1973

Die Riehener Jubiläumsfeier im Rückspiegel

Albert Schudel

Das glanzvolle, frohe Dorffest liegt schon ein volles Jahr hinter uns — und nun soll der «Blettlischreiber» noch schnell einen möglichst umfassenden Bericht über das Jubiläumsfest 1972 schreiben — weil dem seinerzeit beauftragten Berichterstatter «die Tinte ausgegangen sei» ...

So versuchen wir denn, das Fest an uns vorbeiziehen zu lassen, wollen Bilder, Worte, Erlebnisse aufnehmen, soweit es uns der «Rückspiegel» erlaubt. Mag sein, dass dann dies und jenes Bild zu farbig, andere wieder zu flau erscheinen, da jedoch ohnehin jeder mit andern Augen sieht und alle nur mit ihren Ohren hören können, da dem einen dies, dem andern jenes wichtig erscheint, möge der Leser nun eben mit meiner Brille vorlieb nehmen.

Wenn ich nun den Blick in den «Rückspiegel» werfe, so wird mir gleich auch bewusst, wie eng die Grenzen der Berichterstattung gesetzt sind, da ich nur über das Dorffest als solches berichten soll und dies war ja nur ein Stück des grossen Mosaiks, welches das Jubiläumsjahr mit seinen mannigfaltigen Anlässen darstellte.

Eine berechtigte Frage
Wir feierten die 450jährige Zugehörigkeit Riehens zu Basel. Da haben sich viele Riehener zu Recht die Frage gestellt: Haben wir denn überhaupt Grund, diese Tatsache so hochzuspielen, ein grosses Fest zu begehen, nur deshalb, weil die Nachbarstadt Basel vor 450 Jahren das «Pauren-Dorff Riechen» für 6000 Gulden erwerben konnte und unter seine Botmässigkeit brachte? Gewiss hatte und hat Riehen der Stadt Basel mancherlei zu verdanken, doch dürfte auch die Umkehrung dieser Tatsache zutreffen. Vor allem aber, und darauf haben wir schon in der Vorschau auf die Jubiläumsfeier hingewiesen, dürfen wir nicht vergessen, dass Riehen mit dem übergang an Basel zur Eidgenossenschaft kam. Jener Kauf hatte zur Folge, dass unser Dorf nicht von einem Grossherzog, einem Kaiser, glücklicherweise auch nicht von einem «Führer» regiert wurde, sondern dass wir zur ältesten Demokratie der Welt gehören dürfen. Von daher gesehen, haben wir den «Gnädigen Herren» von Basel doch viel zu verdanken.

Darum flatterte denn im Dorf während des Festes neben der Riehener und der Basler Fahne auch viel eidgenössisches Fahnentuch.

Fieberhafte Vorbereitungen
Wochen, ja Monate schon liefen die Vorbereitungen für das eigentliche Dorffest auf Hochtouren. Dass im Gemeindehaus die Köpfe rauchten und die Drähte heissliefen, das konnte man noch bald einmal merken. Was gab es da nicht alles zu bedenken und vorzubereiten. Die Bauverwaltung mit ihren Mitarbeitern war fast im Non-Stop-Betrieb tätig, aber es gab auch kaum einen Verein oder eine Gesellschaft, die untätig blieb. Im Dorf rumorte es an allen Ecken und Enden. Das war gut so. Ob man sich sonst im Singen oder Musizieren, im Schiessen oder Velorennen übte, ob man kulturelle Ziele verfolgte oder Kaninchen züchtete, Handorgel oder Tennis spielte — all diese kleinen Unterschiede waren ganz unbedeutend. Jetzt war man sich einig in einem Ziel: «Mer wänn e bäumig Dorffescht baue!»

Und so wurde denn gebaut. Gebaut an allen Ecken, an allen nur möglichen und unmöglichen Orten. Gebaut wurden Beizen und Kneiplein, Bühnen und Podeste wurden errichtet, überall wurde gehämmert, gehobelt und gesägt, ein emsiges Tun und Wirken, Proben und Vorbereiten, wie es unser Dorf wohl in den 450 Jahren, seit es zu Basel gehört, noch nie erlebt hat. Viele Bürger hatten sich ihre Ferien auf die Zeit vor dem Fest genommen, um einen ganzen Einsatz leisten zu können. Kein Mensch sprach mehr von überstunden und Nachtarbeit — man leistete sie einfach, denn man wollte und musste am Freitagabend bereit sein. Man spürte im Dorf förmlich die knisternde Atmosphäre der letzten Vorbereitungen und manch einer hat sich wohl den Schweiss erst aus dem Gesicht gewischt und sich aus dem überkleid in Schale gestürzt, als die ersten Trommelwirbel schon den bunten Sternmarsch anzeigten, mit dem das Dorffest am 1. September 1972 seinen Anfang nahm.

Da standen die Fasnachtscliquen «Basler Bebbi» am Ende der Burgstrasse und die «Sans Gêne» oben bei der Wenkenstrasse marschbereit, und punkt 19.30 Uhr gaben die Tambourmajore das Kommando «Clique vorwärts marsch» und schon wirbelten die Trommelschlegel auf das Fell und die Piccolos pfiffen ihre Melodie dazu. Von Osten her aus dem Oberdorf hörte man von weitem die Klänge des Musikvereins Riehen und aus dem Westen marschierte eine stattliche Schar Handörgeler des Handharmonikavereins Eintracht dem Dorfzentrum zu. Zu jeder Gruppe gesellten sich mehr und mehr Festbesucher, und als sich die Züglein dem Dorfzentrum näherten, allwo rings um das Gemeindehaus bereits viel Volk versammelt war, da gab es ein herrliches Durcheinander von Musik, Trommeln und Pfeifen, von Singen und Schwatzen, dass man sein eigen Wort kaum mehr verstand. Und eine «Druggete» entstand, wie man sie schöner beim schönsten Morgenstreich nicht erlebt hatte. Dabei war es erst 20 Uhr und eine lange Nacht stand noch bevor. Die dunklen Wolken, die sich beim Einnachten von Westen bedrohlich näher schoben und bereits vom Tüllingerhügel her in unser Dorf hinein guckten, verzogen sich gutmütig wieder, als sie der grossen Festgemeinde ansichtig wurden. Allüberall sah man fröhliche Gesichter, alte Bekannte begrüssten sich lachend, und nun ging man auf die Suche nach einem bequemen Plätzchen in einem der zwei Dutzend Beizlein. Schwer waren sie ja nicht zu finden, denn eine riesenlange Lichterschlange zog sich durchs Innerdorf und wies den Weg von einem Beizli zum andern.

Zunächst wollten sich aber viele noch gar nicht fest niederlassen. Man trank da ein Schöppli und ass dort eine der herrlich duftenden Bratwürste vom Grill, um sich dann gleich wieder flanierend durchs Menschengewimmel zu drängeln, man grüsste Freunde und Bekannte und freute sich darüber, dass an diesem Abend wirklich «tout Riehen» versammelt war. Das war das Besondere des Freitagabends, es war ein ausgesprochenes Dorffest, wie es unsere Gemeindeväter und die mit ihnen zusammenarbeitenden Organisatoren geplant hatten. Während man am Samstag- und Sonntagabend recht oft auch allerlei andere Dialekte zu hören bekam, fand sich am Freitagabend vorwiegend die grosse Gemeindefamilie zusammen. Und wie diese Familie so schnell gewachsen ist, darüber konnte man nur staunen, denn da tauchten Gesichter auf, die man seit Jahren nicht mehr gesehen; viele Heimweh-Riehener waren gekommen, und manch freudiges Wiedersehen belebte den Abend.

Noch lange drehte sich die altmodische Rössli-Rytti zu den Klängen der herrlich quietschenden Orgel, die Schiffli-Schaukel wurde bis fast in den Himmel getrieben, und bei den Schiessbuden versuchten junge und alte Eidgenossen, ins Schwarze zu treffen. Noch drehten sich die Paare auf der grossen Tanzbühne vor dem Gemeindehaus zu den Klängen der «Hardwaldbuben» — aber so langsam spürte man doch die Kühle der ersten Septembernacht und so zog man sich mehr und mehr in die heimeligen Beizli zurück, in denen überall Hochstimmung herrschte. Manche hatten sich schon fest niedergelassen, sassen vor der dritten Wurst oder dem zweiten Fondue und mitten auf dem Tisch standen bereits reihenweise leere Flaschen, die von einem grossen Durst zeugten. Geld spielte an diesem Abend offenbar überhaupt keine Rolle, umso mehr, als die Organisatoren dafür gesorgt hatten, dass überall die gleichen, sehr volkstümlichen Preise verlangt wurden. — Und Musik gab es — in allen nur denkbaren Tonarten und Schattierungen, und je länger die Nacht dauerte, umso mehr überwogen die frei erfundenen, spontan komponierten Melodien in voller Lautstärke ...

Wer sich, wie der Schreibende, vorgenommen hatte, sich nirgends fest niederzulassen, sondern überall ein bisschen herumzuzigeunern, der musste sich vorsehen, wenn er mit heilen Knochen überall über die steilen Kellertreppen hinab- und wieder hinaufkommen wollte, denn je mehr der Uhrzeiger vorrückte, umso «familiärer» und vertraulicher wurden die Festenden. Ich ahnte gar nicht, mit wie vielen Menschen ich «per Du» sei und von wievielen alten Bekannten man zu einem kleinen Schlücklein eingeladen wurde. Wollte ich also meine «Tour d'horizon» durchführen, so war jetzt dringend ein Ablenkungsmanöver vonnöten. Die rettende Idee: Der Photo-Apparat! Zuerst musste man ein paarmal blitzen und einige Aufnahmen machen. So kam ich ohne allzu runde Füsse noch relativ gut durch ...

Inzwischen hatte die Turmuhr der alten Dorfkirche schon mehrmals geschlagen. Vermutlich war es bereits Samstag. Und kühl war es geworden. Da tat eine herlich-duftende heisse Gulaschsuppe auf dem «Känzeli» im Garten des Wettsteinhauses einen wohltuenden Dienst, ehe ich mich langsam vom Festrummel absetzte und von tausend frohen Eindrücken begleitet, auf den Heimweg machte.

«Unser Riehen» im Film
Beinahe hätten wir vergessen, über einen besonderen Akzent zu berichten, den die IGR (Interessengemeinschaft Riehen) auf das Jubiläumsfest in Form eines Farbfilmes gesetzt hatte. Der Streifen «Unser Riehen» fand für die Mitglieder der IGR schon vor dem Fest seine Ur-Aufführung und konnte dann am Freitag- und Samstagabend vor zahlreichen Zuschauern im Gemeindehaus mehrfach gezeigt werden. In leuchtenden Farben ersteht das Bild Riehens vor uns. Noch spürt man einen Hauch Landwirtschaft durch die Szenerie, doch dominieren prächtige Gärten und Parks, in denen alte behäbige Landhäuser stehen. Lauschige, alte Winkel unseres Dorfes wechseln mit imposanten Bildern aus dem aufstrebenden Riehen. Eingebettet in all diese Schönheit aber zeigt der Streifen in kurzen Ausschnitten Bilder aus Handel und Gewerbe, die in Riehen beheimatet sind. Gemeindepräsident G. Kaufmann meinte zu dem Film: «dass Riehen schön ist, das wussten wir, dass es s o schön ist, das wissen wir erst seit heute abend.» — Eigentlich schade, dass der Film ob allem Festtrubel nicht ganz die ihm gebührende Beachtung fand. — Was aber immerhin nachgeholt werden kann.

Tag der Riehener Jugend
Geschickt haben es die Organisatoren eingerichtet, dass sie zwischen den Auftakt mit dem fröhlichen Dorffest einen Verschnauf-Tag eingeschoben haben.

Der Samstag gehörte der Jugend Riehens, und wo wäre die Jugend lieber als bei Spiel und Sport. Ihnen war ein strahlender, sonnenüberfluteter Tag geschenkt, den der Berichterstatter in der «Riehener-Zeitung» ganz einfach eine Olympiade der Riehener Jugend nannte. Er hatte nicht so unrecht damit, wenn man bedenkt, dass sich nicht weniger als 1256 Buben und Mädchen an den vielfachen Wettkämpfen und Spielen des für sie unvergesslichen Tages beteiligten. Es ging an diesem Tag nicht darum, Rekorde zu erringen, sondern vielmehr darum, schon bei der Jugend die Freude an gesunder Bewegung wie auch den Spass an einem natürlichen Leistungswettbewerb zu wecken und zu fördern.

Eine frohe Abwechslung bot das Jubiläums-Ballonfliegen. Einzeln oder in Gruppen stiegen noch und noch die lustigen blauen Ballons hoch in die Luft und trugen, von einem kräftigen Westwind getrieben, die Grüsse vom Riehener Dorffest weit in die Welt hinaus.

Natürlich hatte die Gemeinde auch für das leibliche Wohl der Schüler und Schülerinnen gesorgt, und alle durften eine Erinnerungs-Medaille mit nach Hause tragen. So war denn der Samstag für unsere Jugend ein Fest, das sie nicht so schnell vergessen wird. Auch hier, wie bei den Erwachsenen, sehen wir den tieferen Sinn eines solchen Grossanlasses in der Stärkung des Gemeinschaftsbewusstseins, das wohl die Grundlage zur echten Verbundenheit mit der Heimat bildet.

Festgeschenke
Vergessen wir in unserem Bericht nicht, dass der Sporttag nicht die einzige Erinnerung an das Jubiläumsfest 1972 für die Riehener Jugend war. Vielmehr erhielten alle Schülerinnen und Schüler noch das prächtige Geschichtenbuch «Das Wenkenross», ein letztes Werk unseres bedeutenden Riehener Schriftstellers Hermann Schneider, treffend illustriert von Ernst Giese, ein bleibendes Andenken, an dem unsere Jugend Freude haben kann.

Wenn wir schon von Büchern reden, so darf in diesem Bericht auch das grosse Festgeschenk an die Riehener Bevölkerung nicht vergessen werden, wenngleich es zunächst mit dem Fest selber nur insofern einen Zusammenhang hatte, als die offiziellen Gäste das prachtvolle neue Geschichtswerk «RIEHEN — Geschichte eines Dorfes» geschenkt bekamen. Ein Geschenk an die Einwohner Riehens war es jedoch auch, denn der gediegene illustrierte Kunstband wurde allen Bewohnern des Dorfes zum Vorzugspreis von 25 Franken überlassen. Das Werk, geschrieben von sieben prominenten Autoren unter der Federführung von Professor Dr. Albert Bruckner, darf in seiner Art als einmalig bezeichnet werden. Bedeutende Kenner äusserten sich über seinen Inhalt, wie auch über die äussere Gestaltung mit grosser Hochachtung und zollten dem Werk hohes Lob. Mit diesem Band verfügt Riehen über eine umfassende Darstellung seiner Geschichte von der Ur- und Frühzeit über das Mittelalter bis in die Gegenwart, die aber auch das Bild der Landschaft, ihre Bauten und das kirchliche Leben miteinschliesst. Ein Werk, auf das wir Riehener stolz sein dürfen und wofür wir unsern weitsichtigen Behörden Dank schulden.

Die Legislative tagte
Das eben erwähnte neue Geschichtswerk lag auch auf den Pulten der am Samstagvormittag zu einer Festsitzung versammelten Mitglieder der Riehener Legislative, unseres Weiteren Gemeinderates. über diese festliche Sitzung berichtet eingehender Hans Krattiger, der über die verschiedensten besonderen Anlässe und Veranstaltungen des Jubiläumsjahres einen überblick gibt. Erwähnt sei hier nur, dass die festlich gekleideten Ratsmitglieder im blumengeschmückten Sitzungssaal, von mozärtlicher Musik berieselt, zwei wichtigen Krediten zustimmten: dem Kauf eines Areals im biindnerischen Riom zur Erstellung eines Koloniehauses für die Riehener Schuljugend und einem Beitrag von 50 000 Franken an die Patengemeinde Mutten (GR).

In seiner brillanten Festrede wies Ratspräsident Dr. Walter Fellmann auf die Tatsache hin, dass das immer wiederkehrende Bild von der lieben Mutter Basel, die das hilflose kleine Kind Riehen in ihre starken Arme aufgenommen und grossgezogen hat, recht fragwürdig sei. Für die schlauen Basler Ratsherren war der Kauf Riehens damals kein schlechtes Geschäft — und trotzdem verdanken wir Riehener jener klugen Handlungsweise, dass wir in einer — zumindest formell — autonomen Gemeinde leben und seit einer Vielzahl von Generationen die persönlichen Freiheitsrechte gemessen dürfen. Der Redner rief in Erinnerung, wie frühere Generationen Stück um Stück ihrer Rechte an die Stadt abtraten, ja sogar an eine Eingemeindung in Basel und damit an die Aufgabe jeglicher Selbständigkeit dachten. So wie sich die Gegebenheiten seit jenen Jahrzehnten grundlegend geändert haben, so gilt es nun heute wieder, besonders die Frage der Autonomie unserer Gemeinde grundlegend zu überprüfen, als selbständige Gemeinde das Bewusstsein der Eigenständigkeit zu fördern und im Rahmen der gesetzlichen und verfassungsrechtlichen Möglichkeiten um eine umfassendere Autonomie zu kämpfen. In freundnachbarlicher Weise, aber als gleichwertiges Glied in unserem Stadtkanton, wollen wir die unserer Gemeinde gestellten Aufgaben lösen, damit Riehen bleibt was es war und ist: eine wohnliche Siedlung, in welcher Menschlichkeit und Toleranz erstes Gebot jeder politischen Tat sein wird. — Mit dieser vom Rat mit grossem Beifall aufgenommenen Rede gab Ratspräsident Dr. W. Fellmann jenen Ton an, der auch in späteren Reden des Jubiläumsfestes sehr deutlich durchklang: Riehen wünscht vermehrte Autonomie.

* Nachdem der erste, offizielle Festakt über die Bühne gerollt, die erste Rede die erwartete Beachtung gefunden hatte, mögen da und dort an jenem warmen Samstagnachmittag die Festredner des Sonntags noch über ihrem Manuskript gesessen und vielleicht mehr geschwitzt haben als die Schuljugend, die sich auf der »Grendeli» tummelte und die Chefs der vielen Festbeizen, die sich auf einen grossen Rummel vorbereiteten und kaum genug Tranksame und Fressalien zuschleppen konnten. Sie hatten keine Fehlrechnung gemacht. Das schon früh wieder einsetzende Fest des Abends übertraf den Vortag an buntem Betrieb, vor allem an Zahl der anwesenden Gäste, und während man den Freitagabend noch als eigentliches Dorf fest bezeichnen konnte, glich der Samstag schon mehr einem Volksfest, das zwar an Fröhlichkeit und lauter Stimmung nicht hinter dem Vortag zurückblieb, wohl aber nicht mehr ganz die heimelige Note des ersten Abends aufwies.

Wieder wogte frohes Leben durch das verkehrsfrei gehaltene Dorfzentrum und ich beneidete meinen Bruder Samuel nicht, der es übernommen hatte, im «Blettli» über den ganzen Festbetrieb, vor allem aber über die 24 Beizli zu berichten, die die Riehener Vereine aufgebaut, hergerichtet und schliesslich auch vorbildlich betrieben haben. Wir zitieren hier — etwas gekürzt — seinen Festbericht aus der «Riehener-Zeitung» vom 8. September: 's isch eifach heerlig gsi!

«Die Riehener Vereine, das Festkomitee und nicht zuletzt die Behörden und ihre Bauverwaltung — ja sie waren es, welche zusammen eine immense Arbeitsleistung vollbracht haben, deren «Früchte» wir über das vergangene Wochenende ausgiebig gemessen durften. Dreiundzwanzig Vereine, Clubs, Gesellschaften haben mit ihren Beizli eine einmalige Ambiance geschaffen.

Da war einmal der Musikverein mit seiner Weingrotte im Prachtskeller der Baierschen Liegenschaft an der Rössligasse. Auf dem Platz davor bauten sie ihre «Laubhütte» ; wohl denkbar, dass bis all die grünen äste an Ort und Stelle waren, manch einer auch seinen Ast hatte. Vergessen wir nicht das ländlich dekorierte Speckstübli, das zu keiner Stunde über Mangel an diesem «Stoff», weder auf Tischen und Bänken zu klagen hatte. — Der FC Riehen hatte sein Zelt an der Gartengasse hin «geknillt». — Ein grosser Mond hing vor einer Milchbar im Krämergässli und schaute vergrämt dem munteren Treiben in der Bar und im «Posaunenschopf» zu, nur wenn die Mannen vom Posaunenchor ins Horn stiessen, blinzelte er ein wenig, als wollte er auch mittun. In einem gewölbten Kellerchen hinter der «Alten Post» traf sich der Velo-Moto-Club «Zum Endspurt» — so hiess ihr Beizli; wer den «Spurt» gewann, entzieht sich meiner Kenntnis. — Einträchtig sassen die Liebhaber handharmonischer Ziehklänge an der Ecke Webergässli/Rössligasse und schlotzten an verschiedenen Spezialitäten des Hauses. Fast wäre der Gemeindestubenverein vergessen geblieben, er hatte einige Hocker in seinen lustig zurechtgemachten Keller schlipfen lassen, damit seine Anhänger einmal nicht in der Stube hocken -— Entschuldigung — sitzen mussten. — Der Katholische Turnverein installierte seine Bank vor dem Verein — will sagen Bankverein. — Athletisch soll es auch im Turnerkeller am Erlensträsschen zugegangen sein, männiglich übte sich im «Heben», bis die Tannerschen Balken sich bogen. In den Katakomben von Riehen unter dem alten Gemeindehaus verscheuchte die «Chropf-Clique» im «Sumpfstübli» mit ihren aparten «Chröttli» sämtliche Schnooge und Spinnbubbele. — Dem Männerchor seine Beiz war viel besser als ihr fantasieloser Name, wirklich geschickt gestaltet und sehr gut geführt im Wittwerschen Hinterhof und -haus, an der Schmiedgasse 8. Achtbarer Betrieb herrschte während der ganzen Zeit, jedoch gesungen wurde selten, die Sänger waren zuviel beschäftigt mit Blasen. — Ver-kopp-elt mit dem Gemeindehaus, diesmal dem Neuen, unterhielt der Handharmonikaclub Riehen eine «Filiale, ihr «sydig verschleyerets Gmeindrotsstübli». —■ Warum die CVJM-Turner ihr lustiges Beizli im malerischen Hof der Gebrüder N. und J. Wenk ausgerechnet «Gifthüttli» nannten? Sie bezogen ihre Ware doch aus gutem Hause. — Für den Erfolg eines Lokales bürgte nicht der Meier, aber der Bürgenmeier resp. der Mandolinenclub Riehen. Von Früh bis «Späth» im «Frühmess-Stübli» sass er, der Club und seine Anhänger! — Was ist wohl alles geschmiedet worden in der «Alten Schmitti» bei den Turnerinnen, dort im Hofe hinter Bell und Wetzel . . . man sah so einige «fremde Fetzel»! — D'Räblys Rieche nennt sich eine Fasnachtsclique und ihren Saftladen «Hafenkneippe»; haben die denn immer mit den Wellen zu kämpfen? — Die Pizza aus der «Pizzeria Amicitia» soll schmackhaft wie ihr Fussballspiel gewesen sein. — Ebenso wie die beiden vorgenannten Clubs hat der Liederkranz Riehen seine «Giggishans-Beiz» auf dem Parkplatz hinter dem Gemeindehaus aufgestellt. Dem Liederkranz gebührt ein besonderer Kranz, nicht nur weil er ein zweites Lokal, die «Wettsteingrotte» an der Baselstrasse 23 unterhielt, sondern vor allem, weil sein Präsident Hans Keil auch Präsident des OK und eine «Düse», also die treibende Kraft war. Ohne die Leistungen aller zu schmälern, scheint mir der Einsatz des OK-Präsidenten entscheidend am Erfolg des Volksfestes zu sein. — «Zur Moosquelle», Absteigquartier der bemoosten TVR-Mitglieder, die sich heute vorwiegend in Kehlkopfgymnastik üben und deren Nationalhymne «Die alten Strassen» heisst. Warum denn nicht — gemütlich sei es auch dort gewesen und den Schafhirten im Park hat es in keiner Weise gestört.

Der Tennis-Club Riehen, auf seinem «Känzeli» im Wettsteinpark, installierte sich — seinem Mitgliederbeitrag entsprechend — am höchsten. Das Süppchen, das er sich und andern Gästen einbrockte, soll aber sehr schmackhaft gewesen sein. — Dann gab es noch den «Disco-Keller» — es war nicht nötig hinabzusteigen, die Phons vernahm man 30 Meter gegen den Föhn. — An der Baselstrasse gegenüber diesem «Disco» sassen noch tiefer die Riehener Jodler in ihrem «Chäs-Chäller». Kinder, die können aber nicht nur jodeln, gurgeln und Käse «schmuure», da installierten Fachleute, Spengler und dr Schälle-Urs persönlich. — Zum Schlüsse meines Beizlirundganges habe ich mir das meiner Ansicht nach schönste und wertvollste Lokal vorbehalten, «Patronehülsli» nannte es sich und wurde von der Schützengesellschaft Riehen bewirtschaftet. In jahrelanger Arbeit hatte Hans Schultheiss-Wenk in seiner Liegenschaft an der Schmiedgasse 30 Tenn und Stallungen im ehemaligen Bauernhaus zu einem — ich möchte fast sagen — zweiten Heimatmuseum ausgebaut. Es ist hier nicht der Platz, um dieses Bijou, das er seinen Vereinskameraden zu verschiedensten Anlässen zur Verfügung stellt, richtig zu würdigen, der Andrang zum «Patronehülsli» sprach für sich.» — Soweit der «Beizli-Bericht» von Sam.

Während sich langsam der frühe Sonntagmorgen ankündigte, wurden auch im tiefsten Keller die Gäste seltener. Auf ihrem Heimweg trafen sie die Gemeindearbeiter, die schon früh für eine saubere «Stube» sorgten, und so sah es denn im Dorf wieder recht ordentlich aus, als sich die ersten Besucher zum Festgottesdienst im Freien auf der Wiese neben dem Gemeindehaus einfanden. Der frühe Sonntag glich eher einem kühlen Novembermorgen, denn unter stark verhängtem Himmel wagte sich die Morgenhelle nur zaghaft aus den nächtlichnebligen Schatten ans Tageslicht. Aber die Riehener waren Optimisten. Die Sonne wird schon noch kommen.

Die Glocken der drei Riehener Kirchen hatten zum Festgottesdienst eingeladen, und eine stattliche Schar Gemeindeglieder versammelte sich im Kreis um das kleine, schlichte Podium, von dem aus die beiden Pfarrer Grusswort und Botschaft weitergaben. Der Posaunenchor Riehen begleitete das Lied: «Nun danket alle Gott», mit dem die versammelte Gemeinde ihrem Dank gegenüber Gott, dem Schöpfer, Ausdruck verlieh. In heimeligem Baseldeutsch legte zunächst Pfarrer Theo Schubert (ev.) ein Wort aus dem Philipperbrief (3, 20) aus, wobei es ihm ausgezeichnet gelang zu zeigen, wie das alte Bibelwort auch in der heutigen Zeit noch seine Gültigkeit hat. Vor 2000 Jahren schon ging es, wie heute, um die Frage des rechten Zusammenlebens, des Füreinander-Daseins. Basel und Riehen, zwei Gemeinwesen mit bewegter Geschichte in langer Zeit. Leben bedeutet Wandel. Wir stehen selber im Wandel drin, wir wandeln uns. Wir versuchen, eine neue, grössere Einheit zu verwirklichen. Jesus hat uns den Weg gewiesen; eine Gemeinschaft, in der sich möglichst viele wohl fühlen. Heute und morgen geht es darum: Füreinander da sein in Achtung und Liebe.

Vom tiefsten Sinn des Menschseins, von dem, was den Menschen erst wirklich zum Menschen macht, sprach in seiner Predigt der katholische Geistliche, Pfr. Franz Kuhn. In einer Zeit, da sich die Menschen gern und leicht loskaufen wollen von jeglicher Verantwortung, brauchen wir heute «Menschen mit Herz», die im Kleinen bei sich anfangen und die für ihre Mitmenschen auch Zeit haben. Nicht was wir mit Geld tun, zählt, wohl aber eine aus christlicher Verantwortung gewachsene Haltung dem Mitmenschen, vor allem dem Kleinen und Schwachen gegenüber. Solche Haltung, solches Denken entsteht dort, wo wir uns mit Gott beschäftigen, nach ihm fragen.

Ein Stück echter Oekumene begegnete uns in diesem Festgottesdienst und der frische Gesang des Liedes «Grosser Gott, wir loben dich» zeigte, dass das gehörte Wort auf guten Boden gefallen war.

Zwar konnte ob den wertvollen Worten beim Festgottesdienst das Herz warm werden — derweilen aber wurden die Beine auf der feuchten Wiese langsam kühl und gar nicht ungern begab man sich darum wieder unter ein Dach, nämlich in den grossen, festlich geschmückten Dorfsaal zum offiziellen Festakt, der vom Trio Stradivarius (Harry Goldenberg, Violine ; Hermann Friedrich, Viola; Jean-Paul Guéneux, Cello) mit zwei Sätzen aus der D-DurSonate von Ludwig van Beethoven eröffnet wurde.

Dem Gemeindepräsidenten Gerhard Kaufmann oblag es nun, im Namen der jubilierenden Gemeinde Riehen die zahlreichen Gäste willkommen zu heissen. Er begrüsste den Präsidenten des Grossen Rates, Dr. Hans-Rudolf Schmid, Regierungsrats-Präsident Franz Hauser, dessen Kollegen Dr. Edmund Wyss und Arnold Schneider, ferner die «Riehener» Regierungsräte Max Wullschleger und Eugen Keller, dann die in Riehen beheimateten Eidg. Räte, Ständerat Dr. Willy Wenk und Nationalrat Prof. Dr. Peter Dürrenmatt, die Riehener Behördenvertreter, alt Gemeindepräsident Wolfgang Wenk, Delegierte der Bürgergemeinde Basel, den Bettinger Gemeinderat mit Präsident Willy Müller an der Spitze, dann Vertretungen der Nachbargemeinden Weil, Lörrach, Inzlingen, Grenzach und Birsfelden, die Vertreter der Kirchen, Anstalten und Heime, die Lehrerschaft, zahlreiche Chefbeamte, die Presse- und Radio-Leute und alle Mitbürgerinnen und Mitbürger Riehens, die sich zum Fest eingefunden hatten. Die Frage nach der Stellung und Aufgabe der Gemeinde im Stadtstaat nahm Präsident Kaufmann zum Ausgangspunkt seiner kurzen Begrüssungsansprache. Er ging aus von dem überall deutlich spürbaren Verlangen, sich als Individuum von der Masse abzusetzen, sich einer überblickbaren Gemeinschaft einzuordnen. Das Streben nach menschlich erfassbaren Einheiten wird sichtbar in quartierweisen Zusammenschlüssen oder auch in den Kirchgemeinden. Die Existenz der beiden Gemeinden Bettingen und Riehen trägt dazu bei, unsern Kanton Basel-Stadt überblickbar zu machen, und damit ist die Stadt der Aufgabe enthoben, die undankbare Rolle einer Gross-Stadt spielen zu müssen. Sie kann mit Hilfe der Landgemeinden besser eine menschliche Stadt sein. Damit aber Riehen seine Aufgabe recht tun kann, braucht es eine erhöhte Bewegungsfreiheit. Der Ruf nach vermehrter Kompetenz entspringt, so betonte der Präsident weiter, nicht einer überheblichkeit seitens der Gemeinde, sondern der überzeugung, dass Riehen in der Lage und bereit ist, gewisse Aufgaben neu zu übernehmen. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass es schon im Jubiläumsjahr 1972 zum Dialog zwischen Riehen und Basel kommen wird. Präsident Kaufmann dankte allen Gästen, die gekommen waren mit Riehen zu feiern und sich über die Gemeinsamkeiten zu freuen, die uns verbinden. Die vergangenen 450 Jahre unter dem Baselstab haben für Riehen einen glücklichen Verlauf genommen, möge das auch an kommenden Jubiläen noch so gesagt werden können. Mit diesen Worten beschloss Riehens Gemeindepräsident seine Grussworte.

Basels Regierungspräsident spricht zum «Landvolk»

Natürlich liess sich die Basler Regierung die Ehre nicht nehmen, den Regierungspräsidenten zu diesem grossen Festtag nach Riehen zu delegieren. Begleitet vom Standesweibel in den Baslerfarben, betrat Regierungspräsident Franz Hauser das Rednerpult. Wir meinen, es lohne sich, die mit feinem Humor, aber auch mit leichter Ironie durchzogene Rede des «Bürgermeisters von Basel» im Wortlaut hier festzuhalten.

«Liebe Festgemeinde, Selten genug hat ein Regierungsrat die Gelegenheit, wieder einmal zu seinem «Landvolk» zu reden. Wir danken den Gemeindebehörden von Riehen dafür, dass sie uns diese Möglichkeit heute verschafft hat. Lassen Sie mich kurz untersuchen, wie Basel zu Riehen kam.

Wohl die beste «Investition«, die die Stadt Basel je getätigt hat, dürfte der Kauf Riehens um 6000 Gulden und gegen gleichzeitige Rückgabe des unter zweifelhaften Umständen besetzten Schlosses Pfeffingen an den Bischof zu Basel im Juli 1522 gewesen sein; neun Jahre, nachdem auch die Bettinger auf diese Weise Basler (und Schweizer) geworden waren.

Waren bei diesem Handel vielleicht auch strategische Rücksichten (Riehen als Abschluss des Wiesentals) ausschlaggebend, so kam doch gleichzeitig eine stattliche Bauerngemeinde in Basler Besitz. Die Riehener hatten die von den Römern in die Gegend gebrachte Rebe und Kirsehe beharrlich weitergepflegt, wobei der «Schlipfer» laut dem späteren Landvogt Johann Rudolf Wettstein damals unter die vorzüglichsten Weine gehörte; und bis heute wird die schweizerische Kirschenernte in Riehen eröffnet.

22 Landvögte verwalteten bis 1798 die Obervogtei Riehen, die wegen ihrer stadtnahen Lage besonders geschätzt wurde. So konnte der Obervogt, der gleichzeitig Mitglied des Kleinen Rates sein musste, seinen Wohnsitz in der Stadt behalten. Im Gegensatz dazu zog es aber viele Basler Herren aufs Land hinaus, weil in Riehen von den Städtern keine Grundsteuern erhoben werden durften. Von dieser Freiheit wurde von unsern sparsamen Ahnen so fleissig Gebrauch gemacht, dass der Rat schon hundert Jahre später (1628) verfügte, die Basler dürften keine Güter mehr in Riehen kaufen. Offensichtlich war dieses Verbot nicht sehr wirksam, wie die grosse Zahl der stattlichen Landsitze bezeugt, die danach gebaut worden sind.

Die Basler waren nicht nur Landherren. Sie pflegten auch lange den schönen Brauch, für Riehemer Kinder die Patenschaft zu übernehmen, was auf herzliche Beziehungen schliessen lässt. Einer der berühmtesten «Götti» dürfte dabei sicher der geniale Mathematiker Leonhard Euler aus dem Riehemer Pfarrhaus gewesen sein.

Schliesslich sorgten die Basler und die Eidgenossen auch für militärischen Schutz in Kriegszeiten, die die Gemeinde immer unbeschadet hinter sich bringen konnte.

Zu untersuchen ist auch, wie Riehen von der Stadt aus erschlossen wurde.

Von grosser Bedeutung war für die Stadt aber auch das Wasser. Schon 1493 hatte sie «im Moos» ein städtisches Wasserwerk errichtet, das immerhin bis 1954 die Kleinbasler mit Trinkwasser versah. Eine stete Sorge für die Riehemer bedeuteten die immer wiederkehrenden überschwemmungen der Wiese, die zu einer derartigen finanziellen Belastung der Gemeinde wurden, dass sie schliesslich 1891 um die Eingemeindung des Dorfes in die Stadt bat (wie Kleinhüningen zwei Jahre später). Zum Glück (für Riehen) trat Basel nicht darauf ein, sondern übernahm bloss den Unterhalt der Wiesenufer und leitete mit Bundeshilfe 1896 eine Flusskorrektion ein, an der auch dem vom Wiesenwasser abhängigen Kleinbasier Gewerbe sehr gelegen war.

Die Erschliessung auf dem Schienenweg überliess die Stadt vorerst wohlweislich der Wiesentalbahn, die für die Strecke Lörrach—Basel mehr als 10 Jahre Bauzeit benötigte (Eröffnung 1862), nicht zuletzt darum, weil sie wegen den übertriebenen Forderungen der Land- und Hauseigentümer mehrmals ans Bundesgericht gelangen musste.

Ein erstes Projekt einer Trambahnlinie wurde vom Regierungsrat aus Angst vor einem möglichen Defizit zuerst abgelehnt, 1905 vom Grossen Rat aber dennoch bewilligt, wobei ein Mitglied des Büros gestand, er sei noch nie in Riehen gewesen und hätte gar nicht gewusst, wie schön die Gegend sei, 1892 kamen die ersten Telefonverbindungen aus der Stadt zustande und 1901 wurde Riehen ans elektrische Beleuchtungsnetz der Stadt angeschlossen.

In der Gegenwart soll nun festgehalten werden, was Riehen den Baslern heute bedeutet.

Nahezu ein Drittel der Oberfläche des Kantons ist Riehemer Boden. Dieser bildet für die landarme Stadt eine Landreserve, die nun nicht mehr für Landsitze verwendet wird, sondern vielen Familien dauernden Wohnsitz bietet. Wahrscheinlich hat das Wappenzeichen der «Edlen zu Rieheim», die sechs Bausteine auf blauem Grund, nie so gut zu Riehen gepasst, wie während des nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzenden Baubooms. Obwohl seit 1949 mit 10 000 Einwohnern «stadtwürdig», will die Gemeinde dennoch ein Dorf bleiben. Erstaunlicherweise gelingt ihr das auch, nicht zuletzt wohl, weil sie von der Industrialisierung verschont geblieben ist. Deshalb ist Riehen für die Städter auch bevorzugtes Erholungsgebiet geblieben, wozu die gepflegten Spazierwege durch Feld und Wald einladen. Selbst in kultureller Hinsicht kann es dem «verschleckten»» Stadtbasier Hervorragendes bieten: Die von der «Kunst in Riehen» veranstalteten Konzerte haben bereits eine Tradition geschaffen, und seit einiger Zeit ist sogar das Radiosinfonieorchester hier heimisch geworden. Auch die beiden kürzlich eröffneten Museen im geschmackvoll renovierten Wettsteinhaus lohnen durchaus einen Abstecher.

Die Basler sind den Riehemern gegenüber äusserst grosszügig. Ein politisches Kuriosum ist in diesem Zusammenhang erwähnenswert: Während die Riehemer auf ihre Autonomie in vielen Gemeindefragen beharren (und sie sogar auszubauen wünschen), dürfen die aus Riehen delegierten Grossräte munter über eigentliche städtische Probleme mitbestimmen. Dass wir Stadtbasier das tolerieren, zeigt, wie sehr wir auf unsere schöne Landgemeinde stolz sind.

Nun wünschen Behörden und Volk von Basel den Behörden und dem Volk von Riehen zu ihrem Festtag alles Gute und sind überzeugt, dass die sehr enge und friedliche Zusammenarbeit in späteren Jahrzehnten erneut gefeiert werden kann.»

«Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft», meinte zum Abschluss seiner Rede Regierungspräsident Hauser und gab bekannt, dass die Regierung beschlossen habe, den wertvollen OriginalSiegfried-Plan von Riehen aus dem Jahre 1826 der Gemeinde zu schenken. Dieser Plan diene zwar nicht mehr als Orientierungsplan für heutige Touristen (!), denn er ist im alten Baslermaß (Baslerfuss) gezeichnet worden. Er ist so gross, dass ihn der Gemeindepräsident nicht persönlich in Empfang nehmen konnte. Präsident Kaufmann dankte herzlich dafür und freut sich darüber, dass mit diesem Plan die «Karlskrone Riehens» wieder ins Dorf zurückkehre.

Die regierungsrätliche Rede wurde, wie schon die Begrüssungsworte des Gemeindepräsidenten, mit lebhaftem Beifall aufgenommen.

Noch einmal durfte man einen Satz aus Beethovens D-Dur-Sonate hören, und nun war man gespannt auf die eigentliche Festansprache von Nationalrat Prof. Dr. h. c. Peter Dürrenmatt Leider erlaubt es der Rahmen des Jahrbuches nicht, die bedeutungsvolle Rede im Wortlaut wiederzugeben. So müssen wir versuchen, einige der wichtigsten Gedanken hier kurz zusammenzufassen.

Unsern historischen Feiern hafte leicht der Geruch an, sie seien nur eine Flucht aus der Gegenwart in eine idealisierte Vergangenheit. Tatsächlich aber kamen unsere historischen Feiern ja erst im 19. Jahrhundert auf, in einer Zeit, die man zwar nicht als eine heile Welt bezeichnen konnte, in der jedoch die Begriffe Zukunft und Vergangenheit keine unüberbrückbaren Gegensätze gebildet haben, sondern in ihrer Einheit den Willen verkörperten, die Gegenwart zu meistern. Die Vereinigung Riehens mit Basel war kein «heldisches Ereignis», vielmehr war das, was sich damals abspielte von banaler Nüchternheit. Trotzdem zeitigte das damalige Geschehen bedeutende Folgen, die sich bis in unsere Gegenwart auswirken. Wäre Riehen markgräflich und später badisch geworden, so hätte die Geschichte unseres Dorfes eine völlig andere Wendung genommen. So war darum der Kauf durch die Stadt zur Schicksalsfrage Riehens geworden. Dringlicher aber sei, so meinte der Redner, die Frage nach dem Stand der Dinge unseres Dorfes in der Gegenwart. Statistisch betrachtet sind wir längst kein Dorf mehr, wir sind eine Stadt geworden. Dieser Wandel vom bäuerlichen Dorf zum grossen Vorort der Stadt Basel verändert Struktur und Charakter des Dorfes. Es besteht die Gefahr, zur Schlafstadt zu werden, in der es zwei Sorten Riehener gibt, solche, die von der Stadt her geprägt sind und diejenigen, die sich mit dem Dorf noch ganz verbunden wissen. Von daher drängt sich die Frage auf, wie denn Charakter und selbständiges Wesen einer modernen Vorortsgemeinde beschaffen sein müsse, also die Frage nach dem Selbstverständnis. Damit aber stiess auch Professor Dürrenmatt auf das Problem der autonomen Kompetenzen unseres Dorfes. Er möchte, so meinte er, den Gemeindevätern keineswegs ins Handwerk pfuschen, möchte aber Anteil nehmen am Wachstumsproblem Riehens, weshalb ihm wichtig erscheint, das Bewusstsein der Einheit des vielgestaltigen Dorfes zu fördern. Das ist dringlich, damit Riehen nicht zur Schlafstadt absinkt und damit nur zu einer administrativen Einheit des Kantons wird. Riehen muss sich fragen, wie und wieweit es auch in Zukunft als politische Einheit handeln und auftreten kann. Das heisst in der Realität, die Kompetenzausscheidungen zwischen Riehen und Basel müssen neu überdacht und formuliert werden.

Die Ansätze zu grösserer Gemeindeautonomie sind vorhanden, jedoch müssen auch die finanziellen Realitäten in Rechnung gestellt werden. Dürrenmatt veranschaulicht das Problem, indem er zwei Extreme aufzeigt. Die völlige Autonomie mit eigener Schul-, Polizei-, Feuerwehrund Steuerautonomie einerseits und anderseits die Gefahr der Resignation und Akzeptierung des gegenwärtigen Zustandes einer nur scheinbaren Gemeindeautonomie. Sicher müsse die Lösung in der Mitte, mit einem gesunden Kompromiss gesucht werden. Das Konzept, zu dem wir uns bekennen, so führte Dürrenmatt aus, ist das Konzept der gegliederten Einheit.

Das darf nicht mit Zentralisation verwechselt werden. Er sieht die Schaffung von Quartiervereinen und den Einbau der Quartiere in das Wahlverfahren für ebenso wichtig an, wie auch für die bauliche und planerische Zukunft ein ähnliches Verfahren möglich wäre. Die verschiedenen Aufgaben, die das Erholungs- und Freizeitproblem für unsere Gemeinde stellt, sind Aufgaben einer Gemeinde, deren Sinn es nicht sein kann, nur Erholungszentrum der Stadt zu werden. Die Struktur der Schweiz baut sich von unten nach oben auf. Kantone und Gemeinde stehen jedoch vor so grossen finanziellen Problemen, dass sie in Gefahr sind, zu resignieren und dem Bund die Verantwortung und Finanzierung zu überlassen. Wir werden mit der drohenden Wachstumskrise nur fertig, wenn immer wieder aktive Minderheiten bereit sind, Zeit und Kraft für das öffentliche Wohl einzusetzen. Riehens Probleme sind in den letzten 450 Jahren nicht kleiner geworden. Uns Heutigen ist aufgetragen, die Fragen und Probleme der Gegenwart zu meistern, dass sie in der Zukunft Bestand haben.

Unser Riehener Mitbürger Peter Dürrenmatt schloss seine tiefschürfende Rede mit dem Satz: «Die Zukunft hat noch nie jenen gehört, die den Kopf hängen liessen. »

Apéro — Bankett — Geschenke
Der vom Gemeinderat offerierte Apéro im Gemeindehaus gab Gelegenheit zu lebhaftem Gedankenaustausch, wofür die eben erlebte Feier Stoff in Hülle und Fülle bot. Doch bald war es Zeit, auch den hungrigen Magen zu seinem Recht kommen zu lassen und Meister Albert Egli vom Landgasthof liess die Jubiläumsgäste wahrlich nicht zu kurz kommen.

Nach rassigen Klängen des Musikvereins Riehen gab Tafelmajor Max Ott das Wort an Gemeindepräsident Willy Müller von Bettingen.

Ohne Neid, aber mit Bewunderung haben die Bettinger den imponierenden Aufstieg Riehens miterlebt. Die Riehener Gemeindebehörden haben die damit verbundenen grossen Aufgaben mit Bravour gemeistert. Riehen hat nicht nur seinen Dorfgeist, seine unverwechselbare Ambiance zu bewahren gewusst, sondern sich auch durch eine bewundernswerte Assimilationskraft ausgezeichnet. Bettingen freut sich, beim Anvisieren von Aufgaben da und dort der grossen Schwestergemeinde Schützenhilfe leisten zu dürfen. Mit einem Dokument aus der Jahrhundertwende belegte nun Bettingens Gemeindeoberhaupt, dass Riehen seine Selbständigkeit der Hartnäckigkeit der Bettinger verdanke.

Mit leisem Schmunzeln verwies Präsident Müller auf die Tatsache, das der Gemeinderat von Riehen im Jahre 1899 bereit gewesen wäre, seine Selbständigkeit an Basel zu verschachern, wenn nicht die Bettinger einen gleichlautenden Entschluss auf die «gesegnete lange Bank« gesetzt und mit dieser Verzögerung für beide Gemeinden einen falschen Entscheid verhindert hätten. Die Bettinger beanspruchen deswegen keine Lorbeeren, meinte Präsident Müller, vielmehr freuen sie sich mit den Riehenern über das gute, freundnachbarliche Verhältnis der beiden Schwestergemeinden. — Mit einem prächtigen Gemälde von Christoph Iselin, das Präsident G. Kaufmann herzlich verdankte, gratulierte Willy Müller den Riehenern zu ihrem grossen Fest.

Den Reigen der Gratulationen nahm im Namen aller umliegenden badischen Gemeinden Oberbürgermeister Otto Boll von Weil a. Rh. wieder auf und überbrachte die herzlichen Grüsse der Nachbargemeinden enet der Grenzpfähle. Er betonte die guten nachbarlichen Beziehungen. verhehlte jedoch nicht die Trübungen, die wegen der noch nicht bereinigten Fragen um die Zollfreistrasse entstanden sind. Mit beidseitigem guten Willen und einiger Opferbereitschaft wird sich aber auch diese Frage lösen lassen. — Ein wertvolles Geschenk in Form eines kolorierten alten Stiches aus dem Jahre 1870, das Panorama von St. Chrischona aus darstellend, durfte die Gemeinde Riehen von den Grenznachbarn entgegennehmen. Der Präsident der Bürgerkorporation, Theo Seckinger, beschenkte die Gemeinde mit einer Glasmalerei von R. Wild, die daran erinnern soll, dass Riehen als erste Gemeinde einer Frau Sitz in der Bürgergemeinde eingeräumt hat.

Zuletzt erschien ein «Geist aus dem Jenseits» in Gestalt des Bischofs Christoph von Basel, der seinerzeit das Dörflein für 6000 Gulden an die Stadt verschacherte. In lustiger Versform berichtete er, wie das damals zu- und herging und wie er seither von den «Wolkenbänklein im Himmel« herab beobachte, was da unten geschehe. Ein damals vergessenes Geschenk bringe er nun vom Himmel mit. Damit packte Gemeinderat E. Feigenwinter, denn niemand anders als er konnte auf diese köstliche Idee kommen, zwei glitzernde «Bürgermeister-Ketten» aus, die er den Präsidenten der beiden Räte Riehens unter grossem Beifall der Festversammlung, um den Hals hängte, in der Hoffnung, diese Insignien würden ihnen bei den Autonomieverhandlungen mit der Stadt vermehrte Autorität verleihen ...

Während man im grossen Dorfsaal noch fröhlich festete, hatte sich an der Burgstrasse bereits der Festzug aufgestellt, und fast etwas überstürzt mussten manche Bankettteilnehmer vom gemütlichen Beisammensein aufbrechen, um ihren Platz im Festzug noch richtig einnehmen zu können.

Kann man heutzutage überhaupt noch einen historischen Festumzug durchführen? So haben sich viele Riehener gefragt. Ja, man kann, sagte der Obmann des Festzuges, und so übergab man ihm diesen nicht leichten Auftrag. Lassen wir den Festzug aus der Erinnerung an uns vorbeiziehen. Dicht umsäumt von Besuchern aus nah und fern waren die Strassen, durch die der Umzug geplant war: Von der Burgstrasse aus durch die Bettingerstrasse, dann Baselstrasse, Schmiedgasse, Webergässlein, Rössligasse, Wendelinsgasse, Bahnhofstrasse und zurück zur Burgstrasse.

An der Spitze ritten hoch zu Ross die Ritter Rudolf von Usenberg, von Wasserstelz, Kuonrad de Rieheim, die Ritter von Inzlingen, von Hackberg und von Reichenstein. Ob die getragenen barocken Uniformen ganz zu den mittelalterlichen Rittern aus der Umgebung Riehens passten, darf man wohl leise anzweifeln. Bunt und imponierend waren sie gewiss. Zur Spitzengruppe gehörte selbstverständlich der Musikverein Riehen, der mit rassiger Marschmusik den Zug anführte. Nun folgte Gruppe um Gruppe. Da kamen die kirchlichen Würdenträger jener Zeit mit Bischof Christoph von Basel, der seinerzeit das «grosse Geschäft» abgeschlossen hatte, begleitet vom Abt Wülflinger von Wettingen und der äbtissin von Säckingen; ihnen folgte die Heilige von St. Chrischona mit einer Schar von Chorknaben.

Den vom «Giggishans» begleiteten Bürgermeister Wettstein mit seiner Gemahlin hätten wir uns allerdings anders vorgestellt. Schwer zu glauben, dass damals Basel und Riehen von solch bartlosem Jüngling regiert worden sei! Hübsch sahen die beiden trotzdem aus ... Zwischen dieser Gruppe und dem fahnenschwingenden, die Riehener Behörden anführenden Dorfweibel, sorgte der Musikverein Kleinbasel wieder für zügige Marschmusik. Natürlich gehörte auch der Basler Regierungsrat mit dem Ratsweibel in seiner stolzen Uniform, ferner Delegationen von Behörden und zahlreiche Ehrengäste mit in den farbenfrohen Umzug. Wohltuend echt und bodenständig waren die Trachtengruppen, denen sich historische Persönlichkeiten aus Riehens Geschichte anschlössen, wie etwa der berühmte Mathematiker Leonhard Euler, der sich mit dem sagenumwobenen Graf Alessandro Cagliostro zusammen (vermutlich nur dies eine Mal!), in einer Kutsche durchs Dorf fahren liess.

In weinroten Ratsherren-Kostümen marschierten 12 Tambouren und 19 Pfeifer der « Lälli-Clique» vorbei. Musik für die Ohren rechter Basler. Sie waren begleitet von historisch gekleideten Bannerträgern und Ehrendamen und gefolgt von der reizenden Schwarzwälder Trachtengruppe vom Lörracher Hebelbund. — Grosse Lacherfolge erzielte die Riehener Feuerwehr, angeführt von einem gut nachgeahmten Feuerwehr-Hauptmann und gefolgt von seinen Mannen in alten Uniformen und mit noch älteren Requisiten. Die alten Schlauchwagen und Handpumpen bildeten einen starken Kontrast zur nachfolgenden Feuerwache mit ihren modernen Fahrzeugen. Es folgten die Turner mit Fahnen und Füllhörnern, und vor den nun anmarschierenden Schützengesellschaften in ältesten Militäruniformen ruessten vier geharnischte Tambouren. Zu dieser Gruppe gehörte auch die Fasnachtsclique «Sans Gêne» in ihren StänzlerUniformen mit dem roten Pompon auf dem Käppi.

Wenn wir schon von Uniformen aller Schattierungen sprechen, so erinnern wir uns auch daran, wie schön und heiss die Sonne vom strahlend blauen Himmel auf das festliche Dorf schien und eine Wärme ausbreitete, die sich besonders unter den dicken Uniformen in ununterbrochen rinnende Schweissbächlein verwandelt haben muss. Die marschierenden und musizierenden Umzugsteilnehmer waren deswegen nicht gerade zu beneiden! Aber der spontane Beifall und die Freude der dichten Zuschauerscharen mögen sie von den Schweissbächlein abgelenkt haben. Besonders die Jugend, die in hellen Scharen — vom Kleinkind auf Vaters Schultern bis zu den «Langhaarigen» — gut vertreten war, zeigte eine sichtliche Freude an dem färben- und musikfreudigen Umzug. Trotz der «Druggete» ging es überall recht friedlich zu. Man hatte ja Zeit, denn zwischen den einzelnen Gruppen im Umzug gab es ab und zu kleinere Pausen, die zum Platzwechseln genutzt werden konnten.

Wieder hörten wir Musik. Angeführt von historischen Bannerträgern, begleitet von Ehrendamen, kam der stattliche Harst der Musiker des Handharmonika-Clubs Riehen, gefolgt von einem mit herrlichem Obst beladenen Wagen. Vom einstigen Bauerndorf zeugten die Dingleute und Rebbauern in Arbeitskleidungen ihrer Zeit. Zu den letzten Gruppen des langen Umzuges gehörten der Jodlerclub Riehen und der Handharmonikaverein «Eintracht», der mit rassigen Märschen den langsam müde werdenden Zug anspornte; mit Requisiten von «anno dazumal» kamen Mitglieder des Veloclubs Riehen angefahren und schliesslich bildete die «Chropf-Clique» Riehen, deren Mitglieder sich in alte Riechemer-Buure verwandelt hatten, den Schluss des bunten Festzuges, in dem der Wilhelm Teil mit seiner Familie natürlich auch nicht fehlen durfte.

Nähmen wir die Bilder der Gruppen und Grüppchen zusammen in ein Buch, so würden die Helgen all der Gestalten, der Ritter und Würdenträger, der Bauern, Jäger, Feuerwehrleute, der Musikanten und Sportler, der älpler, Fahnen- und Geisseischwinger, der weissen Ehrendamen und der schwarzen «Offiziellen», ein lustig-buntes Bilderbuch, jedoch keine geschlossene geschichtliche Dokumentation ergeben. Aber was tut's! Wir haben ja jetzt in Riehen unsere neue Dorfgeschichte und da war es keineswegs tragisch, wenn in diesem Umzugs-Bilderbuch dies und jenes historisch etwas daneben ging. Schön und farbig, heiss und durstig war es trotzdem, man hatte seinen Spass und seine Freude daran und für die Löschung des grossen Durstes war ringsum reichlich gesorgt, denn nun nahm das genüssliche Festen nochmals seinen Lauf.

A propos Dorfgeschichte. Da hatte Peter Wyss vom Radio Basel, der eine originelle Reportage über Funk durchgab, die Idee, einzelne Festbesucher zu fragen, wie Riehen zu Basel kam. Die wenigsten wussten eine rechte Antwort, aber einer meinte, er werde nun das neue Buch von Riehen lesen, dann wisse er es auch! — Vielleicht haben es in der Zwischenzeit einige gelesen und wissen es nun auch . ..

Die junge Generation aber wird einst im Jahre 2022 erzählen und sagen: «Weisch no sällmol, anne zweiesibzig, säll isch halt doch no e glatt Fescht gsyü»

Zu den schönsten Gruppen des Festzuges gehörten fünf Reiter, die den ehemals zu Riehen begüterten Adel darstellen sollten — in farbenfrohen Uniformen, die ein Basler Kostümverleih für «mittelalterlich» hielt.

Nicht weit von ihnen folgte die Basler Regierung mit dem Standesweibel den Riehener Behörden.

Wie farbenfroh schon das alte Riehen einherging, verstand die Trachtengruppe aufs glücklichste zu demonstrieren.

Besonders markant das Ehepaar Emil und Julia Feiner-Wiederkehr in ihren schönen Trachten.

Beim Riehener Fest durften auch Professor Leonhard Euler und der berühmt-berüchtigte Abenteurer und Pseudo-Graf Cagliostro Bekanntschaft machen. Wir sehen sie Seite an Seite in der gleichen Kutsche.

Tambouren und historischer Bannerträger führen die Delegation der Schützengesellschaft an.

Auch die Riehener Feuerwehr zeigte ein Stück ihrer bewegten Vergangenheit.

Bilder aus dem bäuerlichen Alltag des Dorfes zeigten Rebbauern und Dingleute in zeitgenössischem Gewand.

«Freiwillige» des Veloclubs demonstrierten die Freuden und Leiden des Velofahrers im vorigen Jahrhundert.

Müde vom Fest kehren Vater und Tochter nach Hause zurück. Die «Denkende» am Gemeindehaus schaut sinnend auf das bunte Treiben.

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