1979

Göttin Diana, ich danke dir!

Karl Meyer

Kehr einst ich nach dem letzten Jagen zum Urquell allen Seins zurück, so wend ich dankbar, ohne Klagen noch einmal rückwärts meinen Blick. Das schönste Los auf dieser Erde warf Gott mir in den Schoss hinein. Sollt ich nochmals geboren werden, es könnte nur als Jäger sein.

Seit 1938 bin ich Jagdaufseher der Jagdgesellschaft Riehen im Nebenamt. Mein Hauptberuf als Metzger im Schlachthof, den ich bis zu meiner Pensionierung im Jahre 1967 ausübte, war zugleich mein Brotberuf; denn das Amt des Jagdaufsehers brachte mir keine grossen Reichtümer. Aber die Liebe zu Wild und Wald kann man nicht mit Geld bezahlen!

Mein Vater war von 1902 bis 1936 Waldhüter der Gemeinde Riehen. Er war der letzte Waldhüter, der noch eine Jagdflinte tragen durfte, um zugleich die Jagdaufsicht zu betreuen. Schon in jungen Jahren nahm er mich mit in den Wald und weihte mich in die Schönheit des Waldes und in die Geheimnisse der Jagd ein. Mein grösster Wunsch war es stets, selber auch einmal Jagdaufseher zu werden.

Als im Jahre 1938 die Jagd frisch verpachtet wurde, steigerte sie eine Basler Jagdgesellschaft den Riehenern weg. Die Wut und Aufregung der Riehener war begreiflicherweise gross. Bald darauf traf ich im Maienbühl den neuen Jagdpächter. Ich stellte mich ihm vor als Sohn des früheren Waldhüters Meyer. Er freute sich, mich hier zu treffen, hatte er doch meinen Vater gut gekannt, und fragte mich sogleich: «Möchtest du die Jagdaufsicht übernehmen?» Ich rief in einer Freude: «He joo!», und er versprach mir, so bald als möglich mit seinen Jagdkollegen zu sprechen. Bald darauf erhielt ich den ersehnten Bericht, dass alles in Ordnung sei und ich den Jagdhut nehmen könne. Wie gross meine Freude war, kann man sich wohl vorstellen. Ich wurde von Hauptmann Bloch in die Pflicht genommen und vereidigt und erhielt den erforderlichen Polizeiausweis. Später machte ich in Freiburg i.Br. auch noch die deutsche Jagdaufseherprüfung, die ich mit Erfolg bestand.

Nun erlebte ich schöne waidmännische Stunden mit den Jagdpächtern, bis der Krieg ausbrach. Im Jahre 1942 wurde die Jagd für sechs Jahre nicht mehr vergeben; diese Massnahme wurde zur Schonung des Wildes getroffen. Ich war nun als Jagdaufseher direkt der Gemeinde Riehen unterstellt. In diesen Jahren wurde es gefährlich, die Jagdhut auszuüben, besonders auf dem Waldweg in der Eisernen Hand, wo die Grenzsteine bald links, bald rechts des Weges stehen. Da hat denn mehr als einmal plötzlich ein Gewehrlauf auf mich gezeigt, und ich bin oft erschrocken, wenn es aus dem Gebüsch ertönte: «Halt, stehenbleiben, Sie dürfen sich auf diesem Weg nicht bewegen». Man wurde richtig abgeputzt und brutal weggejagt, so dass man sich beinahe nicht mehr in jenes Gebiet wagen durfte. Als dann der Krieg vorbei war und die französische Besatzungsmacht kam, ging es schlimm zu im Wald. Erbarmungslos wurde alles Wild abgeschossen, sogar mit Maschinenpistolen. Besonders das Rehwild hatte zu leiden; da wurde keine Schonzeit eingehalten, selbst während der Mütterlichkeit wurden Muttertiere und Jungtiere nicht geschont. Zum Glück gaben dann die Franzosen, als sie beinahe den ganzen Wildbestand zusammengeschossen hatten, die Jagd an Schweizer Jäger ab, und nun konnten unsere Jagdpächter zum Riehener Revier auch Inzlingen, Wyhlen und Grenzach pachten. In diesem grossen, zusammenhängenden Wald wurde nun das Wild geschont. Es dauerte beinahe zehn Jahre, bis wieder ein schöner Rehbestand die Wälder bevölkerte, der zum Glück bis heute erhalten geblieben ist.

In jenen Jahren tauchten auch die ersten Wildschweine auf, die sich wohl infolge der Kriegswirren in unsere Gegend verirrt hatten. Und hier will ich vom schönsten Tag in meinem Jägerleben berichten — vom Tag, an dem ich mein erstes Wildschwein erlegte. In der Chronik von Pfarrer D.L. Iselin (erschienen 1923) wurde nichts von Wildschweinen berichtet, nur vom letzten Hirsch, der anno 1769 in der Eisernen Hand erlegt wurde. Die Stettener ha ben zwar behauptet, die Riehener hätten jenen Hirsch gewildert und über die Grenze hinübergeschleppt — so steht es in der Chronik. Aber, wie gesagt, von Wildschweinen hatte man seit Menschengedenken nichts mehr gehört. Am 28. Januar 1947 konnte ich mich von meiner Arbeit freimachen, konnte den Metzgerkittel mit meinem schönen Jägerkittel vertauschen und ging Richtung Maienbühl in der Absicht, einen Fuchs mit der Hasenklage heranzulocken. Als ich das elterliche Haus im Oberdorf, Stiftsgässchen 14, verliess, rief mir meine Mutter nach: «Waidmannsheil, Karli!» und ich rief zurück: «Waidmannsdank!» Es hatte die ganze Nacht über geschneit; eine fusshohe Schneedecke lag über dem Dorf. Als ich Richtung Eiserne Hand durch die weisse Pracht pirschte, ging mir manches durch den Kopf. Mensch, wie lange kannst du noch den schönen Beruf ausüben? Keiner weiss es, der Alte nicht und der Junge nicht. Und doch werden wegen ein paar Bagatellen oder wegen ein paar Fränklein alte gute Freundschaften weggeworfen oder Streit auf dem Rücken eines Unschuldigen ausgetragen. Als ich so meinen Gedanken nachhing, sah ich die alte Rehgeiss, die ich hier schon oft gesehen hatte, mit ihren beiden letztjährigen Kitzen den Waldweg überqueren. So kam ich zur Blockhütte und wollte dort vom Hochsitz aus einen Fuchs heranlocken. Aber plötzlich fuhr ein Traktor daher; ein Holzarbeiter schleppte Baumstämme aus dem Wald, und so war es natürlich unmöglich, hier zu jagen.

So pirschte ich mit meinem vierbeinigen Jagdkameraden Lumpi gegen die Mulde fast zuhinterst in der Eisernen Hand. Plötzlich hörte ich ein Brechen und Schmatzen. Das konnten nur Wildschweine sein. Und wirklich, ich hatte mich nicht getäuscht: auf 150 Meter Distanz sah ich plötzlich sieben Wildschweine direkt auf mich zukommen. Das Jagdfieber packte und schüttelte mich, und das Herz hämmerte mir bis zum Hals hinauf. Ich betete zur Jagdgöttin Diana, sie möge mich doch beruhigen und meine Hand sicher führen. Lumpi sass ruhig neben mir, er fühlte, dass mich ein nicht alltägliches Erlebnis bewegte. Jetzt stand plötzlich ein Wildschwein auf dem Grenzweg Stetten-Riehen. Schnell riss ich den Drilling an die Schulter; der Zielstachel von meinem Fernrohr stand tief Blatt, dort wo am meisten Leben ist, Herz und Lunge. Der Schuss zerriss die Stille des Waldes. Die uralten Eichen, die im Kreise standen, verneigten sich tief (Jägerlatein!). Ich ging sofort mit Lumpi zum Anschuss; der Schnee war hellrot gefärbt von Lungenschweiss, aber das Wildschwein war verschwunden über die Grenze ins Nachbarrevier. Lumpi beschnupperte die Stelle, dann schnallte ich ihn und rief ihm noch nach: «Such mein Hund, brav, mein Hund!». Laut jagte Lumpi das Tier immer weiter in das feindliche Revier, und schon dachte ich mit schwerem Herzen: «Diese Beute ist für mich verloren; keiner wird mir glauben, dass ich ein Wildschwein gesehen, geschweige darauf geschossen habe.» Doch plötzlich kam das Hundegeläute wieder näher gegen die Grenze, und schon hörte ich in Richtung Blockhütte den ersehnten Standlaut. Das tönte wie ein Glöcklein in mein Jägerherz; nun wusste ich, dass das Wildschwein schwer krank im Wundbett sass. So schnell ich konnte, rannte ich gegen die Blockhütte. Unterdessen war es Nacht geworden, aber die schwarzen Umrisse des Wildschweines hoben sich gut vom Schnee ab, und ich gab ihm auf kurze Distanz den Fangschuss.

Dann lüpfte ich den Jägerhut und rief in den winterlichen Wald: «Göttin Diana, ich danke dir! Du hast mich lange auf die Folter gespannt, bis ich die seltene Beute in meinen Besitz nehmen durfte, aber das Erlebnis war umso tiefer».

Dann ging ich an die rote Arbeit; die Eingeweide mussten sofort entfernt werden, aber das bereitete mir als Metzger keine Schwierigkeiten. Wie aber sollte ich meine Beute abtransportieren? Liegenlassen durfte ich sie nicht; die Gefahr, dass die Franzosen sie mir über Nacht gestohlen hätten, war zu gross. Kurz entschlossen band ich die Leine meines Hundes um das Gebrech (die Schnauze) und schleppte das Wildschwein aus dem Wald. Es war eine schwere, aber süsse Last. Der Hund biss in seiner Aufregung immer wieder in die Borsten des Tiers, so dass ich ihn meist auch noch nachziehen musste. So kam ich endlich zum Maienbühlhof. Der alte Schmutz, der schon über achtzig Jahre alt war, konnte es kaum glauben, dass ich ein Wildschwein erlegt hatte und freute sich mit mir. Auf seinem Veloanhänger fuhr ich die Beute zu Gemeinderat Sulzer, dem damaligen Waldchef, dem ich in der Zeit, in der die Jagd nicht versteigert war, direkt unterstellt war. Es wurde spät an jenem Abend, bis ich von einer Wirtschaft zur andern gezogen war, um von meinem Jagdglück zu erzählen. Am nächten Morgen, kaum hatte ich mit der Arbeit begonnen, kam der Schlachthausdirektor Thommen zu mir und sagte: «Herr Meyer, ich gratuliere ihnen zu ihrem Jagderfolg». Als ich mich ganz erstaunt erkundigte, woher er denn das wisse, lachte er und sagte: «Ich habe es soeben in der Nationalzeitung gelesen!» Das Wildschwein wurde dann in der Filiale der Metzgerei Bell ausgestellt, es gab einen wahren Volksauflauf vor dem Fenster. Alle Schulkinder wollten das seltene Tier natürlich sehen. Und später wurde es im Restaurant Schützengarten vom erstklassigen Küchenchef, Herrn Etter, zubereitet und fand bei seinen Gästen reissenden Absatz.

Ich werde immer wieder gefragt, wie es denn heute in Riehen mit dem Wild stehe. Der Rehwildbestand ist, wie ich schon erwähnte, dank des zusammenhängenden Jagdreviers auch heute noch erfreulich gross. In Riehen und Bettingen gibt es etwa fünfzig Stück Rehwild, wovon der grösste Teil im Maienbühler Herrenwald steht. Auch im Chrischonawald gibt es noch etwa zwanzig Stück Rehwild, hingegen ist der Bestand im Ausserberg und im angrenzenden Bettingerwald recht dünn. Nun ja, ich möchte dort auch kein Reh sein, rundum eingeschlossen von Siedlungen und Häusern, deren eingehagte Gärten bis dicht an den Waldrand reichen, und immer wieder gejagt von freilaufenden Hunden. Diese sind die grössten und gefährlichsten Unruhestifter und Feinde des Wildes; sie können einen Rehwildbestand in kurzer Zeit zugrunde richten. Hunde gehören in Wald und Feld an die Leine! Aber wie oft begegne ich wildernden Hunden im Wald. So kam ich einmal dazu, wie einer im Maienbühl ein Rehkitz riss und eben versuchte, auch das zweite anzugreifen. Die Besitzerin des Hundes aber meinte, er wollte ja nur spielen! Nein, ein Jagdaufseher erlebt nicht nur Schönes, sondern auch viel Unangenehmes im Revier.

Die Hunde und vor allem die Katzen richten auch beim Niederwild, bei Hasen, Fasanen und Rebhühnern grossen Schaden an. Aber diese Tiere haben in unserer Zeit noch viele andere Feinde, besonders die Mähmaschine und den Mähdrescher, mit denen man in kurzer Zeit grosse Felder abmäht. Fasane und Rebhühner sind Bodenbrüter. Bei Gefahr fliehen sie nicht, sondern ducken sich eng an den Boden. So sind sie den Maschinen hilflos ausgeliefert. Auch die Insektengifte und Unkrautvertilgungsmittel sind grosse Feinde des Wildes. Vor einigen Jahren fand ich unterhalb des Erlensträsschens innert vierzehn Tagen neun tote Fasane. Ich schickte sie ein ins Labor des Schlachthofes Basel. Der Befund war eindeutig: alle Tiere waren an schwerer Magen- und Darmentzündung infolge von Insektengiften eingegangen; eines hatte noch vergiftetes Gras im Schnabel. Auch der übertriebene Ordnungssinn so vieler Garten- und Landbesitzer schadet dem Wild: nirgends darf ein verwilderter Platz bestehen, alles Unkraut wird sorgfältig ausgerottet. Dabei sind gerade Unkrautsamen einer der wichtigsten Nahrungsbestandteile der Rebhühner und Fasane, und die Gebüsche und Unkrauthecken bilden für Vögel und junge Hasen ideale Verstecke vor den Raubvögeln. So ist es kein Wunder, dass es im Wiesenfeld, das früher so reich an Niederwild war, heute keine Rebhühner und nur noch ganz wenige Fasane und Hasen gibt. Darum verzichtet die Jagdgesellschaft schon seit vielen Jahren auf die Fasanen- und Hasenjagd, damit der Fortbestand nicht auch noch durch die Jagd gefährdet wird.

Im Wald droben ist der Hasenbestand noch ganz erfreulich, und auch Füchse gibt es noch, obwohl sie vor einigen Jahren begast wurden. Zum Glück griff der Tierschutz ein, und die Begasung wurde verboten; denn es hatte sich bald gezeigt, das vor allem der Dachs, der mit dem Fuchs meist die Höhle teilt und tagsüber im Bau liegt, ein Opfer dieser Aktion geworden war. Heute haben wir zum Glück wieder einen recht guten Bestand an Raubwild in unserem Revier. Und ich meine, es gibt doch kein schöneres Bild im Winter als ein Fuchs, der durch den Schnee schnürt, oder ein Dachs, der im Morgengrauen in den Bau einfährt. Man sagt, der Dachs sei ein Allesfresser, und so schlägt er denn manchmal in einem Maisfeld ein paar Kolben herunter oder Trauben im Rebberg — aber das ist ja weiter nicht so schlimm. Der Fuchs, das darf man nicht vergessen, ist einer unserer besten Mauser. Ich habe im letzten Jahr an einem frühen Junimorgen einen Fuchs beobachtet, der in kurzer Zeit ein Dutzend Mäuse fing. Er nahm sie alle in den Fang, trug sie zum Bau hinauf und zerkleinerte sie für seine Jungen; das ist eine herrliche Nahrung für die jungen Tiere. Freilich, wenn sie etwas grösser werden, brauchen sie auch etwas Grösseres auf ihrem Speisezettel, und so holt sich der Fuchs dann etwa ein Huhn oder eine Ente. Besonders im Autäli hat er sich im letzten Jahr über zwanzig Hühner und ein paar Enten geholt — nicht etwa in der Nacht, wenn diese eingesperrt waren, sondern tagsüber, wenn ihr Besitzer gemütlich die neuesten Nachrichten am Radio hörte . . . Heute sollte man jeden Fuchs abschiessen im Revier, wegen der Tollwut, aber das mache ich nicht. Man kann doch nicht einfach alles abschiessen, besonders nicht die Füchsin während der Mütterlichkeit, da würden ja die Jungen elend verhungern, oder die Jungtiere, die so reizend und arglos vor dem Bau spielen. Ich bejage nur die überzähligen Füchse im Revier, und nur wenn der Balg reif ist, von Dezember bis Mitte Februar. Oft locke ich sie mit der Hasenklage, einem Instrument, das das Todesgeschrei des Hasen täuschend ähnlich nachahmt. Wenn ich dann den Fuchs vom Hochsitz aus daherschnüren sehe, wärmt er mir freilich noch nicht den Rücken im Rucksack. Eine einzige falsche Bewegung, und er ist verschwunden, so schnell, wie er gekommen ist. Aber ich darf sagen, ich habe meist guten Erfolg bei der Fuchsjagd.

Auch bei der Marderjagd war ich oft erfolgreich. Nie werde ich vergessen, wie ich in den Fünzigerjahren in einer eiskalten Nacht zwei Marder mit einem einzigen Schuss vom Dach der alten katholischen Kirche am Chrischonaweg schoss, wo sie wochenlang ihr Unwesen getrieben hatten. Es leben auch heute in Riehen noch viele Steinmarder, vor allem in den stillen Parkanlagen der Herrschaftshäuser, in alten Stallungen und verlassenen Scheunen, wo sie die Ruhe und Ungestörtheit finden, die sie brauchen.

In meinem Jägerleben wurde ich von vielen treuen, vierbeinigen Gefährten begleitet. Es waren alles gute Hunde, aber der letzte, Elmar, war wohl der beste von allen. Ich habe oft zu ihm gesagt: «Du bisch de gscheitischt Riechemer!» Leider erkrankte er in seinen letzten Jahren an der Dackellähmung, einer Krankheit, die man früher gar nicht kannte. Ich liess ihn operieren, aber es wurde nicht viel besser. Als er mich einmal begleitete zu meinem Garten im Vorderberg und plötzlich nicht mehr weitergehen konnte, und als er so sehnsüchtig und traurig zum Wald hinaufschaute, gab ich ihm den Gnadenschuss. Ich grub ihm ein Grab, polsterte es mit Tannenreis aus und legte ihn hinein. All das Schöne, das ich mit ihm erlebt hatte, ging mir durch den Sinn. Ich blies «Jagd vorbei» auf meinem Horn, gab noch drei Schüsse ab über seinem Grab und deckte ihn zu. Nicht ohne Kummer konnte ich von ihm Abschied nehmen. «Leb wohl», dachte ich, «du mein unvergesslicher Hund. Ich werde dich in Ewigkeit nicht vergessen». Tränen entquollen meinen Augen; ich konnte mich ihrer nicht erwehren. Man glaubt nicht, was es bedeutet, wenn man einen so treuen Jagdgefährten verlieren muss.

Manchmal, wenn ich mit meinem Rucksäcklein und mit meinem Gewehr durchs Dorf ziehe, kommt der eine oder andere zu mir und sagt: «Du hast wieder einen magern Rucksack heute, hast du nichts geschossen?» Dann entgegne ich ihm: «Und kehr ich auch ohne Beute nach Haus, die Bilder im Herzen tun es doch auch».

Und manchmal fragt mich einer: «Karli, wie lange willst du eigentlich noch Waldhüter sein?» Dann gebe ich ihm zur Antwort: «Ihm, dem Waidwerk, bleib ich treu, bis einst in Dämmerstunden in Wald und Feld mein letzter Schuss verhallt und meine Jägerseele Ruh gefunden, und dann auch mir die Totenglocke schallt.

Drum ewig Dank Dir, Schöpfer aller Welten, der Du uns Wild und Wald und Waidwerk schufst, und willig folg ich zu den fernen Zelten, wenn Du nach meiner Jägerseele rufst».

(Die Gedichte entstammen einem alten Jagdbuch).

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