1978

Von Riehener Dokumenten zu J P Hebels Werken

Lukrezia Seiler-Spiess

Im Jahrbuch 1977 haben wir von zwei Riehener Sammlungen berichtet, die in Gebrauchsgegenständen einer vergangenen Zeit Schönheit und Faszination entdeckten: Trudi Krattigers Fingerhutsammlung und Ernst Voegelins Türschlösser und Beschläge aus alten Riehener Häusern. Heute aber möchten wir eine Sammlung vorstellen, deren Thema und Inhalt Riehen selber ist. Vergangenheit und Gegenwart unseres Dorfes, die badische Nachbarschaft und die Regio Basiliensis, dies sind die Schwerpunkte der Sammlung von Johannes Wenk-Madoery.

Viele Riehener kennen die grosse Sammlung von Paul Wenk-Loeliger, welche besonders durch die Ausstellung «Riehen um 1900 in Photographien» bekannt wurde, die im Herbst 1975 im Dorfmuseum ein nostalgisches Bild des alten Bauerndorfes Riehen heraufbeschwor. Dass aber auch Paul Wenks Sohn Johannes die Sammlerleidenschaft seines Vaters geerbt und sich im Laufe der Jahre eine vielseitige, originelle Sammlung aufgebaut hat, ist viel weniger bekannt. Freilich, ein Besucher im schönen, alten Haus der Familie Wenk am Riehener Dorfplatz spürt bald, dass hier jeder Gegenstand die Verbundenheit mit Riehen und seiner Umgebung atmet. Alte und neuere Darstellungen unserer Gemeinde schmücken die Wände, so etwa das sechsteilige Panorama aus dem 19. Jh. vom Turme der St. Chrischona Kirche aus gesehen oder die hübschen Dorfpartien von Adolf Glattacker, welche im Mai dieses Jahres anlässlich der Gedächtnis-Ausstellung im Gemeindehaus ausgestellt waren. Im behäbigen Bücherschrank stehen Jahrbücher und Dorfgeschichten von Riehen und von den meisten badischen Nachbargemeinden. Wenn dann aber Johannes Wenk seine Dokumentensammlung aus alter und neuer Zeit öffnet, dann findet das Staunen des faszinierten Betrachters kein Ende mehr.

Riehener Dokumente aus 150 Jahren übersichtlich in Ordnern gesammelt finden sich hier Handschriften, Dokumente, Photographien, Drucksachen, eine Fülle von Zeugnissen aus den letzten 150 Jahren. Alltägliches so gut wie Aussergewöhnliches fasziniert den Sammler, und manches, was er vor zwanzig oder dreissig Jahren zur Seite legte, trägt heute schon den Hauch des Historischen. öffnen wir eine der fast zweihundert Sammelmappen, zum Beispiel «Vereine und Feste». Da finden sich herrliche Vereinsphotos von Anno dazumal — etwa der Musikverein, wie er sich vor siebzig, achtzig und mehr Jahren dem Photographen stellte. Auch alte Festprogramme und Urkunden liegen hier wohlverwahrt neben den Bildern von Vereinspräsidenten und Aktuaren aus jener Zeit. Aber die Sammlung bleibt nicht in der Vergangenheit stehen, im Gegenteil, auch das heutige Riehen wird reich dokumentiert, zum Beispiel durch eine umfassende Dokumentation des Jubiläumsjahres 1972, in welchem Riehen seine 450jährige Zugehörigkeit zu Basel feierte. Diese Photos, Programme und Zeitungsausschnitte werden in einigen Jahrzehnten bereits Seltenheitswert haben und manchen alt gewordenen Riehener in Erinnerungen schwelgen lassen !

Ein besonders interessanter Ordner umfasst handgeschriebene GemeindeAkten aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Sie stammen von Johannes Wenks Urgrossvater Heinrich Unholz-Sieglin, der von 1849 bis 1861 den Riehener Gemeinderat präsidierte. Hier finden wir hochinteressante Dokumente, zum Beispiel über die Auswanderungskosten einer zehnköpfigen Familie nach Amerika, über die in Riehen durchgeführten Impfungen oder die Dienstleistungen der Hebamme. Dass gewisse Probleme, die auch heute noch aktuell sind, wie etwa der Ausbau der Inzlingerstrasse, die Behörden schon recht lange beschäftigten, zeigt ein Schreiben vom 26. September 1851, welches der Statthalter des Baukollegiums des Kantons Basel-Stadt an den «Löbl. Gemeinderath in Riehen» richtete: «Mit verehrlichem Schreiben vom 16ten September zeigen Sie uns an, daß die Gemeinde Riehen nun endlich gewillt sei, an die Herstellung des Inzlingerwegs zu gehen und ersuchen uns den hiezu benöthigten Kies anweisen zu lassen. Wir haben den Herrn Inspektor Baader beauftragt Ihrem Ansuchen zu entsprechen, worunter wir aber nur die Anweisung, nicht aber auch die Zubereitung des Kieses verstehen, da Sie sich zur Herstellung des Weges schon längst verpflichtet haben. Wenn Sie dagegen die gemachte Hoffnung hegen der Staat werde nach geschehener Instandstellung dieses Weges den Unterhalt desselben der Gemeinde Riehen für die Zukunft gänzlich abnehmen, so befinden Sie sich hiebei in einem kaum zu entschuldigenden Irrthum, da Sie selbst in unserer Sitzung vom 12ten Juni deutlich vernahmen, wieweit sich der Staat bei der Unterhaltung dieses Weges betheiligen werde. . . . Von dieser Bedingung wird nicht abgegangen werden, und wenn sich die Gemeinde dadurch veranlaßt finden sollte ihren Verpflichtungen nicht nachzukommen, so wird sie auch die Folgen davon zu tragen haben. »

Ein paar Jahre später, am 6. Dezember 1855, schrieb dann das Baukollegium schon viel versöhnlicher an den «Löbl. Gemeinderath in Riehen»: «Hochgeehrte Herren! Der E. Kleine Rath hat unterm 22. Jan. I. J. als die Correction des Inzlingerweges beschlossen wurde der Gemeinde folgende Verpflichtung auferlegt: Betreffend den Niederholzweg wird die Gemeinde Riehen angewiesen denselben gleich den übrigen Nebenwegen ihres Bannes in gehörigen Stand zu stellen und zu erhalten.

Die Correction des Inzlingerweges ist nun so gut als vollendet, dagegen ist der Zustand der übrigen Wege nach den Berichten unsrer Straßeninspektion noch ganz derselbe wie zu Anfang des Jahres und es ist zur Verbesserung derselben nichts gethan worden. Wir fordern sie daher auf im Laufe dieses Winters für Herbeischaffung des Materials zur Instandstellung der betreffenden Wege Sorge zu tragen und zwar noch diesen Monat damit zu beginnen, damit bei Eintritt des Frühlings die Straßenarbeiten sämtlicher in Ihrem Banne gelegenen Wegen beginnen können. »

Unter dem 23. Dezember 1855 antwortet Präsident Unholz kurz und bündig: «. . . Wir sind bereit, sobald es die Witterung erlaubt damit anzufangen, müssen aber, die uns, von Ihnen s. Z. zugesicherte Anweisung des Kieses abwarten, und erlauben uns ehrerbietig den in Aussicht gestellten Bey trag ins Gedächtniß zu rufen. »

Ein interessantes und, aus unserer Sicht, amüsantes Schreiben, das der Statthalter des Landbezirks am 18. April 1851 an «E. E. Gemeinderath Riehen» richtete, befasst sich mit der Maikäferplage und beginnt wie folgt: «Da sich im gegenwärtigen Jahre wie es den Anschein hat, die Maykäfer in vermehrter Anzahl zeigen dürften so hat sich Wohllöbliches Bau Collegium veranlaßt gesehen, mich mit Anordnung der nöthigen Masregeln zur Vertilgung dieses Ungeziefers in den Gemeinen Bännen des Landbezirks zu beauftragen. »

Nach Festlegung der Ablieferungsquote, die jeder Landbesitzer pro Jucharte einzubringen hatte, wurden allzu hartnäckige Riehener gebührend gemahnt: «Nachlässige oder gar Wiederspänstigte sind mit der in § 1 der Kundmachung angedrohten Busse von 1 bz pr. Immli* zu belegen, freiwillige Ablieferung von Käfern durch solche Personen hingegen welche dazu nicht verpflichtet sind mit ein halb Batzen pr. Immli zu belohnen. »

Es wäre verlockend, noch manches Dokument aus jener Zeit zu zitieren, aber die Sammlung von Johannes Wenk umfasst ja noch so viele andere Gebiete, dass wir auch darauf einen Blick werfen möchten. Unter dem Stichwort «Land- und Forstwirtschaft» finden wir eine Waldverordnung aus dem Jahre 1697, die in prächtig verschnörkelter Schrift Rechte und Pflichten der Waldbesitzer festlegt. Faszinierend sind auch die Berichte der Riehener Reb * Kleinstes metallenes Gefäss, das hauptsächlich als MehlmassVerwendung fand = 1,061 gesellschaft und der Rebkommission aus den Zwanzigerjahren, waren doch damals noch immer weite Teile des Gemeindebanns von Rebbergen bedeckt. Auch die heutige Landwirtschaft ist vertreten durch Photos und Berichte der kantonalen Viehschauen und durch Bilder des neuerbauten Maienbühlhofs.

Möchten Sie wissen, wie das Riehener Bahnhöfli und die Barrierenwärterhäuschen aussahen? Interessieren Sie sich für handgeschriebene, in Riehen abgestempelte Frachtbriefe oder für Lebensmittelkarten aus dem letzten Weltkrieg? Oder möchten Sie lieber einen Parteiaufruf der Riehener PdA aus dem Jahre 1928 lesen? Vielleicht interessiert Sie die Traktandenliste der Ein wohner-Gemeindeversammlung vom 31. März 1913, welche unter Punkt zwei die «Beschlussfassung über eine eventuelle finanzielle Unterstützung des Chrischonabahn-Unternehmens» aufführt? All dies und noch viel, viel mehr hat Johannes Wenk im Laufe der Jahre zusammengetragen, gesichtet und geordnet. Es wundert deshalb nicht, dass diese Sammlung zur fast unerschöpflichen Quelle für alle historisch Interessierten, für die Verfasser von Erinnerungs- und Festschriften und selbstverständlich auch immer wieder für das Riehener Jahrbuch geworden ist. Dass diese Quelle aber nicht nur existiert, sondern von ihrem Eigentümer auch bereitwilligst zur Verfügung gestellt wird, ist nicht selbstverständlich und soll auch an dieser Stelle dankbar anerkannt werden.

Das Kernstück der Sammlung: Die Hebel-Ausgaben Wie schon erwähnt beschränkt sich Johannes Wenks Interesse aber nicht nur auf Riehen, sondern er hat auch die nähere und weitere Umgebung, besonders die badische Nachbarschaft in seine Sammlung einbezogen. Inzlingen und sein Wasserschloss, die Burg Rötteln, Tüllingen, Weil und Lörrach, sie alle sind in seiner Sammlung reich dokumentiert, und auch die Mundartdichtung der Regio ist mit vielen Büchern und Tonbändern vertreten. «Die Verbindungen unserer Firma und unserer Familie mit der badischen Nachbarschaft waren schon immer sehr vielfältig», erzählt Johannes Wenk. «Als dann nach den langen Kriegsjahren die Grenzen endlich wieder geöffnet wurden, nahmen wir die persönlichen und kulturellen Kontakte wieder auf.» Schon in jungen Jahren faszinierte ihn Leben und Werk des grossen alemannischen Dichters Johann Peter Hebel. Er nahm an jenen ersten, legendär gewordenen Hebeltagen der Jahre 1946 und 1947 in Lörrach teil und später an den alljährlich wiederkehrenden «Hebelmähli» in Hausen und den «Schatzkästlein» in Lörrach, die er in Photographien und Dokumenten in seine Sammlung aufnahm. Immer intensiver wurde seine Beschäftigung mit dem Hebelbund Lörrach, dessen Archivar er heute ist, und mit dem Werk Johann Peter Hebels. Er begann die verschiedenen Ausgaben seiner Werke zu sammeln. Damals war es noch durchaus möglich, in Basler Antiquariaten frühe illustrierte Ausgaben der «Alemannischen Gedichte» oder des «Schatzkästleins» zu finden. Auch im Ausland trieb der Sammler die eine oder andere schöne Ausgabe auf, und später geschah es immer öfters, dass ihm Werke zur Vervollständigung seiner Sammlung geschenkt wurden. So wuchs die Sammlung im Laufe der Jahre, und heute umfasst sie alle deutschsprachigen sowie einige fremdsprachige Ausgaben von Hebels Werken und dürfte damit wohl einzigartig dastehen.

Staunend steht der Betrachter vor der langen Reihe der Hebelausgaben. Welche Ausstrahlung hat doch das umfangmässig bescheidene Werk des alemannischen Dichters durch die Jahrzehnte hindurch ausgeübt ! Immer wieder wurden Künstler durch seine Gedichte und Geschichten angeregt, neue Illustrationen zu schaffen. Wir blättern in der Erstausgabe der Alemannischen Gedichte, die im Jahre 1803 in Karlsruhe erschien, einem schmalen, bescheidenen Bändchen, das noch keine Illustrationen, ja nicht einmal den Namen des Dichters enthält. Aber bereits der 3. Auflage von 1806 sind drei Kupferstiche von Benjamin Zix beigegeben, u.a. zum Gedicht «Die Mutter am Christabend». Der Strassburger Künstler, der von Hebel selbst mit der Illustration der Gedichte beauftragt worden war, unterlegt seiner Darstellung den ersten Vers des Gedichtes : «Er schloft, er schloft! do lit er, wie ne Grof! Du lieben Engel, was i bitt, By Lib und Lebe verwach mer nit, Gott gits de Siinen im Schlof!»

Liebevoll sind die Einzelheiten des Gedichtes im Bild dargestellt: das mit Lebkuchen und Zuckerzeug geschmückte Bäumlein, die «Rümmechrüsliger»äpfel, Büchlein und Rute. Der Raum und seine Ausstattung freilich sind noch ganz in klassizistischer Manier dargestellt und entsprechen kaum der alemannischen Welt, der Hebels Gedichte entstammen. Wie anders ist die Illustration des gleichen Gedichtes von Julius Nisle, die 1837 im Band «Die dreissig Umrisse zuJ.P.Hebels allemannischen Gedichten» in Stuttgart erschien. Zwar finden wir beinahe dieselben Gegenstände im Bild, doch entsprechen Raum, Gerätschaft und Kleidung hier ganz der bäuerlich-ländlichen Umwelt. Die liebevolle Hinwendung der Mutter zu ihrem Kind scheint auf die letzte Strophe des Gedichtes hinzuweisen: «Jetz, bhüetdi Gott der Her! En anderi Cheri mehr! Der heilig Christ isch hinecht cho, het Chindes Fleisch und Bluet agno; Wärsch au so brav wie er!»

Eine der frühesten Hebel-Illustratorinnen war die Karlsruher Künstlerin Sophie Reinhard, die im Jahre 1820 zwölf grossformatige Radierungen zu einigen Gedichten schuf. Dieses prächtige Werk, zu dem Hebel selbst noch ein Vorwort schrieb, besitzt Johannes Wenk in einem besonders schönen Exemplar, das ihm von einem Bewunderer seiner Sammlung geschenkt wurde. Die hier wiedergegebene Illustration zum Gedicht «Das Hexlein» zeigt den genreartigen Stil dieser Darstellungen sehr schön.

1851 erschienen die Alemannischen Gedichte in Leipzig, in hochdeutscher übersetzung mit Illustrationen von Ludwig Richter. Diese Ausgabe ist wohl eine der schönsten der ganzen Sammlung. Mögen Hebels Gedichte auch ungewohnt erklingen in der Schriftsprache, so sind Ludwig Richters Illustrationen von einer Innigkeit, die auch heute noch ergreift. Später wurden seine Illustrationen auch mehrfach in Dialektausgaben der Gedichte abgebildet; auch diese Ausgaben sind vollzählig in der Sammlung enthalten. Die kleine, vignetten hafte Zeichnung zum Gedicht «Der Sperling am Fenster» drückt in jeder Geste die Verse des Dichters aus «Und wo der Winter d'Felder deckt, was tuet mi Spatz in siner Not? 'Er pöpperlet am Fenster a und bettlet um e Stückli Brot.

Gang gib em Muetter! s 'friert en sust. ' Zeig, sag mer z'erst, 's pressiert nit so, wie chunnt 's der mit dem Spätzli vor? Meinsch nit, es chönnt eim au so goh ?»

Eine ganz ähnliche Szene finden wir in Hans Thomas Zeichnung zum Gedicht «Das Spinnlein», die 1860 entstanden, aber erst 1907 in Karlsruhe erstmals veröffentlicht wurde. Wie lebendig veranschaulicht sie im Staunen der Kinder und im feinen Spinnennetz die Anfangszeilen des Gedichts: «Nei, lueget doch das Spinnli a, wie 's zarti Fäde zwirne cha!

Bas Gvatter, meinsch, chasch 's au ne so ?

De wirsch mer's, traui, blibe lo.

Es macht 's so subtil und so nett, i wott nit, assi 's z 'hasple hätt. »

Schon früh wurden neben den Gedichten aber auch Hebels Erzählungen illustriert. Es ist sehr reizvoll, in Johannes Wenks Sammlung die verschiedenen, sehr oft humoristischen Zeichnungen aus verschiedenen Epochen zu vergleichen. Aus der Fülle der Ausgaben möchten wir hier einige wenige vorstellen. Im Jahre 1828 und 1833 erschienen in Karlsruhe «Schwänke aus Hebels 'Rheinländischen Hausfreund'», illustriert von Joseph Jakob Dambacher.

Obwohl Dambacher Autodidakt war, sind seine Illustrationen sehr ansprechend und weisen eine Fülle humoristischer Details auf, wie die hier gezeigte zur Erzählung «Die nasse Schlittenfahrt». Zehn Jahre später erschien in Stuttgart eine Ausgabe der Schwänke, die von Willibald Cornelius illustriert wurden. Mit feinem, beschwingtem Strich schildert er etwa die beiden Reiter, die sich in der Erzählung «Gute Geduld» den Weg über die Brücke versperren.

Zu Beginn dieses Jahrhunderts schuf Adolf Glattacker Illustrationen zum «Schatzkästlein», das 1906 in Stuttgart erschien. Der aus Weil stammende Künstler, der auch mehrere Jahre seines Lebens in Riehen verbrachte, kannte Hebels Umwelt aufs beste; in der hier gezeigten Illustration zu «Das seltsame Rezept» drückt er das humoristische Element in Hebels Erzählungen trefflich aus. Ein Unikum der Sammlung Wenk ist eine japanische Ausgabe des «Schatzkästleins» aus dem Jahre 1950. Die japanischen Schriftzüge ergeben zusammen mit den alemannisch empfundenen Holzschnitten ein ungewohntes Bild; wir zeigen aus dieser Ausgabe eine Illustration zur Erzählung «Kannitverstan».

Auch verschiedene Riehener Künstler liessen sich von Hebels Werken inspirieren. So schuf Nikiaus Stoecklin 1935 Zeichnungen zu einigen Gedichten Hebels und illustrierte 1958 für das Basler Lesebuch das Gedicht «Das Spinnlein». Und Hans Krattiger malte zu seiner handgeschriebenen Ausgabe der Alemannischen Gedichte zarte Aquarelle.

Es ist hier nicht möglich, all die verschiedenen Ausgaben zu beschreiben, die in der Sammlung Wenk zusammengetragen worden sind. Mit wachsender Bewunderung blättert man in den Werken und staunt ob der Vielfalt der Ausgaben und der Illustrationen. 175 Jahre sind vergangen seit dem ersten Erscheinen der Alemannischen Gedichte. Johannes Wenks Sammlung dokumentiert nicht nur die fast unglaubliche Ausstrahlung von J.P. Hebels Werk, sondern sie zeigt auch 175 Jahre aus der Geschichte der Buchdruckerkunst, der Buchgestaltung und der Buchillustrationen.

So sind es eigentlich zwei Sammlungen, die Johannes Wenk aufgebaut hat. In ihnen treffen sich aufs schönste Riehener Geist und Hebelscher Geist. Das Schwankhaft-Bäuerische, das sich in manchem alten Dorfdokument ausdrückt, findet sich auch in Hebels Erzählungen — und die Liebe zur Heimat, die Hebels Gedichte ausströmen, sie lebt auch in der mit viel Liebe zusammengetragenen Sammlung aus Riehens Vergangenheit und Gegenwart.

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