1967

Ernst Lais-Wanner

Albert Schudel

Am 30. Mai 1967 wurde ein Riehener Bürger zur letzten Ruhe gebettet, dem unser Dorf und manche seiner Bewohner viel zu verdanken haben: Ernst Lais-Wanner. Riehen verliert in ihm einen Mann von außergewöhnlichem Format, der seine hervorragenden beruflichen und menschlichen Qualitäten wohl und weise anzuwenden wußte und so seiner Gemeinde, seiner Firma, vor allem aber seinen Angehörigen und vielen Freunden unschätzbare Dienste leistete. Der Name Ernst Lais wird allen, die ihn etwas näher kennenlernen durften, in lebendiger, unvergeßlicher Erinnerung bleiben.

Es war im Sommer 1896, als den Ehegatten Jakob und Lydia Lais Stump in Riehen ein munterer Knabe geschenkt wurde. Der aufgeweckte Junge ging noch in die letzte Primarklasse am Erlensträßchen zur Schule, als ganz unerwartet sein Vater im Alter von erst 45 Jahren starb. Mit doppelter Liebe betreute und leitete die gütige Mutter ihren einzigen Sohn und verstand es, ihm eine solide, von christlichen Grundsätzen getragene Erziehung zu vermitteln, eine Erziehung, die ihre reifen Früchte tragen durfte. überdurchschnittlich begabt, durfte Ernst als «Stadtschüler» die damalige Untere und Obere Realschule (heutiges MNG) besuchen, mußte dann aber gegen seinen Willen kurz vor der Maturität aus wirtschaftlichen Gründen die Schule aufgeben und eine Banklehre antreten. Die Weiche war gestellt, und mit Energie und Zielstrebigkeit arbeitete sich der junge Lais in die vielfältigen Aufgaben des Bankfaches ein. Ernst Lais war schon als junger Mann gewohnt, keine Halbheiten zu dulden, was ihm in seinem späteren Leben und ganz besonders in seiner erfolgreichen beruflichen Karriere immer wieder zustatten kam. Nach erfolgreichem Abschluß seiner Lehrzeit zog es den jungen Mann ins Welschland nach Genf, wo er nicht nur die französische Sprache in Wort und Schrift erlernte, sondern sich auf seinem Fach wertvolle berufliche Kenntnisse aneignen konnte. Dort erwachte auch seine Liebe zu den Bergen, die ihn je und je anzogen. Im Kreise der Bergkameraden durfte Ernst Lais viele schöne, unvergeßliche Stunden verbringen; die am Seil geschlossenen Freundschaften hielten stand, als er die Kletterschuhe und den Eispickel schon lange nicht mehr benutzen konnte. Dem jungen Bankangestellten war klar, daß er nebst der französischen auch der englischen Sprache bedurfte, um allen Anforderungen des Berufes zu genügen. So treffen wir ihn denn Mitte der zwanziger Jahre in London, wo er wieder Sprachstudien und berufliche Weiterbildung miteinander zu verbinden verstand.

Nach Basel zurückgekehrt, fand der tüchtige Bankfachmann bald einen Posten bei der Schweiz. Bankgesellschaft, die die fachlichen und menschlichen Qualitäten des 28jährigen erkannte und ihn schon bald zum Prokuristen ernannte. Der lebendige Betrieb der Börse hatte ihn stets interessiert, kein Wunder, daß er in späteren Jahren zum Präsidenten der Basler Börsenkommission ernannt wurde. Trotzdem er als Vizedirektor der Bankgesellschaft einen verantwortungsvollen Posten bekleidete, bevorzugte der initiative Fachmann einen Ruf an die Spitze des bekannten Bankhauses La Roche & Co. in Basel, wo er 1950 Teilhaber des Unternehmens wurde und damit in die Reihen der selbständigen Bankiers trat.

Mit seinem Heimatdorf fühlte sich Ernst Lais immer eng verbunden. Das war auch der Grund, weshalb er sich schon 1933 in den Weiteren Gemeinderat wählen ließ, dem er in der Folge bis 1955 als prominentes Mitglied angehörte; wenn Lais votierte, war es immer wohlbegründet, und er fand selbst bei seinen politischen Gegenspielern ernsthafte Beachtung. In den schweren Jahren von 1936 bis 1940 präsidierte er in sicherer und überlegener Weise das Riehener Parlament. Vor allem in Finanz- und Steuerfragen, aber auch bei der Regelung der Pensionsverhältnisse der Gemeindebeamten leistete er wertvolle Dienste.

All die vielfältigen Aufgaben brachten es mit sich, daß Ernst Lais erst 1937 an die Gründung eines eigenen Hausstandes denken konnte. In Helene Wanner fand er eine treue, liebenswürdige Gattin, die ihm im Laufe der Jahre drei Söhne schenkte, die es verstand, den Vielbeanspruchten in kluger und feiner Weise zu begleiten und zu ergänzen. Während die Söhne heranwuchsen, wurde das schöne elterliche Heim am Grenzacherweg 7 zu klein, und so wurde der prachtvolle Sitz «Uff em Schellenberg» an der Wenkenhofstraße erworben und aufs schönste ausgebaut.

Nachdem im Jahre 1964 sich erste warnende Anzeichen einer geschwächten Gesundheit bemerkbar machten, zog sich Ernst Lais aus dem aktiven Geschäftsleben zurück und durfte noch einige glückliche Jahre wohlverdienten Ruhestandes genießen, bis ihn vor wenigen Wochen eine schwere Erkrankung befiel, von der er sich trotz aller Bemühungen der ärzte und Schwestern unseres Spitals nicht mehr erholen konnte. Am 30. Mai wurde er aus diesem Leben abberufen.

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