1974

Brücke vo Land zue Land

Gerhard Jung

Gerhard Jung wurde 1926 in Zell, der kleinen Stadt im Wiesental, geboren. Seit vielen Jahren lebt er in Stetten bei Lörrach. Neben der anspruchsvollen beruflichen Tätigkeit bei der Deutschen Bundespost schreibt er seit bald dreissig Jahren in seiner geliebten alemannischen Sprache. Gedichte, Sinnsprüche, Mundartspiele und Hörspiele stammen aus seiner Feder, alle in der kräftigen, urwüchsigen Sprache der Heimat geschrieben. Für sein reichhaltiges Werk wurde ihm im Frühjahr 1974 der Hebelpreis überreicht.

Sein literarisches Schaffen hat viele Aspekte: von heiteren Versen und schwankhaften Volksspielen reicht es zum ernsten, besinnlichen Gedicht, das um letzte Fragen und Antworten ringt. Wohl am schönsten aber sind die Strophen, die seine Liebe zur Heimat, zum Wechsel und Wandel in der Natur ausdrücken. Wir veröffentlichen eine kleine Auslese aus diesen Gedichten, die mit ihrer Sprache und mit der Liebe zur Heimat auch immer wieder Brücken schlagen über die Grenzen hinweg.

Brücke
Brücke vo Rand zue Rand Brücke vo Land zue Land, Brücke vo Mensch zue Mensch ass au de ander chennsch, seile, wo däne stoht un hat wie du si Not un hat wie du si Freud, Brücke für d'Menschlichkeit un fürs Vertraue, die sott mr baue.

Uber d Grenze über d Grenze schlön unseri Herze, über d Grenze brennt wie ne Füür, lütet wie Glocke un leuchtet wie Cherze unseri Liebi, Heimet, zue dir.

Wie bisch im Noche un Chliine verwobe, im tägliche Schaffe, im tägliche Traum; un bisch doch wider drus uffeghobe in zite- un grenzelose Raum.

Chennsch keini Schranke un achtsch keini Muure, gisch di nit gfange an Gitter un Tür. Bisch frei in allem. Solang si mag duure unseri Liebi, Heimet, zue dir.

über d Grenze sin Herzbrucke gschlage. Herrgott! Mr hän bloss en einzigi Bitt: Möge si Fride un Freundschafte trage, solang ass es Mensche un Menschlichkeit git.

Märzetag am Stettemer Buck E witi Schüssle voll mit wissem Liecht; in zartem Grau de Jura anepinslet; wenn d Sunne hinter Wolke vüreblinzlet, no glänze Dächer silberig un füecht.

D Stadt lit im Dunst.

Wie Rauch verhängts de Blick.

De ahnsch si nume dur e Schleier dure in fiin verschwummene Konture : dort d Türm vum Münster, däne e Fabrik.

Fern hürnt e Schiff. Di lange Hochhuusziile stöhn breit un hert im Hüüserfeld wie Wänd, wo d Welt verschliesse. Doch dehinter spile im blaue Dimmer hügeluf im Gländ di lange Schatte mit em Meisepfiff.

Vum Rhiital untenufe lüftet s chüehl, un s raschlet in de alte, falbe Rupfe.

Am Lichsen äne sihsch scho grüeni Tupfe, un d äcker glänze bruun am Maiebüehl.

Isch s nit, as wott en chlüspeligi Rueh die witi wissi Schüssle Unseri Sproch Unseri Sproch isch unser Land ! Iis un Schnee an dunkle Bäume, Birke, wo in Früehlig träume, ähregold im Summerbrand, farberuuschig Spötligsgwand. Unseri Sproch isch unser Land.

Unseri Sproch isch unsre Tag. Herti Arbet früehi vum Morge dur e mänki Stund voll Sorge bis in Obeglockeschlag, wo mer still sich bsinne mag. Unseri Sproch isch unsre Tag.

Unseri Sproch isch unsri Art. Herb un frisch, wie Waidbergbrünne, doch im Cherne neume n inne wie ne Mueterhand so zart, wo dr über d Stime fahrt. Unseri Sproch isch unsri Art.

Muetersproch — e Lebe lang gosch mit uns. Vum erschte Wörtli bis ans letzti dunkli Pförtli, wo n i emol duregang, gleitet mi dyn guete Klang. Muetersproch •— e Lebe lang.

Muetersproch isch Heimetsproch. Gwachse n ussem schwere Bode, in is ghuueht vum Herrgottsode; bodenoch un sternehoch. Heilig isch is d Heimetsproch!

Alemannischi Prob Wie de Schnabel gwachsen isch, wälderruch un quellefrisch, fröhlich Spil us Liecht un Schatte, farbig wie ne Summermatte, so isch unsri Muetersproch. Chum doch, Bürschli, sag mer s noch: Chätterli, gang läng mer s Chrättli un de Sechter ab em Chettli. Chriesibluescht am Fensterli, d Gutteren im Chänsterli, Surchrutt, Chäs un suuri Chuttle, Chnuferi, do git s niit z bruttle, wer s nit richtig sage cha, de isch bloss e Vieriig Ma. Alemannisch, liebi Lüt, isch die schönsti Sproch wo s git!

Bisch es du?

Liislig am Ufer plätschere d' Welle, zitt'ret e Märzhuuch über si hi, dunde am Grund stoht still e Forelle. Schadde gaukle un spiile wie Chinder zwüsche de Bueche-n im Sunneschii; wüetig am Waldrand wehrt sich de Winter.

Fürwitzig Schneeglöckli streckt scho si Chöpfli, will ussem dämmrige Chämmerli cho.

Flimmre un Schimmre. Viildausig Tröpfli.

Früehlig, min Früehlig, sag, bisch du do?

Wenn d Chriesibäum blüehie Wenn d Chriesibäum blüehie un d Biren am Bue un d Schlüsseli dort im Freigrabe, no tribt s mi s Tal hinter un losst mr kei Rueh;

no muess i am Sunntig de Heimet zue wie s Immli in Chorb un an d Wabe.

No hock i am Möhre, lueg aben ins Tal, uf d Strossen und d Hüüser vum Stedtli un freu mi wie s lenzlet un tribt überall un d Wise dedurgoht, blitzsuber un schmal, grad wie so ne silberig Chettli.

Un an sellem Chettli, do hänkt halt mi Herz.

Do dra hät s mi Chinderzit bunde, mit Liebi und Liide, mit Tränen un Scherz, mit Chriesibaumblüete un Blüemli im März un zehtausig glückliche Stunde.

Oh heimelig Stedtli!

Do lütets in mir tief inne mit aliene Glocke.

Drum chumm i halt allimol wider zue dir un muess, wie ne Immli am Binehuus schier, im Früehlig an Möhrerank hocke.

Barfiss I wot emol wider barfiss goh, mi Mattetal ufe am lebige Bächli, wo d Schlüsseli blüehie un d Silberchätzli.

Dort weiss i e heimelig, traumselig Plätzli.

S isch gar nit so eifach, dort ane z cho.

Mr muess nämlig zerst emol über de Bach vu eim runde Stei uf en andere gumpe, deno goht s durch Tännli, uf aliene Viere, un wenn nit guet ufpassch, noch cha s dr passiere, de chroblisch vorbei an seile zwei Stumpe, wo s rechts zwüscheduregoht unter seil Dach.

S isch friili kei Dach für de Rege un s Wetter mit Sparre un Balken un Ziegel un so, s isch numme ne Wirlete hasleni Blätter, wo d Sunne dedurschiint, grüengoldig un froh.

Dort wot i halt wider — fernab vu de Lüt — s Viilfarbespil seh i me glänzige Tropfe, d Ameise seh wusle un Morgeputz mache, un träume.

Un träume vu viilerlei Sache.

Un s Wiidliholz sacht mit em Sackmesser chlopfe, ass es e währschaftis Pfiifli git.

Dort druf wot i flöte — nume zwei Tön — grad so wie de Kuckuck als rüeft us de Wälder;

i wot mi de langweg uf s Moos anestrecke, wot d Sunne, de Bode un d Haselhurscht schmecke un ab de Lehni früschbrocheni Felder.

Nomol so froh si, seil wär halt schön!

Chilbi De Summer isch s Tal hintere, de Spötlig hintedri ; s goht nümmi lang, wird s wintere — s isch alljohr no so gsi.

De merksch, ass alltag finstrer isch, wenn us de Fedre muesch, un ass di nümmi gern so frisch am Hahne wasche tuesch.

Vorusse spürsch es bsunders streng, ass bal de Mantel bruchsch, un s räuchelet au scho ne weng, wenn so in Morge chuchsch.

s Johr, schint s, will abedüsele, s hat wäger gschunde gnueg, si Bruunhor fangt a wiissele, un leerzäpft isch de Chrueg.

Was machts is us? Was goht s is a? s isch jedis Johr eso: Gott weiss was hät s versproche gha un wenig übrig glo.

Mer lüpfe s Glas, s isch Chilbi hüt! Un sage z leid : Zum Wohl ! s isch bi de Johr wie bi de Lüt, s Best chunnt erst — s nöchsti Mol.

's flöcklet ii 's flöcklet ii, e grossi Rueh zieht de Schleier über d'Welt. Wind goht über 's leeri Feld, Baum un Hag stöhn schwarz un kahl, Nebel rauche-n ussem Dahl waldig dunkle Halde zue.

Müeder goht de Bach im Grund, still verhalte Sprach un Schritt; liislig dämm're Raum un Zit, Freud un Friide, Lust un Leid übere in d' Ebigkeit.

's flöcklet ii, un 's dunklet zue; Stilli goht in d' Stilli ii, un im letzte-n Obeschii wanderet en altis Herz alti Strosse, heimetwärts in e letzti grossi Rueh.

In d'Nacht Jetz schlofet alli wohl, de Tag isch abegange, un uns'ri stilli Flamme glüeht uf, e letztis Mol.

Jetz chunnt e dunkli Nacht, wo alli Chante rundet un alles Chranki g'sundet un 's Lutti liislig macht.

So machet d' Auge zue. 's würd über alle Sache en andere jetz wache; er gab ich gueti Rueh.

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