1970

Die Kirchenburg Riehen

François Maurer

Die Entwicklung eines «Dorjkerns» in früh- und hochmittelalterlicher Zeit François Maurer Das am Ausgang des Wiesentals, vor den Toren der Stadt Basel gelegene Dorf Riehen verfügte bis 1835 über einen burgähnlichen Kirchenbezirk. Er umfaßte — teilweise noch heute erhalten — nebst der Pfarrkirche St. Martin vor allem Keller und Speicher (seit dem 13. Jahrhundert genannt, anfänglich einzeln vom damaligen Patronatsherrn, dem Kloster Wettingen, an Bauern des Dorfes ausgemietet, einige Keller im Besitz des Domstiftes), sowie — etwas abgesondert — einen Meierhof.

Die nachweisbaren spät- oder nachmittelalterlichen Veränderungen größeren Umfangs (Abb. 1) gingen zunächst von der Kirche aus. Die Verbreiterung des einfachen Absidensaals des 14. Jahrhunderts gegen Süden hin (1694) verursachte den bizarren Grundriß des Speichers beim östlichen Eingang, forderte den Neubau des Gefängnisses (1697) und vermutlich des Wachthauses und wirkte sich gewiß auch auf die Speicherreihe auf der Südseite aus (nach 1835 sind sämtliche Gebäude der Süd-und Ostseite abgebrochen worden). Für unseren Zusammenhang sind außerdem zwei Wohngebäude des späten 18. Jahrhunderts auf dem Gebiet des Meierhofs (zum Teil scheinen diese den Lauf der Friedhofsmauer beeinflußt zu haben) und mehrere im Graben stehende Schöpfe wegzudenken.

Die Deutung der ältesten in der Kirche ausgegrabenen Grundmauern, deren Kenntnis dem Scharfsinn von R. Laur-Belart zu verdanken ist, erscheint angesichts der prekären Fundumstände als ein Wagnis. Es handelt sich um eine einzelne Mauer, die sich schräg durch ein Fundament der späteren Kirche zieht, aber doch über das älteste Bodenniveau herausragt (ohne deutlich damit verbunden zu sein) (Abb. 2 a). Man müßte sie fraglos ein «Mißgeschick» des späteren Architekten und nicht überrest einer ersten Kirche nennen, ließen sich nicht außerhalb des Grabenbereiches achsengleiche Gebäude oder Mauern feststellen: die Sakristei (Abb. 2 b, heute im Aufgehenden nachreformatorisch) und die Nordwestpartie der am Friedhof stehenden Gebäude, das sogenannte «Klösterli» (Nordhälfte) und die Rückwand des Schopfes zwischen Meierhof und Kirche. Mehrere datierbare Teile bezeugen eine intensive Bautätigkeit vom Ende des 10. bis tief ins 11. Jahrhundert: Ein neuerer Durchbruch erwies eine Kellermauer im «Klösterli» als zum 11. Jahrhundert gehörig (gleichmäßig gelegte Bruchsteine von mittlerer Größe, Abb. 2 c) ; eine rundbogige Kellertüre ebendort (Abb. 2 d) zeigt Steinproportionen und Meißeltechnik wohl der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts, befindet sich aber kaum mehr in situ; ein in der Nordostecke des «Klösterli» eingelassener Schmiegenkämpfer mit dem Anfang eines Bruchsteinbogens fügt sich ins späte 10., vielleicht ins frühe 11. Jahrhundert (Abb. 2e; die Mauertechnik ähnelt jener des ersten Turms zu St. Peter in Basel) ; ein im anstoßenden Schopf vermauerter Torbogen aus großen würfeligen Quadern (Abb. 2 f) kommt stilistisch den Arka den der zweiten Kirche nahe (spätestens erstes Drittel 11. Jahrhundert, siehe unten).

Diese ältesten Reste verbinden sich weder zu einem hofähnlichen, geschlossenen Mauer- oder Gebäudekranz (Befund an der Nordostecke des «Klösterli») noch zu einem flankierenden Klostergeviert, sondern zu Einzelbauten, die im rechten Winkel zueinander, allenfalls im Viereck standen. Das Lückenlose einer Aachener Pfalz oder eines St. Galler Klosterplanes, beide bezeichnend für die erste Hälfte des 9. Jahrhunderts, ist preisgegeben. Ein strenges Plannetz ist als selbstverständlich vorausgesetzt; doch anders als in Tilleda oder im Werla des 10. Jahrhunderts gereicht dies in Riehen weniger den Freiräumen als der annähernden Gleichwertigkeit der Einzelgebäude zum Vorteil, ein Merkmal, das möglicherweise — falls die großen kunsthistorischen Entwicklungslinien nicht trügen — Riehen als später entstanden kennzeichnet (vgl. unten). — Das Vorhandensein mindestens zweier größerer Steingebäude läßt neben den kirchlichen Institutionen ein weltliches Element dorfgenossenschaftlicher oder — eher herrschaftlicher Art vermuten; man darf vielleicht an einen (königlichen?) Herrenhof mit Eigenkirche, d. h. an eine «curtis» denken.

Ein versuchsweise ins Zentrum der ältesten Kirchenfundamente gelegtes Achsenkreuz schneidet im Norden und im Süden in etwa gleicher Entfernung den Graben der Kirchenburg. Darauf und auf das Beispiel des karolingischen Dombezirks zu Hamburg gestützt, könnte man sich bereits zum frühesten bekannten «Dorfkern» einen wohl nachträglich, etwa im Gefolge der Ungarennot hinzugefügten Ringwall aus Holz und Erde vorstellen. Das seit dem 13. Jahrhundert nachzuweisende Recht der Riehener Bauern auf Keller und Speicher im Kirchhof ginge in diesem Falle auf Regelungen zurück, wie sie ähnlich Heinrich I. für große Fluchtburgen getroffen hatte.

An sich wäre die hochmittelalterliche Gestalt der Kirchenburg als allmähliche irrationale Angleichung von frühmittelalterlichem Häusergeviert und Erdwall verständlich. Die Abdrehung der Achse beim zweiten Kirchenbau, dem Glanzstück der Entdeckungen von R. Laur-Belart und H. Reinhardt, deutet aber auf eine Neuplanung, den bewußten Versuch, die ältere Ordnung, die in mehreren Gebäuden weiterlebte, zu überwinden (Abb. 7). Die in Riehen bereits vertraute latente Selbständigkeit des einzelnen Bauwerks konzentriert sich dadurch auf ein Hauptgebäude, d. h. die Kirche, die plastisch gesteigert, gleichsam individuiert erscheint. Die Form der Kirche selbst bestätigt dies und er leichtert zugleich das Verständnis des stilgeschichtlichen Aspektes (Abb. 3). Kurze, von einem Arkadenpaar unterteilte Kreuzarme verliehen dem gestreckten Hauptraum eine ausbalancierte Zentrierung. Obschon die Quadratur des Grundrisses deutlicher hervortrat, als ursprünglich angenommen (die Apsis war, wenn sie überhaupt der ersten Fassung des Baues angehört, eingezogen), verkörperte sie sich nur an ausgesuchter Stelle, d. h. an der Vierung, und auch dort vermutlich in vertikal abgestufter Intensität (falls Querbogen und Vierungsturm vorhanden waren).

Die Suche nach zeitnahen Parallelen — zunächst im burgundischschwäbischen Grenzbereich, dem auch Riehen bis 1002/1033 angehörte — verdeutlicht das Besondere der Riehener Synthese von Zentralund Longitudinalbau. Das 1693 abgebrochene, wohl frühestens im zweiten Drittel des 10. Jahrhunderts errichtete St. Peter in Beromünster (Abb. 5) bot sich äußerlich als reiner Kreuzbau mit vier gleichbemessenen Armen und Mittelturm dar. Den ausgegrabenen Fundamentresten zufolge waren jedoch Nord- und Südarm von der Vierung abgeschnürt, West- und Ostarm dagegen in ganzer Breite geöffnet; die überaus streng zentrierte Addition der Kuben löste sich inwendig in einen Längsraum mit überhöhter Mitte und kreuzweise beigeordneten Flügelräumen auf. Wenn im größer dimensionierten zweiten St. Martin zu Ilanz Zwischenstützen die öffnungen der Kreuzarme halbierten und deren Tiefe im Vergleich zur Vierung verringert war, strafft sich die Verknüpfung mit der Riehener Kirche vollends.

Die nur in ihren Fundamenten erhaltene Untere Kirche von Sursee (Abb. 4) entfernt sich weiterhin vom statischen Kreuzgrundriß. Die Querarme münden wie der langgestreckte Hauptarm jeweils in eine eingezogene Apsis, d. h. der Eigenwert der Annexe ist — gemessen an Riehen und Beromünster — gehoben (noch deutlicher, falls man wie in Riehen und Ilanz eine Verbindung mittels Zwillingsarkaden annimmt); man könnte von einer Parallelordnung der drei Räume sprechen, enthielte nicht der Aufriß wie in Riehen unter anderm manche Möglichkeiten, die Vierung auszuzeichnen. Im ganzen muten die einheitliche Instrumentierung und die ausgeglichenen Proportionen, die alles evident Additive meiden, stilistisch jünger an als Riehen. Da zudem die Untere Kirche von Sursee dem Ende der Entwicklungsreihe «St. Patroklus zu Soest (vor 965, Apsiden auf gleicher Höhe) — St. Pantaleon in Köln (Neukonzeption nach einem Einsturz im Jahre 966, annexhafte, gegen Westen hin verschobene Kreuzflügel) — Kathedrale von Vieh (Weihe 1038, nahezu gleichgewichtige Verteilung der Räume auf der Grundlage einer ausgereiften Quadratur)» nahe ist, ergibt sich aus dieser Sicht für die zweite Riehener Kirche ein Terminus ante quem «um 1030».

Daß die nächste Verwandte der zweiten Riehener Kirche sich im sächsischen Werla findet — die ins 10. Jahrhundert datierte Pfalzkapelle (Abb. 6) —, mag zunächst auf einen Zusammenhang mit der großen Politik deuten: Die Nachfolgeprobleme des burgundischen Königreiches zu Beginn des 2. Jahrtausends wirkten sich besonders auf Basel aus, waren unter anderm gekennzeichnet durch das kaiserlich geförderte Engagement des Bischofs Adalbero (II., 999—1025) im Breisgau; vielleicht darf man aber auch an den Basler Bischof Landeslaus erinnern, der 961 für Otto d. Gr. Mauritiusreliquien nach Magdeburg gebracht hat. Ob die um eine Nuance gedrungeneren Grundrißproportionen — nahezu einziger Unterschied — für die Pfalzkapelle Werla ein früheres Datum rechtfertigen, ist mangels datierter Beispiele vorderhand kaum zu entscheiden, es sei denn, man betrachte die zwischen 962 und 981 gebaute Burgkapelle von Libitz in Mähren, die stämmigere Proportionen mit altertümlich akzentuierter Querrichtung und Gliederung verbindet, als ältestes näher verwandtes Beispiel des Typus «Riehen.»

Wenn H. Herzog als formale Merkmale der ottonischen Stadt unter anderm Ballungserscheinungen, Einbeziehung der Vertikalen und darauf beruhende Gruppierung hervorhebt, so erscheint es nach der obigen überschau gestattet, Kirchen- und Siedlungsbau als Teile derselben Stilentwicklung zu verstehen und die Jahrtausendwende als Höhepunkt eines allgemeinen Prozesses zu erkennen, der die plastische Materie zu flächen- und raumbeherrschenden «Kernen» zu verdichten, ja zu kristallisieren strebt.

Mit der Drehung der Kirchenachse hatte es in Riehen nicht sein Bewenden. Mehrere Anzeichen sprechen für eine planmäßige Anpassung der Nachbargebäude an die neue Leitlinie (Abb. 7). Die nordöstliche Partie der Umfassungsmauer (samt daran gebauten Kellern und Speichern) endete an dieser Längsachse und bildete mit dieser einen Winkel von 60°; eine einstige Entsprechung gegen Südosten hin ist zumindest wahrscheinlich und setzt die Absicht voraus, die Kirche in einen festen Gebäude- oder Mauerring einzuschließen. So spiegeln sich auch die Häuserzeile vor der Westfassade der Kirche, deren nördliche Hälfte zur Zeit der Erbauung der zweiten Kirche schon bestand, und — wenn auch nur grosso modo — Nord- und Südtrakt um die Leitlinie. Dem unregelmäßigen Sechseck dieses Ganzen ist ein reguläres einzuschreiben, das die beiden genannten Schnittpunkte mit den Spitzen seiner Längsachse berührt, mit einer Seite der nordöstlichen Häuserzeile folgt und seine Mitte im Zentrum der Kirchenvierung hat. Die Verwendung mindestens zweier älterer Kirchhofgebäude verlieh dieser Planung eine irrationale, wachstumshafte Note und vor allem die Gelegenheit, in Analogie zum Kirchenbau eine Basis- und eine Kopfzone auszubilden, d. h. die Zuordnung zum «Kern» der Anlage — der Kirche — unlöslich zu differenzieren. — Unmittelbar datierende Bauteile fehlen; die Schließung der Lücke zwischen dem «Klösterli» und dem Gebäude bei Tor f (Abb. 2) hängt wohl mit dem Bau des Gebäuderinges zusammen, die Entstehungszeit ist aber an Hand der Mauertechnik nur ungenau mit «11. Jahrhundert» zu fassen.

In eigentümlicher Weise ist der nördlich von der Kirche unmittelbar außerhalb des Kirchhofpolygons, aber innerhalb des Grabens liegende «Meierhof» einbezogen (Abb. 7b) : Zwar treffen zwei Querachsen des Planhexagons auf die näher liegenden Ecken des «Meierhofs», dessen Grundfläche als Ganzes ist aber abgewinkelt, was als Wiederholung des beim Neubau der Kirche angewendeten Prinzips einer teilweisen Loslösung zu verstehen sein dürfte.

Eine weitere Variante führt das jenseits des Grabens stehende Pfarrhaus vor (Abb. 7 e) : Dessen älteste feststellbare Grundflächenmitte liegt in der Längsachse der Kirche, wiederum ohne daß der Baukörper darauf ausgerichtet wäre. Die Abstufung des Verhältnisses zur Kirche erscheint sinngemäß und läßt auf einheitlichen Entwurf schließen.

Das Pfarrhaus hat alle sonstigen Spuren seines Anfangs eingebüßt; der «Meierhof» hingegen bewahrt, abgesehen von einigen leicht kenntlichen Umbauten des 17. und frühen 20. Jahrhunderts, bedeutende Reste seines Urzustandes; er umfaßte mindestens 4 hohe Geschosse von zusammen ca. 15 m Höhe; sorgfältig gehauene Quader verstärken seine Ecken; seine Mauern waren größtenteils geschlossen; gegen Westen öffneten sich hochgelegene Scharten, gegen Süden und Osten im ersten Stock kleine Rundbogenfenster unbekannter Zahl. Die gedrungenen Proportionen, die einfache kantige Profilierung und die Bearbeitungstechnik des einen vollständigen Fensters erinnern an gewisse Arkadenformen der Krypta von St. Leonhard zu Basel, gehören also wahrscheinlich frühestens dem zweiten Drittel des 11. Jahrhunderts an. Das Gebäude entsandte — bündig mit seiner Südwand — eine Mauer gegen Westen und einen Bogen gegen Osten (Abb. 7 c).

Im Laufe des 11. Jahrhunderts, frühestens während des zweiten Drittels, erlangte die Riehener Kirchenburg also etwa folgende Gestalt: Um eine seit etwa einem halben Jahrhundert bestehende Kreuzkirche legte sich ein streng der Kirchenlängsachse zugeordnetes, komplex regelmäßiges Polygon von gemeinschaftlichen ökonomiegebäuden, die zugleich, durch einen Graben verstärkt, als Befestigung dienten ; dazu gesellten sich in nuancenreicher formaler und funktioneller Abhängigkeit das Haus des Leutpriesters und — noch innerhalb des Grabens — ein Wehr- und Wohnturm, nahezu eines Dynasten würdig.

Es mangelt nicht an verwandten Dorf- oder Burganlagen, doch scheint deren genauere Datierung kaum je möglich gewesen zu sein. So ist man auf den teilweise hinkenden Vergleich mit großen Städten angewiesen. Erstmals in Speyer schimmert ein verwandtes Gestaltungsprinzip durch. Das riesenhafte, auf den Dom abgestimmte Vieleck des Immunitätsbezirkes (dem sich westwärts Teile der Stadt anschließen) kann frühestens um 1030 konzipiert sein; seine Ausführung dürfte sich aber den Unregelmäßigkeiten und der langwierigen Baugeschichte des Doms gemäß hingezogen haben; letzte Etappe war wohl die triumphale Straße, die von Westen her axial zur Kathedrale führte. Auch in Würzburg, das mit dem Fünfeck seiner Stadtmauer die Speyrische Lösung von allem Empirischen befreite, gleichsam auskristallisierte, mag die Anlage der axialen Brücke und Straße — wahrscheinlich im zweiten Viertel des 12. Jahrhunderts — den Abschluß dargestellt haben. Da in Riehen das fortschrittlichste Element der skizzierten Entwicklung, die räumliche Ausgestaltung der Hauptachse, bereits keimhaft vorgebildet war, kommt für seine Entstehung, die an Hand der Einzelheiten nicht vor dem mittleren Drittel des 11. Jahrhunderts möglich erscheint, am ehesten das letzte Viertel dieses Jahrhunderts in Frage.

Einige geschichtliche überlegungen scheinen das Problem zu präzisieren. Seit alters war der Basler Bischof Grundherr. Das Schwarzwaldkloster St. Blasien, das mit der Jahrzeit seines Stifters Reginbert jene des Basler Bischofs Theoderich (1040—1056) feierte und spätestens seit 1113 in Riehen begütert war, ließ sich von 1157 an das Patronatsrecht bestätigen, doch treten 1238 die von Osenberg, Schenken des Basler Bischofs, als Mitbesitzer bzw. Verkäufer auf. Sie entledigten sich damals nebst reichen Besitzes in Höllstein und Inzlingen auch des Meierhofes in Riehen. Ihre Rolle in Basels nördlicher Nachbarschaft und vor allem in Riehen — zur Diözese Konstanz und dem Herzogtum Schwaben gehörig — scheint demgemäß einstmals bedeutend gewesen zu sein. Seit 1095 sind sie als Zeugen im Gefolge des Basler Bischofs nachzuweisen. Während des Investiturstreites, der hierzulande nach der Wahl Rudolfs von Rheinfelden zum Gegenkönig bis zu dessen Tod besonders heftig wütete (1077—1080) und mithin angesichts der oben erwogenen Daten in erster Linie die Riehener Befestigung veranlaßt haben könnte, gehörten sie also zum Lager des Basler Bischofs Burchard von Fenis (1072—1107), eines militanten Anhängers Heinrich IV.

In der Tat könnte man sich das Verhältnis von Kirche und Herrenhaus in Riehen, nuancierter Ausdruck einer Symbiose, als Antwort an Gegner Heinrichs IV. vorstellen. Erinnert man sich außerdem daran, daß Bischof Burchard als Erbauer von Basler Stadtmauern bezeugt ist, erscheinen die obigen Vergleiche des dörflichen Riehens mit Stadtanlagen um einen weitern Grad sinnvoller. Eine Diskussion über den sehr umstrittenen Verlauf der Burchardschen Stadtbefestigung würde den Rahmen der vorliegenden Skizze sprengen, doch schon grundsätzlich darf die Riehener Wehranlage als eine Art «Modell» für die kunsthistorische Seite des Problems gelten.

Aus «Provincialia, Festschrift für Rudolf Laur-Belart», Schwabe & Co. Verlag Basel!Stuttgart 1968 S. 603 ff. mit freundlicher Genehmigung des Verlages. Die Anmerkungen sind im Einverständnis mit dem Autor weggelassen; wir verweisen den interessierten Leser auf den Originalbeitrag. Die Redaktion
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