1977

Basler Behörden in Riehen

Nicolas Jaquet-Anderfuhren

Die Landgemeinden Riehen und Bettingen leben etwas abseits vom kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Alltag der Stadt. Ja, vielen Städtern ist es nicht einmal richtig bewusst, dass diese beiden Gemeinwesen unseres Kantons selbständige politische Gemeinden sind und daher auch ein entsprechendes Eigenleben führen. Für Riehen und Bettingen ist es wichtig, dass sie von der Bevölkerung der Stadt nicht einfach in den gleichen Topf geworfen und sozusagen als Vorstadtquartiere betrachtet werden, sondern dass man sie als eigenständige politische Gemeinden anerkennt.

Die Verkehrsvereine Riehen und Bettingen machten es sich bis jetzt vornehmlich zur Aufgabe, für das Wohlergehen der Bevölkerung in ihren Gemeinden zu sorgen. Dieses Bedürfnis kann aber nur erfüllt werden, wenn man in der Stadt die Wünsche der Bevölkerung auf dem Lande kennt und ihnen das nötige Verständnis entgegenbringt. Um dies zu erreichen, haben die beiden Verkehrsvereine deshalb vor einigen Jahren eine sogenannte Image-Kommission gebildet, die über die Gemeindegrenzen hinauswirken und vor allem die Behörden, Verwaltung und Bevölkerung der Stadt vermehrt über die Lage, die Denkweise und die Probleme der Landgemeinden orientieren will.

Durch solche Aktionen können ganz verschiedene Bevölkerungskreise erreicht werden, je nach Programm, das man auswählt. So wurde 1976 geplant, mit einer Kirschenaktion vor allem an die breite Bevölkerung zu gelangen, ein Vorhaben, das wegen der schlechten Ernte dann allerdings aufgegeben werden musste. Für 1977 war vorgesehen, die politisch wichtigen Kreise, die sogenannten Entscheidungsgremien, zu erreichen, also diejenigen Personen, die sich in Stadt und Kanton vor allem mit Riehener Problemen auseinanderzusetzen haben.

In zahlreichen Sitzungen hat die Image-Kommission unter der Leitung des Präsidenten des Verkehrsvereins Riehen, Paul Müller, ein Programm für eine sogenannte «Informationsfahrt durch die Landgemeinden» ausgearbeitet. Von Anfang an war vorgesehen, trotz der relativ hohen Gästezahl von rund 150 Personen daraus keinen Massenanlass entstehen zu lassen, sondern die ganze Fahrt möglichst persönlich und individuell abzuwickeln. Die Kommission war dabei in der glücklichen Lage, sich auf die grosse Erfahrung des Riehener Publicity-Nestors Albert Schudel, Chefredaktor der Riehener-Zeitung, stützen zu können.

So wurden am frühen Nachmittag des Samstags, 23. April 1977, die Spitzen aus Behörden und Verwaltung von Basel-Stadt (Regierungsräte, Grossräte in leitenden Funktionen, Chefbeamte) sowie leitende Leute von Post, Bahn und Zoll an ihrem Domizil mit von Riehener und Bettinger Bürgern gesteuerten Privatwagen abgeholt und nach Riehen gebracht. In kleinen Wagengruppen begann dann die Informationsfahrt durch Riehen und Bettingen. Wenn sich die Landgemeinden an diesem Tag auch nicht gerade im schönsten Sonnenkleid zeigten, so war das Wetter doch so stabil, dass der ganze Anlass reibungslos abgewickelt werden konnte.

Nach einem genauen Zeitplan zirkulierten die Teilnehmergruppen zwischen den einzelnen örtlichkeiten, wo Besichtigungen stattfanden und über verschiedene Sachgebiete informiert wurde. So gab es Orientierungen über den Riehener Richtplan am Waldrand beim Chrischonawegli, über Waldprobleme bei der Blockhütte der Bürgergemeinde im Chrischonawald, über die Aktivität der Pilgermission verbunden mit einer Besichtigung der restaurierten Chrischona-Kirche, über Bettinger Probleme, wobei vor allem die Dorfkerngestaltung und die die Grünzone gefährdende Uberbauung auf deutschem Gebiet zur Sprache kamen. Der Bettinger Aufenthalt war verbunden mit einer Begrüssung durch Gemeindepräsident Willy Müller im Gemeindehaus.

Das gleiche tat sein Riehener Amtskollege, Gerhard Kaufmann, im Riehener Gemeindehaus, wo er gleichzeitig über die Organisation der Gemeinde, die Quartierplanung Gartengasse und die Verkehrsprobleme im Zusammenhang mit dem verkehrsfreien Dorfkern und der Umfahrungsstrasse informierte.

Im Gemeindespital ging es um die Riehener Spitalprobleme, wo sowohl die Chefärzte Dr. Hans Boner (innere Medizin) und Dr. Andreas Stähelin (Chirurgie) sowie Gemeinderat Dr. Rolf Soiron auf die Notwendigkeit dieses Spitals für Riehen, auf seine gute Belegung und die Beliebtheit des Ambulatoriums bei der Riehener Bevölkerung hinwiesen. Das Bedürfnis von Freizeitanlagen in stark besiedelten Quartieren wurde am Beispiel der neuen Freizeitanlage Landauer erläutert, während im Wenkenpark und im Sarasinpark die Besucher über die Projekte mit der Reithalle resp. mit der Musikschule und der weiteren Nutzung dieser Parks vertraut gemacht wurden.

Die in Gruppen durchgeführte Besichtigungsfahrt wurde durch eine einstündige Zvieri-Pause unterbrochen, wobei sich als Gastgeber freundlicherweise zahlreiche Riehener und Bettinger Familien sowie die Diakonissenanstalt und die Pilgermission St. Chrischona zur Verfügung gestellt hatten. In diesem familiären Rahmen gingen die Gespräche weiter, und angeregt wurde über die ersten Eindrücke der Fahrt, über Politik und viele andere Fragen diskutiert.

Krönung des ganzen Anlasses bildete am Abend der Apéritif und das ländliche Buffet im Meierhof. Und wenn Grossratspräsident Werner Kim in seiner Rede ausgerufen hat: «Wir von Basel aus sind stolz auf Riehen, sind stolz auf Bettingen», so ist zu hoffen, dass diese Fahrt ihre Früchte getragen hat. Das Lob der Gäste verpflichtet aber auch, denn Information ist ein dauernder Prozess. Wenn wir also die Kantonsbürger in der Stadt weiterhin über das Wesen und die Probleme der Landgemeinden orientieren wollen, darf sich die Image-Kommission unserer Verkehrsvereine jetzt nicht zur Ruhe setzen, sondern muss weitere Aktionen planen, damit mit der Zeit jeder Städter weiss, dass es in unserem Kanton neben der Stadt zwei selbständige Landgemeinden gibt, deren reges politisches und kulturelles Eigenleben es zu erhalten gilt.

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