen feststeht, was ihnen gehört. Egers Tochter Verena heiratet 1665 einen Samuel Wenk [Samuel Wenk-Eger-Fischer 1644-1705]; ihr Sohn Jakob [Jakob Wenk-Götschin 1699-1708] ist der erste einwandfrei belegte Besitzer der Rössligasse 44. Stephan Gysel ist 1648 Taufpate bei Leonhard Sütterlin des Glasers Tochter Barbara. 1673 werden <Lienhart Sütterlein und Hans Weitlin Seel Erben> als Anwänder andererseits zur Rössligasse 32 angeführt. 1716 verkauft <Eva Rengerin weyland Leonhard Seüterlins nachgelassene Wittib> ihre Liegenschaft an der Wendelinsgasse 27. Den 1673 genannten Erben des Hans Wittlin muss demnach unser Haus gehört haben. Leider führt von ihm keine Spur zurück auf die 1638/48 verzeichneten Inhaber. Wenn wir die Patenschaft Gysels als Argument für eine Vorbesitzerschaft in der Wendelinsgasse heranziehen, bliebe nur <Hanns datt der Schneiden übrig. Er steht ebenso isoliert in der Liste der Besitzer des Anwesens Rössligasse 40 wie <Hans weitlin Seel. Erben>.

Die ununterbrochene Abfolge beginnt hier erst 1708 mit <Wendlin Schmids seel. Wittib>.

In der nun folgenden Tabelle werden alle bekannten Besitzer der Liegenschaften vorgestellt, die heute auf dem Areal zwischen Rössligasse und Wendelinsgasse oberhalb Rössligasse 32 existieren. Ihre Namen erscheinen in chronologischer Folge; sie werden in der um 1800 fixierten Schreibweise wiedergegeben, wo möglich mit Frauennamen und Lebensdaten, sowie weiteren Angaben zu Beruf, Amtern usw. Unsichere Zuordnungen sind mit Fragezeichen gekennzeichnet. Jedem Namen vorangestellt ist die jeweils erste und in einigen Fällen auch letzte Erwähnung als Inhaber; tatsächlich kann das Eigentum erheblich länger bestanden haben. Der Besitz bedeutet nicht in allen Fällen, dass das Haus von der gleichen Person bewohnt wurde, ebensowenig sind mit dem Besitzer alle Bewohner aufgeführt.



Rössligasse 40 A 558 Rössligasse 36 A 559 Wendelinsgasse 27 A 134 Rössligasse 44 A 557 Wendelinsgasse 29 A 556
1591: Berein 1591: Berein Jakob Lichteisen-Krämer-Schultheiss-Haberer?............
 
1638/48: Berein 1638/48: Berein Stephan Gysel-Eger?
 
1638/48: Berein
der Schneider      
1673 März 17: Anwänder Hans 1673 März 17: Anwänder Leonhard Sütterlin-Rüger-Reinger [Samuel ...................Wenk-Eger-Fischer?] .........................
 
1708 Nov 12: Anwänder Wendlin 1708 Nov 12: Erbinventar Jakob
      (1669-1708)  
1716 Feb 15: Anwänder Jakob 1716 Feb 15: Verkauf Leonhard Sütterlin-Rüger-Reinger Witwe Eva Reinger (1647-1732) 1716 Feb 15: Anwänder 1761: Zinskorpus
(1680-1737)   (1694-1769)  
1726 Mai 16: Gant (555 « ) Philipp 1716 Feb 15: Kauf (265 «) David David-Fischer-Bossart Seidenwebermeister (1683-1760)    
Schmied, Kirchmeier (1685-1795)    
1727 Mai 19: Tausch Hans      
(1685-1746)        
1748 Nov 18: Anwänder 1761 : Zinskorpus Hans      
(1721-72)      
Rössligasse 40 Rössligasse 36 Wendelinsgasse 27 Rössligasse 44 Wendelinsgasse 29
A 558 A 559 A 134 A 557 A 556
    1761 : Zinskorpus    
    1800: Häuserschatzung    
    (200 Fr.) 1763: Zinskorpus
    Friedlin Samuel  
1774 Sept 14 -17: Volkszählung Schlup-Weissenberger ...................Wenk-Hauswirth-Hauswirth ...............
 
Hans   Weber, Tauner Bauer  
...................Soldner-Faesy Witwe Magdalena............
 
(1730-1803) (1722-89)  
  (1714-91)      
      1788 Ap 28: Kauf ( « 1826.13.4)
      1807: Brandlager (6200 Fr.)
      Theobald  
1794: Zinskorpus   ...................Höner-Wenk .
 
 
Wilhelm     Müller, Bannbruder, Gemeinderat
...................Siegwald-Löliger.................................
 
  (1747-1809)  
Metzger        
(1765-99)        
1795 Aug 24: Kauf (1100 ti )      
Matthias        
...................Schmid-Weissenberger .........................
 
     
Küfer        
(1750-1833)        
1798 Mai: Hausnumerierung      
Simon        
...................Wenk-Schmid        
Lehenmann        
(1737-1800)        
1800: Häuserschatzung (300 Fr.) 1804-13: Berein    
1814 März 11 : Einquartierung Margaretha 1814 März 11 Einquartierung
Hans Georg   Schlup von Bettingen Theobald  
...................Wpnk-Rasler   Weberin ...................Höner-Wenk .
 
 
1 cinMmi.mil, Bannwart (1818) (1753-1824) Beck, Landmann, Gemeinderat
(1763-1829)     (1773-1835)  
1818: Brandlager (1000 Fr.) 1824 Okt 18: Erbfall    
Johann Jakob   Alexander    
...................Weiss-Wenk von Bettingen....................
 
Schlosser-Bolli v. Bett.
 
   
Einsass in Riehen Einsass in Riehen, Weber    
(1780-1842)   (1780-1850)    
1825 Ap 21: Gant (1200 Fr.)    
Samuel    
...................Merian-Hoffmann von Basel .................
 
   
Handelsmann, Bandfabrikant    
Appellationsrichter    
(1766-1837)    
1829 Mai 4: Kauf (1100 Fr.)    
Simon    
...................Göttin-Seckinger ................................
 
   
Landmann    
(1799-?)    
1855 Feb 11: Kauf (2357,15 Fr.) 1855 Feb 11: Anwänder 1855 Feb 11: Anwänder
Adolf Friedrich Theobald
Gernet-V0I7 Meister Schlosser v. Bettingen ...................Wenk-Wenk-Hagist
von Hergiswil LU, in Basel Einsass in Riehen Geometer, Gerichtspräsident,
  Gemeindepräsident, Bezirks
1859 Jan 26: Fertigung (2800 Fr.)   schreiber
Johannes   (1804-58)
...................Schweizer-Gysin .................................
 
   
Bannwart, Gemeinderat   1864/1871: Grundbuch (10 023 Fr.)
(1831-1907)   Theobald
  ...................Wenk-Wenk-Hagist...........................
 
1867 Mai 2: Kauf (3800 Fr.)   Witwe Anna Katharina Hagist
Friedrich   (1822-97)
...................Schmid-Vögelin-Döhnel .......................
 
1870 Jan 27: Kauf 1871: Grundbuch
Hufschmied (2400 Fr.)
(1834-94) Johann Friedrich Theobald / Ernst
Huber-Ottenburg v. Bett.
 
..................Wenk-Sulzer / Wenk .........................
 
  Landmann / Küfer
    (1844-92) (1847-1901)
    1874 Mai 6: Kauf
    Theobald
    ...................Wenk-Sulzer ....................................
 
    Landmann
    (1844-1902)
    1877 Dez. 14: Kauf
    Samuel
    ..................Löliger-Wenk ..................................
 
    Bäckermeister
    (1846-94)
Rössligasse 40 Rössligasse 36 Wendelinsgasse 27 Rössligasse 44 Wendelinsgasse 29
A 558 A 559 A 134 A 557 A 556
      1879 Okt 17: Auflösung 1879 Okt 17: Auflösung
1880 Jan 6: Auflösung 1880 Jan 6: Auflösung   Samuel Theobald
Jakob Friedrich Friedrich   Löliger-Wenk Steinbach-Großheintz
Stücklin-Höner Schmid-Vögelin-Döhnel   Bäckermeister (1846-94) von Beifort in Stetten
(1821-96) Hufschmied (1834-94)     ( + 1893 + )
      1880 Ap 13: Kauf  
      David Weissenberger  
    1888 Okt 13: Gant Schultheiss  
    Jakob Schlup-Mäder Landwirt, Gemeinderat  
1890 Jan 23: Erbgang   (1849-?) (1845-1928)  
Jakob Friedrich   Strassenwart   1893 März 16: Erbgang
Stücklin-Höner 1894 Sept 29: Gant     Theobald
Witwer (1821-96) 2/3 Spar- & Leiheasse     Steinbach-Weiss 1/3
Magdalena Höner Riehen     Jean Henry
Johannes Bleibler 1/6       Steinbach-Schultheiss 1/3
Anna Maria Höner       Emil Fritz Steinbach 1/3
Steph. Aug. Ebner 1/6        
        1895 März 6: Kauf
1896 Juli 22: Gant 1896 März 31: Kauf     Ludwig
Johann Jakob Friedrich     Holzer-Memminger
Eger-Peter Schmid-Hermle     Rouleauxdrucker
Bannwart (1850-1916)        
  1906 Juli 3: Kauf      
  Max      
  Grosshardt-Thoma      
  1910 Sept 27: Erbgang      
  Max      
  Grosshardt-Keller      
  1916 Mai 26: Gant      
  Leonhard      
  Roth-Tüller in Basel      
  Getreidehändler      
1917 Jan 16: Erbgang        
Johann Jakob        
Eger-Peter Witwe Emma        
Landwirtin        
(1888-1946)2/3        
Emma Eger-Huber, 1919 Okt 15: Kauf      
Jos. Anselmo 1/3 Max      
Jakob Friedrich Grosshardt-Keller-Müller      
Eger-Burkart 1/3 Wagnermeister 1926 Sept 1: Kauf    
    Marie    
  1928 Mai 22: Erbgang Schlup    
  Karl Friedrich   1929 Nov 7: Erbgang  
  Rüsch-Saner-Müller   David Weissen  
  Schmiedmeister   berger-Schultheiss  
      Witwe Anna Maria  
      1935 Nov 4: Erbgang  
1946 Nov 20:     David 1939 Jan 3: Erbgang
Erbgang/Kauf     Weissenberger Maria Holtzer
Jakob Friedrich     Schultheiss  
Eger-Burkart 1948 Jan 2: Kauf   Witwe Erben  
Fabrikarbeiter Ernst      
(1895) Lemmenmeier-lsenring   1949 Juli 7: Kauf  
  Schmiedmeister   Emil  
      Baier-Schwyter  
      Autotransporte  
    1955 Dez 29: Gant    
    Gottlieb    
    Weissenberger-Maier    
    Sattlermeister    
        1971: Adressbuch
1972 Dez 20: Schenkung       Martha
Fritz       Schibler-Holtzer
Eicher-Huber        
(1910-75)        
1973 Dez 18: Schenkung        
Paula        
Eicher-Huber        
(1914)        

Vergleichen wir die in der Tabelle dargestellten Verhältnisse, so fällt als erstes auf, dass unsere Liegenschaft doppelt so häufig die Hand gewechselt hat wie ihre Nachbarn; wir zählen 25 verschiedene Inhaber und Erbengemeinschaften, bei dem Anwesen Rössligasse 44 sind es nur 13. Im ersten Viertel des 18. Jh. gehört sie Angehörigen der Riehener Familie Schmid, ihnen folgen fast bis zum Ende des Jh. zwei Träger des Namens Soldner; im 19. Jh. findet man zunächst eine Nebenlinie der Familie Wenk, ab 1829 lebt hier für rund ein Vierteljahrhundert der Landmann Simon Göttin und 1896 ziehen die Eger ein - Nachkommen des Jakob Eger-Brüchsel (16. Jh.) in der neunten Generation - und bewohnen sie bis heute. Wenn wir die Schmid, Soldner, Wenk, Göttin und Eger als Langzeitbewohner des Hauses ansprechen dürfen, gibt es daneben die kurzfristigen Inhaber, bei denen die Spekulation die wesentliche Triebfeder für den Erwerb darstellte. Nicht immer erfüllen sich dabei alle Hoffnungen. Samuel Merian-Hoffmann etwa kauft für 1200 Fr. und stösst für 1100 Fr. wieder ab; bei Adolf Gernet-Volz sind es immerhin 442,85 Fr. Gewinn; Johannes Schweizer-Gysin lässt sich sogar 1000 Fr. mehr bezahlen, als er nach achtjährigem Besitz weiterverkauft. Dass es sich trotzdem nur um sehr bescheidene Summen handelt, zeigt ein Blick auf die Häuserschatzung des Jahres 1800, bei der unser Haus mit 300 Fr. zu Buche steht, die Wendelinsgasse 27 mit 200 Fr., die Rössligasse 44 hingegen mit 4500 Fr. Dem bescheidenen Wert des Anwesens Rössligasse 40 entspricht der soziale Hintergrund seiner Bewohner. Unter den sicher belegten Insassen ist der Hufschmied Friedrich Schmid-Vögelin-Döhnel der einzige Handwerker, drei weitere haben das untere Dorfamt des Bannwartes bekleidet, daneben werden sie aber, wie alle anderen, kleine Landwirte gewesen sein. Ihr Besitz an Grund und Boden reichte nie zur vollen Deckung ihres Lebensunterhaltes aus, was fehlte, musste im Taglohn an anderer Stelle verdient werden, die Statistiken des ausgehenden 18. Jh. führen sie deshalb unter der Berufsbezeichnung des <Tauners> ( = Tagelöhner). In der ganzen Nordwestschweiz wird der <Tauner> als Kleinbauer verstanden. Wir haben uns daher für berechtigt gehalten, ihn im Untertitel unseres Beitrages zu verwenden.


Quellen und Literatur
Soweit nicht im folgenden aufgeführt, wurde der Beitrag aus den Beständen des Historischen Grundbuches Riehen erarbeitet. Herrn Dr. Max Gschwend vom Schweizerischen Institut für Bauernhausforschung und Herrn Pfarrer Michael Raith sind wir zu besonderem Dank für ihre mündlichen Auskünfte verpflichtet.

(Iselin) Iselin, D. L. Emil Geschichte des Dorfes Riehen, Riehen 1923 (Maurer) Maurer, François Baugeschichte in: Riehen, Geschichte eines Dorfes, Riehen 1972 (Raith) Raith, Michael Gemeindekunde Riehen, Riehen 1981 (Schwab) Schwab, Hans Riehen seit 1825, Basel 1935
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