1969

Zum Gedenken an Hans Renk

Eduard Wirz

«Wolken und Wind, Gottes sind. Ruder und Steuer, um in den Hafen zu kommen, sind euer.» Mit diesem alt-holländischen Verslein schloß Hans Renk seine Abschiedsworte vor der Lehrerschaft und der Inspektion, als er am Jahresende 1965 von der Schule Abschied nahm. Ruder und Steuer sind dem Unvergeßlichen am 3. September 1969, nach menschlichem Ermessen viel zu früh, entrissen worden. Ruder und Steuer, — ja, auf einer frohen Schiffahrt auf einem Rheinkahn, nach Straßburg, lernte ich Hans Renk kennen. Zwei wunderselige Tage gingen wir den Schönheiten der elsässischen Hauptstadt nach. Und das Jahr darauf, 1933, hielt Hans Renk, der Dreißigjährige, im Burgstraßeschulhaus seine Probelektion. Ich freute mich, daß der junge Freund zu uns kam. Woher kam er, was trug er in seinem Schulsack mit sich? Hans Renk, Bürger von Riehen, brachte ein Düftlein von jenseits des Gotthards, ja vom Ausland mit sich. Er wurde als Sohn eines Bundesbahnbeamten in Chiasso geboren, und Zeit seines Lebens ist er mit Freunden aus seinen Tessiner Jahren verbunden geblieben. Nach der Rückkehr in die Heimat besuchte er die Obere Realschule in Basel und widmete sich dann dem Studium der französischen Sprache und der Geschichte, und nach dem Mittellehrerexamen wirkte er von 1927 bis 1933 an der Schweizer Schule in Mailand. Er nahm lebhaften Anteil an der Entwicklung der Schweizer Kolonie und blieb mit seiner Schule und mit der italienischen Sprache und Kultur stets verbunden. Was brachte der junge Kollege sonst noch mit? Ein fröhliches, warmes Herz. Er war ein guter Mensch, den man schätzen lernte, den man lieb haben mußte. Nach der Eröffnung des Hebelschulhauses nahm er von seinen Kollegen an der Burgstraße Abschied und unterrichtete und erzog am neuen Ort die Schüler, die in ihm einen ausgezeichneten Lehrer fanden. Als Schulhausvorsteher leitete er mit Hingabe und viel Takt das Schifflein. Er sah und suchte bei Erwachsenen, bei Eltern und Kindern stets das Gute.

Die Behörden waren wohl beraten, als sie ihn zum Nachfolger von Rektor Dr. H. Stricker wählten. Seine Qualitäten als Lehrer waren anerkannt, und daß ein Riehener seine Schule kannte und sie im großen Betrieb des Basler Schulwesens vertreten konnte, hoffte und wußte man und sah es auch bestätigt. 1957 ist Hans Renk als erster Landschulrektor angetreten. Was an äußern großen Ereignissen unter ihm geschah, sagte der Präsident der Schulkommission, Herr Kobelt, anläßlich seines Rücktrittes: «Der Bau des Wasserstelzenschulhauses. Es galt damals, gegen die kantonalen Intentionen, das Hebelschulhaus und seine Umgebung als abgerundeten Schulkomplex in seiner ursprünglichen Form zu erhalten. Renk setzte im neuen Bau die Einbeziehung einer großzügigen Aula durch, um so über die Bedürfnisse der Schule hinaus dem .unteren' Quartier Riehens ein Veranstaltungslokal für öffentliche Anlässe zu geben. Er setzte sich mit unvergleichlichem Mut für das Lernschwimmbecken ein, für das erste in der ganzen Gegend überhaupt. Hans Renk hat in aller Stille auch die Voraussetzungen geschaffen für den Bau weiterer Schulhäuser in Bettingen und im .oberen' Dorfteil, wobei ihm wiederum seine guten Beziehungen zu den Gemeinde- und Kantonsbehörden zugute kamen.»

Was sagten seine Kollegen von ihm? «Immer war es der Mensch, der bei ihm im Mittelpunkt stand, das Herz, das den Ausschlag bei Entscheidungen gab, als Kollege und Vorgesetzter gleichermaßen ein gütiger und milder Freund und Helfer.» Und er selbst?: «Wenn ihm etwa der Vorwurf allzu großer Toleranz und Milde gemacht worden sei, so nehme er dies gerne auf sich, denn das Menschliche sei ihm allezeit an erster Stelle gestanden.»

Ende 1965 trat Hans Renk überraschend für seine Kollegen wie für die öffentlichkeit von seinem Amt zurück. Das jahrelange Bangen um seine kranke Gattin und deren Verlust neben der Bürde des Amtes hatten Hans Renk irgendwie aufgezehrt. Der Schwergeprüfte konnte die Last nicht mehr tragen. Daß er in der Folge neuen Mut, neue Lebenslust fand, freute alle, nicht nur seine Kollegen. Er unternahm Reisen, bis in den fernsten Süden, bis nach Prag und vor allem nach seinem geliebten Italien, wo er gerne den Spuren der Etrusker nachging. Oh, er konnte von seinen Reisen und Entdeckungen erzählen! Eine Stunde mit ihm bedeutete eine Feststunde.

Obwohl sein Amt in der Schule voll ausgefüllt war, stellte sich Hans Renk doch der öffentlichkeit vielfach zur Verfügung. Von 1951 bis 1962 war er Mitglied des Gemeinderates und des Bürgerrates. Ihm wurde zuerst der Unterhalt der gemeindeeigenen Liegenschaften übertragen, dann betreute er mit viel Hingabe soziale und kulturelle Aufgaben. Er war später und zum Teil bis zu seinem Hinschied in verschiedenen Institutionen tätig. So amtete er als Vertreter Riehens in der staatlichen Heimatschutzkommission und als Präsident der Gemeindebibliothek, die ihm sehr am Herzen lag. In unserem Jahrbuch führte er mit größter Gewissenhaftigkeit die Riehener Chronik und baute sie zu einem eigentlichen Nachschlagewerk für Geschichtsfreunde und -forscher aus. Die Feldschützen übertrugen ihm, dem beliebten Offizier, während mehrerer Jahre das Präsidentenamt. — Die italienische Regierung verlieh Hans Renk die «Stella della Solidarietà Italiana» mit dem Titel Commendatore. Das bedeutete eine Anerkennung für seine tätige Hilfe bei der Ausbildung der Kinder unserer Gastarbeiter aus dem Süden.

Jäh ist der Lebensfaden unseres Freundes und Mitbürgers abgeschnitten worden für alle, die ihm nahe standen, für sein Dorf in seinem ganzen Bereich, um das er sich verdient gemacht hat. Er hat sein Pfund aufs beste verwaltet. Wir trauern um ihn und werden sein Bild lebendig in uns bewahren. Er war ein wahrhaft lieber, guter Mensch. Seinen Angehörigen, seinem Sohn, seiner Tochter entbieten wir unser herzliches Beileid.

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